Review: Metaphor: ReFantazio

Atlus kündigte bereits 2016 Project Re:Fantasy mit einer spannenden Konzeptgrafik an. Rund acht Jahre später ist das erste neu entwickelte Spiel von Studio Zero und Persona-5-Director Hashino Katsura unter dem Titel Metaphor: ReFantazio im Oktober 2024 erschienen.

Schon seit Atlus Project Re:Fantasy neu als Metaphor: ReFantazio vorgestellt hat, wird das Rollenspiel mit der erfolgreichen und beliebten Persona-Reihe verglichen. Das ist angesichts der offensichtlichen Gemeinsamkeiten bei Optik und Gameplay sowie aufgrund der Beteiligung von Persona-5-Director Hashino Katsura wenig verwunderlich, zumal Metaphor: ReFantazio in vielen Punkten wie ein Persona im Fantasy-Setting wirkt. So setzt das Rollenspiel ebenso auf ein Kalender-System inklusive Tagesplanung, befristete Quests, soziale Interaktionen, zahlreiche Dialoge und Dungeon-Erkundung inklusive rundenbasierter Kämpfe. Metaphor: ReFantazio ist jedoch weitaus mehr und kann sich trotz eindeutiger Verwandtschaft zu Persona und Shin Megami Tensei als eigenständiges Rollenspiel und einer der besten Genrevertreter des Jahres beweisen. Daran hat die großartige Fantasy-Geschichte über den Kampf um den Thron der Fantasy-Welt Euchronia inklusive Demokratie- und Rassismus-Themen einen großen Anteil. Überzeugen kann das Rollenspiel ebenfalls mit einzigartigen Dialogen, einer toll entworfenen Fantasy-Welt mit Steampunk-Elementen sowie zahlreichen überraschenden Wendungen. Als junger Elda, ein niederer, verhasster Stamm, verfolgen wir anfangs eine geheime Mission, die eng mit der Ermordung des Königs zusammenhängt. Schließlich werden wir direkt in den Kampf um den Thron verwickelt.

Geplanter Fantasy-Alltag

In zwei Bereiche teilt sich der Spielablauf von Metaphor: ReFantazio auf. Allerdings öffnet sich das Rollenspiel erst nach einigen sehr linearen Spielstunden, in denen wir vorwiegend der Geschichte folgen und Kämpfe bestreiten. Sobald wir uns frei bewegen können und eine Hauptquest mit Frist als Ziel haben, wird das Kalendersystem etabliert. Dabei wird uns vorgegeben, bis zu welchem Tag wir eine bestimmte Aufgabe, beispielsweise einen Dungeon, absolviert haben müssen. Die restlichen Tage können wir frei verplanen, wobei es uns überlassen ist, ob wir zuerst die Hauptquest erfüllen und anschließend unsere Freizeit nutzen oder umgekehrt. Jeder Tag ist in Nachmittag und Nacht eingeteilt und bietet uns verschiedene Interaktionen. So können wir Dungeons besuchen, um die oft mit spannenden Geschichten verbundenen Nebenaufgaben zu erfüllen, Kopfgeldjagden nachzugehen oder einfach nur zu leveln. Dabei müssen wir beachten, dass nach einem Dungeon-Besuch die nächtliche Aktivität wegfällt. Ebenso können wir verschiedene Möglichkeiten nutzen, um königliche Tugenden wie Mut und Weisheit des Protagonisten zu verbessern. Diese sind erforderlich, um einige Nebenquests annehmen zu können oder die soziale Stufe mit einem Verbündeten zu erhöhen. Mit letzteren können wir regelmäßig Zeit verbringen. Gute Planung ist also essentiell, um die begrenzte Zeit sinnvoll zu nutzen.

Kampflastige Dungeons

Wie für viele Atlus-Spiele typisch sind die Dungeons zwar abwechslungsreich, fallen aber nicht unbedingt weitläufig oder komplex aus. Gelegentliche Abzweigungen laden trotzdem zum Erkunden ein. In den Dungeons dominieren rundenbasierte Kämpfe gegen zahlreiche Gegner wie Soldaten oder unterschiedliche Monster. Allerdings können wir uns zuvor mit Echtzeitangriffen einen Vorteil verschaffen. Schwache Gegner werden sogar direkt besiegt, was uns die Rundenkämpfe gegen sie erspart. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass sich Metaphor: ReFantazio bei der Gestaltung der Kämpfe an Persona 5 orientiert hat. Entsprechend gut spielen sich die Auseinandersetzungen. Für jeden Charakter in unserer maximal vierköpfigen Gruppe erhalten wir einen Aktionspunkt, den wir für normale Angriffe oder Fähigkeiten und Magie nutzen können. Wichtig ist es, die Stärken und Schwächen der Gegner zu beachten. Greifen wir einen gegen Feuer anfälligen Feind mit einem Flammenzauber an, erleidet dieser nicht nur mehr Schaden, wir verbrauchen auch nur einen halben Aktionspunkt und können somit häufiger agieren. Weicht ein Gegner hingegen aus, verlieren wir zwei Aktionspunkte. Diese Regelung gilt auch für unsere Widersacher, weshalb wir unsere eigenen Schwächen und Stärken kennen sollten, um uns anzupassen. Essentiell dafür sind die als Archetypen bezeichneten Klassen.

Mächtige Verwandlungen

Die Archetypen bestimmen, welche Fähigkeiten und Ausrüstung die Charaktere einsetzen beziehungsweise tragen können. Neue Archetypen schalten wir frei, wenn wir Kontakte zu bestimmten Personen knüpfen. Verbessern wir unsere Beziehungen zu den entsprechenden Personen, hat das Auswirkung auf die zugehörigen Archetypen. Dabei kann jeder Charakter unserer Gruppe jeden Archetypen nutzen, sobald dieser individuell freigeschaltet wurde. Ebenso erhöhen wir mit gesammelten Kämpfen nicht nur das Level unserer Charaktere, sondern auch für jede Figur die Archetypenstufe. Dadurch werden neue Fähigkeiten freigeschaltet. Viele Archetypen verfügen sogar über eine bessere Version. Aufgrund der starken Abweichungen zwischen den Archetypen wird eine enorme taktische Tiefe geboten. Vor jedem Dungeon gilt es genau zu überlegen, welche Klassen sich anbieten und was für Angriffe und Fähigkeiten sinnvoll sind. Manchmal wechseln wir sogar in einem Dungeon mehrmals den Archetypen, um uns der Situation anzupassen. Zudem verfügen die Archetypen über Synergie-Angriffe. Für diese agieren zwei Archetypen gemeinsam, um eine mächtige Attacke auszuführen, verbrauchen dabei jedoch zwei Aktionspunkte. Erlernte Fähigkeiten eines Archetyps können in begrenzte Slots eines anderen Archetyps übertragen werden, sodass wir beispielsweise auch als Krieger Eismagie wirken können.

Epik mit kleinen Schwächen

Optisch ist Metaphor: ReFantazio gleichermaßen opulent, faszinierend, stilisiert und gleichzeitig etwas altbacken und schwach. Besonders bei der Präsentation ist das Rollenspiel auf einem enorm hohen Niveau. Die Gestaltung ist fantastisch und trumpft mit den Designs von Menüs, Bildschirmanzeigen, Charakteren, Gegnern und der Welt auf. Hier kann Metaphor: ReFantazio restlos überzeugen. Selbiges gilt für die wirklich sehr hochwertigen Anime-Zwischensequenzen. Gleichzeitig fallen jedoch in wenigen Szenen leere, grafisch nicht sonderlich hübsche Umgebungen, statische Hintergründe oder einfache Animationen auf. Auch die oft fehlende Sprachausgabe, die sowohl auf Japanisch als auch auf Englisch überzeugt, ist ein typischer Mangel eines Atlus-Rollenspiels. Angesichts der erstklassigen Präsentation ist das umso bedauerlicher, zumal Metaphor: ReFantazio abgesehen von gelegentlichen Rucklern beim Speichern auf der PlayStation 5 absolut rund läuft. Untermalt wird das Geschehen zudem von einem epischen, mitreißenden und perfekt passenden Soundtrack, der viel zur Atmosphäre beiträgt. Überzeugen können auch die deutschen Texte, die trotz seltener kleiner Fehler durchweg gelungen sind und allerlei Eigenarten der Charaktere vermitteln. Die kleinen Schwächen werden problemlos ausgeglichen, sodass sich an der faszinierenden und fesselnden Spielerfahrung von Metaphor: ReFantazio nichts ändert.

Geschrieben von Alexander Geisler

Alexanders Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Seit der Ankündigung von Project Re:Fantasy war ich gespannt auf das Rollenspiel, das mit der Präsentation als Metaphor: ReFantazio sofort meinen Wunsch geweckt hat, es spielen zu wollen. Dabei erinnert Metaphor: ReFantazio im Kern deutlich an die Persona-Reihe. Besonders das Kalendersystem könnte fast eins zu eins aus dem erfolgreichen Persona 5 entnommen sein. Allerdings verleiht das Fantasy-Steampunk-Setting der Mechanik ausreichend Eigenständigkeit. Allgemein mag Metaphor: ReFantazio teilweise an ein Persona im Fantasy-Setting erinnern, doch das Rollenspiel ist weitaus eigenständiger. Besonders die spannende Geschichte weiß mit überraschenden Wendungen, eigenwilligen Charakteren und interessanter Welt zu faszinieren. Zusätzlich haben mich Kämpfe, Alltagsplanung, Quests und die kleinen Geschichten abseits der Hauptstory immer wieder aufs Neue gefesselt. Das fantastische Design und der epische Soundtrack unterstützen zudem die einzigartige Atmosphäre. Kleinere Mängel wie die nicht immer perfekte Optik, minimale Fehler in den deutschen Texten oder den Verzicht auf eine Vollvertonung verzeihe ich gerne, zumal sie mir nur selten auffallen. Dafür motiviert mich Metaphor: ReFantazio zu sehr und ich schaffe es kaum, den Controller aus der Hand zu legen. Für mich ein eindeutiger Anwärter auf den Titel Spiel des Jahres 2024, den sich kein Rollenspiel-Fan entgehen lassen sollte.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezenesionsexemplars von Metaphor: ReFantazio!

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