Review: Sword in the Moon

Leider gibt es nicht nur bei westlichen Filmen sehr oft den Fall, dass ein Titel aufgrund des Packungstextes trotz eindeutiger Mängel schön geredet wird. Auch beim südkoreanischen Film Sword of the Moon wird man hinters Licht geführt.

Im Korea des 17. Jahrhunderts angesiedelt, erzählt der Film die Geschichte von den beiden Freunden Ji-hwan und Kyu-yup. Beide Freunde gehören im Reich von König Inchos einer Elitegruppe von Schwertkämpfern an, die den Untergang des Reiches verhindern und zudem den Frieden zurückbringen sollen. Ein Aufstand stellt ihre Freundschaft jedoch auf eine harte Probe, die sie nicht besteht. Ji-hwan und Kyu-yup werden zu Todfeinden. Viele Jahre später ist aus Kyu-yup ein skrupelloser, gewissenloser und kaltherziger Krieger in den Diensten des herrschenden Regimes geworden. Ji-hwan hält er seit langem für tot. Dann kommt es jedoch dazu, dass viele hochrangige Politiker der Reihe nach ermordet werden und ein Putschversuch unmittelbar bevorsteht. Als Kyu-yup dann auch noch einen Auftrag erhält, jene Attentäter ausfindig zu machen und sie zu exekutieren, steht ihm plötzlich Ji-hwan gegenüber. Es steht beiden Freunden ein erbitterter und alles entscheidender Kampf um Leben und Tod bevor, der für sie beide unabwendbar ist. So viel möchte uns der Verpackungstext der Blu-ray verraten, doch viel mehr wird uns im Film auch nicht geboten. Es ist erstaunlich, dass man sich die Zeit nimmt, solch einen Film ins Deutsche zu übersetzen und zu vermarkten, wo doch noch einige asiatische Hochkaräter auf eine Veröffentlichung hierzulande hoffen.

Fehlende Logik

Das Problem des Films macht sich direkt in den ersten Minuten bemerkbar. Er kann sich nicht entscheiden, ob er als Historienfilm, ein Action-Drama oder als eine Mischung von beidem in Erscheinung treten will. So hat man beispielsweise direkt vergessen, die wenigen Charaktere, die in Sword in the Moon auftreten, auch nur ansatzweise einzuführen. Wir fragen uns ganze 95 Minuten lang, welchen Charakter wir welcher Fraktion zuordnen dürfen. Da des Öfteren in der Zeit hin- und hergesprungen wird, macht es die ganze Sache nicht leichter, unterscheiden zu können. Wir können zwar ansatzweise vermuten, dass es zwischen den Hauptfiguren eine gemeinsame Vergangenheit gab, aber warum diese nun genau in die Brüche gegangen ist und warum sich nun beide Freunde auf einmal als Todfeinde gegenüberstehen, ist ebenso unklar. Es bleiben übrigens nicht nur die Handlung und die dafür not- und tiefgründigen Dialoge auf der Strecke, sondern auch die Kampfszenen. Ständig wird ohne Sinn und Verstand gekämpft und die Logik dahinter möchte sich uns einfach nicht erschließen. Die Hintergründe, warum ausgerechnet zum Zeitpunkt des Film der König gestürzt werden soll, werden nicht deutlich. Ein Schwertkampf-Epos, wie Splendid Film das südkoreanische Werk auf der Rückseite der Blu-ray-Verpackung betitelt, wird sicherlich anders inszeniert, wie es andere Filme beweisen.

Liebloses Kunstwerk

Fehlende Charakterisierungen und die recht lieblos gestalteten Dialoge und Beweggründe der Figuren sind nicht das einzige, das es an Sword in the Moon zu kritisieren gibt. Ebenfalls auf der technischen Seite kassiert der Film ein paar Defizite. Zwar liegt das Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) vor, doch ein sauberes Filmvergnügen sieht anders aus. In hellen Szenen kann man besonders bemerken, dass es Verunreinigungen im Bild gibt. Bei Nachtszenen sieht man davon hingegen kaum etwas, weshalb diese bei der Präsentation einen sehr ordentlichen Eindruck machen. Musikalisch befindet sich Kim Eu-seoks Sword in the Moon auf gesundem Mittelmaß (Tonformat DTS-HD 5.1), doch ein unverwechselbarerer Soundtrack wäre uns hier deutlich lieber gewesen, denn in einer Szene haben wir sogar geglaubt, einen Track aus Hans Zimmers Soundtrack des Disney-Films Fluch der Karibik gehört zu haben. Das erinnert an alte Kung-Fu-Filme, die auch oftmals ihre Musik aus westlichen Filmen haargenau kopiert haben. Wer Atmosphäre im Film sucht, sollte unbedingt die koreanische Tonspur (wahlweise mit deutschen Untertiteln) aktivieren. Die deutsche Synchronisation ist zwar in Ordnung, reicht aber nicht an das Original heran. Das Bonusmaterial ist leider ziemlich dünn gestrickt, denn mehr als B-Roll-Material liegt auf der Blu-ray nicht vor. Das auf der Verpackung angepriesene Making-of stellt sich als Witz heraus. Sword of the Moon ist im Gesamtbild ein Film für Anspruchlose.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als ich vor kurzem 14 Schwerter gesehen habe, war das einer der lieblosesten Filme, die ich je sehen durfte. Sword in the Moon reiht sich nahtlos in die Riege solcher Werke mit ein und weiß mich absolut nicht zu begeistern. So werden Charaktere selten mit ihrem Namen angesprochen oder auch nicht einmal vernünftig in die Geschichte eingeführt. Da ist der unchronologische Aufbau der Handlung nicht gerade sehr förderlich für mein Verständnis. Oft wird zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin- und hergesprungen, wobei dann wiederum vergessen wird, die Szenen glaubhaft miteinander zu verbinden. Das wirkt alles sehr willkürlich und dann schaue ich nach dem Ansehen in die Röhre (beziehungsweise auf den HD-Fernseher) und weiß nicht so wirklich, was mir der Film jetzt beweisen oder erklären wollte. Die technisch unzureichende Aufbereitung lasse ich jetzt einmal außen vor, doch auch beim Bonusmaterial sieht es nicht sehr viel besser aus. Es sind einzig und allein Szenen vom Dreh zu sehen und sind dabei auch noch unkommentiert. Diese Szenen bieten mir zwar einen visuellen Eindruck, jedoch keinen allzu informativen. Wer bei Filmen keinen Anspruch erhebt, liegt bei Sword of the Moon richtig. Ich rate jedoch vom Kauf ab. Für denselben Preis gibt es deutlich bessere Filme!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sword in the Moon!

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