Uwe Boll wird von Videospielern besonders gerne kritisiert, da er doch gerne einmal von den Fakten des eigentlichen Werks abweicht. So nutzte er hier zwei Filme, um die Vorgeschichte zu erzählen und erreicht mit Bloodrayne: Third Reich endlich das 20. Jahrhundert.
Mit Bloodrayne: The Third Reich schließt Uwe Boll seine Trilogie über die Videospielserie ab. Wie es der Titel des Films vermuten lässt, spielt Bloodrayne: The Third Reich zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Nach einer kurzen Rückblende zum ersten Teil (der circa 200 Jahre vor diesem Teil spielt), werden wir auch schon direkt in das Geschehen hineingeworfen. Hitler gewinnt immer mehr Macht. Wegen Rassenhass und religiösen Ansichten werden Juden in Konzentrationslager deportiert. 1943 kämpfen Widerstandskämpfer an der Ostfront gegen die Übermacht der Nationalsozialisten. Beim Überfall auf einen Transportzug trifft die Gruppe auf die hübsche Rayne. Sie ist halb Mensch und halb Vampir, genannt Damphir. Als sie einen Kommandanten der Wehrmacht tötet, verwandelt sie diesen ohne Absicht ebenfalls in einen Vampir. Der Kommandant genießt sein Vampirdasein und will gemeinsam mit dem für seine Experimente bekannten Dr. Mengele eine untote Armee züchten. Rayne versucht, gemeinsam mit den Widerstandskämpfern, diesen Wahnsinn aufzuhalten. Die Schauspieler verkörpern ihre Rollen dabei unserer Meinung nach sehr gut. Natassia Malthe als sexy Vampirin, die mit ihren Feinden kurzen Prozess macht, passt ebenso gut in Uwe Bolls Film, wie Clint Howard, welchem der Wahnsinn Mengeles wie ins Gesicht geschrieben steht.
Kleinere Filmfehler
Michael Paré verdient unseren Respekt, da wir schon lange nicht mehr einen so gefürchteten Feind gesehen haben. Die eigentliche Story ist natürlich rein fiktiv – nur die Eckpfosten der Geschichte stützen sich auf reale Tatsachen. Das tut der eigentlichen Handlung aber keinen Abbruch. Zusammenhänge im Film sind durchweg gut geschildert, jede Szene gehört genau da hin, wo man sie auch vermuten möchte. An einigen Stellen (beispielsweise bei der kurzen Szene im Gasthaus) haben wir gar das Gefühl gehabt, Uwe Boll orientiere sich an Quentin Tarantinos Inglourious Basterds. Gedreht wurde der Film aber übrigens nicht in Deutschland, sondern in Zágréb (Kroatien). Das merkt man den vorkommenden Schauplätzen aber nur an wenigen Stellen an. Kleinere Filmfehler (achtet mal auf die Brille des Dr. Mengele im Käfig beim Kampf mit der in einen Vampir verwandelten Hure – einmal rutscht sie herunter, dann verliert er sie und jedes Mal hat er sie urplötzlich wieder auf der Nase sitzen) trüben das Gesamtbild des nur 76 Minuten langen Films. Negativ fallen uns hier auch einige unsaubere Schnitte auf, sowie die unlogischen Blutspritzer. Wenn Rayne mit ihren Schwertern einen Nazi absticht, spritzt literweise rote Suppe – schießen die Widerstandskämpfer die Soldaten der Wehrmacht nieder, fallen diese meist reglos um.
Typisch Boll: Der Audiokommentar
Hier hätte Boll die Gewaltdarstellung ruhig überziehen können, damit die Verbindung zum Videospiel klar wird. Als Bonusmaterial befindet sich auf der Blu-ray unter anderem ein Making-of, in dem die Schauspieler und der Regisseur auf die Entstehung des Films eingehen. Sie machen auch keinen Hehl daraus, dass Boll unter Filmkritikern und Videospielfans nicht immer einen guten Ruf genießt. Sie nehmen sich auch gerne selbst auf die Schippe, was bei dem circa 25-minütigen Making-of für eine angenehme Stimmung sorgt. Ein kurzes Interview mit dem Autor des Drehbuchs befindet sich ebenfalls mit auf der Disc, was aber nur wenige Einblicke in die Entstehung des Films zulässt. Interessanter ist da der Audiokommentar, der auf Englisch und Deutsch mit auf der Disc vorhanden ist. Beim deutschen Audiokommentar checkt Uwe Boll nebenher seine E-Mails und telefoniert auch kurz mit Arbeitskollegen – das ist ungewohnt, aber Fans vergöttern ihn vielleicht gerade deshalb. Die neue Fassung des Films lässt sich übrigens nicht nur in 1080p und im 16:9-Format, sondern auch in 3D anschauen. In Sachen Ton liegt die Originalfassung in Englisch leicht vorn, doch auch die synchronisierte deutsche Tonspur ist gelungen. Das Zweite-Weltkrieg-Szenario, gepaart mit Blutfontänen, Sex und übertriebener Gewalt ist durchaus sehenswert – auch ohne Vorkenntnisse der Spiele und Filmvorgänger.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bloodrayne: The Third Reich war damals für mich der erste Uwe-Boll-Film, den ich mir bewusst angeschaut habe. Durch die erneute Veröffentlichung aller drei Teile in 3D, hatte ich jetzt endlich die Gelegenheit, mir auch die beiden Filmvorgänger anzuschauen und somit natürlich auch abermals den dritten Teil. Der ist mir bis auf wenige Szenen auch genauso in Erinnerung geblieben. Kommandant Brandt ist durch Michael Paré ein gelungener Bösewicht und für Dr. Mengele könnte ich mir auch kein anderes Gesicht mehr vorstellen, als das von Clint Howard. Die Geschichte spielt vor einem ernsten und düsteren Hintergrund der Geschichte, was jedoch nur zu Beginn und zum Ende des Films wirklich bemerkbar ist. Mittendrin könnte der Film auch in jeder anderen Zeit spielen. Bei diesem Boll-Film sticht aber vor allem wieder das Bonusmaterial heraus. Nicht nur das Making-of, sondern auch der Audiokommentar geben Einblicke, wie es so am Set von Bolls Filmen zugehen muss. Dass er drei Filme auf einmal zusammen mit diesem gedreht hat, erklärt einige (kleinere) Fehler an diesem Streifen. Abseits des Bonusmaterials bekommt man aber einen doch ganz guten Film spendiert. Sicherlich kann sich der Film auf technischer Ebene nicht mit der Qualität eines Hollywood-Blockbusters messen, aber wenn man an einem verregneten Nachmittag oder an einem Abend nichts anderes zu tun hat, kann man sich den gar nicht mal so langen Film perfekt zwischendurch anschauen. Sieht man von Logikfehlern und unsauberen Schnitten ab, bekommt man überdurchschnittlich gute Schauspieler, eine interessante Handlung, zwei (nicht ganz so prekäre) Sex-Szenen und überzogene Gewalt spendiert – und genau das verlangt laut Boll die Mehrheit. Mich hat es zumindest durchaus zufriedengestellt. Damals schrieb ich in meinem Fazit auch, dass ich mir den Film sicherlich noch ein zweites Mal ansehen werde. Mission erfüllt!
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bloodrayne: The Third Reich!