Der Verpackungstext der Black Edition von A Company Man verspricht, dass sich Regisseur Lim Sang-yoon auf die Spuren von Kim Jee-woon begibt. Dieses Versprechen kann der Film nicht ganz halten, doch schlecht ist Lims Erstlingswerk sicherlich nicht.
Ji Hyeong-do ist ein engagierter Mitarbeiter einer mysteriösen Firma. Äußerlich ist die Firma ein Metallverarbeitungsunternehmen, doch der Schein trügt. In Wahrheit kümmern sich die Mitarbeiter des Konzerns um Auftragsmorde. Ji hat zuvor keine Fragen an seine Vorgesetzten gestellt und die Aufträge sorgfältig ausgeführt, doch als dann eine Aushilfe eingestellt wird, die mit Ji zusammenarbeiten soll, bekommt Ji zum ersten Mal in seiner beruflichen Laufbahn Gewissensbisse. Als die Aushilfe ein Gebäude infiltrieren und dort einige Männer umbringen soll, läuft zunächst alles glatt. Ji hat jedoch den Auftrag, die Aushilfe noch im Gebäude so zu exekutieren, dass es wie ein Unfall aussieht. Als die Aushilfe jedoch nicht sofort tot ist, bittet der Junge Ji um einen letzten Gefallen, denn Ji soll des Jungen Erspartes seiner Mutter geben. Es kommt wie es kommen muss und Ji lässt den Jungen am Leben, was Jis Auftraggebern gar nicht gefällt, da so die Polizei auf die Firma aufmerksam wird. Ärgerlich ist zudem, dass sich Ji in die Mutter des Jungen verliebt und die beiden Auftragmörder deren kleine Familie mit in den Sumpf des Verbrechens zieht, der in einem Blutbad enden wird. Wer nämlich Probleme anzieht und die Firma in Schwierigkeiten bringt, wird niemals lebend aus dem schmutzigen Geschäft aussteigen können. Ji sieht sich mit einer schmerzlichen Erfahrung konfrontiert.
Kurzer Prozess
Der Film Noir, der sich in A Company Man widerspiegelt, ist durchzogen mit Dialogen und Action-Szenen, die für die Freiwillige Selbstkontrolle wohl stellenweise so gewaltvoll sein müssen, dass es neben der Uncut-Fassung (in Form der Black Edition) auch eine entschärfte FSK-18-Ausgabe gibt. Wir finden jedoch, dass sich der Brutalitätsgrad auf einem humanen Niveau bewegt, denn es gibt keine Szene, die in die Länge gezogen wird und mit Gewalt nur so protzt. Alle Schießereien und Faustkämpfe sind kurz, knackig und auf das Wesentliche reduziert, zumal Ji fast durchgehend nur aus Notwehr handelt und erst am Ende eigenmächtig entscheidet. Dass sich die Handlung ebenfalls auf das Wesentliche reduziert, erkennt man an so gut wie jeder Szene. Ji ist relativ verschlossen, redet nicht viel und interagiert nur mit der Umwelt, wenn sich ihm sonst keine andere Möglichkeit eröffnet. Zudem gibt es keine Szenen, die Einblicke in das restliche Leben der Figuren ermöglichen. Man kann hier im Grunde von einer personalen Erzählerperspektive sprechen, da wir nur die Gefühle, Emotionen und die Gedanken der handelnden beziehungsweise sich erinnernden Personen miterleben. Das reicht im Falle von A Company Man jedoch nur gerade so aus, denn aufgrund des verschlossenen Ji hätten wir uns durchaus mehr Einblicke in das Leben der Auftragskiller gesehen.
Opfer des Marketing
Während zwar ein Einblick fehlt, offenbart uns in A Company Man jedoch ein Anblick, den wir selbst in aktuellen hochauflösenden Filmen nur zu sehen bekommen. Das Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) macht einen sehr guten Eindruck. Einzelne Haare, Hautpartikel und ein richtiges Verhältnis zwischen Schärfe- und Unschärfeeffekt beeindruckt uns ganze 97 Minuten lang. Wer die geschnittene Fassung kauft, muss mit insgesamt zehn Schnitten rechnen, welche den Film um ganze vierzig Sekunden verkürzen. Beide Fassungen sind mit dem koreanischen Originalton und mit der deutschen Synchronisation ausgestattet, welche beide nicht unpassend sind. Es fällt jedoch – wie so oft auch – auf, dass das Original ausdrucksstärker ist, doch auch die deutschen Sprecher haben mit ihren zugewiesenen Figuren gute Arbeit geleistet. Insbesondere der deutsche Synchronsprecher von Ji drückt sehr gut die Gleichgültigkeit des Charakters aus. Beide Tonformate liegen im Übrigen in DTS-HD 5.1 Master Audio vor. Für das erste Filmwerk von Regisseur Lim ist A Company Man gelungen, wenn wir den Film auch nicht so in Erinnerung behalten werden, wie zum Beispiel The Man From Nowhere und genau in diesem Punkt verspricht uns der Verpackungstext des Films etwas, was er nicht halten kann. A Company Man wurde zum Opfer des Marketing.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Südkoreanische Filme haben bei mir in den letzten zwei Jahren einen sehr viel höheren Stellenwert eingenommen als im selben Zeitraum US-amerikanische Filme. Bei südkoreanischen Produktionen bekomme ich in der Regel alles so dosiert, wie es ein guter Film verdient. A Company Man hat dieses Ziel leider übertroffen, denn anstatt den Film auf wichtige und fortlaufende Bestandteile zu reduzieren, hat man sich bei A Company Man das wohl nicht gedacht und einen Film entworfen, der auf ein Minimum reduziert wurde, um ihn so schnurstracks verstehen zu können. Daran wäre im Grunde nichts Verwerfliches, doch mangelt es dem Film einfach an jenen Komponenten, die uns die Figuren näherbringen sollen. Andere Filme des Genres, wie A bittersweet Life, zeigen, wie man es stattdessen richtig macht. Außerdem stört mich die eingehende Handlung, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Firma, die sich auf Auftragsmorde spezialisiert hat, eine Aushilfe (!) einstellen will. Vor allem wie Ji auf eben diese Person gekommen ist, bleibt auch nach dem Abspann ein Rätsel. Dadurch wird A Company Man sicherlich nicht zu einem miesen Film, doch ein sehr guter wird er dadurch absolut nicht. Wer sich auf A Company Man einlässt, der bekommt zwar das vorgesetzt, was das Genre verspricht, jedoch auf ein fast unerträgliches Minimum reduziert.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von A Company Man!