Posthum erreicht Toriyama Akira einen neuen Kultstatus. So hat Carlsen Manga im Oktober 2025 damit begonnen, die im deutschsprachigen Raum erstmals zu Beginn der 2000er-Jahre veröffentlichte Manga-Reihe Dr. Slump in Massivausgaben abermals auf den Markt zu bringen. Die zweite Ausgabe, die erneut aus zwei der ursprünglichen Bände besteht, erschien Anfang Januar 2026. Während die Kapitel des ersten Doppelbandes noch als Einleitung für die schrulligen Charaktere fungieren, bleibt der Status quo in den darauffolgenden Kapiteln zunächst unangetastet. Auf der fiktiven Wasserkäferinsel befindet sich das verschlafene Pinguinhausen. Nach außen hin wirkt das Örtchen relativ unscheinbar, doch der Eindruck trübt. Seit der titelgebende, geniale und leider auch etwas tollpatschige Wissenschaftler Norimaki Senbē seine wohl größte Erfindung entwickelt hat, steht die Welt in Pinguinhausen auf dem Kopf. Statt den Haushalt zu schmeißen, möchte das Robotermädchen stattdessen vielmehr die Welt und das ihr manchmal ganz schön unbegreifliche Leben der Menschen um sie herum kennenlernen. So erlebt Arare mit ihren Freunden Tag für Tag neue Abenteuer, die allen voran Senbē in Erklärungsnot bringen. Das ist schon im Auftakt von Dr. Slump unfassbar witzig und funktioniert auch im zweiten Doppelband prächtig, sofern der Leser auf Fremdschämhumor steht.
Nicht zu überbietende Absurditäten
Ständig muss sich der Leser an den Kopf packen. Wenn Arare beispielsweise in der Schule von ihrer Lehrerin Yamabuki Midori beigebracht bekommt, dass sie ein braves Mädchen sei, wenn sie Fundsachen bei der Polizei abgibt, und sie im nächsten Moment das heruntergefallene Lehrbuch aus dem Klassenraum zur Wache bringt und selbiges Spiel mit den für Manga-Zeichner Toriyama Akira perfekt geformten Kackhaufen wiederholt, ist das einfach nur zum Schießen. Ähnlich verhält es sich mit Außerirdischen, deren Kopf wie riesige und gen Himmel ausgerichtete Arschbacken aussehen und die Nasenlöcher in Form von Fühlern auf dem Haupt links und rechts neben der Austrittsstelle für Fürze angebracht sind. Als eine Art Running Gag entwickelt sich im zweiten Doppelband der Massivausgabe von Dr. Slump wohl ein hinterhältiges Spielchen, inszeniert von Arares bester Freundin Kimidori Akane. Diese ist sich im Klaren darüber, dass Senbē total in Frau Yamabuki verliebt ist, was sie schamlos ausnutzt, indem sie sich unter anderem als ihrer Lehrerin verkleidet und ihm einen Streich spielt. Ebenfalls Raum bleibt für weitere abgedrehte Charaktere wie den selbsternannten, aber unfähigen Superhelden Suppaman, der klar und deutlich an Clark Kent respektive Superman erinnern soll. Auch Anspielungen auf weitere US-amerikanische Werke wie Star Wars oder Dirty Harry, die Toriyama geprägt haben, runden das ganz schön absurde Gesamtbild hervorragend ab.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Bereits der erste Band der Manga-Reihe Dr. Slump gefiel mir außerordentlich gut. Halbwegs kenne ich das Werk ja schon aus der zweiten und hierzulande auch einzigen synchronisierten Anime-Umsetzung, doch endlich weiter in den Manga einzutauchen, ist für mich ein wahrer Genuss. Wie der Manga-Künstler Toriyama Akira auf so viele einfach gestrickte und gleichermaßen schlechte wie geniale Gags gekommen ist, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Pinguinhausen als einzigartiger Schauplatz ist mit seinen durchgeknallten Charakteren auch prädestiniert für diese Art von Humor. Es macht Spaß, absolut absurde Abenteuer mit Arare, Senbē, Akane oder Soramame Tarō zu erleben. Das bereitet mir vermutlich gerade deshalb so viel Freude, da der Manga aufgrund des Erfindungsreichtums des Autors und nicht zuletzt Senbē als Wissenschaftler, den der Zeichner für seine Ideen schließlich instrumentalisiert einsetzt, unvorhersehbar bleibt. Wer den ersten Band mag, wird auch mit der zweiten Ausgabe ganz auf seine Kosten kommen.
Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dr. Slump [Massiv] (Band 2)!