Review: Lernen mit Pokémon: Tasten-Abenteuer

Das Pokémon-Universum ist vielseitig gestrickt und eignet sich nicht nur für Rollenspiele, doch jetzt geht Nintendo mit Lernen mit Pokémon: Tasten-Abenteuer sogar soweit, dass mit den kleinen und großen Taschenmonstern nun auch fleißig gelernt werden darf.

Wer jetzt denkt, dass sich der Titel als reine Lernsoftware entpuppt, liegt knapp daneben. Es erwarten uns keine Mathe-Aufgaben oder Analysen. Das Spiel soll dabei helfen, das wir das blinde Tippen mit zehn Fingern erlernen. Nintendo sollte für diese vorbildhafte Einstellung geehrt werden, doch entpuppt sich die Software dann leider doch nicht als so hilfreich, wie anfangs angenommen. In der Tastenwelt angekommen, werden wir von zwei Charakteren begrüßt, die uns in einer dünnen Handlung durch das Abenteuer begleiten. Professor Quentin Wertz führt mit seiner Assistentin Lea Taste Forschungen durch und wir sollen dabei helfen, ihre Notizen zu vervollständigen. Also heißt es quer über das Tastatur-Layout zu rasen und die Namen der Pokémon zu notieren, die uns begegnen. Dazu bedienen wir uns der dem Spiel beiliegenden Bluetooth-Tastatur. Nach und nach schalten wir in neue Gebiete frei, welche jeweils einer Taste auf der Tastatur zugeordnet sind. So drücken wir einmal die besagte Taste, bestätigen die Auswahl mit der Return-Taste und das auf Schienen ablaufende Abenteuer geht los. Von überall kommen nun Pokémon angeflogen, angeschwommen oder angelaufen, doch zunächst ist der Text, den wir eintippen sollen, nicht ersichtlich. Entweder sind wir so klug und kennen das Pokémon bereits, dann dürfen wir den Namen direkt eingeben oder warten ab, bis der Name des Taschenmonsters erscheint, bevor wir den Namen eintippen.

Unlogische Lehrmethoden

Je länger wir brauchen, desto weniger Punkte gibt es. Das ergibt auf den ersten Blick hin zwar Sinn, doch ist es unfair für Personen, die nicht die Namen aller Pokémon kennen. Jetzt kann man natürlich sagen, dass sich das Spiel an Fans richtet, doch gibt es genügend Anhänger des Franchises, welche die eine oder andere Episode übersprungen haben. Selektiert wird da nicht. Entweder man kennt die Namen der Monster oder man muss sie sich recht mühselig mit der Zeit einprägen. Sollte man sich auch nur einen einzigen versehentlichen und nicht nachträglich korrigierbaren Tippfehler leisten, wird der Zähler wieder auf Null gesetzt. Der Multiplikator für die Punkte beginnt dann auch wieder von vorne zu zählen. Ein weiteres Problem ist auch, dass das Spiel sich nur in seltenen Fällen die Zeit nimmt, uns die Tastatur zu erklären. Vertrautheit mit einer Peripherie schafft Nintendo bei einem neuen Controller zwar sehr gut, doch bei Tastaturen mag das noch nicht so recht klappen. Alleine schon, dass die Erhöhungen auf der F- und der J-Taste fürs blinde Orientieren gemacht sind, und weitere solcher Feinheiten, erklärt das Spiel fast gar nicht. Wir müssen tatsächlich nur die Namen der Pokémon eintippen, sobald diese auf dem (für das Spielprinzip zu) kleinen Bildschirm des Nintendo DS ersichtlich sind. Die Umstelltasten ignoriert der Titel dabei gekonnt. Wir haben sie bis zum Abspann gar nicht bis kaum genutzt.

Ausbleibender Lerneffekt

Dadurch, dass nur Namen eingetippt werden müssen und keine zusammenhängenden Sätze, wie wir sie im alltäglichen Leben brauchen, ist es auch nicht wirklich möglich, das Tippen mit zehn Fingern zu erlernen. Der Autor dieser Zeilen weiß worüber er berichtet, denn dieser hat es in der Berufsschule mit wesentlich besseren Methoden gelernt. Wer jedoch schon mit zehn Fingern blind schreiben kann, der wird aber ein wenig Spaß beim Festigen seiner Fähigkeiten spüren. Der Lerneffekt bleibt aber so oder so aus. Falls ihr also tatsächlich die korrekte Handhabung mit einer Tastatur erlernen wollt, dann solltet ihr euch im Internet nach kostenlosen Alternativen umsehen. Der Pokémon-Bonus bleibt euch in diesem Falle jedoch verwehrt, aber wer tatsächlich etwas lernen will, muss dann eben auf so etwas verzichten. Nintendos Ansatz ist keinesfalls verkehrt, denn der Konzern zeigt uns, wie viel Spaß es machen könnte, mit „Hilfe“ der Pokémon seine eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Das klappt in diesem Falle nur bedingt, obwohl das Grundkonzept so viel hergeben würde. Wir hoffen, dass sich Nintendo jetzt nicht entmutigen lässt, am System feilen wird und eine neue Version (eventuell sogar gratis als Download) veröffentlichen möchte. Falls dieser Fall nicht eintreten sollte, dann bleibt unterm Strich noch eine gut verarbeitete Bluetooth-Tastatur, die man auch wunderbar für andere drahtlose Geräte nutzen kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Es wäre für mich sehr interessant gewesen, nach all den Jahren, wo ich Tag für Tag neue Reviews tippe, meine Fähigkeiten in irgendeiner Weise nochmals zu verbessern. Da habe ich mich wirklich auf etwas gefreut und dann wurde ich sehr enttäuscht. Sicherlich war es in der Vergangenheit auch schon mal so, dass mich ein Nintendo-Titel nicht gerade vom Hocker gerissen hat, doch besonders in den letzten beiden Jahren hat Nintendo wieder sehr gut an der Qualität ihrer Spiele gefeilt. Mit Inazuma Eleven Strikers und diesem Titel hier, sehe ich allerdings, dass man sich nicht genügend Zeit mit der Qualitätssicherung befasste. In der Berufsschule habe ich ein einfaches Programm genutzt, um wöchentlich meine Fertigkeit zu verbessern. Sicherlich müsste ich Lernen mit Pokémon: Tasten-Abenteuer ebenfalls so viel Zeit geben, doch da der Titel keine zusammenhängenden Sätze von mir erwartet und auch die Umschalttasten rigoros vernachlässigt, kann mit dieser Software definitiv nicht effektiv genug gelernt werden, dass sich die Anschaffung von fast fünfzig Euro lohnt. Da hätte Nintendo den Titel auch ohne Tastatur und für ein Fünftel des Preises in den Handel bringen können, denn es wird sicherlich auch viele Kunden geben, die bereits eine Bluetooth-Tastatur besitzen. Ich bin jedoch froh, dass das bei mir nicht der Fall war. Die Tastatur ist nämlich wirklich gut verarbeitet und jetzt habe ich endlich eine Peripherie, die ich mit meinem Tablet PC nutzen kann. Das ist dann auch leider so ziemlich der einzige Vorteil, den ich aus dem Bundle ziehen kann. Wer also tatsächlich das korrekte Erlernen des Tippens mit zehn Fingern erlernen will, sollte sich im Internet nach (kostenlosen) Alternativen umsehen.

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