Traditionell mussten Fans der fünfjährigen Rotznase Nohara Shinnosuke ganze zwei Monate auf die Fortführung der Anime-Reihe Crayon Shin-chan warten. Im Dezember 2025 erschien die Publikation erneut durch Publisher Polyband Anime im unveränderten alten Gewand.
Obwohl die Anime-Serie Crayon Shin-chan hierzulande seit den frühen 2000er-Jahren in aller Munde war, ist das japanische Werk bereits etwas älter. Im japanischen Fernsehen flimmerte die Serie erstmals 1992 über die Mattscheibe. Die Manga-Vorlage aus der Feder des im Jahr 2009 leider verstorbenen Usui Yoshihito erschien sogar schon 1990. Hierzulande gewann die Serie rasch an Popularität, die aber genauso schnell wieder abebbte, da die verstückelte Umsetzung des Stoffes aus Nordamerika hierzulande als Vorbild galt und diese nicht fortgeführt wurde. Entsprechend mussten Fans der Anime-Serie auf sporadische Wiederholungen hoffen, die aber zumeist im Pay-TV versteckt blieben. Ein Glück, dass der hiesige Herausgeber Polyband Anime seit Ende 2024 Erbarmen zeigt und die Serie hierzulande schrittweise auf DVD zugänglich macht. Kurios erscheint auch in der inzwischen achten Volume der Umstand, dass die Anime-Serie relativ zerstückelt auf dem Datenträger vorliegt. So kann der Zuschauer aus dem Menü heraus einzelne Teile der ursprünglichen Episoden auswählen und verzichtet dabei auf Intro und Outro. Wählt er jedoch die Alle-abspielen-Funktion, so werden diese Inhalte vor und nach dem letzten Teil wie bei einem Film abgespielt. Zudem liegt die Serie auf DVD nur auf Deutsch vor. Wer den japanischen Originalton hören will, hat hierbei also das Nachsehen.
Doppel- und Dreifachfolgen
Wer sich an diesen Umständen jedoch nicht stört, bekommt in Crayon Shin-chan einmal mehr den nackten Wahnsinn vorgesetzt. Inhaltlich erzählt jeder Teil für sich selbst eine kleine Geschichte. Manche Folgen sind jedoch geschickt miteinander verzahnt und bilden dementsprechend eine Einheit. Zu diesen Folgen zählt beispielsweise ein Skiausflug der Familie Nohara. Mutter Misae beziehungsweise Mitsy, wie sie in der deutschen Version heißt, Vater Hiroshi respektive Harry und die beiden Kinder, sprich Himawari beziehungsweise Daisy und der titelgebende Shinnosuke machen einen Ausflug in die Berge. In der ersten Episode der dreiteiligen Geschichte verschläft die Familie, da Shin-chan versehentlich den Wecker ausstellt. In der Folge darauf meldet ihn seine Mutter bei einem Skikurs an, wo er auf die Vorschullehrerin Matsuzaka Ume respektive Uma trifft und sie in den Wahnsinn treibt. Zu guter Letzt ist die Familie in einer heruntergekommenen Spielhalle im Skiort angelangt, in der sie jedoch nie etwas gewinnen, da die Maschinen zu ramponiert sind oder sie sich zu ungeschickt anstellen. An späterer Stelle gibt es ebenfalls noch eine Doppelfolge. In dieser erhofft sich Shin-chans Vorschullehrerin Yoshinaga Midori beziehungsweise Fräulein Dori, wie sie hierzulande umbenannt wurde, auf einen Heiratsantrag ihres Freundes, der sich aber einfach nicht traut.
Kurze und knackige Episoden
Abgesehen von diesen Doppel- und Dreifachfolgen steht jede Episode losgelöst voneinander. Diese können also problemlos ohne Vorwissen angeschaut werden, da zumeist der Status quo aufrechterhalten wird. Unter anderem laden sich Shin-chan und seine Freunde selbst bei Dori ein und lassen sich mit Süßigkeiten bestechen. An anderer Stelle müssen die Kids an einem Schwimmwettbewerb teilnehmen, bei dem es Shinnosuke mit unkonventionellen Mitteln gelingt, seinen Kontrahenten auszustechen und seinen besten Freund zu motivieren. Auch Daisy bekommt in der achten Volume von Crayon Shin-chan genügend Bildschirmzeit, denn einmal ist sie stets an der Seite ihres Bruders zu sehen, der ein Massagegerät als Strahlenpistole missbraucht. In einer anderen Folge verlangt ihre Mutter von ihr, dass sie das Krabbeln lernt, um an einer Spielshow ums große Geld für Babys im Fernsehen teilnehmen zu können. Dann hat Shin-chan in einer anderen Episode wiederum Angst, dass seine kleine Schwester krank wird und versucht alles, um aus der Vorschule auszubrechen, damit er wieder an ihrer Seite ist. In der letzten enthaltenen Folge ist Daisy im Übrigen mal wieder gar nicht geboren. Dieser Fehler ist derart verrückt, dass er sich schon seit mehreren Episodenpaketen durch die Veröffentlichung der Anime-Serie zieht. Wer jetzt noch dabei ist, wird dies Polyband Anime verzeihen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Für mich gehört die Anime-Serie Crayon Shin-chan zu den lustigsten japanischen Werken überhaupt. Dies liegt vor allem an den absurden Situationen, in die sich Shin-chan – verschuldet oder unverschuldet –, hineinbugsiert. Hinzu kommt die deutsche Synchronisation, die an manchen Stellen an Schnodderdeutsch erinnert und gerade deshalb so viel Spaß macht. An die seltsame Struktur mit den einzelnen Teilen der Episoden habe ich mich inzwischen auch gewöhnt. Schade finde ich jedoch, dass einmal mehr nicht der japanische Originalton mit an Bord ist. Wer über diesen Umstand hinwegsehen kann, bekommt aber einige tolle Geschichten auf DVD vorgesetzt, die absurd, humorvoll, spannend und mitfühlend sein können. Wenn zum Beispiel ein dreijähriges Kind auf der Straße verloren geht und Shin-chan dem Rabauken helfen will, ihn aber anstatt zur Polizei zum Fundbüro im Kaufhaus bringt, ist das einfach genau der Humor, für den ich die Serie so sehr mag. Gerade jene, die Crayon Shin-chan schon damals im Fernsehen verfolgt haben, kommen auch in der inzwischen achten Volume der Serie voll auf ihre Kosten!
Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 8)!