Nicht nur in Hollywood sind Remakes groß im Kommen, sondern anscheinend auch in den asiatischen Gefilden. So versucht sich Regisseur Frankie Chan an einer Neufassung von Shísì Nǚ Yīngháo aus dem Jahre 1972.
Im elften Jahrhundert herrscht Kaiser Renzong in China, doch in der Song-Dynastie herrscht die Korruption. Diese Umstände macht sich das rivalisierende Land Western Xia zunutze und bereitet einen Angriff beziehungsweise einen Anschlag vor. Die Handlung beginnt aus der Sicht von Yang Zongbao, welcher der letzte Mann im Yang-Klan ist und dessen Generäle die Dynastie seit jeher vor Feinden beschützen. Augenscheinlich kommt Yang auf tragische Art und Weise ums Leben und lässt seine Frau Mu Guiying als Witwe zurück. Diese schwört nun Rache und tritt das blutige Erbe ihres Ehemanns an. Sie führt die Frauen der Gefallenen in eine letzte und alles entscheidende Schlacht, um das Schicksal ihrer Familie zu besiegeln. So und nicht anders lautet in etwa der Beginn der Handlung – zumindest sagt uns dass der Text auf der Blu-ray-Verpackung, denn im Film selbst haben wir davon fast nichts mit bekommen. Wir sehen zwar, wie Charaktere kommen und gehen, Kämpfe mit Feinden ausgeführt werden und Dialoge zwischen den einzelnen Persönlichkeiten mit Dramatik abgehalten werden, doch alle diese Inhalte sind dermaßen banal in Szene gesetzt, dass es selbst schon für einen Landsmann, der sich mit der Geschichte Chinas auskennt, nur schwer nachvollziehbar ist. Für westliche Zuschauer ist die Handlung, mit wenigen Worten ausgedrückt, langweilig und unverständlich.
Jungbrunnen
Obwohl die Besetzung mit einem Star-Aufgebot der chinesischen Filmwelt auftrumpft, ist die Glaubhaftigkeit der verkörperten Persönlichkeiten nicht gegeben. Cecilia Cheung, Cheng Pei-pei und Richie Jen mögen in anderen Filmen eine gute Performance abliefern, aber in Frankie Chans 14 Schwerter setzen sie ihre Charaktere unglaubwürdig und zu allem Übel auch noch übertrieben geschauspielert in Szene. Immer wenn ein Charakter im Kampf fällt oder eine überraschende Wendung eintritt (wobei diese nicht deutlich zu erkennen sind), wirken Mimik und Gestik unglaubhaft. Es wird beispielsweise geweint, ohne dass eine Träne fließt. Zudem wirken die Schauspieler oder eher gesagt Schauspielerinnen für dieses Historienepos einfach viel zu jung. So wirkt der Sohn gleichermaßen so alt wie seine Mutter und die Urgroßmutter des Yang-Klans scheint ebenfalls den Jungbrunnen für sich entdeckt zu haben. Bis auf die tragenden Rollen ist die Familienbande übrigens ziemlich unübersichtlich. Es treten dermaßen viele Charaktere auf, die nur mit sehr viel Mühe zugeordnet werden können. Fernsehserien mögen von diesem Konzept profitieren, aber keinesfalls ein auf 109 Minuten ausgelegter Historienfilm. Aufgrund der viel zu femininen Darstellerinnen können wir diesen ebenfalls nicht abkaufen, dass sie für den Kampf gegen eine zehnmal so große Armee geschaffen sind.
Starkes Bild, schwacher Inhalt
In dutzenden kleinen Kämpfen und Schlachten verliert der Film weiterhin an Glaubhaftigkeit, denn die einzelnen Auseinandersetzungen sind keinesfalls choreographisch gut umgesetzt und wirken selbst für eine TV-Produktion mit kleinem Budget (was 14 Schwerter nicht ist!) sehr, sehr merkwürdig. Dazu stören Spezialeffekte das sonst eigentlich herausragend gute Bild. Da fliegen Pfeile quer durchs Bild, Schnee wirbelt herum und Plattformen bewegen sich. Würden wir hier einen Film aus den frühen Neunzigerjahren sehen, könnten wir damit gerade noch so leben, doch für einen Streifen von 2011 ist das eine Zumutung für den Zuschauer. Immerhin kann das Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) der Blu-ray, anders als die technische Umsetzung und Inhalt des Films, überzeugen. Alles wirkt gestochen scharf, doch die weniger aufwendigen Kulissen fallen somit noch stärker auf. Unterboten wird das Ganze nur noch mit den Kostümen der Darsteller, insbesondere die Rüstungen. So machen Schilde auf uns doch tatsächlich den Eindruck, dass sie aus Plastik gefertigt sind. Wir glauben nicht, dass man in China vor eintausend Jahren bereits solche Handwerkskunst hatte. Neben dem Originalton in Mandarin liegen auf der Disc zudem Tonspuren in Deutsch und Englisch vor, die sogar besser als das Original in der Ausdrucksweise sind, passen dann jedoch nicht zu den übertriebenen Darbietungen der Schauspieler. Untertitel liegen derweil nur in Deutsch und Niederländisch vor. Bonusmaterial gibt es übrigens nicht. Ein Grund weniger sich 14 Schwerter anzuschauen!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bereits nach wenigen Minuten habe ich schmerzlich erkannt, mit welchem unausgereiftem Film ich es hier zu tun habe, obwohl dieser sogar von Martial-Arts-Legende Jackie Chan höchstpersönlich produziert wurde! Regisseur Frankie Chan mag vielleicht mal gute Martial-Arts- und Historienfilme gedreht haben, aber ein Remake zu Shísì Nǚ Yīngháo hätte er sich wirklich sparen können. Die Schauspieler sind durchweg zu jung, verkörpern ihre Rollen nicht einmal ansatzweise glaubhaft und daher sind auch die Kämpfe und Schlachten des Historienfilms nicht einmal so etwas wie spannend oder zumindest choreographisch ansprechend. Diese wirken durch schlechte Effekthascherei und durch unpassende Kameraführungen zu monoton auf mich. Für eine Lauflänge von fast zwei Stunden kommen mir persönlich auch viel zu viele Charaktere vor, die zudem auch nicht mal richtig in die Handlung eingeführt werden. Welche Position die jeweilige Figur im Yang-Klan oder überhaupt in der eigentlichen Story einnehmen, wird nicht oder wenn nur kaum deutlich. Obwohl ich froh darüber war, dass der Abspann endlich über den Bildschirm flimmerte, hätte mich auch noch ein Special interessiert, in dem geklärt wird, wo denn nun genau die Unterschiede zwischen Neuauflage und Original liegen. Das hat man sich aber wohl gespart. Vermutlich aus gutem Grund, denn 14 Schwerter gucke ich mir freiwillig sicherlich kein zweites Mal an. Spart euch euer Geld!
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von 14 Schwerter!