Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 6)

Ende August 2025 folgte nach zweimonatiger Pause die Fortsetzung der Anime-Serie Crayon Shin-chan. Sowohl vom Umfang als auch der Gestaltung her hat sich auch an der sechsten Volume, die ebenso von Polyband Anime herausgegeben wurde, aber gar nichts verändert.

Crayon Shin-chan ist in der japanischen Fernsehlandschaft seit dem Jahr 1992 eine feste Institution. Ähnlich wie bei konkurrierenden Serien wird sich an diesem Umstand so schnell auch nichts mehr ändern, was vor allem daran liegt, dass die Figuren eigentlich niemals altern. Bei der fünften Volume hat sich diesbezüglich aber etwas getan, denn inzwischen hat die Mutter des titelgebenden Nohara Shinnosuke ihr zweites Kind gebärt. Himawari beziehungsweise Daisy, wie Miases respektive Mitsys Tochter in der deutschen Version heißt, nimmt in verschiedenen Episoden der vorliegenden Ausgabe deutlich mehr Platz ein. Interessanterweise ist die Logiklücke innerhalb der Story auch in der sechsten Volume gegeben, denn zumindest in einer Folge ist Mitsy „wieder“ schwanger und wird aufgrund ihres Babybauchs beziehungsweise ihrer daraus resultierenden Figur beleidigt. Herausgeber Polyband Anime macht damit klar, an der mit Fehlern besetzten Struktur, also so wie die Anime-Serie bereits zu Beginn der 2000er-Jahre hierzulande ausgestrahlt wurde, nichts zu verändern. Zuschauer, die Wert auf Kontinuität und Kausalität legen, werden damit gegen den Kopf gestoßen. Bei der Zielgruppe dürfte es sich aber vornehmlich um jene Zuschauer handeln, welche die Serie damals im linearen Fernsehen verfolgt haben und ihre Erinnerungen unverfälscht aufleben lassen wollen.

Aufgebrochene Strukturen

Jene Zuschauer werden sich auch nicht an den weiteren Mängeln stören, die sich seit Erscheinen der ersten Volume durch die Veröffentlichungsreihe ziehen. Beispielsweise fehlt die japanische Tonspur bei Crayon Shin-chan auch dieses Mal. Ebenso fielen Opening und Ending der Schere zum Opfer. Darüber hinaus ist die eigentlich dreiteilige Folgenstruktur aufgebrochen, sodass aus dem DVD-Menü heraus die einzelnen Mini-Episoden direkt anwählbar sind. Wer damit leben kann, bekommt es aber erneut mit wunderbaren Geschichten zu tun, die mit ihrem durchgeknallten Humor punkten. Überwiegend handelt es sich dabei um einzelne respektive voneinander losgelöste Episoden, doch gelegentlich umspannt der Handlungsbogen auch mehrere Folgen hintereinander. Hierbei wurde zum Glück darauf geachtet, dass die Reihenfolge nicht verfälscht wurde, was das grundlegende Konzept ad absurdum geführt hätte. In der ersten Folge auf der Disc erhält Shin-chans Vater Hiroshi respektive Harry beispielsweise einen Liebesbrief, wodurch er auf der Arbeit und Zuhause nichts mehr auf die Reihe bekommt, da er ständig an seine Kollegin denken muss. In der darauffolgenden Episode zieht sich die Schlinge dann jedoch zu, da Shinnosuke über den Brief stolpert und die Chance wittert, seinen Erzeuger zu erpressen, denn schließlich ist die neueste Actionfigur im Angebot!

Alltäglicher Wahnsinn in Kasukabe

Ähnlich sieht es in Crayon Shin-chan mit einem Schulausflug aus, auf den sich die Kinder mit einem Einkauf vorbereiten müssen. Kurz darauf findet der Ausflug statt, wo Shin-chan abhanden kommt, da er direkt der nächstbesten Frau hinterherläuft und sich auch von weiteren Abenteuern fremder Menschen anstecken lässt. Auch die für sich stehenden Geschichten wissen mit ulkigen Situationen zu unterhalten. In einer Folge fällt Harry ein Bier auf den Boden, was seine frisch geborene Tochter als Anlass nimmt, ihren ersten Kontakt mit Alkohol zu suchen, was unter anderem dazu führt, dass Daisy ihre ersten Gehversuche startet. Später hat es für Mitsy sogar den Anschein, dass ihre Tochter entführt wurde, was zu diversen Missverständnissen führt. Ansonsten findet in Kasukabe der alltägliche Wahnsinn statt, denn Shinnosuke versteht es wie kein anderer Fünfjähriger, seine Umwelt zu terrorisieren. Auf dem Spielplatz lässt er seine neuen Kumpels deren nackte Hintern zum Leidwesen ihrer Mütter entblößen. Im Supermarkt zeigt er einem Verkäufer hingegen, wie er seine Ware richtig anpreisen muss – und kommandiert diesen herum. Bei all den schnellen Dialogen in der Serie fällt auch auf, dass die Übersetzung sehr salopp ist. Bezahlt wird mit Teuro statt mit Yen, obwohl klar japanische Münzen beim Bezahlen zum Tragen kommen. Die Erwähnung von Bob, dem Baumeister, der in Japan erst ab dem Jahr 2000 ausgestrahlt wurde, gibt dem Ganzen den Rest.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Nach wie vor finde ich es schade, wie Polyband Anime die durchaus beliebte Serie hierzulande veröffentlicht. Es werden alle Kosten und Mühen gescheut, um das Werk ordentlich im deutschsprachigen Raum an die Zuschauer zu bringen. So fehlen Intro und Outro und selbst die Episodenstruktur ist aufgebrochen. So sehr ich mir wünsche, Crayon Shin-chan einmal in der korrekten Reihenfolge und dann auch noch vollständig zu sehen, so wenig wird dieser Wunsch wohl in Erfüllung gehen. Trotzdem kann ich jedem Fan, der den in den 1990er-Jahren gestarteten Anime kennt und liebt, nur dazu raten, sich auch die sechste Volume zuzulegen. Der Humor ist abgedreht, die Sprüche keck und die Situationen und Missverständnisse, die im Verlauf jeder Folge passieren, schlicht und einfach zum Brüllen komisch. Lediglich jene Fans, die Wert auf Vollständigkeit legen und auf eine makellose Veröffentlichung gehofft haben, schauen auch dieses Mal in die Röhre.

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