Review: Fist of Legend

Nachdem in der von Splendid Film gestarteten Jet-Li-Reihe mit The Master ein eher schwacher Verfechter des Genres vertreten war, folgt als fünfter Film mit Fist of Legend ein regelrecht geniales Meisterwerk von Regisseur Gordon Chan.

Während des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (7. Juli 1937 bis 9. September 1945) studiert der aus China stammende Kung-Fu-Spezialist Chen-Zhen an der Universität in Kyōto. Dort erfährt er vom Vater seiner Freundin, dass sein Meister und Adoptivvater in Shanghai bei einem Kampf ums Leben gekommen ist. Sofort bricht Chen-Zhen auf, um in Shanghai den Mörder seines Meisters aufzuspüren. In seiner von den Japanern besetzten Heimat wird ihm bewusst, dass hinter dem Mord eine Verschwörung stecken muss. Nicht nur unter den Japanern gibt es Feinde, auch in den eigenen Reihen der Jingwu-Schule scheint es einen Verräter zu geben. Chen-Zhens Widersacher schrecken vor nichts zurück, um sogar ihn aus dem Verkehr zu räumen, versuchen ihm sogar einen Mord anzuhängen, gar seine aus Japan stammende Freundin Mitsuko Yamada zu belasten. Der Konflikt zwischen China und Japan nimmt somit auch vor der Familie keinen Halt, sodass Chen-Zhen gezwungen ist, diese zu verlassen, doch schon bald bemerkt er, dass Kung-Fu sein Leben bestimmt.

Realitätsnahes Filmvergnügen

Gordon Chans Fist of Legend baut in seinen Grundzügen auf der Geschichte von Huo Yuanjia auf, welcher allerdings bereits Anfang des letzten Jahrhunderts gestorben ist. Chen-Zhen ist allerdings eine erfundene Persönlichkeit, die uns durch die auf Fakten basierende Zeitepoche und der fiktiv-konstruierten Geschichte führt. Der Konflikt zwischen den beiden asiatischen Staaten fängt Gordon Chan sehr gut ein, indem er zum Beispiel zeigt, wie Chen-Zhen seine Freundin vor einem Hotel stehenlässt, um ein Zimmer zu mieten. Als der Hotelbesitzer die Frau erblickt, verweigert er aus Hass auf die Japaner die Vermietung des Zimmers. Auch die Beleidigungen, welche sich die Figuren gegenseitig an den Kopf werfen, zeigen deutlich, wie die Staaten damals zueinander standen. Jet Li macht in Fist of Legend eine außerordentlich gute Figur, selten hat man ihn so überzeugend gesehen. Besonders die Kämpfe, in denen Jet Li sein Können unter Beweis stellt, wirken bis auf zwei, drei Ausnahmen sehr realistisch, da man sich dafür entschieden hat, übertriebene (meterweite) Sprünge und dergleichen außer Acht zulassen, was dem realistischen Stil des Films sehr zu gute kommt. Auch die Verpflichtung des japanischen Schauspielers Yasuaki Kurata in der Rolle des Fumio Funakochi war definitiv keine Fehlbesetzung.

Gelungene Synchronisation

Das hochauflösende Bild der Blu-Ray-Fassung macht eine erstaunlich gute Figur, sehr oft hält man den Atem an, wenn man die Haare und die herunter laufenden Schweißperlen der Protagonisten einzeln zählen kann. Es gibt nur wenige Momente im 16:9-Format gehaltenen Film, in denen die Bildqualität hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der Soundtrack ist zwar gut und fällt auch nicht störend auf, doch stellenweise hätte man für die Szenen auch epischere Stücke komponieren können. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls sehr gut gelungen, dank Stimmtalenten wie Christin Marquitan, Bodo Wolf und Dennis Schmidt-Foß wirkt diese niemals aufgesetzt. Wie üblich befindet sich auch die kantonesische Originaltonfassung mit auf der Disc, neben deutschen sind auch niederländische Untertitel zuschaltbar. Bonusmaterial ist bis auf wenige Trailer zu anderen Filmen nicht auf dem Datenträger enthalten, hier scheint die Jet-Li-Reihe an einem Fluch zu leiden. Wer auf Boni verzichten kann, wird mit Fist of Legend 103 Minuten lang nahezu perfekt unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): Es ist wirklich sehr schade, dass man der Jet-Li-Reihe nur wenig Beachtung schenkt, was das Bonusmaterial betrifft. Besonders wenn ein Film auf (wenigen) Fakten und Tatsachen aufbaut, hätte man darüber wunderbar ein Special produzieren können und mit auf die Disc packen können Dem eigentlichen Film tut dies aber keinen Abbruch, im Gegenteil! Ohne Bonusmaterial wird (wohl oder übel) mehr wert auf den Film gelegt und das ist am Beispiel von Fist of Legend eindeutig gelungen. Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der dermaßen realistisch wirkt und zugleich auch mit einer gelungenen Rahmenhandlung besticht. Von der ersten bis zur letzten Minute wurde ich bei dem aus dem Jahre 1994 stammenden Film bestens unterhalten. Es gibt so gut wie keine Momente in denen ich denke, dass die choreographischen Leistungen in dieser Form so nicht machbar gewesen wären. Der Handlung konnte ich jederzeit problemlos folgen, Ungereimtheiten gab es nicht. Schade nur, dass der Soundtrack nur mittelprächtig ausgefallen is. Dafür macht Jet Li in Fist of Legend eine selten so gut gesehene Figur, sodass ich mir den Film auf jeden Fall wieder und wieder angucken werde!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Fist of Legend

Hinterlasse einen Kommentar