Review: Poképark Wii: Pikachus großes Abenteuer

Vor längerer Zeit hat Nintendo bereits die Tore zum virtuellen Poképark geöffnet. Endlich hatten wir Gelegenheit, mit Pikachu und seinen drei Freunden den Ausflug zu wagen und haben im Park allerlei spannende und unspannende Dinge erlebt.

Es hätte ein so schöner Tag werden können. Pikachu, Glumanda, Plinfa und Endivie gehen in einem Dörfchen spazieren und plötzlich öffnet sich ein schwarzes Loch im Boden, wo die vier Freunde allesamt hineinstolpern und dabei getrennt werden. Ein paar Sekunden und einen Ladebildschirm später wachen wir mit Pikachu am Eingang des Poképarks auf, doch hatte der gelbe Nager als er bewusstlos war, eine Vision von Mew. Dieser habe ihn in den Park gelockt, um die vierzehn Prismensplitter zu suchen, damit der Regenbogen über dem Park in neuem Glanz erstrahlen kann. Kurz darauf wird Pikachu von Plaudagei geweckt. Plaudagei erzählt uns allerhand über die Steuerung, die mehr als schnell von uns verinnerlicht wird. Als wir den bewaldeten Weg entlanggehen, treffen wir auch auf weitere Pokémon. Etwa ein schlafendes Relaxo, welches wir mit einem Donnerschock sanft aus seinen Träumen erwecken. Man muss sich eben zu helfen wissen, wenn man keine Pokémon-Flöte im Gepäck hat. Nachdem Relaxo endlich den Weg freigeräumt hat, dürfen wir den Park endlich betreten. Zumindest den ersten Bereich, in dem der Spielleiter Bisaflor mit eiserner Pfote über seine Einwohner herrscht. Von Bisasam und unserer Freundin Endivie erfahren wir hier, dass Bisaflor es den Pokémon nicht erlaubt, Spiele auszurichten. Als dann zu allem Übel auch noch Endivie entführt wird, fassen wir den Entschluss, dass sich etwas ändern muss!

Freunde fürs Leben

Wir reisen weiter gen Norden und werden an der Brücke direkt von Geckarbor aufgehalten, der von uns verlangt, dass wir bei Bisasams Spiel gewinnen müssen. Es wird uns schnell klar, dass Poképark Wii: Pikachus großes Abenteuer nicht an Aufgaben und Beschränkungen spart. Um nämlich an Bisasams Spiel antreten zu können, brauchen wir Freunde und Freunde finden wir überall im Park. Es reicht in der Regel allerdings bei weitem nicht aus, dass wir uns mit den anderen Pokémon einfach unterhalten. Sie möchten mit uns viel lieber Fangen oder gar Verstecken spielen. Letzteres ist allerdings nicht sehr anspruchsvoll, da sich die Pokémon oft in unmittelbarer Nähe und nicht weniger selten sehr offensichtlich verstecken. Bei manchen Pokémon ergibt das zwar Sinn, wie zum Beispiel bei Mogelbaum und Enton. Enton hält sich einfach die Augen zu und geht hinter uns in Position. Mogelbaum denkt sich, er sei ein Baum und stellt sich gut sichtbar an den Horizont. Wenn sich aber ein gelbes Elekid einfach neben einem Stuhl versteckt, finden wir es innerhalb von fünf Sekunden und Spaß macht das nicht unbedingt. Fangen macht nicht sehr viel mehr Spaß, doch ist es sehr viel aufregender, da sich die Entwickler tatsächlich den Geschwindigkeitswerten und Bewegungen der Pokémon aus den Rollenspielen orientieren. Nebulak macht sich kurzzeitig unsichtbar und um gegen Ponita zu gewinnen, müssen wir schon gut trainiert haben.

Spannende Kampfeinlagen

Manchmal reicht es auch aus, bestimmte Vorgaben zu erfüllen, um ein Pokémon für sich zu gewinnen. Das hängt meist mit dem Handlungsverlauf eng zusammen, kann aber auch auf die Anzahl unserer Freunde abzielen. Weniger oft gibt es Ratespielchen. Uns werden drei Fragen zur Region gestellt, die wir beantworten müssen, um Freunde zu werden. Meistens sind die Pokémon gewillt, sich mit uns zu duellieren. Die Kämpfe gehören zu den Highlights des Spiels, denn anstatt wie in den Rollenspielen aus der Sicht des Trainers eine Attacke nach der anderen in rundenbasierten Kämpfen auszuwählen, erleben wir die Action hautnah mit. Wir können uns mit Pikachu frei bewegen und das gegnerische Pokémon anrempeln, dessen Attacken ausweichen, es mit Donnerschocks lähmen oder Schaden mit dem Eisenschweif zu fügen. Kämpfe gegen schwächere Pokémon sind zwar nicht gerade spannend, aber sobald ihr erst einmal gegen Größen wie Chelterrar oder Glurak kämpfen werdet, erwarten euch echte Herausforderungen. Übrigens dürft ihr Pikachu im Lauf des Abenteuers immer wieder verstärken. Sobald ihr die Aufgabe des jeweiligen Pokémon dann gemeistert habt, möchte es direkt euer Freund sein. Ablehnen dürft ihr diesen Freundschaftsantrag übrigens nicht. Es ist zwar schade, dass man uns hier nicht die Freiheit zum Entscheiden lässt, doch es gibt wohl kaum jemanden, der nicht mit allen Pokémon befreundet sein möchte.

Unterhaltsame Minispiele

Sobald wir genügend Freunde verzeichnet haben, dürfen wir bei den vierzehn Minispielen im Park auf eine größere Charakterauswahl zurückgreifen. In den Minispielen müssen wir also nicht unbedingt mit Pikachu antreten, falls uns ein anderes Pokémon lieber ist. Es sei jedoch erwähnt, dass bei allen Minispielen unterschiedliche Pokémon zum Einsatz kommen. Sollten wir ein Pokémon, mit welchem wir das Minispiel angehen können, erst in einer späteren Zone begegnen, dürfen wir es auch noch nicht verwenden. Wer keine Freundschaften schließt, der muss eben mit einer kleinen Auswahl an Spielfiguren zurechtkommen. Die Minispiele fallen (bis auf zwei, drei Ausnahmen) allesamt sehr unterhaltsam aus, wenn wir aber in einem Spiel durchgehend nur die Wii Remote bis zur Schüttelfrosterkrankung schütteln sollen, dann ist das nicht eine Sekunde lang spaßig. Dann gibt es aber Spiele wie Pistenhatz mit Impoleon, in welchen wir mit einem Snowboard einen Abhang heruntersausen und noch dabei eine gute Zeit aufstellen sollen. In Kreiselkeilerei mit Rihornior steht unser Pokémon auf einem Kreisel und muss andere Pokémon in die Lavagrube schubsen. Spannend und nervenaufreibend! Bei Luftspurt mit Pelipper heißt es dann die Wii-Fernbedienung sanft in die jeweilige Richtung zu bewegen, um Ringe zu durchfliegen. Unsere Highlights sind aber Bammelballern mit Rotom und Panikzeppelin mit Rayquaza. Was sich dahinter verbirgt, müsst ihr selbst herausfinden!

Bewegungsfreiheit

Die Steuerung fällt im Gegensatz zum restlichen Abenteuer sehr unterschiedlich aus. In dem einen Minispiel wird die Spielfigur mittels der Bewegungssensoren der Remote bewegt, dann hält die Pointer-Funktion her, damit wir Feinde anvisieren können und in einem anderen Spiel ist wiederum das richtige Timing gefragt, wann wir beispielsweise auf den 2-Knopf drücken sollen. Im restlichen Abenteuer halten wir die Fernbedienung immer quer und steuern den gelben Nager in dreidimensionalen Abschnitten mit dem Steuerkreuz. Das fühlt sich leider nur selten direkt an, denn so stehen uns nur acht Richtungen zur Verfügungen, in die wir den Helden lenken dürfen. Das ist besonders deshalb schade, da die Kameraführung ebenfalls suboptimal ausfällt und dadurch das oftmalige Nachjustieren über die B-Taste erforderlich ist. Warum Nintendo sich nicht dafür entschieden hat, optional auch das Nunchuck oder gar den Classic Controller zu unterstützen, verstehen wir nicht. So würde sich Pikachus Abenteuer sehr viel angenehmer spielen lassen. Immerhin können wir jederzeit die Steuerungseinheit auf den TV-Bildschirm zeigen, um den Poképark aus den Augen von Pikachu zu erleben. So bleibt uns kein Detail der farbenfrohen Welt erspart. Lange Laufwege zwischen den Zonen bleiben dank des Transportsystems, das anfangs noch Beeren (die Spielwährung) verschlingt, aus. So können wir wunderbar zwischen Wald, Strand, Höhle und Gebirge wechseln.

Facebook für Pokémon

Optisch sehen alle Ortschaften im Spiel sehr schick aus, auch wenn der Comic-Look selbst für Wii-Verhältnisse ein wenig stimmiger hätte aussehen können. Dafür läuft der Titel durchweg flüssig und auch die Ladezeiten fallen nicht sonderlich ins Gewicht. Letztere stören sogar nur am Ende, wenn man auch noch das eine oder andere legendäre Pokémon zu seinen Freunden zählen möchte. Dafür ist es notwendig, sämtliche Bonusleistungen in den Minispielen zu erfüllen und das kann gut und gerne sieben Stunden dauern. Atmosphärisch ist, dass nun jedes Pokémon seinen Namen sagt und das Midi-Gedudel der Vergangenheit passé ist. Wer Aquana genau zuhört, der entdeckt zum Beispiel die Stimme von Hubertus von Lerchenfeld. Der Titel ist sehr leicht aufgebaut und eignet sich eher für jüngere Spieler, die erste Erfahrungen mit Pokémon sammeln möchten. Ältere Semester freuen sich über die Herausforderungen, die nach dem Durchspielen warten, die auch für jüngere Pokémon-Fans eine harte Nuss sind. Selbst wir haben da teils dutzende Anläufe gebraucht. Wer nur an der Story interessiert ist, kann den Titel nach ein paar Stunden beiseite legen. Man sollte sich dann aber nicht wundern, dass die Intention des Spiels dann auf der Strecke bleibt. Um alles gesehen und erlebt zu haben, vergehen locker fünfzehn (monotone) Stunden. Motivierend ist das Anhäufen von neuen Freunden aber allemal, denn in gewisser Weise ist das Spiel Facebook für Pokémon!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Lange Zeit lag das Spiel bei mir verschlossen herum, doch endlich hatte ich ein paar Stunden Zeit, wo ich Poképark Wii: Pikachus großes Abenteuer in aller Ruhe habe durchspielen können. Wer die gleiche Unterhaltung sucht, die er auch mit den Rollenspielen bekommt, wird von dem Spiel enttäuscht sein. Das Gameplay ist durchweg sehr monoton, da das Anhäufen von Freunden nach dem gleichen Muster abläuft. Entweder kämpfen, fangen, verstecken oder raten. Sehr viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Bei den Minispielen sieht es auch nicht sehr viel besser aus, denn sie sind nicht nur unterpräsent, sondern spielen sich in einigen Fällen sogar gleich. Man hätte hier meiner Meinung nach ruhig noch mehr Zeit in die Entwicklung des Titels stecken können, um mehr Abwechslung ins Geschehen zu bringen. So vermisse ich auch einen Mehrspielermodus, denn die Spielchen eignen sich hervorragend, um sie kooperativ zusammen oder gegeneinander zu spielen. Schlussendlich stört mich auch die Beeren-Inflation. Anfangs nutzt man die Früchte, um Pikachu in seinen Fähigkeiten zu verbessern. Später häufen sie sich auf das Maximum an und sind nahezu unbrauchbar. Ich verstehe auch nicht, warum ich mir am Ende noch die Arbeit gemacht habe, um tatsächlich alle Herausforderungen abzuschließen, um auch wirklich jedes (legendäre) Pokémon in den Park zu locken. Dafür gibt es im Grunde keine spielerische Belohnung, was mir doch sehr missfällt. Das Spiel hat viele gute Ansätze, welche es aber zu kaum einer Zeit ausreizt, doch trotzdem habe ich 16 Stunden lang sehr viel Spaß mit dem Titel gehabt, da das Anwerben von neuen Freunden doch sehr motivierend ist. Außerdem lernte ich so noch das eine oder andere Pokémon der dritten und vierten Generation mit Namen kennen, denn da tue ich mich seit acht Jahren sichtlich schwer. Für jüngere Pokémon-Fans ist das Spiel für zwischendurch sehr geeignet, aber ältere Fans können aufgrund keinerlei spielübergreifender Boni gerne auf den Titel verzichten.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Poképark Wii: Pikachus großes Abenteuer!

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