Die zweite Ausgabe von Appleseed XIII kopiert mühelos das Erfolgsrezept von klassischen Fortsetzungen. Man verändert wenig und macht alles so wie bisher, nur bei weitem besser.
Die fünfte Folge stellt für die gesamte Serie eine Ausnahme dar. Die ES.W.A.T. wird von vampirähnlichen Bioroiden angegriffen und nachdem auch Deunan von den blutsaugenden Infizierten gebissen wurde, scheint die Situation völlig aus dem Ruder zu laufen. Das zuständige Animationsstudio Dandelion bestätigt im Zusatzmaterial die Anlehnung an den Gothic-Horror und wollte bewusst vom ursprünglichen Science-Fiction-Szenario abweichen. Die restlichen drei Episoden orientieren sich wieder an der bisherigen inhaltlichen, sowie der erzählerischen Struktur. Das heißt, dass die Unterstützung und Verteidigung von Olympus wieder oberste Priorität hat. Das Aufgabenfeld der ES.W.A.T. ist wieder sehr vielfältig gestreut und reicht von der Eskortierung eines ranghohen Botschafters (gewisse Komplikationen sind natürlich vorprogrammiert) bis hin zur Abwehr eines feindlichen Luftangriffs. Die menschliche Befreiungsfront ist abermals mit von der Partien, ist dabei aber nicht mehr ganz so präsent, wie in den ersten Folgen. Im Charakter Deunan regen sich derweil Zweifel.
Zwei Schicksale
Diese Zweifel lassen Fragen in ihm aufkommen, ob Olympus vielleicht doch nicht das wunderschöne Fleckchen Erden sei, auf dem jeder Mensch glücklich und in Gerechtigkeit leben kann. Zusätzlich wird sie noch von ihrer verhängnisvollen Vergangenheit geplagt. Ihrem verhassten und verstorbenen Vater hat sie es zu verdanken, dass sie zu der unerbittlichen Kämpferin geschult wurde, die sie heute sein muss. Auch der Hintergrund von Briareos wird ein wenig weiter – wenn auch nicht gerade befriedigend – ausgeleuchtet und wir erfahren, weshalb ein überwiegender Teil seines Körpers gegen maschinelle Einzelteile ausgetauscht werden musste. Derlei Informationen wurden dem Zuschauer bisher vorenthalten. Bis jetzt standen die beiden angesprochenen Charaktere nahezu vollständig allein im Mittelpunkt der Serie. Deunans Freundin Dianeira, die zwar schon in den vorherigen Folgen mitgemischt hat, aber erst jetzt eine für Appleseed-Verhältnisse überdurchschnittliche Tiefe bekommt, sorgt endlich für Abwechslung im Geschehen. Wir können ohne unnötig zu spoilern verraten, dass ihr eine prächtige Charakterentwicklung widerfährt und die letzte Folge auf der Disc mit einem bösem Cliffhanger endet, der auf jeden Fall Lust auf mehr macht.
Neues Zusatzmaterial
Neben Trailern zu weiteren Eigenproduktionen und den Interviews der unterschiedlichen Produktionsstudios gesellen sich nun auch der japanische Trailer von Appleseed XIII und das textlose Opening sowie Ending in die Reihen des Zusatzmaterials. Das Verlangen, sich letztere öfter als die regulären Male in den Folgen anzuschauen beziehungsweise anzuhören, ist nicht gestiegen, da sich an deren kurzen Länge nichts geändert hat und sie auch animationstechnisch nicht wirklich positiv herausstechen. Die Slipcase-Hülle aus Pappe verbessert aber erneut den Gesamteindruck. In den Gesprächen mit den Künstlern wird man zeitweise auf kleine lustige Anspielungen oder versteckte Details aufmerksam gemacht, die uns zu einem wiederholten Anschauen ermutigen sollen. So verewigte sich zum Beispiel ein Mitarbeiter von Dandelion selbst in seiner Folge. Deunan erklingt übrigens mit ihren Kollegen auf Deutsch und Japanisch in Dolby Digital 5.1. An den bewährten deutschen Sprechern gibt es erneut nichts auszusetzen. Nur der eine oder andere Nebencharakter spricht diesmal vielleicht etwas zu unmotiviert. An der zeichnerischer Qualität im 16:9-Format hat sich ebenso nichts verändert. Nachdem man aber schon einige Folgen der Serie gesehen hat, erkennt man hier und da doch minimale Unterschiede im Charakterdesign und Zeichenstil, was wohl auch hier wieder auf die jeweiligen Animationsstudios zurückzuführen ist.
Geschrieben von Jonas Maier
Jonas‘ Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Appleseed XIII kann man am Besten mit der Serie Ghost in the Shell: Stand Alone Complex vergleichen. Anders als die Filme, wollen die Serien eigenständige und abgeschlossene Geschichten erzählen und ich vermute, dass dieser Stil auch in den letzten Folgen so fortgeführt werden wird. Ich muss aber sagen, dass dies eigentlich die falsche Art von Anime ist, um eine episodenhafte Struktur zu verwenden. Aber wenigstens bewegen sich die jetzigen Geschichten auf einem höheren Niveau, als die ersten. Trotzdem hätte die menschliche Befreiungsfront nicht in den Hintergrund geraten müssen. Sie hat als Gegenspieler zu Olympia super funktioniert und ich hatte sogar erwartet, dass man die Erzählungen um sie noch weiter ausbauen würde. Die zweite Volume hat es aber mit der bisher spannendsten letzten Folge geschafft, mich weiterhin bei der Stange zu halten und ich empfinde das erste Mal, seit dem Beginn der Serie, das Verlangen, wissen zu wollen wie es weiter geht.
Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Appleseed XIII Vol. 2!