Review: Once upon a Time in China II

Nach dem furiosen Auftakt der Jet-Li-Reihe von Splendid Film, folgt auch schon der zweite Teil und es geht packend weiter mit dem Nachfolger der Once-upon-a-Time-in-China-Serie, welcher aber nicht ganz an die Erfolge der ersten Episode anknüpfen kann.

Gemeinsam mit Cousine Yee und seinem Gehilfen Fu reist Wong Fei-Hung nach Canton, um dort auf einem Ärztekongress westlichen Medizinern die Akupunktur zu erklären. Zur selben Zeit ist in Canton ein Umbruch in Gange. Ein fanatischer Visionär erklärt allen Fremdländischen den Krieg, zerstört eigenwillig deren Eigentum und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Mit seinen leichtgläubigen Anhängern versucht er zunächst Yee einzusperren, da er sie aufgrund ihrer westlichen Kleidung und ihrem Fotoapparat für eine Ausländerin hält. Später sabotiert er die Versammlung der Ärzte, in dem er einen Pfeilhagel in das Lehrzimmer feuern lässt, wodurch einige Menschen ums Leben kommen. Dort trifft Wong Fei-Hung auch auf Dr. Sun, dessen wahre Bedeutung im Film aber nicht sonderlich gut zur Geltung kommt. Als der britische Konsul ermordet wird, muss Wong Fei-Hung schnell handeln und sich gegen den Fanatiker mitsamt seiner Rebellengruppe stellen. Nebenbei erfährt der Nationalheld von einer möglichen Revolution, deren Beweise in Form einer Liste vernichtet werden müssen. Allerdings hat Wong Fei-Hung die Rechnung ohne einen weiteren, undurchsichtigen Feind gemacht, den er sich kurz vor Ende stellen muss und das Finale spannend hinauszögert.

Fiktive Ereignisse basierend auf historischen Fakten

Obwohl einige der im Film vorgestellten Persönlichkeiten wirklich gelebt haben, basiert die Handlung nur auf wenigen Tatsachen und ist überwiegend fiktiv gestaltet. Die Geschichte um Wong Fei-Hung und seinen Freunden bleibt trotzdem überschaubar und zu jederzeit logisch. Nur gegen Ende gibt es ein bis zwei Auseinandersetzungen, die aus purer Körperkraft so nicht zu bewerkstelligen wären. Wer wert auf Realismus legt, wird trotzdem zufrieden gestellt, da der überwiegende Teil der Kämpfe nachvollziehbar aufgebaut ist. Bei der Schauspielerwahl hat man sich neben Jet Li auch wieder auf die talentierte Rosamund Kwan verlassen. Fans von Donnie Yen freuen sich ebenfalls, denn in Once upon a Time in China II verkörpert er die Nebenrolle des Leutnant Lan und liefert sich mit Schauspielkollegen Jet Li einen ausufernden Kampf. Die Bildqualität hat sich im Gegensatz zum ersten Teil gesteigert, es gibt kaum Szenen, denen man das Alter des Films anmerkt. Auch der Soundtrack fällt nun etwas vielschichtiger aus. So wird das Titelthema des Films öfters eingespielt, doch auch andere (weniger einprägsame) Stücke haben ihren Weg neben bekannten Klängen von Mozart und Co. in den zweiten Teil gefunden.

Andere Stimmen – anderes Erlebnis

Beim zweiten Teil hat man sich allerdings nicht dafür entschieden, eine neue Synchronisation aufzunehmen. Kenner der neuen Tonfassung des ersten Teils müssen sich also umstellen, da sie sich an neue Stimmen gewöhnen müssen. Diese Eingewöhnungsphase ist aber schon nach kurzer Zeit beendet, da auch die alte Synchronisation durchweg gelungen, wenn auch nicht überragend ist. So gibt es beispielsweise Ungereimtheiten, ob Yee nun als Tante (wie im ersten Teil) oder als Cousine zu betiteln ist. Wer lieber die originale, kantonesische Sprachausgabe genießen möchte, darf sich zusätzlich auch deutsche Untertitel zuschalten lassen. Mit 112 Minuten ist das im 16:9-Bildformat gehaltene Werk von Tsui Hark ganze 22 Minuten kürzer geraten als der Vorgänger. Reichhaltiges Bonusmaterial gibt es leider auch beim zweiten Teil nicht. Mehr als den originalen Filmtrailer und Trailer zu weiteren Spielfilmen findet man auf der Disc nicht. Anzumerken ist außerdem, dass auf der Packungsrückseite Szenen von einem ganz anderen Film zu finden sind, ein vermeidbarer Produktionsfehler. Positiv hervorheben möchten wir aber das Menü, welches sich jederzeit auf Abruf im laufenden Film (in der Blu-Ray-Fassung) aufrufen lässt und den Film nicht unterbricht. So möchten wir das gerne auch in Zukunft bei weiteren Filmen sehen. Obwohl Once upon a Time in China II schwächer als das Erstlingswerk ausgefallen ist, können wir dennoch eine Kaufempfehlung aussprechen: Schließlich möchte man wissen, wie die Story fortgesetzt wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): Als ich mir vor kurzem zum ersten Mal den ersten Teil der Once-upon-a-Time-in-China-Reihe angeschaut habe, war ich von der ersten Minute an von diesem Film fasziniert. Dementsprechend ging ich auch mit großen Erwartungen an den Nachfolger heran, doch wurde ich schon bald dank einer andersartigen Synchronisation in gewisser Weise enttäuscht. Nicht das ich die alte Synchronisation schlecht finden würde, im Gegenteil: Diese Fassung hat ihren ganz eigenen Charme, doch wenn es schon Ungereimtheiten zwischen diesen beiden Fassungen gibt (ist Yee nun als Cousine oder als Tante anzusehen), dann frage ich mich, womit ich im dritten Teil rechnen darf. Inhaltlich hat der zweite Teil meiner Meinung nach nachgelassen. So tritt der Fanatiker mitsamt seiner fragwürdigen Einstellung nur in wenigen Szenen in den Vordergrund, der spätere Kampf gegen Wong Fei-Hung wirkt in meinen Augen etwas aufgesetzt. Auch das Auftauchen von Dr. Sun ist definitiv zu kurz geraten, wer nicht über das Hintergrundwissen verfügt, welche Wichtigkeit diese Person in der chinesischen Kultur eingenommen hat, versteht die Zusammenhänge nur wenig.  Zum Ende hin bleiben offene Fragen, was mir bei so einem Epos – anders als bei TV-Serien – sehr missfällt. So weiß ich nicht, was mit den im Film vorkommenden Kindern passiert, wie die fanatischen Anhänger ohne ihren Anführer weiter verfahren und warum sich Yee gegen Ende des Films auf dem Schiff befindet. Lasse ich diese wenigen Punkte außer Acht, kann ich trotzdem behaupten, dass mir Once upon a Time in China II gut gefallen und ich mich auf den nächsten Teil freuen darf.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Once upon a Time in China II!


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