In vielerlei Hinsicht waren die 1980er-Jahre prägend, insbesondere für die Populärkultur. So gewannen Kinder und Jugendliche im Rahmen von Abenteuerfilmen rasant an Bedeutung. Eines der bedeutendsten Werke dieser Zeit ist zweifelsohne Die Goonies aus dem Jahr 1985.
Dass die 1980er-Jahre das wohl kultverdächtigste Jahrzehnt aller Zeiten sind, wissen wir nicht erst seit der von 2016 bis 2025 produzierten Fernsehserie Stranger Things. Die Netflix-Produktion bildet die Epoche in vielerlei Hinsicht hervorragend ab und stellt das Schicksal von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt der Erzählung. Filme und Serien dieser Machart lassen sich häufig auf einen einzigen Film zurückverfolgen: Die Goonies aus dem Jahr 1985 ist einer der ersten Abenteuerfilme, die sich vollumfänglich mit jungen Protagonisten beschäftigen. Wenn July Garland als Dorothy Gale tanzend und singend durch das Szenenbild von Der Zauberer von Oz aus dem Jahr 1939 hüpft oder Barret Oliver als Bastian Bux sein Abenteuer in Die unendliche Geschichte von 1984 erlebt, geht das zwar in eine ähnliche Richtung, klammert die jugendliche Dynamik innerhalb einer Gruppe aber vollkommen aus. Regisseur Richard Donner, der sich für Die Goonies verantwortlich zeigt, überrascht insofern, dass er sich zuvor von Drama, Komödie, Science-Fiction bis hin zum Horrorfilm in unterschiedlichen Genres ausgetobt hat. Auf Anhieb gelingt es ihm, das auf Steven Allan Spielberg und Christopher Joseph Columbus zurückgehende Drehbuch mit Feingefühl auf die Leinwand zu zaubern und 114 Minuten lang mit der Zeit geschuldeter Situationskomik zu überzeugen.
Spannende Schatzsuche
Angesiedelt in der US-amerikanischen Kleinstadt Astoria im Bundesstaat Oregon, berichtet der Film vom Schicksal der beiden Brüder Michael „Mickey“ und Brandon Walsh. Elgin Perkins will auf dem Land, auf dem auch das Haus von Familie Walsh steht, einen Country Club errichten. Da die Eltern von Mickey und Brandon nicht das Geld auftreiben können, um der Zwangsvollstreckung zu entgehen, müssen sie für den bevorstehenden Umzug packen. Beim Durchstöbern der Sachen auf dem Dachboden entdecken sie zusammen mit ihren Freunden Lawrence „Chunk“ Cohen, Clark „Mouth“ Devereaux und Richard „Data“ Wang eine ominöse Karte, die angeblich den Fundort des Piratenschatzes des einäugigen Willie zeigen soll. In ihrer Verzweiflung, dass der Bund der Goonies genannten Freunde zerbricht, beschließen sie, nach dem Schatz zu suchen. Ihre Suche beginnt bei einem Sommerrestaurant oberhalb einer Klippe. Mitten im Herbst sollte das Restaurant eigentlich geschlossen sein, doch haben sich dort die Fratellis eingenistet, eine vierköpfige Verbrecherfamilie auf der Flucht vor dem Gesetz. Beide Parteien stehen sich somit gegenseitig im Weg, denn weder wollen die Fratellis auffliegen, noch wollen die Kids den Schatz mit den Kriminellen teilen. Es kommt jedoch wie es kommen muss und am Ende ist jeder von ihnen auf der Suche nach Willies Piratenschatz.
Abenteuerfilm für Jung und Alt
Donners Werk hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber früheren Abenteuerfilmen, denn mit Jäger des verlorenen Schatzes erschien 1981 bereits die Blaupause schlechthin, wie ein Abenteuerfilm inzwischen auszusehen hat. Da Steven Spielberg bei jenem Film die Regie übernahm, ist es kaum verwunderlich, dass manche Elemente auch in Die Goonies auffallen. Unter anderem müssen die Freunde verschiedene Rätsel lösen, Fallen überwinden und den Mut finden, weiterzugehen. Im Großen und Ganzen funktioniert das ordentlich, zumal die Gruppe sehr divers ausfällt. Chunk ist ein begnadeter Märchenerzähler, Mouth dient als Übersetzer aus dem Spanischen und bei Data handelt es sich um einen Tüftler, dessen Erfindungen aber noch nicht ganz marktreif sind. Mit Andrea „Andy“ Carmichael und Stefanie „Stef“ Steinbrenner kommen noch zwei Mädels hinzu, die mit ihrer Art Zündstoff für Romantik und Kreischanfälle liefern. All das spielt vor dem Hintergrund der nebligen wie windigen Atmosphäre des pazifischen Nordwestens und dem stimmungsvollen Soundtrack von David „Dave“ Grusin. Als kommerziell durchaus erfolgreicher Film diente das Werk 1985 rückblickend vor allem den beiden Darstellern Sean Astin und Josh James Brolin als Karrieresprungbrett. Bis auf den manchmal etwas flachen Humor ist Die Goonies damit wirklich ein großer Spaß!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Jahrzehntelang war Die Goonies für mich ein Film, den ich nur bruchstückhaft gesehen habe. Dass ich diesen Umstand unbedingt ändern musste, war mir schon länger bewusst, doch dass es mich dann mitten in der Nacht überkommt, hat mich dann doch selbst überrascht. Jedenfalls bin ich froh darüber, dass ich den Film inzwischen vollständig und an einem Stück angeschaut habe. Für den Abenteuerfilm markiert das Werk einen entscheidenden Wendepunkt, sind die wesentlichen Protagonisten doch allesamt Kinder beziehungsweise Jugendliche. Die jungen Schauspieler verkörpern ihre Rollen derart glaubwürdig, dass eine richtige Gruppendynamik bei Mickey, Brandon, Chunk und Co entsteht, die so schnell nicht langweilig wird. Jeder Charakter ist einzigartig geschrieben und selbst die Antagonisten, so hilflos sie gegenüber den Helden erscheinen, haben alle ihre eigenen Macken. Im Film werden Werte wie Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt vermittelt, was auf ganzer Linie geglückt ist. Aus heutiger Sicht mag allerhöchstens der Humor nicht immer zünden, da er manchmal einfach zu flach ist und dann nicht einmal ein Schmunzeln hervorbringt. Auch die klischeebehaftete Darstellung des geistig behinderten und im Gesicht entstellten Lotney „Sloth“ Fratelli war schon 1985 nicht in Ordnung und sollte heute kritischer denn je betrachtet werden. Nichtsdestotrotz sind dies auch die einzigen beiden Punkte, die ich dem Film negativ ankreiden kann. Wer Abenteuerfilme mag, ein Faible für Filme der 1980er-Jahre mitbringt und zwei Stunden gute Unterhaltung sucht, schlägt zu!