Review: Animal Crossing: New Horizons (Nintendo Switch 2 Edition)

Nintendo hat dem Lebenssimulations-Hit Animal Crossing: New Horizons eine Nintendo Switch 2 Edition und das Update 3.0 spendiert. Neben technischen Verbesserungen und kleinen Neuerungen, erhält auch die Switch-Version der Lebenssimulation neue Inhalte.

Obwohl das erste Animal Crossing unter dem Titel Dōbutsu no Mori bereits im April 2001 für das Nintendo 64 erschienen ist, gelangte die tierische Lebenssimulation erst mit der erweiterten GameCube-Version im September 2004 – zwei Jahre nach Nordamerika und ein Jahr nach Australien –, nach Europa. Trotz einiger Fortsetzungen und einer festen Fanbasis, übertrumpfte der Erfolg von Animal Crossing: New Horizons im März 2020 alle Erwartungen. Von der Covid-19-Pandemie und den nahenden Lockdowns befördert, fanden weltweit Millionen Spieler ihren Weg auf ihre eigene Insel und wagten dort den virtuellen Neustart an der Seite ihrer tierischen Mitbewohner. Angesichts des Erfolgs ist es nicht überraschend, dass Nintendo dem Spiel eine Switch 2 Edition spendiert. Die größten Neuerungen erhalten allerdings dank des Updates 3.0 auch Switch-Besitzer von Animal Crossing: New Horizons. Das Spiel transportiert das grundlegende Spielprinzip auf eine bisher unbewohnte Insel. Statt als neuer Bewohner in ein bestehendes Dorf zu ziehen, siedeln wir uns mit zwei zufälligen der anthropomorphen Tieren sowie Tom Nook und seinen Neffen Nepp und Schlepp auf einer einsamen Insel an. Es liegt an uns, unsere neue Heimat aufzubauen und herzurichten. Dafür beauftragen wir Tom Nook mit dem Auf- und Ausbau unseres Hauses, zahlen den dafür erforderlichen Kredit ab und sammeln Ressourcen, damit öffentliche Gebäude gebaut werden.

Neue Konsole, neue Möglichkeiten?

Außerdem gestalten wir in Animal Crossing: New Horizons mit immer neuen Möglichkeiten die Insel. Das Anfertigen von Werkzeugen, Möbeln oder Dekoration ist dank Do-it-yourself-Mentalität uns überlassen. Die notwendigen Materialien sammeln wir im Spielverlauf. Im Museum dürfen wir gefangene Fische und Insekten, gefundene Fossilien und gekaufte Kunstwerke abgeben und die Sammlung erweitern. Ein direktes Ziel hat die Lebenssimulation abseits der Aufgabe, die Insel zu verschönern und den Musiker K.K. Slider anzulocken, nicht. Dennoch motiviert das Spiel aufgrund zahlreicher Optionen für hunderte Stunden. Anders als bei vorherigen Nintendo-Switch-2-Editionen, hat Nintendo bei Animal Crossing: New Horizons ein verhältnismäßig kleines Upgrade-Paket geschnürt. Für fünf Euro können wir die Switch-Version in die Switch-2-Variante digital umwandeln. Dafür erhalten wir im TV-Modus eine 4K-Auflösung bei einer Framerate von dreißig Bildern pro Sekunde. Die höhere Auflösung fällt auf, wirkliche grafische Verbesserungen solltet ihr aber nicht erwarten. Außerdem wird jetzt die Mausfunktion der Joy-Con-2-Controller für das Hauseinrichten unterstützt. Hinzu kommt das Megafon als Item zum Rufen von anderen Bewohnern. Der Mehrspielermodus wurde auch erweitert. So dürfen wir nun mit zwölf statt acht Personen gleichzeitig auf einer Insel unterwegs sein. Passend dazu unterstützt der Titel die Kamera. Bedauerlich ist, dass die Ladezeiten kaum gesunken sind und teils noch immer sehr lang ausfallen.

Umfangreiche Neuerungen für alle

Die größeren neuen Inhalte gewährt Nintendo dank eines Updates beiden Versionen des Spiels. Am meisten sticht hierbei das Hotel heraus. Sobald ihr die Bootsfahrten mit dem Käpt’n freigeschaltet habt, beginnt der Bau des Hotels am Steg eurer Insel und einen Tag später dürft ihr die Einrichtung der Gästezimmer übernehmen. Typisch für die Lebenssimulation gilt dies allerdings nicht sofort für jeden Raum, sondern Tag für Tag nur für zwei Zimmer bis schließlich das besonders VIP-Zimmer an der Reihe ist. Für die Gästezimmer wählt ihr eine thematische Vorlage und richtet den Raum anschließend ein, genießt aber auch vollkommene Freiheit dabei. Das VIP-Zimmer dient hingegen dazu, einen Gast für einen Tag dorthin einzuladen, deshalb wird die Einrichtung täglich zurückgesetzt. Es ist schade, dass wir uns nicht nach den Vorlieben des für das VIP-Zimmer vorgesehenen Gastes richten müssen, sondern komplett frei nach unserer Vorstellung vorgehen dürfen – zufrieden ist die auserwählte Person immer. Dadurch geht ein wenig der Anspruch beim Einrichten verloren. Außerdem dürfen wir im Hotel zwei Ankleidepuppen ausstatten. Die dort platzierte Kleidung tragen Hotel-Gäste, wenn sie auf unserer Insel unterwegs sind. Für das Einrichten der Zimmer erhaltene Hotelcoupons dürfen wir im Souvenirshop für neue Möbel, Dekorationen und Kleidung ausgeben. Das ist aber noch nicht alles, denn vor dem Hotel wartet eine Kiste mit Bauaufträgen auf uns.

Gebaute Exporte, träumende Kreativität und mehr

Dabei handelt es sich um Gegenstände, die Tom Nook und der Käpt’n exportieren wollen. Natürlich ist es unsere Aufgabe, die benötigten Objekte herzustellen. Als Belohnung winken weitere Hotelcoupons. Eine zusätzliche Beschäftigung, die gerade anfangs motiviert. Freiheit genießen wir hingegen bei den neuen Schlummerinseln, die als Traumwelt zum Experimentieren einladen. Legen wir uns in ein Bett, gelangen wir in diesen Sandbox-ähnlichen Modus. Hier wählen wir eine von drei Inselgrößen und dürfen anschließend die Schlummerinsel komplett frei gestalten – und das ohne Wartezeiten für den Bau von Brücken oder Aufgängen. Alles was wir bereits auf unserer Insel freigeschaltet haben, können wir hier nutzen und uns komplett austoben. Die Schlummerinsel wird auch gespeichert und es ist möglich, Freunde einzuladen. Gerade für kreative Spieler eine wirklich schöne Neuerung! Zusätzlich fügt das Update noch Quality-of-Life-Funktionen hinzu. Das Lager unseres Hauses kann auf eine Kapazität von 9000 erweitert und Pflanzen können dort ebenfalls eingelagert werden. Der Aufräumservice von Resetti ermöglicht das schnelle Entfernen auf der Insel platzierter Objekte inklusive Pflanzen. Außerdem können beim Crafting Materialien direkt aus dem Lager genutzt werden. Neue Möbel und Gegenstände inklusive Crossover-Objekten zu The Legend of Zelda oder Lego sowie neue Bewohner und Camping-Platz-Gäste über Amiibos runden das Update ab. Auch wenn nicht jede Neuerung perfekt ist, werden einige gute Gründe geboten, um sich wieder einmal dem Inselleben in Animal Crossing: New Horizons zu widmen.

Geschrieben von Alexander Geisler

Alexanders Fazit (basierend auf der Switch-2- und Switch-Fassung): Auf der Switch habe ich über vierhundert Stunden mit Animal Crossing: New Horizons verbracht. Nachdem ich meine Insel aufgrund einer beschädigten Konsole und der nicht möglichen Übertragung auf die neue Switch verloren hatte, habe ich keine Motivation mehr gehabt, mich der Lebenssimulation zu stellen. Die Nintendo Switch 2 Edition und die neuen Inhalte des Updates 3.0 haben mir einen guten Grund geliefert, doch noch einmal mehr Zeit in meine neue Insel zu stecken. Allerdings halten sich die Anpassungen für die Switch 2 in Grenzen. Die 4K-Auflösung ist sinnvoll, wird aber von der Framerate-Begrenzung auf dreißig Bilder pro Sekunde ein wenig gedämpft. Ansonsten sind es eher die Neuerungen des Updates 3.0, die mich überzeugt haben. Das Hotel mag ein wenig zu eingeschränkt sein, doch das Einrichten der Gästezimmer ist trotzdem angenehm kurzweilig. Die Schlummerinsel ermöglicht es mir kreativ zu werden und neue Inhalte sowie Quality-of-Life-Funktionen begrüße ich immer. Sicher ist, dass Fans von Animal Crossing: New Horizons mit der Nintendo Switch 2 Edition, aber besonders mit dem Update 3.0, einen guten Grund erhalten, wieder Zeit in der Lebenssimulation zu verbringen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Animal Crossing: New Horizons (Nintendo Switch 2 Edition)!

Review: Clair Obscur: Expedition 33

Während der Covid-19-Pandemie entwickelte der ehemalige Ubisoft-Mitarbeiter Guillaume Broche, der kreative Kopf hinter Clair Obscur: Expedition 33, die Idee zu seinem Spiel, das erst niemand haben wollte, aber dann glücklicherweise doch noch umgesetzt werden konnte.

In einer zerbrochenen und von der französischen Belle Époque inspirierten Welt, bestimmt die ominöse Malerin Jahr für Jahr über den Tod zahlreicher Menschen. Um die Geheimnisse zu lüften und das als Gommage bezeichnete Ereignis zu beenden, bricht im vom französischen Entwicklerstudio Sandfall Interactive entworfenen Rollenspiel Clair Obscur: Expedition 33 eine Expedition zu eben dieser Malerin auf. Schon in ersten Trailern hat Clair Obscur: Expedition 33 mit einer faszinierenden Welt, die vom Frankreich um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert inspiriert ist, und einem stark an japanische Rollenspiele angelehnten Spielprinzip Interesse geweckt. Mit einem überschaubaren Team von weniger als vierzig Personen, hat Sandfall Interactive das Rollenspiel umgesetzt. Das Team beweist eindrucksvoll, dass sich dieser Genrevertreter nicht vor großen Produktionen zu verstecken braucht. Eine mitreißende wie abwechslungsreiche Geschichte mit großartig geschriebenen Charakteren, einer melancholischer Atmosphäre und vielen ernsten wie philosophischen Ansätzen wissen für weit mehr als dreißig Stunden zu fesseln. Die surreale Welt und das taktische sowie individuelle Kampfsystem sorgen darüber hinaus dafür, dass die Story von Clair Obscur: Expedition 33 bis zum Ende immer wieder aufs Neue motiviert und regelrecht fasziniert.

Zerbrochene Welt

Angesiedelt ist Clair Obscur: Expedition 33 in einer Welt, die nach dem sogenannten Bruch auseinander fiel. Schwebende Inseln und Felsen sowie unnatürlich wirkende Landschaften unterstreichen den bereits erwähnten surrealen Eindruck. Die überlebenden Menschen haben sich in den Ruinen der Stadt Lumière niedergelassen und sind einer als Malerin bekannten Gottheit nahezu schutzlos ausgeliefert. Diese ist bei einem riesigen Monolithen am Horizont zu sehen – nahezu unerreichbar. Einmal im Jahr erwacht die Malerin und ändert die auf dem Monolithen von Weitem zu sehende Zahl. Diese bedeutet, dass sich alle Menschen, die das genannte Alter überschritten haben, auflösen. Clair Obscur: Expedition 33 beginnt an diesem Tag, der den Bürgern von Lumière als Gommage bekannt ist. Dadurch werden wir Zeuge, wie die Menschen in Lumière mit dem Ereignis umgehen, wie die Malerin die Zahl um den Wert Eins senkt und schließlich alle Personen, die älter als dreiunddreißig Jahre sind, auflösen. Darunter auch Sophie, die Freundin von Gustave, einem der Protagonisten des Rollenspiels. Gustave selbst gehört zur titelgebenden Expedition 33, die am nächsten Tag zum Kontinent aufbricht, um die Mysterien der geheimnisvollen Malerin aufzuklären und der Gommage ein Ende zu bereiten. Damit geht auch unser Abenteuer an Gustaves Seite erst so richtig los.

Melancholische Stimmung, vielschichtige Charaktere

Erzählt wird die Geschichte in eindrucksvollen und aufwendigen Zwischensequenzen, denen nicht anzumerken ist, dass das Rollenspiel lediglich von einem kleinen Team entwickelt wurde. Genauso begeistern die Inszenierung und die Erzählweise. Clair Obscur: Expedition 33 erzählt in drei Akten eine gefühlvolle und philosophische Geschichte, die zwar eine klassische Abenteuerreise umfasst, aber auch ernste Themen wie Tod, Trauer oder Suizid anspricht. Hier zeigt sich die Schwermütigkeit und Melancholie der zerbrochenen Welt sehr gut. Dennoch ist dank des gut genutzten Humors auch ersichtlich, wie fröhlich und leichtgängig das Leben der Menschen manchmal trotzdem sein kann. Zu verdanken ist das den sehr gut geschriebenen Charakteren, die alle ihre Eigenheiten und persönlichen Hintergrundgeschichten verpasst bekommen haben. Mit letzterer weiß das Rollenspiel teilweise zusätzlich aufzuwühlen und zu begeistern. Die hochwertigen Synchronisationen auf Französisch und Englisch sorgen zudem dafür, dass den Charakteren zusätzliches Leben eingehaucht wird. Zumindest die englischsprachige Fassung ist mit Sprechern wie Daredevil-Darsteller Charlie Thomas Cox als Gustave, der aus Baldur’s Gate 3 bekannten Jennifer English als dessen siebzehnjährige Ziehtochter Maelle sowie Gollum-Schauspieler Andrew Clement „Andy“ Serkis prominent besetzt.

Surreale Landschaften

Aufgebaut ist die Spielwelt in lineare Bereiche, die wir aus der Third-Person-Perspektive erkunden sowie einer aus der isometrischen Perspektive dargestellten Oberwelt. Gerade letzteres erinnert an klassische japanische Rollenspiele. Sowohl in den Gebieten als auch auf der Oberwelt warten die als Nevrons bezeichneten Monster auf uns und verwickeln uns in Kämpfe. Außerdem lassen sich Geheimnisse wie versteckte Items oder Nebenquests finden. Letztere sind oft simpel gehalten und erfordern lediglich das Aufspüren bestimmter Gegenstände oder Besiegen von Gegnern, bringen aber trotzdem etwas Abwechslung. Ein Quest-Tagebuch fehlt jedoch, weshalb wir uns merken müssen, was wir zu erledigen haben. Für die Erkundung der Oberwelt schalten wir im Spielverlauf neue Möglichkeiten frei. Dadurch können wir zuvor unzugängliche Orte erreichen, was wiederum den Zugang zu neuen Gebieten der Welt ermöglicht. Dabei fasziniert Clair Obscur: Expedition 33 durchgehend mit der surrealen Welt, die auf interessante Landschaften setzt. So erkunden wir ein Unterwassergebiet ohne Atemprobleme zu Fuß und erreichen einen blutroten Wald oder Höhlen voller schwebender Objekte. Zudem lassen sich überall Spuren vorheriger Expeditionen entdecken. Wirklich viel Freiheit gibt es zwar nicht, manche Abzweigung gewährt aber kleine Geheimnisse und optionale Sammelobjekte wie Outfits für die Charaktere.

Klassische Runden

Weitaus präsenter als die Erkundung ist in Clair Obscur: Expedition 33 das Kämpfen. Genau betrachtet nehmen die Auseinandersetzungen mit den Nevrons den Großteil unserer Aktivitäten ein. Lediglich die erwähnten Nebenquests und ein paar eher belanglose Minispiele bringen Abwechslung. Gegner sind in den Arealen und der Oberwelt immer zu sehen; auf Zufallskämpfe haben die Entwickler verzichtet. Dadurch ist es uns möglich, mit einer gut platzierten Attacke einen Vorteil zu Beginn des Kampfes zu erringen. Das ist sogar relativ einfach zu schaffen und kann in mancher Auseinandersetzung einen großen Vorteil bedeuten. Die Kämpfe sind rundenbasiert und werden mit einer dreiköpfigen Gruppe, die wir frei aus den insgesamt sechs spielbaren Figuren zusammenstellen, bestritten. Sind wir anfangs noch mit Gustave alleine unterwegs, wächst die Gruppe mit der Zeit immer weiter an. Das bringt neue Möglichkeiten im Kampf, da sich jeder Charakter ein wenig anders spielt. Grundlegend können alle Recken, wenn sie am Zug sind, mit ihrer Waffe angreifen, limitierte Aktionspunkte verwenden, um Fähigkeiten einzusetzen oder Gegenstände verwenden. Zusätzlich kann eine Fernkampfwaffe gezückt und auf gegnerische Schwachpunkte gezielt werden. Das verbraucht ebenfalls Aktionspunkte, kostet aber nicht die Runde und bringt wichtige Vorteile mit sich.

Aktive Verteidigung

Entscheiden wir uns im Kampf für eine Fähigkeit, erwartet uns ein Quick-Time-Event. Es gilt also im richtigen Moment einen Button zu drücken, damit der Angriff im besten Fall noch stärker wird. Misslingt uns das, kann die Attacke im schlimmsten Fall misslingen. Gerade bei Bosskämpfen oder in kritischen Situationen ist dies nicht nur ärgerlich, sondern mitunter kampfentscheidend. Noch wichtiger sind die Echtzeitelemente der Kämpfe. Greifen die Gegner an, können wir auf Knopfdruck ausweichen oder parieren. Das ist essentiell, um Schaden zu vermeiden, zumal es keine Möglichkeit zum Blocken gibt. Allerdings handelt es sich bei Ausweichen und Parieren nicht um Quick-Time-Events. Stattdessen müssen wir die Angriffe der Gegner genau beobachten und im richtigen Moment reagieren, um einem Treffer zu entgehen oder diesen zurückzuschlagen. Gelingt uns das, nehmen wir nicht nur keinen Schaden, sondern können auch noch mächtige Konter auslösen. Andererseits stecken wir bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad hohen Schaden ein, wenn wir getroffen werden. Diese aktive Komponente der Kämpfe sorgt für zusätzliche Motivation, verlangt uns genaues Beobachten ab und sorgt dafür, dass sich die Auseinandersetzungen bis zum Ende nicht abnutzen. Zusätzliche Abwechslung garantieren die surreal gestalteten Gegner, die jeweils eigene Angriffe und Anfälligkeiten haben. Gerade gegen feindliche Gruppen ist taktisches Vorgehen wichtig.

Kämpferische Eigenheiten

Wie bereits erwähnt, verfügt jeder Charakter über eine Besonderheit, die für unterschiedliche Spielgefühle sorgen. So laden Angriffe von Gustave seine Armprothese auf. Die Aufladungen können schließlich mit einer Fähigkeit in eine mächtige Attacke umgewandelt werden. Magierin Lune hingegen sammelt je nach Fähigkeit unterschiedliche Elementarpigmente. Diese wiederum verstärken andere Fertigkeiten und sorgen bei überlegter Nutzung für spürbare Vorteile im Kampf. Ähnliches gilt für Maelles Haltungen. Je nach eingesetzter Fähigkeit wechselt die Siebzehnjährige in eine andere Kampfhaltung, die unterschiedliche Effekte hat. So erleidet sie in der Verteidigungshaltung weniger Schaden und erhält für Parieren und Ausweichen einen Aktionspunkt. In der Angriffshaltung wiederum verursacht sie mehr Schaden, muss aber auch mehr einstecken. Zudem haben die Haltungen Auswirkungen auf Fähigkeiten und können diese zusätzlich erhöhen. Taktische Überlegungen können hier zu mächtigen Combos über mehrere Runden führen. Besonders, wenn es uns gelingt, Gegner zu brechen, die so kurzzeitig handlungsunfähig sind, können die Besonderheiten der Figuren teils große Wirkung zeigen. In jedem Fall sind sie entscheidend für so manche Auseinandersetzung mit Bossgegnern. Später werden außerdem noch individuelle Spezialattacken der Charaktere freigeschaltet. Diese können zwar nur selten eingesetzt werden, sind dafür aber umso mächtiger.

Gesammelte Erfahrung

Bei der Charakterentwicklung setzt Clair Obscur: Expedition 33 auf klassische Erfahrungspunkte und Stufenaufstiege. Diese gewähren stets drei Attributspunkte, die frei in fünf Charakterwerte investiert werden dürfen. Dabei sollte die Wechselwirkung mit der aktuell ausgerüsteten Waffe zumindest teilweise berücksichtigt werden. Zudem erhalten die Charaktere Fähigkeitspunkte, die in den individuellen Fähigkeitsbäumen in neue Techniken investiert werden können. Hier bleibt das Rollenspiel genretypisch, bietet aber zahlreiche Möglichkeiten, zumal jeder Charakter nur sechs Fertigkeiten ausrüsten kann. Es ist also gut zu überlegen, was wir benötigen und die Fertigkeiten an die Gegner des aktuellen Gebiets anpassen. Noch wichtiger sind die Pictos. Dabei handelt es sich um die einzigen weiteren Ausrüstungsgegenstände neben den Waffen. Jeweils drei Pictos kann ein Charakter tragen und erhält dadurch passive Effekte. Nach vier mit einem Pictos absolvierten Kämpfen werden die Effekte freigeschaltet und können unabhängig ausgerüstet werden. Allerdings kosten sie sogenannte Lumina-Punkte. Diese steigen mit der Zeit und können mit bestimmten Materialien zusätzlich erhöht werden. Trotzdem ist eine gute Planung und Anpassung an den jeweiligen Charakter sinnvoll. Zusätzlich können wir die Waffen der Charaktere aufleveln und passive Effekte freischalten. Nutzen wir alle Möglichkeiten, ist es je nach Schwierigkeitsgrad allerdings durchaus möglich, dass unsere Charaktere sehr mächtig werden, was die Herausforderung beeinflusst.

Faszinierende Präsentation

Audiovisuell begeistert Clair Obscur: Expedition 33 fast vollständig. Die surreale Welt ist eindrucksvoll gestaltet und oft wirkt das Rollenspiel wie eine riesige Produktion. Dadurch ist es noch beeindruckender, dass ein kleines Team wie Sandfall Interactive bereits bei ihrem Debüt so eine optische Opulenz bietet. Dennoch zeigen sich kleinere Schwächen. Manchen Gebieten fehlt es an Abwechslung, was die Übersicht erschwert und auch die Einzigartigkeit der Welt nutzt sich im späteren Spielverlauf ab. Zudem fallen manchmal etwas gröbere Grafiken und eher zweckmäßige Animationen auf – zumindest bei der Erkundung. Die Kämpfe sind durchweg atemberaubend und effektreich gestaltet. Ähnliches gilt für die sehr individuellen Charaktere und Gegner. Neben der hochwertigen Vertonung begeistert das Rollenspiel mit einem stimmungsvollen Soundtrack, der viel Abwechslung bietet und mit instrumentalen Stücken sowie Gesang die Atmosphäre super unterstreicht. Ein Manko ist hingegen die manchmal zu ungenaue Steuerung außerhalb der Kämpfe. Gerade Sprungabschnitte spielen sich einfach nicht gut. Am beeindruckenden Gesamteindruck und der hohen Qualität von Clair Obscur: Expedition 33 und schon gar nicht am Spielspaß kann das etwas ändern. Das Rollenspiel fesselt und auch die End-Game-Inhalte und Nebenbeschäftigungen, durch welche die Spielzeit auf rund sechzig Stunden ansteigt, wissen zu motivieren. Anschließend können wir mit New Game Plus erneut starten und exklusive Gegenstände erhalten.

Geschrieben von Alexander Geisler

Alexanders Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Clair Obscur: Expedition 33 hat mich schon mit den ersten Spielszenen fasziniert. Die surreale Welt, die gefühlvolle und melancholische Stimmung, die vielschichtige Geschichte und die großartig geschriebenen Charaktere sorgen dafür, dass sich daran bis zum Ende nichts bei mir ändert. Genauso motiviert mich das rundenbasierte Kampfsystem mit einigen kreativen neuen Ideen, die sich gerne so manch anderer Genrevertreter abschauen darf. Zwar gibt es auch kleinere Macken wie die Steuerung bei der Erkundung und besonders bei Sprüngen, doch das kann den Spielspaß nicht mindern, zumal Clair Obscur: Expedition 33 vor allem von der spannenden und wendungsreichen Geschichte lebt. Damit gehört das Rollenspiel von Sandfall Interactive zu den besten Rollenspielen nach japanischer Machart, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Für mich ist Clair Obscur: Expedition 33 das, was ich mir schon seit Längerem wieder von Reihen wie Final Fantasy wünsche. Ein eindeutiger Anwärter auf das Spiel des Jahres, das sich kein Rollenspiel-Fan entgehen lassen sollte.

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Ähnlich wie meinem Kollegen Alexander habe auch ich einen Narren an diesem Spiel gefressen. Mir macht es ebenfalls sehr viel Freude, die melancholische Spielwelt von Clair Obscur: Expedition 33 bis in den letzten Winkel zu erkunden, mich kleineren wie größeren Gegnern zu stellen und meine Charaktere aufzustufen. Im Vorfeld hätte ich nicht gedacht, wie gut das funktioniert und wie hochwertig das Rollenspiel trotz des verhältnismäßig kleinen Entwicklerteams ausfällt. Ziemlich häufig habe ich das Gefühl, dass ich hier einen älteren Final-Fantasy-Serienteil spielen würde. Tja, wenn Square Enix meint, das rundenbasierte Rollenspiele niemand spielen will, muss das entstandene Vakuum eben von anderen Entwicklerstudios gefüllt werden, die ihr Handwerk wie im Falle von Sandfall Interactive verstehen. Lediglich die Menüstrukturen und die zu kleinen Bildschirmanzeigen sind für mich ein zu großes Dorn im Auge, denn wenn ich nicht auf Anhieb sehen kann, welche Ausrüstung und Fähigkeiten meine Charaktere ausgerüstet haben und ich meine Augen bei der zu geringen Textgröße alle paar Sekunden zusammenkneifen muss, kann da etwas nicht stimmen. Hier sollten die Entwickler also unbedingt nachbessern oder den Fehler bei einem Nachfolger nicht wiederholen. Clair Obscur: Expedition 33 gehört aller Unkenrufe zum Trotz dennoch in jede gut sortiere Rollenspielsammlung!

Vielen Dank an Kepler Interactive für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Clair Obscur: Expedition 33!

Review: Metaphor: ReFantazio

Atlus kündigte bereits 2016 Project Re:Fantasy mit einer spannenden Konzeptgrafik an. Rund acht Jahre später ist das erste neu entwickelte Spiel von Studio Zero und Persona-5-Director Hashino Katsura unter dem Titel Metaphor: ReFantazio im Oktober 2024 erschienen.

Schon seit Atlus Project Re:Fantasy neu als Metaphor: ReFantazio vorgestellt hat, wird das Rollenspiel mit der erfolgreichen und beliebten Persona-Reihe verglichen. Das ist angesichts der offensichtlichen Gemeinsamkeiten bei Optik und Gameplay sowie aufgrund der Beteiligung von Persona-5-Director Hashino Katsura wenig verwunderlich, zumal Metaphor: ReFantazio in vielen Punkten wie ein Persona im Fantasy-Setting wirkt. So setzt das Rollenspiel ebenso auf ein Kalender-System inklusive Tagesplanung, befristete Quests, soziale Interaktionen, zahlreiche Dialoge und Dungeon-Erkundung inklusive rundenbasierter Kämpfe. Metaphor: ReFantazio ist jedoch weitaus mehr und kann sich trotz eindeutiger Verwandtschaft zu Persona und Shin Megami Tensei als eigenständiges Rollenspiel und einer der besten Genrevertreter des Jahres beweisen. Daran hat die großartige Fantasy-Geschichte über den Kampf um den Thron der Fantasy-Welt Euchronia inklusive Demokratie- und Rassismus-Themen einen großen Anteil. Überzeugen kann das Rollenspiel ebenfalls mit einzigartigen Dialogen, einer toll entworfenen Fantasy-Welt mit Steampunk-Elementen sowie zahlreichen überraschenden Wendungen. Als junger Elda, ein niederer, verhasster Stamm, verfolgen wir anfangs eine geheime Mission, die eng mit der Ermordung des Königs zusammenhängt. Schließlich werden wir direkt in den Kampf um den Thron verwickelt.

Geplanter Fantasy-Alltag

In zwei Bereiche teilt sich der Spielablauf von Metaphor: ReFantazio auf. Allerdings öffnet sich das Rollenspiel erst nach einigen sehr linearen Spielstunden, in denen wir vorwiegend der Geschichte folgen und Kämpfe bestreiten. Sobald wir uns frei bewegen können und eine Hauptquest mit Frist als Ziel haben, wird das Kalendersystem etabliert. Dabei wird uns vorgegeben, bis zu welchem Tag wir eine bestimmte Aufgabe, beispielsweise einen Dungeon, absolviert haben müssen. Die restlichen Tage können wir frei verplanen, wobei es uns überlassen ist, ob wir zuerst die Hauptquest erfüllen und anschließend unsere Freizeit nutzen oder umgekehrt. Jeder Tag ist in Nachmittag und Nacht eingeteilt und bietet uns verschiedene Interaktionen. So können wir Dungeons besuchen, um die oft mit spannenden Geschichten verbundenen Nebenaufgaben zu erfüllen, Kopfgeldjagden nachzugehen oder einfach nur zu leveln. Dabei müssen wir beachten, dass nach einem Dungeon-Besuch die nächtliche Aktivität wegfällt. Ebenso können wir verschiedene Möglichkeiten nutzen, um königliche Tugenden wie Mut und Weisheit des Protagonisten zu verbessern. Diese sind erforderlich, um einige Nebenquests annehmen zu können oder die soziale Stufe mit einem Verbündeten zu erhöhen. Mit letzteren können wir regelmäßig Zeit verbringen. Gute Planung ist also essentiell, um die begrenzte Zeit sinnvoll zu nutzen.

Kampflastige Dungeons

Wie für viele Atlus-Spiele typisch sind die Dungeons zwar abwechslungsreich, fallen aber nicht unbedingt weitläufig oder komplex aus. Gelegentliche Abzweigungen laden trotzdem zum Erkunden ein. In den Dungeons dominieren rundenbasierte Kämpfe gegen zahlreiche Gegner wie Soldaten oder unterschiedliche Monster. Allerdings können wir uns zuvor mit Echtzeitangriffen einen Vorteil verschaffen. Schwache Gegner werden sogar direkt besiegt, was uns die Rundenkämpfe gegen sie erspart. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass sich Metaphor: ReFantazio bei der Gestaltung der Kämpfe an Persona 5 orientiert hat. Entsprechend gut spielen sich die Auseinandersetzungen. Für jeden Charakter in unserer maximal vierköpfigen Gruppe erhalten wir einen Aktionspunkt, den wir für normale Angriffe oder Fähigkeiten und Magie nutzen können. Wichtig ist es, die Stärken und Schwächen der Gegner zu beachten. Greifen wir einen gegen Feuer anfälligen Feind mit einem Flammenzauber an, erleidet dieser nicht nur mehr Schaden, wir verbrauchen auch nur einen halben Aktionspunkt und können somit häufiger agieren. Weicht ein Gegner hingegen aus, verlieren wir zwei Aktionspunkte. Diese Regelung gilt auch für unsere Widersacher, weshalb wir unsere eigenen Schwächen und Stärken kennen sollten, um uns anzupassen. Essentiell dafür sind die als Archetypen bezeichneten Klassen.

Mächtige Verwandlungen

Die Archetypen bestimmen, welche Fähigkeiten und Ausrüstung die Charaktere einsetzen beziehungsweise tragen können. Neue Archetypen schalten wir frei, wenn wir Kontakte zu bestimmten Personen knüpfen. Verbessern wir unsere Beziehungen zu den entsprechenden Personen, hat das Auswirkung auf die zugehörigen Archetypen. Dabei kann jeder Charakter unserer Gruppe jeden Archetypen nutzen, sobald dieser individuell freigeschaltet wurde. Ebenso erhöhen wir mit gesammelten Kämpfen nicht nur das Level unserer Charaktere, sondern auch für jede Figur die Archetypenstufe. Dadurch werden neue Fähigkeiten freigeschaltet. Viele Archetypen verfügen sogar über eine bessere Version. Aufgrund der starken Abweichungen zwischen den Archetypen wird eine enorme taktische Tiefe geboten. Vor jedem Dungeon gilt es genau zu überlegen, welche Klassen sich anbieten und was für Angriffe und Fähigkeiten sinnvoll sind. Manchmal wechseln wir sogar in einem Dungeon mehrmals den Archetypen, um uns der Situation anzupassen. Zudem verfügen die Archetypen über Synergie-Angriffe. Für diese agieren zwei Archetypen gemeinsam, um eine mächtige Attacke auszuführen, verbrauchen dabei jedoch zwei Aktionspunkte. Erlernte Fähigkeiten eines Archetyps können in begrenzte Slots eines anderen Archetyps übertragen werden, sodass wir beispielsweise auch als Krieger Eismagie wirken können.

Epik mit kleinen Schwächen

Optisch ist Metaphor: ReFantazio gleichermaßen opulent, faszinierend, stilisiert und gleichzeitig etwas altbacken und schwach. Besonders bei der Präsentation ist das Rollenspiel auf einem enorm hohen Niveau. Die Gestaltung ist fantastisch und trumpft mit den Designs von Menüs, Bildschirmanzeigen, Charakteren, Gegnern und der Welt auf. Hier kann Metaphor: ReFantazio restlos überzeugen. Selbiges gilt für die wirklich sehr hochwertigen Anime-Zwischensequenzen. Gleichzeitig fallen jedoch in wenigen Szenen leere, grafisch nicht sonderlich hübsche Umgebungen, statische Hintergründe oder einfache Animationen auf. Auch die oft fehlende Sprachausgabe, die sowohl auf Japanisch als auch auf Englisch überzeugt, ist ein typischer Mangel eines Atlus-Rollenspiels. Angesichts der erstklassigen Präsentation ist das umso bedauerlicher, zumal Metaphor: ReFantazio abgesehen von gelegentlichen Rucklern beim Speichern auf der PlayStation 5 absolut rund läuft. Untermalt wird das Geschehen zudem von einem epischen, mitreißenden und perfekt passenden Soundtrack, der viel zur Atmosphäre beiträgt. Überzeugen können auch die deutschen Texte, die trotz seltener kleiner Fehler durchweg gelungen sind und allerlei Eigenarten der Charaktere vermitteln. Die kleinen Schwächen werden problemlos ausgeglichen, sodass sich an der faszinierenden und fesselnden Spielerfahrung von Metaphor: ReFantazio nichts ändert.

Geschrieben von Alexander Geisler

Alexanders Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Seit der Ankündigung von Project Re:Fantasy war ich gespannt auf das Rollenspiel, das mit der Präsentation als Metaphor: ReFantazio sofort meinen Wunsch geweckt hat, es spielen zu wollen. Dabei erinnert Metaphor: ReFantazio im Kern deutlich an die Persona-Reihe. Besonders das Kalendersystem könnte fast eins zu eins aus dem erfolgreichen Persona 5 entnommen sein. Allerdings verleiht das Fantasy-Steampunk-Setting der Mechanik ausreichend Eigenständigkeit. Allgemein mag Metaphor: ReFantazio teilweise an ein Persona im Fantasy-Setting erinnern, doch das Rollenspiel ist weitaus eigenständiger. Besonders die spannende Geschichte weiß mit überraschenden Wendungen, eigenwilligen Charakteren und interessanter Welt zu faszinieren. Zusätzlich haben mich Kämpfe, Alltagsplanung, Quests und die kleinen Geschichten abseits der Hauptstory immer wieder aufs Neue gefesselt. Das fantastische Design und der epische Soundtrack unterstützen zudem die einzigartige Atmosphäre. Kleinere Mängel wie die nicht immer perfekte Optik, minimale Fehler in den deutschen Texten oder den Verzicht auf eine Vollvertonung verzeihe ich gerne, zumal sie mir nur selten auffallen. Dafür motiviert mich Metaphor: ReFantazio zu sehr und ich schaffe es kaum, den Controller aus der Hand zu legen. Für mich ein eindeutiger Anwärter auf den Titel Spiel des Jahres 2024, den sich kein Rollenspiel-Fan entgehen lassen sollte.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezenesionsexemplars von Metaphor: ReFantazio!