Review: Bodyguards and Assassins

Von vielen Martial-Arts-Fans wird Donnie Yen oft als einer der besten Kampfkünstler aller Zeiten gefeiert. In Bodyguards and Assassins beweist der aus China stammende Darsteller erneut was in ihm steckt und liefert eine seiner besten schauspielerischen Leistungen ab, wenn auch nur in einer nicht ganz so wichtigen Nebenrolle.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts steht die Qing-Dynastie kurz vor ihrem Ende. Die Handlung von Bodyguards and Assassins setzt im Jahre 1906 ein, drei Tage bevor der Rebellenanführer Sun Wen (später erster Präsident der Republik China) in Xianggang (Hongkong) eintrifft. Der Revolutionär möchte in der britischen Kolonie die republikanischen Kräfte einen, um in den nächsten Jahren gezielt die Qing-Dynastie zu stürzen. Kaiserinwitwe Cixi entsendet eine Gruppe kampferprobter Attentäter, um Dr. Sun aus dem Weg zu räumen. Dieser Film erzählt die Geschichte überwiegend aus Sicht der Bodyguards, welche sich innerhalb von drei Tagen formieren und sich einen Plan zum Schutz von Sun Wen ausdenken. Nebengeschichten wie die Heirat eines Rikscha-Fahrers, der Verrat eines Glücksspielers oder die Verwahrlosung eines Obdachlosen untermauern die durchdachte Rahmenhandlung, dienen allerdings eher als Mittel zum Zweck, um die damalige Zeit realistisch darzustellen. Während das Werk in der ersten Filmhälfte überwiegend nur auf die facettenreichen Verbindungen der Charaktere aufbaut, können in der zweiten Hälfte besonders die actiongeladenen Martial-Arts-Kampfszenen überzeugen, die wir in anderen Filmen selten ähnlich so gut gesehen haben.

Opulentes Meisterwerk

Das liegt besonders an der schauspielerischen Leistung von Donnie Yen, welcher sich in einer Szene einen spektakulären Straßenkampf mit Showdown in einem Lagerhaus abliefert. Aber auch Basketballer Mengke Bateer beweist dank seiner sportlichen Erfahrung was in ihm steckt, wirft und fängt in Bodyguards and Assassins Tontöpfe und Krüge wie ein Weltmeister. Ein Großteil der Szenen wirkt nicht übertrieben und sehr realistisch, da man bei diesem Film weniger auf Spezialeffekte und mehr auf das Können der Darsteller gesetzt hat. Diese können uns mit einer ausdrucksstarken Mimik und gelungenen Gestiken durchaus überzeugen, doch der wahre Star dieses Politthrillers ist das nachgebaute Hongkong, wie es zu Beginn des letzten Jahrhunderts ausgesehen haben muss. Mehr als acht lange Jahr wurde diese Stadt geplant und schlussendlich für diesen Film realisiert. Realitätsnaher und authentischer könnte keine einzelne Szene in diesem Meisterwerk sein. Unterstützt wird die Atmosphäre von vielen Komparsen, die dem Stadttrubel mit schönen Kostümen aus dieser Zeit eine ganz besondere Note aufdrücken. Weiteres gilt für den Soundtrack, der jederzeit passend zur jeweiligen Situation passt und mit schönen und temporeichen Klängen bis zum Abspann überzeugen kann.

Überzeugendes Bildmaterial

Die deutsche Synchronfassung ist gelungen, es wurden passende Sprecher für die einzelnen Rollen ausgewählt, welche die chinesische Aussprache der Eigennamen beherrschen. Gegen den Originalton im chinesischen Dialekt Mandarin ist ebenfalls kein Kraut gewachsen, diesen dürfen sich Käufer der DVD-Fassung mit zuschaltbaren deutschen oder niederländischen Untertiteln genießen. Der Film selbst erstrahlt im 16:9-Format und kommt mit gelungenen Schärfe- und Kontrastverhältnissen daher, die Bildqualität bleibt 133 Minuten lang ungestört auf ihrem hohen Niveau. Käufer dieser unter dem Amasia-Label veröffentlichten 2-Disc-Special-Edition dürfen allerdings keine hohen Erwartungen an das Bonusmaterial stellen. So befinden sich auf dem zweiten Datenträger zwar einige Videos, doch kommen sie nur mit wenigen inhaltlichen Fakten daher. Gut aufgebaute Interviews fehlen eben so sehr wie übersichtliches Hintergrundwissen aus dieser Zeit. Nur kurze Filmschnipsel über den Aufbau der Stadt und Auszüge aus der Drehphase sind wirklich sehenswert, wenn auch nur für ein paar Minuten. Trotzdem können wir die mit einem Wendecover (ohne FSK-Symbol!) ausgestatte DVD empfehlen, da der Film absolut sehenswert ist und einen wichtigen Zeitpunkt der chinesischen Geschichte beschreibt, den Interessenten nicht versäumen sollten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 2-Disc-Special-Edition): Wenn man sich nur das Cover anschaut, würde man nie auf die Gedanken kommen, dass sich dahinter ein solcher Film der Sonderklasse verstecken würde. Zunächst dachte ich, dass mich ein durchschnittliches und blutiges Martial-Arts-Feuerwerk erwarten würde und die Handlung (wie in der guten, alten Zeit der Martial-Arts-Filmen) im Hintergrund weiterläuft. Nach den ersten Filmminuten wurde ich eines besseren belehrt und bekam einen der besten (chinesischen) Filme spendiert, die ich in meinem ganzen Leben bisher sehen durfte. Die Anfänge der Revolution werden in Bodyguards and Assassins sehr gut beschrieben, alleine der Gedanke das Kaiserhaus stürzen zu wollen, wird von den allen Darstellern unterschiedlich dargestellt. So viele verschiedene  Mimiken der Charaktere, die trotzdem ein gemeinsames Ziel verfolgen, sind definitiv einer der wichtigsten Punkte, die ich persönlich bei diesem Film anmerken möchte. Besonders missfällt mir, dass Donnie Yen nur als Nebendarsteller in diesem Film auftritt. Sein schauspielerisches Können hätte sich in weiteren Szenen durchaus bezahlt gemacht. Außerdem fällt das Bonusmaterial leider sehr, sehr schwach aus. Zwar sind auch hier ein paar interessante Videos mit auf den Datenträger gepresst wurden, doch fehlen mir da stellenweise die Kommentare, um mir ein mehr als nur ausreichendes Bild von der Thematik machen zu können. So liegt es am Zuschauer selbst, sich außerhalb des Films weiter über das Thema zu informieren. Schade, besonders bei einem Film, der auf Tatsachen und historischen Begebenheiten aufbaut, hätte sich dieses Bonusmaterial sehr gut gemacht.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bodyguards and Assassins!

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