Review: Dishonored: Die Maske des Zorns

Schon im Vorfeld gab es dutzende Auszeichnungen für das neue Spiel der Arkane Studios, in dem eine Handlungsfreiheit und das eher ungewöhnliche Steampunk-Setting den Unterschied zu anderen Titeln machen soll. Wir haben Dishonored: Die Maske des Zorns durchgespielt.

In erster Linie muss sich das neue Franchise jedoch gegen die Konkurrenz durchsetzen. Mit BioShock gibt es seit Jahren einen Titel, dessen Gameplay auf die gleiche Art und Weise funktioniert, wie das von Dishonored. So können wir in beiden Spielen auf einer Hand eine Waffe tragen und verschiedene Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Schleudern von Blitzen, mit der anderen Hand ausführen. Das Spielprinzip ist also einigen Spielern schon bestens bekannt und so bedarf es bei Dishonored keine wirkliche Eingewöhnungszeit. Kommen wir jedoch zunächst einmal zur Spielwelt und erklären, was es denn eigentlich mit dem Steampunk-Szenario auf sich hat. Historisch gesehen würde Dishonored nach dem späten 19. Jahrhundert in England spielen, welches man auch das Viktorianische Zeitalter nennt. Technische Errungenschaften sind also von dieser Zeit inspiriert und so existiert in Dishonored eine Welt, wie sie sich aus eben dieser Epoche hätte entwickeln können. Besonders wichtige Elemente dieser Welt sind dampf- und zahnradgetriebene Mechaniken, sowie auch der Kleidungsstiel des Viktorianischen Zeitalters. Weiterhin werden in dieser Welt Körperteile von Menschen durch Maschinen ersetzt. Auch viele kuriose Waffen finden einen Weg ins Setting und somit in das Spiel. Ihr merkt es schon: Nicht viele Spiele siedeln sich in diesem Kunstgenre an und umso erpichter sind wir darauf, eine Welt zu erleben, welche so niemals existiert hat.

Vorschusslorbeeren

Bereits vor Release wurde das Spiel von der Presse als das Spiel des Jahres bezeichnet, ohne überhaupt handfeste Beweise zu haben, wie Dishonored überhaupt als ein fertiges Produkt aussieht. Etwas voreilig, wie wir finden. Die im Steampunk angesiedelte Geschichte ist leider kurz und knapp gehalten. Unser Held, Corvo Atano, ist der Leibwächter der Kaiserin von Dunwall und muss mit ansehen, wie diese von aus dem Nichts auftauchenden Attentäter ermordet wird und ihre Tochter, die nun rechtmäßige Thronnachfolgerin, entführen. Schnell merken wir, dass der Lordregent der Kaiserin dafür verantwortlich ist und uns als Sündenbock dastehen lässt. Wir werden sofort festgenommen und landen im Gefängnis – wartend auf die Todesstrafe! Aber es trifft eine plötzliche Wende ein, als wir von einer kleinen Gruppierung der Kaisertreuen befreit werden. Diese Gruppierung arbeitet im Untergrund und weiß, dass wir nichts mit dem Mord zu tun haben und um unsere Unschuld zu beweisen, helfen wir ihnen, Rache zu nehmen und die Tochter der Kaiserin zu finden. Denn nur mit der Thronfolgerin kann wieder die rechtmäßige Ordnung hergestellt werden. Mehr gibt es über die Geschichte nicht zu sagen und so führt uns die Hauptquest immer näher zu den Bösewichten, wie in jedem anderem Spiel eben auch. Von dort an schalten wir einen Strippenzieher nach dem anderen aus, um die Verschwörung nach und nach aufzudecken.

Leise oder mit Krawall

Bei den Auftragsmorden kommt das von den Entwicklern versprochene Spielgefühl gut zum Vorschein. So haben wir die Wahl, unsere Gegner leise und unaufmerksam auszuschalten oder eben durch die Vordertür zu platzen, um in actionreichen Gefechten alles nieder zu schießen. Dieses Element unterscheidet das Spiel von dem gewöhnlichen Einheitsbrei des Shooter-Genres. Um unsere Feinde zu erledigen, stehen uns viele verschiedene und kreative Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Fremder namens Outsider versorgt uns nämlich mit magischen Fähigkeiten, welche wir neben den Standardwaffen wie Degen oder Pistole nutzen können. Wie oben erwähnt erinnert dies sehr stark an BioShock und somit sind viele Spieler mit der Umgehensweise wohl schon bestens vertraut. Eine der Fähigkeiten ermöglicht es zu teleportieren, was gerade bei einem leisen Vorgehen ziemlich effektiv ist. In Kombination mit der Nachtsicht, mit welcher wir durch Wände schauen können, werden wir zum ausgelernten Assassinen und können unsere Gegner lautlos und schnell ausschalten. Töten wir einen Feind von hinten, so gehen wir meist in eine Animation über, welche einen hohen Grad an Gewalt darstellt. Die Entwickler sind hier nicht zimperlich, was das Meucheln von Leuten angeht. Haben wir die Lust am Schleichen verloren, so können wir auch Ratten beschwören und die auf den Gegner hetzen. Es gibt also genügend Variationen, die uns zum Ziel führen.

Mäßige künstliche Intelligenz

In der von uns getesteten PC-Version treffen wir auf eine sehr schwache und nicht überdacht handelnde künstliche Intelligenz. Wir können auf mittlerem Schwierigkeitsgrad offen durch das Feld rennen – ohne dass unsere Gegner uns dabei entdecken! Auch wenn wir neben einer Person einen Feind ausschalten, so reagieren dessen Kumpanen, die direkt daneben stehen, nicht wirklich auf unseren Anschlag. Es ist also für erfahrene Spieler empfehlenswert, direkt auf höchstem Schwierigkeitsgrad anzufangen, damit der Spielspaß und die Herausforderung bewahrt bleiben. Erst dann macht sich das Adlerauge unseres Gegners bemerkbar und wir werden viel leichter entdeckt. Zudem finden wir die Fähigkeit des Teleportierens zu mächtig. Wir kommen dank dieser Fähigkeit viel zu leicht an unsere Primärziele und können genau so schnell vor unseren Feinden fliehen.  Wenn man so will eine Hit-and-Run-Taktik der aller schönsten und leichten Art. Aber es gibt auch einige Möglichkeiten, Mithelfer der Ermordung zu eliminieren, ohne unsere eigenen Hände schmutzig zu machen. In einem Freudenhaus sollen wir zum Beispiel ein Zwillingspaar ausschalten, welches beim Putsch gegen die Monarchin geholfen hat. Wenn wir für einen Schwarzhändler eine Kombination aus dem Bordell besorgen, so schickt dieser daraufhin Attentäter ins Gebäude, welche für uns die Drecksarbeit erledigen. Das erleichtert den Spielverlauf an manchen Stellen ungemein.

Macht der Entscheidungsfreiheit

Wie erwähnt gibt es viele Möglichkeiten, die Verräter zu eliminieren. Wir können uns leise in ein Haus schleichen oder teleportieren, an allen Wachen vorbeigehen, um anschließend unser Zielobjekt von hinten zu ermorden. Wir dürfen aber auch direkt durch die Vordertür breschen, die Wachen aggressiv ausschalten, die komplette Aufmerksamkeit auf uns ziehen und uns bis zum Primärziel durchkämpfen. Eine Kombination von beidem ist natürlich auch möglich. Zudem haben wir die Option, für Nebenmissionen Nichtspielercharaktere für unsere Sache zu gewinnen, damit diese sich einmischen und unsere Ziele ausschalten. Es gibt eine Reihe an Möglichkeiten und diese können wir unserem Spielstil entsprechend anpassen. Was aber trügt ist die vermeidlich offene Spielwelt. Wir kommen hin und wieder an Orte, bei denen wir uns auf Dächer teleportieren oder das eine oder andere Gebiet betreten können, aber offen ist die Spielwelt niemals wirklich. Hier vermissen wir eine Spielwelt wie in The Elder Scrolls V: Skyrim, wo wirklich fast alles betretbar ist und wir uns frei bewegen können. Dies ist eine Schwäche, die die Entwickler besser hätten machen können. Da hätte man sich ruhig an der The-Elder-Scrolls- oder auch an der Fallout-Serie orientieren können, welche mit ihren offenen Spielwelt deutlich zu glänzen wissen. Aber diese Kleinigkeit können wir aufgrund der vorhandenen Optionsvielfalt, die das Spiel bietet, getrost ignorieren.

Emotionslosigkeit

Optisch wirkt der Titel für einige Spieler wohl recht ungewohnt und die Grafik ist in unseren Augen sogar ein Rückschritt. Wir haben das Gefühl, dass die PC-Fassung von Dishonored gar eine reine Konsolenportierung ist! Optische Höhepunkte, die auf einem PC erreicht werden können, sehen wir in Dishonored nur sehr selten. Grafikfetischisten kommen hier nicht auf ihre Kosten. Manche Oberflächen fallen extrem detailarm aus, die Animationen sind nicht auf dem neuesten Stand und wirken oftmals hölzern. Gerade die Gesichtsanimationen passen nie wirklich zum Kontext einer Konversation. Einzig positiv festzuhalten ist der ungewöhnliche Mix aus Pastellfarben, die Kontraste und die überzeichneten Proportionen der Spielfiguren. Ebenso enttäuscht sind wir ein wenig vom Hauptcharakter, welcher über den gesamten Spielverlauf wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt. In den zahlreichen Dialogen haben wir nur die Wahl zwischen rudimentären Antworten. Dabei kommt weder ein Gefühl von Charme noch sonstigen Emotionen unseres Charakters rüber. Selbst die künstliche Intelligenz zeigt mehr Persönlichkeit als die Hauptfigur und somit hätte ein wenig Charme sicherlich nicht geschadet. Die zwischenmenschliche Bindung der Persönlichkeiten hat uns einfach hier und da gefehlt. Durch diese Problematik wird der Spielfluss leider gelegentlich gestört, doch wer ein unverbrauchtes Setting und Entscheidungsfreiheit liebt, wird mit Dishonored: Die Maske des Zorns dennoch glücklich werden.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Schon im Vorfeld wurde Dishonored: Die Maske des Zorns mit Preisen überschüttet und auch nach Release hört man aus allen Ecken die Lobpreisung des Spiel des Jahres. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen und so finde ich viele Bewertungen der Medien stark überzogen und geblendet von einer guten Spielwelt. Dishonored ist sicherlich ein Spiel, welches man gespielt haben muss und das seinen Preis auch definitiv wert ist. Ich muss auch ehrlich sagen, dass es eines der besten Spiele dieses Jahres ist, aber sicherlich kein Spiel, welches für mich immer in Erinnerung bleiben wird. Gerade die Spielwelt mit dem unverbrauchten Steampunk-Setting ist absolut interessant und hat einige Interessen in mir geweckt, mich näher mit solch einer Welt beschäftigen zu wollen. Aber die grandiose Idee solch ein Setting zu benutzen ist für mich kein Grund, Dishonored als Spiel des Jahres anzusehen. Die Grafik ist in meinen Augen viel zu altbacken, das Gameplay bekannt und vertraut und die Geschichte um den Helden Corvo Atano ist auch nicht innovativ und mitreißend. Dabei hätten die Entwickler zumindest in Sachen Story wesentlich mehr Potenzial gehabt und dem Spiel somit mehr Attraktivität verleihen können. Gut hingegen finde ich die Freiheiten, die das Spiel mir lässt. Je nach Laune haue ich ordentlich mit meinen Fähigkeiten auf den Putz, um meine Stärke und Dominanz unter Beweis zu stellen oder ich schleiche mich langsam an meinen Gegner heran und ermorde diesen von hinten. Auch die Kampfeffekte und der Übergang in ein gescriptetes Töten wissen zu gefallen und es macht auch Spaß, sich so durch die Reihen zu kämpfen. Alles im allem ist Dishonored wirklich ein gutes und solides Spiel, welches aber auch viele Schwachpunkte hat und damit für mich keine Besonderheit darstellt. Eine klare Kaufempfehlung gibt es trotzdem und für viele Spieler wird dies auch sicherlich ihr Spiel des Jahres sein, aber eben nicht meins.

Vielen Dank an ZeniMax für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dishonored: Die Maske des Zorns!

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