Derzeit feiert die The-Legend-of-Zelda-Serie ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum, doch ein anderer Nintendo-Held kommt in diesem Jahr ebenfalls nicht zu kurz. Die Rede ist nicht von Mario, sondern vom kugelrunden Kirby, der bereits sein fünftes (erneut) veröffentlichtes Spiel in diesem Jahr in europäischen Gefilden zelebriert. Wir feiern selbstverständlich mit!
Im kunterbunten Dream Land geht es mal wieder drunter und drüber. Kirby bekommt seinen Mund mal wieder nicht voll genug und stibitzt König Dedede kurzerhand ein schmackhaftes Stück Erdbeertorte. Der Monarch lässt dies natürlich nicht einfach auf sich sitzen und nimmt gleich die Verfolgung auf. Im Schlepptau folgt ihm sein getreuer Waddle Dee. Unterwegs ist es Meta-Knight, der sich der munteren Truppe anschließt, als plötzlich wie aus dem Nichts ein Raumschiff auf Planet Pop notlanden muss. Neugierig wie die vier Charaktere nun einmal sind, untersuchen sie das unbekannte Flugobjekt einmal genauer und treffen dabei einen Außerirdischen. Nachdem dieser aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht ist, wird er auch schon von der nächsten Wendung fast umgehauen. Funktionswichtige Bauteile seines Raumschiffes wurden über Planet Pop verstreut, zudem sind auch alle einhundertzwanzig Zauber-Zahnräder abhanden gekommen. Der Außerirdische bittet Kirby und seine Freunde darum, die Bauteile zusammen zutragen, damit er wieder in den Weltraum entschwinden kann. Das Unterfangen erweist sich aber als schwieriger als gedacht, denn die wertvollen Objekte haben sich die bekannten Bösewichter des Kirby-Universums klammheimlich eingesteckt und werden diese wohl nicht und vor allem nicht ohne Kampf wieder herausgeben.
Abwechslungsreicher Planet Pop Star
Für Kirby beginnt abermals ein Abenteuer, doch dieses Mal muss er es nicht alleine bestehen. Wir reden hier nicht von den tierischen Begleitern (unter anderem bekannt aus Kirby’s Dream Land 2), sondern von den eingangs erwähnten Charakteren. König Dedede, der damals auch als König Nickerchen hierzulande bekannt war, Waddle Dee und Meta-Knight schließen sich Kirby bei der Suche an, doch dazu später mehr. Die Reise führt uns in die entlegensten Ecken des sternförmigen Planeten, wo abwechslungsreiche Welten auf uns warten, die allesamt nach leckeren Schlemmereien benannt sind. Hier erwarten uns saftige Graslandschaften, felsige Gebirgsketten, Blätterwälder, sonnige Strände, verschneite Landstriche, dunkle und mit Lava überfüllte Höhlen oder in gefahrenvollen Fabriken, die einem Donkey Kong Country entsprungen sein könnten. Dieser Abwechslungsreichtum wird nicht nur in den verschiedenen Spielabschnitten geboten, denn der kugelrunde Held erlangt nach seinen etwas anderen Ausflügen in Kirby und das magische Garn und Kirby Mass Attack wieder seine altbekannte Fähigkeit des Einsaugens. Wir dürfen nach Lust und Laune so gut wie jeden erdenklichen Feind aufsaugen und uns deren Spezialfähigkeiten bedienen. Schlucken wir einen Schwerkämpfer runter, dürfen wir ebenfalls mit einem Schwert wie wild herumwirbeln.
Mächtiges Repertoire an Spezialfähigkeiten
Damit hört das Repertoire an Spezialfähigkeiten natürlich noch nicht auf. Wir haben ebenfalls die Möglichkeit, mit einem Zauberstab eingemauerte Bombenblöcke zum Explodieren zu bringen oder mit einem scharfen Bumerang Seile zu durchschneiden. Außerdem dürfen wir Feuer spucken, Gegner einfrieren oder in bester Indiana-Jones-Manier mit einer Peitsche auch entfernte Items packen. Zudem treffen wir gelegentlich auch auf mächtigere Wesen, die uns ebenso mächtige Spezialfähigkeiten verleihen, allerdings nur temporär. Unser Schwert wächst da schon mal auf eine überdimensionale Größe an und vernichtet nicht nur mehrere Gegner auf einen Streich, sondern kann auch gleich vorgeschriebene Stücke der eigentlichen Level-Architektur ausradieren. Mit einem riesigen Hammer können wir ähnliches verrichten und mit einem auf dem Bildschirmabschnitt frei kontrollierbaren Zauberball aktivieren wir spezielle Schalter, um geheime Wege freizulegen. In der Form eines riesigen Schneeballs können wir dann ach schon mal ganze Gegnerhorden überrollen und setzen uns dann auch auf die Spitze eines brodelnden Vulkans – nicht etwa, um uns selbst zum Schmelzen zu bringen, sondern um eines der immer wiederkehrenden geheimen Zugänge zu einer anderen Dimension zu öffnen.
Das Tor in eine fremde Dimension
Es erwartet uns hier eine Wand, die von einem Bildschirmrand zum nächsten gleitet. Dieser immer näherkommenden Wand müssen wir entkommen, um nicht zerquetscht zu werden und die verschiedenen Hindernisse des Levels aus dem Weg zu räumen. Oft liegen auch große Blöcke herum, die wir nur aus der Welt schaffen können, wenn wir sie verstärkt aufsaugen. Da muss dann die quer gehaltene Wii-Fernbedienung auch schon mal geschüttelt werden. Abschließend können wir diese Objekte dann auch ausspucken, die uns dann anschließend den Weg bis zu einem festen Stück der Level-Architektur bahnen. Am Ende lassen sich jeweils zwei Zauber-Zahnräder finden, die wir nach dem Kampf gegen den ständig gleichen, aber durchaus unterschiedlich reagierenden Zwischengegner erhalten, sofern wir siegreich aus der Auseinandersetzung herausgehen. Sollten wir verlieren, müssen wir den geheimen Spielabschnitt wieder von vorne angehen. Die restlichen Zauber-Zahnräder sind dann mal mehr, mal weniger gut in den eigentlichen Levels versteckt. Einige Zahnräder können wir beim ersten Spielen des Levels übrigens auch nicht bekommen, da für diese ausnahmslos gute Reflexe gefragt sind, weil wir für jene Objekte meistens auch nur eine Gelegenheit bekommen. Das zieht das Spiel an wenigen Stellen zwar unnötig in die Länge, doch das erneute Besuchen des Levels unterhält genauso gut, wie das erstmalige Angehen des Spielabschnitts.
Freizeitbeschäftigung auf dem Raumschiff
Je mehr Zahnräder wir im Spiel sammeln, desto mehr Optionen erlangen wir im Raumschiff. Das heißt, wir erhalten unter anderem Zugriff auf Minispiele. Entweder wir treffen eine Zielscheibe mit Wurfsternen in einem japanisch anmutenden Szenario oder wir ballern wie verrückt mit einer Laserpistole auf Roboter, die berühmten Kirby-Persönlichkeiten nachempfunden sind, beispielsweise dem Koch Kawasaki. In den Trainingsräumen dürfen wir nach Lust und Laune die verschiedenen Spezialfähigkeiten ausprobieren und gegen eine Trainingspuppe einsetzen. Sinnvoller sind schon die Challenges, in welchen wir jeweils eine ausgesuchte Spezialfähigkeit ausführen und einen vorgeschriebenen Parcours in einer knapp bemessenen Zeitspanne ablaufen müssen. Dabei müssen wir möglichst jeden Gegner besiegen und viele Münzen sammeln, die uns Punkte auf unser Konto schreiben, doch Obacht! Für jede Feindesberührung und sonstige Verletzten verlieren wir wertvolle Punkte. Hier zählen also nur gute Ergebnisse, was besonders Vielspieler freuen und vor allem fordern dürfte. Wer in jeder Disziplin eine Goldmedaille einstecken möchte, muss sich in Geduld üben und öfters ein und denselben Parcours immer wieder angehen, da einige Stellen recht knackig ausfallen.
Mehrspieleroptionen
Der Titel richtet sich in erster Linie aber natürlich nicht an Vielspieler, viel mehr möchte das sehr einsteigerfreundliche Spiel mit seinem Mehrspielermodus auf sich aufmerksam machen. Zu fast jedem Zeitpunkt dürfen bis zu drei zusätzliche Spieler mit in das Geschehen ein- oder aussteigen. Für jeden Spieleinstieg wird ein Leben abgezogen, bei jedem Spielausstieg wird ein Leben hinzuaddiert. 1-ups sollten wir im Spiel sowieso mehr als genug finden. Leben werden aber nicht wie jüngst in Super Mario 3D Land gespeichert. Bei jedem Neustart des Spiels beginnen wir also wieder mit einer überschaubaren Anzahl an Versuchen, was aber nichts am sonst einfachen Schwierigkeitsgrad ändert. Unsere Mitspieler haben jedenfalls die Möglichkeit, in die Rolle von König Dedede, Meta-Knight, Waddle Dee oder gar in einen andersfarbigen Kirby zu schlüpfen. Fans finden hier sicherlich sehr schnell ihren persönlichen Favoriten! Wir müssen allerdings dazu sagen, dass der Vierspielermodus nicht so amüsant wie die Rangelei in New Super Mario Bros. Wii ausfällt. Trotzdem ist die Mehrspieleroption eine willkommene Abwechslung, die besonders bei Anfängern auf Gegenliebe stoßen wird. Optisch besticht Kirby mit hübschen Grafiken, die dabei an ältere Teile der Reihe erinnern, etwa an den Super-Nintendo-Klassiker Kirby’s Fun Pak oder auch den Nintendo-64-Ableger.
Leichte, aber durchweg angenehme Kost
Der Soundtrack ist zwar immer schön zu hören, gehört aber im Vergleich nicht zum Besten, was die Serie zu bieten hat. Während bei Kirby und das magische Garn Optik und Sound miteinander kombiniert waren, sich sogar gegenseitig ergänzt haben, trällern die Melodien im jüngsten Teil zwar wunderbar vor sich hin und überzeugen uns auch mit neuen Tracks, doch es fehlen hier und da bekannte Melodien der klassischen Teile, an die sich Kirby’s Adventure Wii offensichtlich anlehnen möchte. Hier hätten Komponisten und Entwickler deutlich mehr herausholen können. Genauso wenig verstehen wir, warum man dem Titel von vornherein keine Schwierigkeitsgrade spendiert hat. Nintendo sollte es gut genug wissen, dass es mehrere Spielergruppen gibt, die allesamt unterschiedlich gefordert werden möchten. Im gesamten Testzeitraum haben wir übrigens kein einziges Mal den Game-Over-Bildschirm gesehen. Erst nach dem einmaligen Durchspielen erhalten wir Zugriff auf einen fordernden Spielmodus, der sich aber in sonstigen Belangen kaum vom ursprünglichen Spiel unterscheidet. Neben Super Mario 3D Land und dem Nintendo-Wii-Vorgänger gehört Kirby’s Adventure Wii trotzdem zu den besten Jump ’n’ Runs des Jahres 2011. Es ist ein Titel, den man ruhigen Gewissens verschenken oder sich auch gerne selbst unter den Weihnachtsbaum legen möchte!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Mit Kirby’s Adventure Wii habe ich endlich das Kirby-Spiel bekommen, was ich mir schon seit Nintendo-64-Zeiten gewünscht habe. Während mich das Abenteuer auf jener Konsole vor zehn Jahren nicht gerade angesprochen hat, habe ich mich umso mehr über die Ankündigung eines Gamecube-Spiels gefreut, welches im Nachhinein dann aber doch wieder auf Eis gelegt und verschoben wurde. Nachdem der Titel (vermutlich) mehrere Operationen durchmachen musste, gibt es nach Kirby’s Fun Pak endlich wieder einen Titel auf Nintendos stationärer Heimkonsole, der ebenfalls an alte Erfolge anknüpfen kann. Kirby-Titel sind nicht gerade für ihre knackigen Schwierigkeitsgrade bekannt, doch nach all den Jahren würde ich mir wirklich mal wünschen, dass sich die Entwickler mal etwas trauen oder zumindest einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad mit in das Spiel integrieren. Es kann doch einfach nicht sein, dass ich erst nach dem ersten Durchspielen Zugriff auf so etwas erlange. Obwohl mich dies zwar stark ärgert, ärgert es mich noch mehr, dass man auf bekannte Melodien der Klassiker an vielen Stellen verzichtet hat. Zwar hört man schon mal beliebte Tracks, doch diese reduzieren sich auf ein Minimum. Trotzdem hat mir die musikalische Untermalung besonders in den letzten Levels sehr gut gefallen, was das ganze wieder wettmacht. Wer bunte Abenteuer mit sympathischen Spielcharakteren mag und nichts gegen einen zu leichten Schwierigkeitsgrad einzusetzen hat, wird von Kirby’s Adventure Wii begeistert sein.