Review: Prisoners of War

Prisoners of War oder My Way, wie der Film außerdem genannt wird, basiert auf der wahren Geschichte eines Koreaners. Dieser erlebt die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs aus den Blickwinkeln verschiedener Nation und ist somit ein wahres Zeitzeuge.

Die eigentliche Handlung des Films beginnt bereits in den Zwanzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Zu der Zeit, wo die Japaner Korea besetzt haben, siedelt auch der junge Tatsuo mit seiner Familie auf den mutmaßlich errungenen neuen Besitz über. Zwischen Tatsuo und dem Sohn des Bediensteten entwickelt sich eine Rivalität, denn beide möchten die schnellsten Läufer der Welt werden. 1936 haben es beide zum Marathonläufer geschafft und möchten so natürlich auch gerne an der Olympiade in Berlin teilnehmen, doch dann werden alle Koreaner von der Teilnahme ausgeschlossen. Grund dafür ist ein Attentat von unbekannter Seite auf Tatsuos Großvater, einem hochrangigen General. Zwischen Tatsuo und seinem Rivalen Jun-shik entwickelt sich eine Feindschaft und in einem einzigen Lauf soll entschieden werden, ob Jun-shik als Koreaner zu den Olympischen Spielen darf. Er gewinnt zwar, doch entscheiden sich die Japaner dazu, ihn ohne ersichtlichen Gründe zu disqualifizieren. Es kommt zu einem Aufstand, der damit endet, dass die beteiligten Koreaner in die Armee des Kaisers eintreten müssen. 1938 tritt Tatsuo an der Front wieder in das Leben von Jun-shik und dass auch noch als sein Vorgesetzter. Wegen Grenzstreitigkeiten greifen die Russen die japanische Armee an, doch die Kompanie ist jener der Sowjetunion in ihrer Größe und Stärke unterlegen.

Ideologien der Nationen

Tatsuo und Jun-shik geraten in Kriegsgefangenschaft und werden von der Mongolei ins kalte Sibirien verschleppt. Sie erhalten hier die Chance der Roten Armee beizutreten und während eines Gefechts gegen die Wehrmacht können sie dieser wiederum entkommen, um danach nur getrennt von den Nationalsozialisten wieder eingefangen zu werden. Jahre später treffen sich die mittlerweile nicht mehr ganz so argen Feinde an der Normandie wieder und erleben die Invasion der Alliierten hautnah mit. Prisoners of War spielt zwar überwiegend zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, doch wird dieser Krieg selbst niemals verherrlichend und ebenso wenig untertrieben dargestellt. Zwar geizt der Film nicht mit einer Gewaltdarstellung, doch riesige Blutfontänen wie in Kill Bill Vol. 1 oder ein Explosionsfeuerwerk wie in typischen Michael-Bay-Filmen gibt es in Prisoners of War nicht. Der Krieg wird glaubhaft dargestellt und durch die verschiedenen Perspektiven der einzelnen Nationen kommen deren angestrebte Ideologien gut zur Geltung. Beispielsweise der blinde Gehorsam für den Kaiser (Japan) oder die schnelle Exekution von Kriegsgefangenen bei ersten Anzeichen des Erfrierens (Russland) werden sehr gut in die Grausamkeit des Kriegsschemas eingearbeitet. Der Detailreichtum sorgt dafür, dass fast alle wichtigen Charakteren während der ganzen 144 Minuten hervorragend ausgearbeitet werden.

Atmosphärischer Originalton

Während der Krieg jede Rolle in Prisoners of War umkrempelt, sie verändert und ihre Moral an sich selbst zweifeln lässt, bleibt der von Jang Dong-gun gespielte Jun-shik sich selbst treu. Jô Odagiri macht in Kang Je-kyus Meisterwerk ebenfalls eine herausragende Figur als von der japanischen Ideologie besessene Tatsuo Hasegawa. Schade ist aber, dass die sehr hübsche Fan Bingbing als Scharfschützin Shirai nur sehr kurz zu sehen ist. Bei ihrem Anblick haben wir doch tatsächlich eine Liebesgeschichte erwartet, doch dazu kommt es im Film aus guten Gründen nicht. Alle Darsteller verkörpern ihre Charaktere dem Szenario entsprechend ernst und das kommt der Atmosphäre sehr zur Geltung, denn an so gut wie keiner Stelle wird eine Szene unnötig humorvoll dargestellt. An dieser Stelle empfehlen wir euch übrigens die originale Tonspur, denn diese ist nicht vollständig in Koreanisch enthalten. Hier spricht doch tatsächlich jeder Charakter seine Muttersprache! Das Gemisch aus Koreanisch, Japanisch, Russisch, Deutsch und Englisch ist einfach nur fantastisch. Besonders dann, wenn sich Tatsuo mit einem Soldaten der Wehrmacht auf Deutsch unterhält! Die deutsche Tonspur bietet diesen Service leider nicht oder kann sie eher gesagt nicht bieten, doch schlecht ist diese auf keinen Fall. Wer zum Original greift, bekommt an den Stellen mit ausländischen Dialogen natürlich auch hier wieder deutsche oder wahlweise auch niederländische Untertitel spendiert.

Herausragendes Kriegsdrama

Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray leider kaum vor. Neben dem circa achtminütigen B-Roll-Material gibt es lediglich noch den originalen Filmtrailer und ein Interview mit Regisseur und Darstellern, doch dieses ist auch gerade einmal fünf Minuten lang. Uns hätte ganz besonders die echte Geschichte hinter dem Projekt interessiert. Stattgefunden hat sie definitiv, da bereits vor vielen Jahren ein altes Foto im Internet grassierte. Dieses zeigt einen Koreaner, genauer gesagt den echten Jun-shik (Kyoungjong Yang) zusammen mit Soldaten der Wehrmacht. In Südkorea wurde diese Geschichte zu Beginn des Jahrtausends auch dokumentiert, doch leider konnten wir die Dokumentation zum Testzeitpunkt nirgends ausmachen. Jedenfalls wäre diese Dokumentation ebenfalls hervorragend für das Bonusmaterial geeignet gewesen. Die Bilder von Prisoners of War werden wir wohl niemals vergessen, denn mit einem relativ geringen Budget hat Regisseur Kang Je-kyu ein aus der Menge herausstechendes Kriegsdrama auf die Leinwand oder hierzulande leider nur auf Blu-ray oder DVD gezaubert. Tolle Schauspieler, atemberaubende Landschaftsbilder, technisch auf einem überdurchschnittlichen Stand und ein gewissermaßen unverbrauchtes Kriegsszenario haben wir schon länger nicht mehr so gesehen. Prisoners of War muss man unbedingt einmal gesehen haben!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kang Je-kyu hat mit Prisoners of War regelrecht ein Meisterwerk geschaffen und das mit einem relativ geringen Budget! In Hollywood wird oft die zehnfache Menge in einen Film gesteckt, damit sich auch jeder noch so kleine Fan von Michael Bay auch über die noch so kleine Explosion freuen kann. Dieser Trend, der sich in Hollywood in Punkto Action-Filme immer mehr abzeichnet, ist hier zum Glück nicht zu sehen. Auch so schafft es das Team hinter dem Regisseur mit natürlichen Landschaften Glaubhaftigkeit zu erzeugen und die zahlreichen Explosionen sind auf einem gesunden Niveau, die niemanden stören und die Grausamkeit des Krieges sehr gut ausdrücken können. Ausdrücken können sich auch die Schauspieler. Sie sind nicht nur gut ausgewählte Darsteller für ihre Rollen, sondern nehmen auch viel auf sich. Das tut der Atmosphäre wirklich gut, denn wenn ein Japaner plötzlich mit einem Deutschen in dessen Sprache spricht, dann kann man da einfach keine Schüppe Glaubhaftigkeit mehr drauflegen. An Prisoners of War habe ich überhaupt nichts zu bemängeln. Man sollte in sich auf jeden Fall anschauen, wenn man sich für europäisch-asiatische Geschichte interessiert.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Prisoners of War!

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