Remakes von ikonischen Survival-Horror-Spielen liegen stark im Trend. Nach Resident Evil 2 und Silent Hill 2 folgt nun das Remake von Project Zero II: Crimson Butterfly – nun aber nach dem nordamerikanischen Titel Fatal Frame II: Crimson Butterfly benannt.
Anfang der 2000er-Jahre war die Project-Zero-Reihe etwas stärker mit Sony verbandelt. Beim vierten Teil gab es sogar eine ganze Zeit lang eine Exklusivität mit Nintendo zu bestaunen. Diese Zeiten sind endgültig vorbei, sodass das Remake nun auf den aktuellen Nintendo-, PlayStation-, und Xbox-Systemen sowie dem PC erscheinen konnte. Etwas, was bisher noch nicht so sehr im Trend lag, künftig aber womöglich stärker wird, sind Remakes von Spielen, die schon eine Neuauflage erhalten haben. Dazu zählt auch Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake. Ursprünglich 2003 für die PlayStation 2 erschienen, durfte sich die Nintendo-Community 2012 mit der Wii Edition erneut ins Gruseldorf Minakami begeben. Schon auf der Nintendo Wii wurde die Spielperspektive in eine Third-Person-Ansicht umgelegt, womit auch ein eigenes Spielgefühl einhergeht. Darauf will dieses Remake aufbauen. Inhaltlich bleibt aber alles beim Alten: Noch immer verfolgen wir das tragische Schicksal der Amakura-Zwillinge Mio und Mayu, die sich in das japanische altertümliche Geisterdorf Minakami verirren. Mayu wird vom Einfluss böser Geister übermannt und begibt sich immer weiter in die Fänge der Dunkelheit. Wir übernehmen die Rolle von Mio und versuchen, unsere Schwester zu retten und nebenher Klarheit in die finstere Vergangenheit des Dorfes zu bringen.
Geteiltes Leid ist halbes Leid
Damals wie heute sind die Story und Erzählung einer der großen Stärken von Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake. Das liegt vor allem an der reichhaltigen Vergangenheit und den schrecklichen Ereignissen im Dorf, die Stück für Stück aufgedeckt werden. Für die Reihe typisch ist natürlich wieder ein missglücktes Ritual Auslöser für die irdische Geisterplage. Den Geistern entgegnen wir mit der Camera Obscura, die die bleichen Gegner wieder ins Reich der Toten verbannen. Diese unkonventionelle Waffe funktioniert ähnlich wie eine Schusswaffe, bietet aber ein ganz eigenes Spielgefühl. Die Filmrollen, die quasi als Munition dienen, sind begrenzt und nach jedem Schuss muss sich die Kamera erst einmal wieder aufladen. Das sorgt dafür, dass wir wirklich präzise Fotos schießen müssen und nicht einfach drauflos knipsen sollten. Am besten warten wir bis zum „Fatal Frame“, dem Moment kurz vor dem Angriff eines Gegners, der am meisten Schaden zufügt. Dafür müssen wir die Gegner natürlich ganz nah an uns heranlassen, was nicht nur ein Risiko birgt, sondern unangenehm zum Ansehen ist. Zudem spielt sich das Kamera-Gameplay in Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake wie schon im Wii-Aufguss von 2012 auch noch in der First-Person-Perspektive ab. Dieser schöne Kontrast sorgt in der Fatal-Frame-Reihe für sein spannendes Gameplay.
Moderne Horror-Trends
Getrübt wird das Gameplay von fragwürdigen Designentscheidungen: Heilgegenstände gibt es wie Sand am Meer und können günstig nachgekauft werden. Das nimmt direkt Spannung raus. Dazu finden wir besonders am Anfang des Spiels viel zu viel Munition, Es gibt auch Momente der Knappheit, aber die Verteilung fühlt sich nicht gut an. Die Kamera ist außerdem nicht nur zum Kämpfen da, sondern kann auch vergangene Ereignisse in flashbackartigen Sequenzen einfangen und versperrten Wege öffnen. Dafür sorgen die neuen Kamera-Filter, die wir nach und nach freischalten und dann jederzeit in Fatal Frame II: Crimson Butterfly zwischen ihnen wechseln dürfen. Im Grunde ist das ein unspektakulärer Schlüsselersatz. So wandern wir durch das Dorf und durch die großen Häuser der einflussreichen Familien auf der Suche nach unserer Schwester. Es gibt zwar ein paar neue Gebiete, doch bleibt die Spielwelt klein, beengt und setzt auf viel Backtracking. Bereits besuchte Gebiete erreichen wir aber immer schnell und bekannte Routen werden oft mit neuen Geistererscheinungen versehen, sodass das nicht weiter nervig ist. Deutlich anstrengender sind die Einflüsse „moderner“ Survival-Horror-Spiele. Dazu zählen Stealth-Passagen, die es im Original nicht gibt und nur aus generischen Flucht- und Versteck-Elemente bestehen, gepaart mit Trial- und Error-Aspekten.
Relikt der Vergangenheit
Ebenfalls neu sind in Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake sogenannten Substorys, die keine klassischen Nebenmissionen darstellen, sondern die Geschichten anderer Figuren beleuchten. Diese Geschichten gab es zwar schon im Original, doch jetzt werden die oftmals versteckten Sequenzen etwas strukturierter erzählt. Darüber hinaus arbeitet das Remake mit der Erwartungshaltung des Spielers, was wir so schon aus den Resident-Evil-Remakes kennen, aber nicht immer im positiven Sinne: So wurde eine besondere Geisterbegegnung am Anfang des Spiels entfernt, was zunächst einmal überraschend wirkt. Die spätere Begegnung hatte aber kaum den tollen Gruseleffekt des Originals. Ansonsten gibt es kleine Änderungen in der Reihenfolge, in der wir Dinge erledigen. Natürlich hat sich in den letzten Jahren technisch einiges getan. Standbilder sehen fantastisch aus: Dafür sorgen tolle Lichtstimmungen, ein Filmgrain-Filter und generell das tolle Design der Spielwelt. Leider bewegen sich die Zwillinge nur in dreißig Bildern pro Sekunde durchs Dorf – das muss auf modernen Konsolen besser laufen! Auch die Menüs sind lahm und nicht responsiv. Seltene Abstürze trüben dazu die Horrorstimmung und lassen das Gefühl aufkommen, dass Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake nicht genügend Zeit für Optimierungen zur Verfügung hatte.
Geschrieben von Jonas Maier
Jonas’ Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Ich mag Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake richtig gerne und auch etwas mehr, als die Neuauflage von Project Zero: Mask of the Lunar Eclipse. Einmal mehr hat mich die Stimmung und Story im Dorfs Minakami eingefangen und am Geisterjagd-Gameplay habe ich immer wieder Freude. Schön fand ich die kleinen Nebengeschichten, die vergangene Rituale, Leiden und Schicksale beleuchten. Auch neue Gameplay-Ideen wie die optionalen „sammelbaren“ Puppenpaare oder die Anhänger fand ich gut, auch wenn das Balancing der Fotopunkte besser hätte ausfallen müssen. Heilgegenstände sind mir sowieso wieder viel zu günstig. Technisch kann ich zudem absolut nicht nachvollziehen, warum wir uns hier mit dreißig Bildern pro Sekunde durch das Spiel ruckeln müssen. Ich hoffe, dass Koei Tecmo auf diesem Remake aufbauen kann und den Mut findet, nach über zehn Jahren auch mal einen neuen Teil zu entwickeln.
Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5- und Switch-2-Fassung): Erlebt habe ich Fatal Frame II erstmals kurz nach Release auf der Wii. Damals hat mir das Spiel trotz ein paar kleiner Mankos sehr viel Spaß gemacht. Größtenteils kann ich das auch über das Remake sagen, welches in meinen Augen aber eher als Remaster bezeichnet werden sollte, da die grafischen Sprünge zwar vorhanden, aber nicht so extrem sind und auch Zwischensequenzen und Kamerafahrten nahezu identisch geblieben sind. Dies gilt auch für das restliche Erlebnis. So ist die Story um Mayu und Mio altbacken und langweilig. Dafür erzählt mir das Spiel interessante Hintergründe über die Spielwelt. Mit Zwischensequenzen und vielen sammelbaren Dokumenten ist das, gemessen an der Vorlage, immer noch gut umgesetzt. Ob es nun mehr Spaß macht, wie in Resident Evil auf Zombies zu schießen oder mit einer Kamera Geister zu fotografieren, überlasse ich jedem selbst. Stimmungsvoller ist Fatal Frame II aber auf jeden Fall. Persönlich hätte ich mir mehr und anspruchsvollere Rätsel für den Spielverlauf gewünscht, der definitiv zu linear abläuft, auch wenn ich mich relativ frei im verschwundenen Dorf bewegen kann. Definitiv ist es unterhaltsam, circa zwanzig Stunden lang das Dorf zu erkunden, Nebengeschichten zu erleben und auf Geisterjagd zu gehen.