Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 5)

Ende Juni 2025 ging die Anime-Serie Crayon Shin-chan in die nächste Runde. Am Erscheinungsbild der fünften Ausgabe, für die sich ebenfalls Polyband Anime verantwortlich zeichnet, hat sich nichts geändert – inklusive einer großen wie unkorrigierten Story-Logiklücke.

Seit 1992 ist die Anime-Serie nicht mehr aus dem japanischen Fernsehen wegzudenken – und sie wird dort wohl auch noch eine ganze Weile bleiben, zumal die Charaktere nie altern und in den meisten Fällen der Status quo erhalten bleibt. Gut, an letzterem Zustand ändert sich in den vorliegenden Folgen der fünften Volume etwas. In der vorherigen Volume hat der Zuschauer bereits erfahren, dass Mutter Nohara Misae beziehungsweise Mitsy ein Kind austrägt. Diesem wird im fünften Episodenpaket endlich mehr Platz eingeräumt, doch Herausgeber Polyband Anime betreibt trotz der für die DVD-Veröffentlichung aufgebrochenen Folgenstruktur keinen Aufwand, die Logiklücken innerhalb der Story zu berichtigen. Beispielsweise kehrt Shin-chans Mutter mit ihrem zweiten Kind Himawari beziehungsweise Daisy, wie das Baby in der deutschen Übersetzung heißt, in einer frühen Episode aus dem Krankenhaus zurück ins heimische Umfeld. Wenige Episoden später spielt das Mädchen plötzlich keine Rolle mehr, bis ihre Mutter mit einem dicken Babybauch auf einmal wieder zur Vorsorgeuntersuchung geht. Das ist hirnrissig und der US-amerikanischen Verschandelung geschuldet, auf welcher die Folgen der frühen 2000er-Jahre basieren. Da diese Tatsache seit über zwei Jahrzehnten unter Crayon-Shin-chan-Fans für Gesprächsstoff sorgt, hätten wir hier etwas mehr Feinschliff erwartet.

Schmerzresistent gegen alle Konsequenzen

Abgesehen von diesem Umstand, und den allgemeinen Defiziten der Veröffentlichung wie die fehlende japanische Tonspur, die Abstinenz von Opening und Ending abseits der Alle-abspielen-Funktion sowie der Verhackstückelung der eigentlich dreiteiligen Folgenstruktur in kurze Mini-Episoden, kann aber auch die fünfte Volume der Anime-Serie punkten. Crayon Shin-chan ist ein Werk, dem es gelingt, mit seinem vorlauten Hauptcharakter immer wieder aufs Neue zu unterhalten. Shinnosuke ist ein fünfjähriger Bengel, der trotz seines zarten Alters flotte Sprüche auf Lager hat, unbeirrt seinen Weg im Leben geht und damit nicht zuletzt seine Mitmenschen zur Weißglut treibt. Bewusst oder unbewusst stolpert er dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste und erlebt währenddessen ein Abenteuer nach dem anderen. Beispielsweise begleitet er seine Mutter mehrfach zur Vorsorge, bezeichnet sein Schwesterchen auf dem Ultraschall als Außerirdische und macht in der Arztpraxis werdenden Müttern ungeahnte Avancen. Dass daraufhin Kopfnüsse folgen, die Zwiebel gequetscht und der Mund ausgeleiert wird, sind die klaren Konsequenzen, die daraufhin von seiner Mutter, seinem Vater Hiroshi respektive Harry und auch der Vorschullehrerin Yoshinaga Midori, die in der deutschen Version schlicht Fräulein Dori heißt, nicht selten nur einmal pro Folge ausgeteilt werden. Shin-chan bleibt ironischerweise schmerzresistent.

Absurditäten am laufenden Band

Vielleicht sind auch gerade deshalb alle Absonderlichkeiten, die in den Episoden geschehen, so unterhaltsam. In einer Folge müssen Shinnosuke und sein Freund Satō Masao, auf Deutsch Max genannt, einen Ball vor einem scheinbar bissigen Hund zurückholen. Währenddessen ist auf einmal die ganze Nachbarschaft auf den Beinen und sorgt mit lauten Geräuschen dafür, dass das Zurückholen des Balls unnötig kompliziert wird. An anderer Stelle müssen die Kinder eine Kugel aus dem Pool fischen, wobei Shinnosukes Mitschüler Kazama Tōru respektive Cosmo seine Badehose verliert und versehentlich sein bestes Stück zur Schau stellt. Ebenfalls kommt Shin-chan übermüdet zur Schule, bekommt dort aber keine Gelegenheit, den Schlaf nachzuholen. Warum er ständig übermüdet ist, erfährt der Zuschauer zum Ende der Folge in der Pointe. Als Nervensäge gelingt es ihm ebenfalls, aufdringlichen Typen die Frauenaufreißertour zu vermasseln. Dass dabei die Talkshowmoderatorin Bärbel Schäfer erwähnt wird, die vermutlich eher die älteren Zuschauer der deutschen Fernsehlandschaft kennen, zeigt einmal mehr, wie salopp die damalige deutsche Synchronisation ausgefallen ist. Wer das mag – und das dürften vermutlich die meisten Interessenten sein –, kommt aller Unkenrufe zum Trotz einmal mehr voll und ganz auf sein etwa zweieinhalbstündiges Lachmuskeltraining.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Für mich bleibt Crayon Shin-chan definitiv eine der witzigsten Anime-Serien aller Zeiten – und das vor allem in der deutschen Synchronisation. Manchmal fallen im Sekundentakt derart flotte Sprüche, dass ich wirklich aufpassen muss, keinen davon zu verpassen. All dies geschieht vor dem Hintergrund alltäglicher Situationen, die eigentlich langweilig sein könnten, es durch den Humor aber keineswegs sind. Shin-chan nervt seine Mitmenschen so sehr, dass der Zuschauer ihm keine böse Absicht unterstellt. Allerdings weist die Publikation wieder dieselben Defizite auf, die es schon bei den ersten vier Ausgaben gibt. So existiert erneut keine Möglichkeit, zur japanischen Synchronisation zu wechseln. Im Weiteren sind die Folgen abermals in Mini-Episoden eingeteilt. Unverständlich ist hierbei, dass nicht versucht wurde, die Reihenfolge anhand des logischen Inhalts abzuändern. So hat Shinnosukes Mutter gerade Himawari respektive Daisy geboren, während sie in der nächsten Episode abermals zur Vorsorgeuntersuchung verschwindet. Logisch ist das absolut nicht. Hier hat Polyband Anime also abermals Potenzial verschenkt. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt aber auch dieses Mal wieder viele tolle kleine Abenteuer vorgesetzt.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 5)!

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