Vampire sind ein wertvolles Kulturgut unserer Zeit und sind schon fast gar nicht mehr aus den Köpfen von Fantasy-Fans wegzudenken. Uwe Boll schickt Daywalkerin Rayne in ein zweites Abenteuer – allerdings einhundert Jahre nach dem ersten Teil der Trilogie.
Nachdem Rayne am Ende des ersten Teils nicht nur ihren bösen Vater Kagan besiegt hat, hat sie auch Abschied von ihren neu gewonnenen Freunden nehmen müssen. Diese wurden in der entscheidenden Schlacht nämlich ebenfalls von Kagans Schergen besiegt. Da sie nichts mehr in Transsylvanien hält, hat sie beschlossen, in die Neue Welt zu segeln. Aber anstatt kultiviert an der Ostküste zu leben, hat sie sich in den Wilden Westen aufgemacht. Aber auch dort sind Freundschaften nicht von Dauer. Als sie nach einem Ausritt feststellen muss, dass ihre neuen Freunde von Vampiren getötet wurden sind, beschließt sie, auch diese Untoten aus der Welt der Lebenden zu verbannen. Schnell stellt sich heraus, dass der sagenumwobene Bandit Billy the Kid selbst ein Blutsauger und der Anführer einer Gruppe Vampire ist. Die kleine Stadt Deliverance soll in Kürze an das Eisenbahnnetz angeschlossen werden und somit neue Besucher anziehen. Unter diesem Vorwand will Billy the Kid die Ankömmlinge der Reihe nach in neue Vampire verwandeln und die Vereinigten Staaten mit einer Armee der Untoten überfluten. Es steht für Rayne fest, dass sie das unter allen Umständen verhindern muss. Um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, erhält sie tatkräftige Unterstützung von Sheriff Pat Garrett, der nicht nur einen Groll gegen Banditen, sondern ebenfalls auch gegen Untote hegt.
Realität und Fiktion
Es ist schön zu sehen, dass man nicht nur bekannte Figuren in einen Western-Horror-Fantasy-Film steckt, sondern sich auch noch an die eine oder andere reale Tatsache hält. So ist Pat Garrett auch in Wirklichkeit hinter dem Banditen hergewesen und war schlussendlich auch für dessen Exekution verantwortlich – sofern denn die Identität des Mannes stimmen sollte, da bis heute eine kleine Unstimmigkeit darüber herrscht. Das Western-Setting wird durchgehend gut eingefangen. In Deliverance herrschen eindeutig das Faustrecht und raue Sitten. Der Film geht sogar soweit, dass auch der Mord an Kindern innerhalb der Handlung gezeigt wird – das ist eine Seltenheit in der Filmgeschichte und sollte unbedingt erwähnt werden. Somit wird die Grausamkeit von Billy the Kid einmal mehr ausgedrückt und liefert Rayne neue Gründe, um den Blutsauger in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Die für die Bloodrayne-Reihe bekannte Sexszene fehlt im zweiten Teil jedoch, da die neue Rayne-Darstellerin Natassia Malthe gegen die Freizügigkeit protestierte, wie Uwe Boll in seinem Audiokommentar erwähnt. Die Rolle des Sheriffs kommt Michael Paré zugute, der Pat Garrett als tragende Figur der Story sehr gut verkörpert. Zack Ward als Billy the Kid wirkt unserer Meinung stellenweise aber lächerlich. Bis auf wenige Momente kommt die wahre Bedeutung des Charakters nur selten zur Geltung.
Die Produktion eines Filmes
Merkwürdig ist auch die Entscheidung in Bezug auf die Kameraführung. Offensichtlich sind hier Handkameras im Einsatz gewesen. Ständig wackelt das Bild! Was bei Fernsehserien wie Law and Order durchaus für Spannung sorgt, ist hier einfach übertrieben. Sogar während der ruhigen Szenen des Films kippt das Bild ständig. Wir haben uns zwar nach einigen Minuten daran gewöhnt, doch wer den Film in 3D gucken möchte, könnte schnell an Kopfschmerzen leiden. Da kommt es nicht gerade wie gerufen, dass das Bild zudem auch noch sehr körnig in 1080p ist. Der 99-minütige Film ist übrigens im 16:9-Format (1,78:1) enthalten und kommt mit zwei Tonspuren (Deutsch und Englisch) daher. Während die deutsche Synchronisation in Ordnung ist, ist das Original ein klein wenig authentischer. Beim Audiokommentar kann man übrigens wieder nichts falsch machen. Dieser symbolisiert Uwe Boll wie er leibt und lebt. Er erzählt von seinen schlafenden Hunden, geht zwischenzeitlich auf Toilette oder telefoniert sogar mit Kollegen. Da ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ, da er sehr viel über die Finanzierung und Produktion von Filmen erzählt. Das restliche Bonusmaterial ist aber sehr dürftig. Die Interviews fallen zu kurz aus und warum Musikvideos zu einem Nightwish-Song und einer anderen Band auf der Disc zu finden sind, verstehen wir nicht.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem ich mir erst kürzlich den ersten Teil der Trilogie angeschaut habe und den dritten Teil bereits kannte, wollte ich mir nun auch endlich das Verbindungsstück des Dreiteilers anschauen. Man merkt dem Film leider an jeder Ecke an, dass er nur mit einem geringen Budget realisiert wurde. Computereffekte sind auf ein Minimum reduziert und sehen dann leider auch gar nicht mehr so ansprechend, wie noch beim Vorgänger aus. Das soll zwar in gewisser Weise den düsteren Stil des Wilden Westen in Szene setzen, doch dadurch, dass zum Beispiel nicht literweise Blut spritzt, geht die Identität einer Videospielumsetzung in gewisser Weise verloren. Trotzdem ist der Film von vorne bis hinten unterhaltsam, was besonders am leider zu selten auftretenden Wortwitz liegt. Mir ist besonders der Priester ans Herz gewachsen, da dieser doch sehr leichtsinnig mit der Herde und seinem Leben umgeht. Leider ist die filmische Umsetzung in meinen Augen mangelhaft – das Bild ist meistens dermaßen körnig, dass ich mich lieber vom Fernseher abwende, als den Film zu genießen. Schlimmer ist jedoch, dass das Bild ständig in Bewegung ist. Daran habe ich mich zwar relativ schnell gewöhnt, doch schön ist das sicherlich trotzdem nicht. So werde ich mir den zweiten Teil vermutlich so schnell nicht noch einmal ansehen, doch wer wissen möchte, wie die Handlung um den Damphir Rayne nun weitergeht, kommt um Bloodrayne 2: Deliverance nicht herum!
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bloodrayne 2: Deliverance!