Vor drei Jahren mauserte sich Tales of Vesperia zu einem der besten Japano-Rollenspielen aller Zeiten. In Japan erschien im selben Jahr auch noch der Anime Tales of Vesperia: The First Strike, welcher vor den Geschehnissen des Videospiels angesiedelt ist. Anfang des Jahres erschien nun auch hierzulande der Anime rundum Yuri und seine Freunde.
In der Fantasy-Welt Terca Lumireis herrscht Frieden. Es ist eine Welt des Fortschritts und des Wohlstandes. Die Menschen von Terca Lumireis bedienen sich an der Substanz Aer, mit der sie bestimmte Arbeiten verrichten und Barrieren zum Schutz vor den Monster um ihre Städte herum errichten können. Die Handlung des Films spielt zu jener Zeit, in der Yuri Lowell und Flynn Scifo noch gemeinsam als Soldaten dem Schutz der Bevölkerung dienen. Eines Tages wird in einer Ruine am Fluss ein ungewöhnlich großes Vorkommen an Aer ausgemacht. Als dann auch noch Menschen auf dem Weg in die Stadt Shizontania von Ungeheuern angegriffen werden, müssen die Niren Corps etwas unternehmen – das Schicksal von Terca Lumireis steht auf dem Spiel!
Alte Bekannte und neue Gesichter
Neben den beiden Hauptprotagonisten tauchen auch weitere aus dem Rollenspiel bekannte Figuren auf – allerdings nur in Nebenrollen. So trifft Flynn in der Kaiserstadt auf Estellise, die im Rollenspiel eine tragende Persönlichkeit einnehmen wird. Außerdem treffen wir auf Rita Mordio, die – verrückt wie eh und je – Kommandanten Niren Fedrok mit einer Explosion fast in die Luft jagt. Raven taucht ebenfalls in drei kurzen Szenen auf, doch zum Verstehen des Handlungspfadens hätte man ihn nicht in den Film integrieren müssen. Jedoch ist es sehr interessant zu sehen, was die Charaktere vor ihrem Auftritt im Videospiel so getrieben haben. Zwar ist vieles bereits aus Erzählungen bekannt, es mit eigenen Augen zu sehen ist aber eine andere Sache. Yuris Hund Repede gehörte zum Beispiel auch schon in Kindheitstagen zu den Kettenrauchern – anders ist das ständige Tragen der Pfeife in seinem Maul nicht zu erklären.
Grandioser Anime oder Verbeugung vor dem Spiel?
Tales of Vesperia: The First Strike eignet sich in erster Linie nur für die Fans des Videospiels. Viele Informationen bleiben dem Zuschauer einfach verborgen, wenn man Terca Lumireis noch nicht selbst bereisen konnte. In diesem Fall kommt es dann so vor, als ob die Geschichte nur vor sich herdümpeln würde. Das tut sie im Grunde auch, denn bis die Handlung im 106-minütigen Film wirklich Fahrt aufnimmt, ist der halbe Film bereits vorbei. Der Anime wird dafür allerdings sehr gut eingefangen und erinnert nicht nur entfernt an das Spiel. Man könnte meinen, man würde einen Film lauter im 16:9-Format gehaltenen Zwischensequenzen sehen – so sehr erinnert uns der Anime an das Spiel, ein großes Kompliment! Untermalt wird das Ganze mit einem durchaus guten Soundtrack, der aber nur gering an das Spiel erinnern möchte. Die deutschen Sprecher wurden gut ausgewählt, reichen aber nicht an das Niveau des japanischen Originaltons heran. Wer auf Specials hofft, wird zumindest auf der Einzel-DVD-Fassung enttäuscht werden. Bis auf einige Trailer und einigen (in einem relativ kurzen Video) zusammengefassten Konzeptzeichnungen findet sich nichts auf dem Datenträger. Immerhin verfügt das Inlay über ein Wendecover, was FSK-Symbolhasser freuen wird.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Einzel-DVD-Fassung): Beim Anschauen des Films kamen sehr viele wunderbare Erinnerungen wieder hoch. Es kommt mir so vor, als sei es erst gestern gewesen, dass ich Tales of Vesperia auf meiner Xbox 360 durchgespielt habe. Der Film weckt das Interesse in mir, den Titel ein weiteres Mal in Angriff zu nehmen. Aus Zeitgründen wird daraus allerdings so schnell leider nichts. Sollte mich aber mal wieder die Lust packen, kann ich meine Zeit aber auch wunderbar mit dem Anime vertreiben. Die Geschichte ist reicht zwar nicht unbedingt an die des Rollenspiels heran, doch da habe ich schon deutlich Schlimmeres gesehen. Mir gefällt der Grafikstil, den Namco Bandai bei der Tales-Of-Reihe einsetzt. Schade, dass der Soundtrack dafür nicht sonderlich zur Geltung kommt. Man hätte einfach ein paar Stücke aus dem Spiel nehmen und ein wenig verändern können – schon wäre ein Fan glücklicher gewesen. Fans des Spiels sollten sich den Anime meiner Meinung nach ruhig mal anschauen, um die Persönlichkeiten von Yuri und Flynn besser verstehen zu können.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Tales of Vesperia: The First Strike!