Review: Blades of Blood

Manhwa-Comics, sprich südkoreanische Comics, sind in der westlichen Welt nicht sehr weit verbreitet. Darunter fällt auch das Werk Blades of Blood, gezeichnet von Park Heung-yong. Obwohl diesen Comic hierzulande nur die größten Manhwa-Experten kennen dürften, hat es zumindest die anschauliche Verfilmung aus dem letzten Jahr zu uns geschafft.

Im sechzehnten Jahrhundert steht Korea kurz vor dem Zusammenbruch. Das Kabinett des Kaisers ist uneins und ein Angriff aus Japan steht kurz bevor. Um sein Land vor der drohenden Besetzung durch die Japaner zu schützen, schert der Schwertkämpfer Lee Mong-hak Anhänger um sich und bildet eine Allianz, um den Kaiser zu stürzen und selbst die Macht zu übernehmen. Allerdings hat er die Rechnung ohne seinen früheren Weggefährten, den blinden Schwertkämpfer Hwang Jung-hak gemacht. Unterstützt wird Hwang Jung-hak von Kyun-ja, einem jungen Mann, der sich nach Rache sehnt und Lee Mong-hak beseitigen will. Vor dem Kaiserpalast kommt es umgeben vom japanischen Heer zum furiosen Showdown. Die Handlung des Films wird überwiegend aus der Sicht von Kyun-ja und Hwang Jung-hak erzählt und arbeitet konzentriert auf das Finale hin, gelegentlich erfahren wir in der einen oder anderen Szene auch mehr über die Streitigkeiten des Kabinetts. Auf den vermeintlichen Bösewicht des Films wird nur wenig eingegangen, der Vormarsch der Japaner läuft fast gänzlich im Hintergrund der strukturierten Geschichte ab.

Koreanisches Landschaftsbild

Inhaltlich erzählt der Film circa einhundertvier Minuten lang eine spannende Handlung, die niemals langweilig wird, leider aber auch Ungereimtheiten mit sich bringt. Beispielsweise ist Kyun-ja kein besonders guter Schwertkämpfer, wird von Hwang Jung-hak zunächst einmal in den Grundlagen unterrichtet. Später kämpft Kyun-ja gegen überlegende Gegner und gewinnt. Das fühlt sich etwas unwirklich an, entzieht dem im 16:9-Format gehaltenen Film aber kaum Spannung. Dank bekannten koreanischen Schauspielern wie Cha Seung-won (Lee Mong-hak) oder Hwang Jung-min (Hwang Jung-hak) wirken die Gespräche nicht aufgesetzt, besonders da man sich für die deutsche Fassung passende Synchronsprecher ausgesucht hat. Fans von südkoreanischen Filmen werden sich aber vermutlich eher den koreanischen Originalton anhören, der ebenfalls nicht zu verachten ist – deutsche und niederländische Untertitel sind jederzeit zuschaltbar. Obwohl man es vielleicht vermuten möchte, da das Cover recht farblos gestaltet wurde, ist der Film kein Schwarz-Weiß-Streifen und bezaubert mit melancholisch-schönen Farben. Jeder Schauplatz des Films passt wunderbar ins Gesamtbild, besonders die vielschichtigen Landschaftsbilder geben uns das Gefühl, mit Kyun-ja und Hwang Jung-hak durch das Korea des sechzehnten Jahrhunderts zu reisen.

Viel Lärm um nichts

Getrübt wird das Schwertkampfepos nur durch gelegentlich auftretendes Kantenflimmern, beispielsweise an einigen der im Film auftretenden Häuserdächer zu sehen. Der Soundtrack, der entfernt sogar an mitteleuropäische Mittelalterklänge erinnert, macht dieses Manko allerdings schnell wieder wett. Freunde von Bonusmaterial ziehen bei Blades of Blood definitiv den Kürzeren, denn gerade mal drei kurze Specials sind auf dem Datenträger zu finden. Darunter fällt zum einen der originale Trailer, zum anderen ist ein kurzes Making-of und ein Video über die Kampfchoreographie zu sehen. Mehr als fünfzehn Minuten ist man damit nicht beschäftigt, der Umfang fällt deutlich schwach aus. Eine Special Edition zu diesem Film gibt es leider nicht. Das ist schade, denn hier hätte man durchaus Spielraum für außerordentliches Bonusmaterial gehabt, zum Beispiel den Manhwa beizulegen. Trotzdem können wir den Film bedenkenlos weiterempfehlen, besonders Fans von Zatōichi: Der blinde Samurai sollten mehr als nur einen Blick riskieren, denn Blades of Blood bietet einen weitaus authentischeren blinden Schwertkämpfer und zugleich eine tiefer reichende Handlung.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Blades of Blood ist einer der Filme, den ich mir auch in zehn Jahren gerne mal wieder anschauen werde. Sehr gute Schauspieler, eine interessante Handlung  und grandiose Schwertkämpfe sind bei Blades of Blood der Schlüssel zu einem guten Film. Die Schwertkämpfe haben mir besonders gefallen, da es in einer Szene auch der Fall ist, dass das Geschehen verlangsamt abläuft und man jeden Schlag mit dem bloßen Auge nachvollziehen kann. Sicherlich hat aber auch Blades of Blood seine Schwächen, denn als Zuschauer kann man aufgrund von ein paar Äußerungen nur annehmen, dass die Handlung des Films ungefähr zwischen einem bis drei Monaten andauert. In dieser Zeit ist es meiner Meinung nach nicht möglich, dass auch der talentierteste Schüler einem ausgelernten Schwertkämpfer das Wasser reichen kann. Trotzdem gewinnt Kyun-ja gegen einem ihm völlig überlegenen Gegner. Außerdem werden die Trainingseinheiten nur am Rande gezeigt, hier hätte man zwischenzeitlich noch die eine oder andere Szene unterbringen können. Auch interessant wäre gewesen, wenn man die Geschichte in einigen weiteren Szenen verstärkt aus der Sicht von Lee Mong-hak oder gar aus Sicht der einfallenden Japaner erzählt hätte. Trotzdem bin ich auch so mit dem Film zufrieden und hoffe, dass Park Heung-yongs Manhwa eines Tages auch hierzulande erscheinen wird.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Blades of Blood!

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