Nach den ersten drei Teilen der Once-upon-a-Time-in-China-Reihe widmet sich Splendid Film zunächst anderen bekannten Streifen mit Jet Li als Hauptdarsteller, zumal er in Once upon a Time in China IV und V nicht mitwirkt. Außerdem verlassen wir den asiatischen Kontinent, denn The Master ist Jet Lis erste US-amerikanische Filmproduktion.
Die Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts neigen sich dem Ende zu. Tänzerin Anna wird aufgrund Differenzen zwischen ihr und einer anderen Künstlerin aus ihrer Gruppe geworfen. Am gleichen Abend wird Heilkräuterexperte Tak in seinem Laden von Johnny, einem selbst ernannten Kampfmeister, ohne besonderen Grund zusammen geschlagen. Bei seiner Flucht trifft er auf das junge Mädchen, welche ihn zunächst aufnimmt. Kurze Zeit später trifft auch Taks Schüler Jet in Los Angeles ein und ist verwundert darüber, warum das Geschäft seines Lehrers zerstört ist und von der Bank gepfändet wird. Gemeinsam mit ein paar mexikanischen Raufbolden, die erst Jets Tasche stehlen wollen und ihn nach einem kurzen Kampf auf Schritt und Tritt folgen, ihn gar Sifu (die chinesische und höfliche Anrede für einen Lehrer) nennen, sucht er nach seinem vermissten Lehrer. Dabei erlebt er allerhand aufregende Geschichten in der Stadt der Engel, die unumgänglich in blanker Action enden. Nach der Wiedervereinigung wird Anna von Johnnys Leuten entführt – Tak eilt ihr zur Rettung und Jet, der sich bereits auf der Heimreise nach China befand, folgt ihm und liefert sich mit Johnny einen fulminanten Kampf auf der Spitze eines Wolkenkratzers.
Verrückte und lückenhafte Handlung
Wenn wir es nicht besser wissen würden, wären wir niemals darauf gekommen, dass dieser Film tatsächlich von Tsui Hark stammt. Die oberflächliche, gar belanglose Handlung kann uns nur geringfügig begeistern. Es bleiben zu viele Lücken innerhalb der 92 Minuten langen Geschichte – Zusammenhänge werden nur wenig bis gar nicht erklärt. So wissen wir nicht, warum Johnny Amok läuft, mit seinem Schlägertrupp eine Kampfschule nach der nächsten herausfordert, Anhänger sammelt und Jets Lehrmeister Tak sogar tot sehen möchte. Auch die Rolle der May, einer Geschäftsfrau, die Jet fast durchweg begleitet, hat keine grundlegende Bedeutung für den Film. Schauspielerisches Können beweisen in Tsui Harks Werk eigentlich nur Jet Li (der im Film den gleichen Vornamen trägt) und Jerry Trimble, der in der Haut des Muskelprotz Johnny zu sehen ist. Letzterer scheint durch sein ausdrucksstarkes Aussehen genau auf seine Rolle zugeschnitten zu sein. Besonders in einer der letzten Szenen des Films kommen beide Kampfkünstler ordentlich zum Zug, präsentieren gegenseitig ihre Künste in einem packenden Kampf um Leben und Tod. Die anderen Darsteller versuchen ihre Rollen zwar gut zu verkörpern, doch tragen sie mehr zum durchschnittlichen Humor des Films bei.
Die Achtziger eingefangen, das Bonusmaterial vergessen
Die Bildqualität des aus dem 1989 Jahre stammenden Films, der erst 1992 nach dem Erfolg von Once upon a Time in China im Westen erschien, ist recht ordentlich ausgefallen. Käufer der Blu-Ray-Fassung dürfen sich allerdings nicht durchgehend auf eine überdurchschnittlich gute HD-Qualität freuen, doch aufgrund des Alters ist das nicht verwunderlich – der Charme der Achtziger Jahre wird so nur noch unterstützt. Dies merkt man auch durchgängig am Soundtrack, der mit seinen Tönen und Klängen auf diese Epoche hinweist. Kennt man sich mit den Filmen dieser Zeit aus, wird man auch den einen oder anderen (deutschen) Synchronsprecher wieder erkennen. Zusätzlich befindet sich auch die kantonesische Tonspur mit auf der Disc. Wer Bonusmaterial auf dem Datenträger sucht, wird enttäuscht. Bis auf ein paar Trailer zu anderen Filmen befindet sich rein gar nichts auf der Disc, was für den eigentlichen Film hätte interessant sein können. Jet-Li-Fans sind definitiv bessere Filme gewohnt, in welchem der Martial-Arts-Star zu Höchstleistungen anlaufen kann – wer jedoch nach leichter Kost sucht, bekommt mit The Master einen passablen und abendfüllenden Spielfilm vorgesetzt.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): Dass die Once-upon-a-Time-in-China-Reihe von Episode zu Episode an Qualität verlor, konnte ich gerade noch so verkraften, da die Filme inhaltlich dennoch größtenteils gut durchdacht ausgefallen sind. Eine Handlung sucht man in Tsui Harks The Master allerdings vergeblich. Er versucht krampfhaft Elemente des chinesischen Kung-Fu und dem Action-Kino Amerikas zu vermischen. Das gelingt ihm in meinen Augen nur zum Teil. Überdrehte Bösewichte, die jeden Draht zur Realität verloren haben, entdecke ich in der Rolle des Johnny. Sprünge auf Autodächer, die daraufhin eindellen und auch das skrupellose Einsetzen von Pistolen und Gewehren kommt in seinem Werk zur Geltung. Alle paar Minuten treffen Jet Li oder Johnny auf den einen oder anderen Bösewicht, mit denen sie sich in bester Martial-Arts-Manier auseinandersetzen. Allerdings hat Tsui Hark vergessen, eine ausgewogene Mischung zu schaffen und die Elemente sinnvoll miteinander zu verbinden. Des Weiteren hat er nicht daran gedacht, eine nachvollziehbare Handlung zu gestalten und im Film einzufangen. Jet Li wird in The Master keineswegs gefordert, seine Fähigkeiten werden hier ganz klar unterschätzt. Aufgrund dieser Tatsache möchte ich den Film auch nicht weiterempfehlen, Jet-Li-Fans werden meiner Meinung nach enttäuscht.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von The Master!