Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 4)

Seit Anfang Mai 2025 steht die vierte Ausgabe der Anime-Serie Crayon Shin-chan in den Händlerregalen. Wie schon bei den drei vorherigen Episodenpaketen geht Herausgeber Polyband Anime spartanisch wie minimalistisch vor. Dem Inhalt tut dies aber keinen Abbruch.

Obwohl Crayon Shin-chan bereits seit 1992 im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wird und die Charaktere nie wirklich altern, geht die Anime-Serie inhaltlich mit der Zeit und zeigt hier und da auch technische Errungenschaften wie Mobiltelefone. Dieses Los haben bereits etliche andere Werke wie etwa Detektiv Conan gezogen, was aber nicht weiter schlimm ist. Sobald einmal die Ausgangslage der Reihe verstanden ist, lässt sich zumindest bei Crayon Shin-chan jederzeit in die Serie einsteigen. Großartige Veränderungen gibt es eigentlich nicht. Auf dem Cover der vierten Volume prangt mit einem Artwork von Himawari respektive Daisy, wie das aufgeweckte Kleinkind in der Übersetzung der frühen 2000er-Jahre heißt, der Nachwuchs der Familie Nohara. Sie spielt in den vorliegenden Episoden aber noch fast keine Rolle. In zwei Episoden wird zwar die Schwangerschaft von Mutter Misae beziehungsweise Mitsy thematisiert, doch bis zur Geburt dürfte es noch einige Episoden dauern. Es könnte aber auch schneller gehen, denn Polyband Anime orientiert sich weiter an der abstrusen Veröffentlichungspolitik der damaligen Ausstrahlung im nicht-japanischen Fernsehen. Verständnisprobleme gibt es aufgrund solcher Lappalien aber keine. Nach wie vor steht der fünfjährige wie titelgebende Shinnosuke alias Shin-chan im Rampenlicht, der alle um sich herum zur Weißglut treibt.

Chaotische Familienbande

Dementsprechend dreht sich in Crayon Shin-chan alles um den Alltag des Fünfjährigen, der durchschnittlicher nicht sein könnte, durch selbstverschuldete Aktionen und zufällige Begegnungen aber alles andere als normal ist. Shinnosuke lässt sich unter anderem nur allzu gerne provozieren. In der Vorschule prahlt sein mutmaßlich intelligenter wie eingebildeter Klassenkamerad Kazama beziehungsweise Cosmo damit, dass er aufgrund besonderer Leistungen ein eigenes Zimmer erhalten hat. Zuhause verlangt Shin-chan von seiner Mutter daraufhin ebenfalls seine eigenen vier Wände zum Spielen. Unter der Bedingung, dass er den Raum sauber hält, willigt diese sogar ein. Dass das Ganze im Chaos endet, dürfte jedem Serienkenner von der ersten Minute an bewusst sein. In einer anderen Episode versucht sich Shin-chans Vater Hiroshi, in der deutschen Übersetzung Harry, vor den familiären Pflichten zu drücken. Anstatt mit seiner Ehefrau und seinem Sohn einen Ausflug zu unternehmen, muss er mit einem wichtigen Geschäftskunden auf den Golfplatz gehen. Zuhause verbünden sich Shin-chan und seine Mutter gegen ihn, wodurch der Haussegen direkt bedroht ist. Der Bengel schlägt regelmäßig über die Strenge, was in anderen Folgen wiederum für Tratsch und Klatsch bei den Nachbarn sorgt, obwohl die selbst gerne mal tratschende Mutter derlei üble Gerüchte vermeiden will.

Kleine Obszönitäten mit Schmunzelcharakter

Nicht nur innerhalb seiner Familie treibt Shin-chan seine Mitmenschen in den Wahnsinn. In der Vorschule müssen seine Erzieherinnen, der Direktor und nicht zuletzt seine Freunde unter seinen bissigen Kommentaren und spontanen Anflügen an kuriosen Ideen leiden. In drei aufeinanderfolgenden Episoden macht die Vorschule einen Ausflug in die Berge, bei dem sich Shinnosuke und seine Freunde unbewusst abseilen. Dies führt dazu, dass sie eine Nacht in der Wildnis überleben und beispielsweise ihr Essen rationieren müssen. Obszön kann es hier und da mit einem Augenzwinkern auch werden, denn eine brennende Wunderkerze hält Shin-chan am Abend mit seinen Pobacken zusammen, um seinen Freunden Licht zu spenden. Rauchzeichen, welche die Kinder erzeugen, um auf sich aufmerksam zu machen, sprechen ebenso eine klare Symbolik. Darüber hinaus kann es Shin-chan nicht lassen, sich jeder nächstbesten Frau an den Hals zu werfen. So sitzt er in einer Folge mit seinem Hund beim Veterinär, doch anstatt mit dem Hündchen ins Behandlungszimmer zu gehen, macht er direkt die Tierärztin an. Dieser Humor ist im Anime-Bereich nahezu einzigartig und zaubert mit der einzig enthaltenen Synchronisation auf Deutsch inklusive aberwitziger Bezeichnungen wie „Bärbels Bier-Softeis“ lachaffinen Zuschauern auch zum vierten Mal ein breites Grinsen ins Gesicht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Crayon Shin-chan ist und bleibt für mich eine der witzigsten Anime-Serien, woran die kultverdächtige deutsche Synchronisation nicht ganz unschuldig sein dürfte. Der originale Inhalt, der anhand der Bildsprache glänzt, gibt dem wunderbar die Klinke in die Hand. Heraus kommt ein wundersames Potpourri, das stundenlang unterhält. Die alltäglichen Geschichten sind abwechslungsreich, bezaubernd und chaotisch zugleich. An einer Stelle fängt Shin-chan mit dem Sammeln von Klopapierrollen an und an anderer Stelle gibt es plötzlich nichts dringenderes, als seine Erzieherin in der Vorschule zu einem Date zu folgen und die beiden Turteltauben unfassbar zu nerven. Es sind Geschichten, die ich mir so selbst nicht ausdenken könnte, aber trotz ihrer Banalität viel Spaß bereiten. Weniger Freude lockt bei mir auch beim vierten Mal die Veröffentlichungspolitik hervor, da Polyband Anime auf die zerstückelte Ausstrahlungsreihenfolge der frühen 2000er-Jahre zurückgreift. Das dürfte im Jahr 2025 einfach nicht mehr sein. Wer darüber hinwegsehen kann und lieber in Erinnerungen schwelgen will, greift auch bei der vierten Volume zu.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 4)!

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