Ohne Zweifel ist Jet Li einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schauspieler im Bereich der Martial-Arts-Filme. Mit dem ersten Teil der Once-upon-a-Time-in-China-Serie hätte sich Splendid Film kein besseres Werk zum Einstieg in die Jet-Li-Reihe aussuchen können, denn Jet Li beweist in Once upon a Time in China einmal mehr, was in ihm steckt.
Um die Jahrhundertwende (19. und 20. Jahrhundert) wird die chinesische Küstenregion von westlichen Kaufleuten aus England und Amerika beherrscht. Ihr einziges Ziel ist zu handeln, doch plündern sie das Land eher aus und schrecken auch nicht davor zurück, an ihr Ziel durch Einsetzen von Waffengewalt zu erreichen. In dieser Zeit des Umbruchs lebt der junge Kung-Fu-Meister Wong Fei-Hung, der sich zunächst nur passiv einmischt, die Eindringlinge aber dennoch als Bedrohung ansieht. Zu allem Übel kehrt auch seine Tante Yee nach zwei Jahren aus England zurück, geprägt von westlichen Merkmalen wie westlicher Kleidung oder dem Interesse an technischen Errungenschaften, was Wong Fei-Hung missfällt. Da sie nur durch den Namen verwandt und keine Blutsverwandten sind, bahnen sich schon bald romantische Gefühle zwischen ihnen an, was im Film allerdings nur nebensächlich und sehr kurz gehalten erzählt wird. Als sie von einer hinterhältigen Bande gefangen genommen wird und zusammen mit anderen Frauen nach Amerika verschleppt werden soll, platzt Wong Fei-Hung der Kragen, eilt ihr zur Rettung und bietet nach einem fulminanten Kampf gegen einen anderen Meister der Kampfkunst den korrupten Amerikanern und Engländern die Stirn.
Eine düstere Zeit gekonnt in Szene gesetzt
Die für den Film ausgesuchten Schauspieler, wie Jacky Cheung, Yuen Biao, Rosamund Kwan und natürlich Jet Li haben unserer Meinung nach großartige Arbeit geleistet, ihre Rollen sensationell gut verkörpert und eine ausgewogene Mischung aus Ernsthaftigkeit und Komik mit in den Film gebracht. Besonders die kurzen Slapstick-Einlagen heitern das Geschehen auf. Die Darsteller hauchen der, für die dargestellte Zeit, eigentlich recht düsteren Handlung Leben ein, unterhalten den Zuschauer die ganzen 134 Minuten lang. Engländer und Amerikaner werden in Tsui Harks Once upon a Time in China als böse und durchtrieben dargestellt, da sie nicht nur an der Ausbeutung des Landes interessiert sind, sondern (im Falle der Amerikaner) männliche Chinesen unter falschen Vorwänden (beispielsweise dem Goldrausch) als Arbeitskräfte oder Frauen als Prostituierte nach Amerika verschleppen. Die Wong Fei-Hung feindlich gesinnte Bande trägt zunehmend dazu bei, dass im Film genügend Kämpfe stattfinden, um Martial-Arts-Fans gut zu unterhalten. Das hochauflösende Bild der Blu-Ray ist zwar durchweg ansehnlich, doch schwankt die Bildqualität ständig. Während das Bild in einer Szene gestochen scharf wirkt, macht das Bild in der nächsten Szene dem Jahr 1991 alle Ehre. Bildausfälle, die das Ansehen ungenießbar machen würden, gibt es nicht. Der Film wird mit einem ausdrucksstarken Soundtrack unterstützt. Hierbei handelt es sich aber nur um ein Stück, das in leicht abgewandelter Form (dafür auch in einer gesungenen Fassung) immer wieder verwertet wird.
Es war einmal eine Tonspur
Ein sehr wichtiger Punkt der Neuveröffentlichung auf DVD und Blu-Ray ist wohl die neue (deutsche) Tonspur, die auf dem Datenträger zu finden ist. So leiht in der neuen Tonfassung Simon Jäger (der unter anderem als deutsche Synchronstimme des 2008 verstorbenen US-amerikanischen Schauspieler Heath Ledger bekannt wurde) Jet Li seine Stimme. Kennern des Films dürfte das vielleicht missfallen, trotzdem kann man nicht abstreiten, dass diese Stimme angenehm auf den Zuschauer wirkt. Schade hingegen ist, dass die alte Tonspur überhaupt nicht auf den Datenträger gepresst wurde und nicht einmal auf der Packung darauf hingewiesen wird. Das ist traurig, da zumindest auf der Blu-Ray-Version ausreichend Platz gewesen wäre. Zumindest dürfen sich Fans die kantonesische Tonspur mit deutschen Untertiteln anschauen beziehungsweise anhören. Außerdem wäre auf der Disc noch genügend Platz für Zusatzmaterial gewesen, allerdings ist neben dem Original-Trailer in Kantonesisch kein Bonusmaterial in Bezug auf den im 16:9-Format gehaltenen Film enthalten. Nur noch ein paar Trailer zu anderen ausgewählten Filmen befinden sich auf dem Datenträger. Trotzdem dürfen sich Jet-Li-Fans und Freunde von Martial-Arts-Filmen Once upon a Time in China nicht entgehen lassen – dieses Meisterwerk ist absolut sehenswert!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): Vor einigen Wochen lief die Reihe um Kung-Fu-Meister und Doktor Wong Fei-Hung im Fernsehen und leider habe ich die Ausstrahlungstermine verpasst. Zum Glück erschien kurz darauf die Jet-Li-Reihe auf Blu-Ray und DVD, darunter auch Once upon a Time in China. Tsui Hark hat mit diesem Meisterwerk eindrucksvoll sein Können als Regisseur unter Beweis gestellt. Mit Jet Li hat er Wong Fei-Hung passend besetzt, vor allem gegen Ende macht jener Martial-Arts-Star in den zahlreichen Kämpfen eine besonders gute Figur. Mir gefällt hier besonders, dass die Auseinandersetzungen glaubhaft auf den Zuschauer wirken und nur selten übertrieben dargestellt werden. Kilometerweitfliegende Kämpfer tauchen in Once upon a Time in China nicht auf. Auch der kulturelle Einfluss vom britischen Empire und den Vereinigten Staaten von Amerika wurde meiner Meinung nach treffend eingefangen, gibt den historischen Hintergrund wieder und unterstützt die beklemmende Stimmung der damaligen Zeit. Schade fand ich allerdings, dass die romantische Geschichte zwischen Wong Fei-Hung und Yee kaum bis gar nicht zur Geltung kommt. Für die eigentliche Handlung ist das zwar nicht wichtig, doch hätte dieser Teil der Geschichte das Epos abgerundet. Trotzdem bin ich schon sehr auf die nächsten beiden Teile der Reihe, die ebenfalls schon auf Blu-Ray erschienen und auf meinem Schreibtisch gelandet sind, sehr gespannt. Die dazugehörigen Reviews folgen natürlich in den nächsten Tagen. Bis dahin werde ich dem zwar dünnen, dafür umso intensiveren Soundtrack lauschen.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Once upon a Time in China!