Review: Tiny Garden

Falls ihr nach einer meditativen Erfahrung sucht, echte Gartenarbeit euch aber nicht möglich ist oder ihr vielleicht noch einen geheimen Polly-Pocket-Fetisch habt, dann könnte die Gartensimulation im Miniaturformat, namentlich Tiny Garden, eure Aufmerksamkeit erregen.

In den späten 1980er-Jahren entwickelte der 2024 verstorbene Brite Chris Wiggs für seine Tochter ein neumodisches Spielzeug. So erschuf er im Mikrokosmos einer Puderdose eine kleine Wohnwelt für Spielpuppen, die nur ein Zentimeter groß sind. Er witterte das große Geschäft und verkaufte das Konzept ans Unternehmen Bluebird, das die Marke durch eine Zusammenarbeit mit Mattel in den 1990er-Jahren unter den Namen Polly Pocket weltberühmt machte. Mit der Gartensimulation Tiny Garden hat das direkt nichts zu tun, doch ist das von Wiggs erdachte Konzept in abgewandelter Form hier deutlich spürbar. In einer kugelförmigen Plastikschale schlummert ein kleiner Garten, der gehegt und gepflegt werden möchte. Sonderlich kompliziert ist dies aber nicht. Wir wählen einfach Gemüse- und Pflanzensamen aus und verbuddeln sie auf dem Feld. Anschließend drehen wir an einer Kurbel, die an der Plastikschale angebracht ist. Je nach angebauter Pflanze sind unterschiedlich viele Umdrehungen mit der Kurbel nötig. Anfangs ist hierauf nicht so viel wert zu legen, doch in späteren Spielstunden ist dies umso bedeutender. Pflanzen wir in Tiny Garden etwa einen Kaktus an, so hat dies Auswirkungen auf die benachbarten Bodenflächen. Andere Pflanzen können dort nicht überleben und beginnen zu verfaulen. In solchen Moment kommt taktisches Kalkül ins Spiel.

Erholungspause am Schreibtisch

Damit andere Pflanzen gedeihen können, müssen wir den Kaktus in unserem Beispiel abernten. Anschließend regeneriert sich der Boden im betroffenen Umfeld innerhalb von wenigen Umdrehungen wieder. Gelingt es uns nicht, den Boden innerhalb von drei Umdrehungen zu retten, verfaulen die anderen Pflanzen in Tiny Garden. Die abgeernteten Pflanzen wandeln wir über ein Menü in weitere Samen um, sodass sich uns Schritt für Schritt neue Anbauoptionen ermöglichen. Außerdem können wir die Produkte unserer Arbeit in Verschönerungen der Plastikschale stecken. Darunter befinden sich neue Farbschemata, Sticker oder gar Möbelstücke, die wir setzkastenartig hinter einer nach und nach freizulegenden Scheibe auf der oberen Plastikschalenhälfte präsentieren können. Spielerisch hat dies keine Auswirkung, lässt aber unserer kreativen Ader freien Lauf. Sämtliche Mechaniken lassen sich grundsätzlich fehlerfrei mit Maus und Tastatur bedienen. Allerdings fühlen sich die Befehlsgriffe eher so an, als sei das Spiel auf einen Touchbildschirm für mobile Endgeräte ausgelegt. Vor allem die Umdrehungen der Kurbel mit der Maus auszuführen oder ständig zwischen den einzelnen Samen zu wechseln, schlaucht nach kurzer Zeit etwas. Für kurze Erholungspausen am Schreibtisch oder als Entspannungshilfe zwischendurch ist Tiny Garden aber definitiv einen Blick wert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Obwohl ich in den 1990er-Jahren die falsche Zielgruppe für Polly Pocket war, muss ich gestehen, dass das mutmaßlich an Mädchen gerichtete Spielzeuguniversum schon damals durchaus eine spannende Alternative zu vergleichbaren Puppenhäusern war. Auch wenn ich schon ewig nicht mehr an das Franchise gedacht habe, schoss mir beim Betrachten der Screenshots sofort der Gedanke an besagtes Spielzeug durch den Kopf. Bis auf die ästhetischen Merkmale haben Polly Pocket und Tiny Garden aber nichts miteinander gemein. Stattdessen ist es in der Gartensimulation meine Aufgabe, Gemüse und andere Pflanzen anzubauen, sie auszurupfen, zu verkaufen und mit dem Erlös weitere Samen oder Einrichtungsgegenstände zu erwerben. Diese motivierende Aufwärtsspirale lässt über Stunden nicht los und macht trotz des verhältnismäßig überschaubaren Umfangs sehr viel Spaß. Lediglich die Steuerung ist mir hier und da ein Dorn im Auge, fühlt sich die Bedienung für mich doch so an, als wäre sie eher auf Tablet-PCs ausgerichtet. Wer darüber hinwegsehen kann und zudem ein entspannendes Spiel für zwischendurch sucht und die ästhetische Oberfläche mag, ist bei Tiny Garden genau richtig.

Vielen Dank an Super Rare Originals für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tiny Garden!

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