Review: Children who chase lost Voices

Children who chase lost Voices from Deep Below (1)Makoto Shinkai ist einer der Regisseure, der mit so gut wie jedem Film ein beeindruckendes Werk abliefert. Sein neuestes Werk Children who chase lost Voices beschäftigt sich mit dem Thema Tod und das auf eine tragische und zugleich fantastische Weise.

Children who chase lost Voices from Deep Below (2)Asuna ist ein einzigartiges Mädchen. Nach dem Tod ihres Vaters wird sie bereits in jungen Jahren erwachsen, denn sie unterstützt ihre Mutter wo sie nur kann. Nach der Schule trifft sie sich deshalb nicht mit Freundinnen, sondern kümmert sich um den Haushalt und bereitet sich auf die nächsten Schulstunden vor. Jedoch benötigt auch sie einmal eine Auszeit und begibt sich deshalb des Öfteren in die umliegenden Wälder und Berge. Eines Tages wird sie jedoch von einem seltsamen Wesen angegriffen und in jenem Moment, wo sie dem Tod bereits ins Auge blickt, taucht ein mysteriöser Junge auf, der die Bestie attackiert und töten muss. So schnell der Junge aufgetaucht ist, so schnell verschwindet er wieder aus dem Blickfeld von Asuna. Am darauffolgenden Tag verändert sich für das Mädchen sehr viel, denn zum einen stellt sich ihr der neue Lehrer in der Schule vor, der eine Geschichte von einem Liebespaar erzählt, welches durch den Tod getrennt wurde und zum anderen wird die Leiche des Jungen gefunden. Asuna erinnert sich an die Geschichte ihres Lehrers, sucht diesen auf und macht sich dann auf den Weg, die unterirdische Welt Agartha zu finden. In den Bergen taucht Shin auf, welcher der Bruder des Verstorbenen Shun ist. Beide Jungen stammen noch dazu aus Agartha. Das nutzt Asunas Lehrer aus. Der will nämlich seine tote Geliebte wiedersehen.

Trauerphasen

Children who chase lost Voices from Deep Below (3)Das Thema Tod ist der Anhaltspunkt in Children who chase lost Voices. Jeder wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal einen geliebten Menschen verloren haben und jeder wird den einen oder anderen verstorbenen Menschen gerne noch einmal wiedersehen. In Agartha soll dies möglich sein und Lehrer Ryūji Morisaki drastisches Vorgehen können wir daher sehr gut nachvollziehen. Die Welt Agartha ist jedoch kein friedlicher Ort, denn nachts lauert hier die Gefahr in Form von Wesen, die sich nur im Dunkeln fortbewegen können und Asuna und ihre Begleiter sehr gerne verspeisen möchten. Selbst in jenem Moment, als sie eine bewohnte Siedlung in Agartha finden, werden sie dort wieder weggeschickt. Zudem werden sie von den Soldaten der Stadt verfolgt, als die von ihren Plänen erfahren. Der zentrale Konflikt entbrennt. Wir stellen uns selbst die Frage, ob es richtig ist, einen toten Menschen wiederzubeleben oder ob die Natur beziehungsweise der Kreislauf des Lebens unangetastet bleiben soll. Letzterer ist ebenfalls in Form einer Metapher zu sehen, als das Katzenwesen Mimi nach Erfüllen ihrer Aufgabe in der Welt an einen Quetzalcoatl, einem Wächter der Welt, übergeben und ein Teil von diesem wird. Die Handlung von Children who chase lost Voices kann grundsätzlich als Aneinanderreihung und Gemisch von verschiedenen Trauerphasen gewertet werden.

Ernste Thematik

Children who chase lost Voices from Deep Below (4)Nachdem sich Makoto Shinkai zuletzt mit 5 Centimeters per second der Liebe und dem Leben zugewandt hat, versucht er mit Children who chase lost Voices gegenteilige Gefühle bei den Zuschauern hervorzurufen. Es ist wirklich beeindruckend, wie schnell er die Emotionen eines Menschen beeinflussen kann. Children who chase lost Voices ist somit kein lustiger Anime und stellenweise hatte er auf uns auch eine depressive Wirkung. Das macht ihn jedoch nicht schlechter, denn schließlich behandelt er ein ernstes Thema, mit dem sich jeder früher oder später leider einmal befassen muss. Es gehört zum Leben dazu und wenn man so gleichzeitig jüngere und ebenso erwachsene Anime-Fans ansprechen kann, dann hat Makoto Shinkai nach seinem letzten Werk ebenfalls wieder großartige Arbeit geleistet. Diese Arbeit spiegelt sich natürlich in der des ganzen Produktionsteams wieder. Die Zeichnungen beeindrucken mit sehr weiten und leeren, dafür umso farbenfroheren Landschaften, die noch dazu mit den typischen Lichteffekten beleuchtet werden. Die Charaktermodelle fallen diesmal jedoch kindlicher aus und erinnern mehr an Studio-Ghibli-Produktionen. Die deutsche Synchronisation funktioniert, doch hat die japanische Tonspur die Nase deutlich vorn. Neben dem 116 Minuten langen Film liegen auf der Blu-ray mehr als einhundert Minuten Bonusmaterial (Interview, Making-of und die originalen Trailer) bei. So sieht eine gute Anime-Veröffentlichung aus!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nach The Voices of a Distant Star und vor allem dem Meisterwerk 5 Centimeters per second bin ich ein großer Bewunderer von Makoto Shinkai geworden. Es scheint so, dass er mit Leichtigkeit jedes Thema in einem Anime hervorragend vorstellen und den Zuschauer dazu bewegen kann, sich mit diesem auch nach dem Ansehen zu beschäftigen. Jeder von uns wird sicherlich schon einmal die Erfahrung gemacht haben, dass ein geliebter Mensch gestorben ist und man ihn nur zu gerne wiedersehen möchte. In Children who chase lost Voices haben die Charaktere diese Option und versuchen sie zunutzen – zumindest einer von ihnen. Wie sich die Story entwickelt und wie sich die vor allem auf die betreffenden Personen auswirkt, ist nochmals ein Thema für sich, doch psychologische Abhandlungen führen hier zu weit. Fakt ist, dass die Entscheidungen der Personen nachvollziehbar sind, auch wenn ich mir für Asuna als Schlüsselfigur noch tiefgründigere charakteristische Merkmale gewünscht hätte. Noch dazu endet der Anime für mich zu abrupt, denn kaum wurde der zentrale Konflikt gelöst, läuft auch schon der Abspann über den Fernseher. Über diese Mankos kann ich jedoch hinwegsehen, denn der Titel, der laut Film komplett eigentlich Children who chase lost Voices from Deep Below heißen müsste, regt mit seiner ernsten Thematik von Anfang bis Ende zum Nachdenken an.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Children who chase lost Voices!

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