Review: Wii Play: Motion

Als 2006 die Wii in Europa erschien, gab es für viele Spieler ein sehr gutes Argument dafür, sich direkt eine zweite Wii-Fernbedienung zuzulegen. Für den Aufpreis von nur zehn Euro, erhielten wir neben der Steuerungseinheit die Minispielsammlung Wii Play dazu. Diese erhält nach mehr als vier Jahren endlich ihren wohlverdienten Nachfolger.

Und auch dieses Mal liegt dem Paket eine Fernbedienung bei, genauer gesagt sogar eine Wii Remote Plus, in welcher Wii MotionPlus bereits verarbeitet ist und das Spielgefühl verbessern und die Aktionen des Spielers genauer ausführen soll. Sobald die Wii-Disc im Laufwerk rotiert, haben wir auch schon die Wahl zwischen vier von zwölf kleinen Minispielchen. Die anderen Minispiele möchten von uns erst freigespielt werden, was in der Regel allerdings recht schnell passieren wird. Die Auswahl an Minispielen ist durchaus groß – in Eiscreme Extrem möchten beispielsweise Eiskugeln übereinander gestapelt werden. Dabei dürfen wir das Gleichgewicht unseres Miis, der von uns kontrollierten Spielfigur, nicht verlieren. Die aufrecht gehaltene Fernbedienung muss also immer wieder in eine gerade Position bewegt werden. Das ist schwieriger, als es in der Theorie anhört, da immer mehr Eiskugeln ununterbrochen auf unser Hörnchen gestapelt werden. Bei diesem Minispiel schalten wir schon nach den ersten paar Runden den Softeis-Modus frei, bei dem es darum geht cremiges Eis spiralförmig auf dem Hörnchen aufzusetzen und es dennoch so hoch wie nur möglich anzusiedeln. Eine cremige Angelegenheit!

Menschen-Tetris

Im Minispiel Maulwurf Extrem müssen wir, wie auf dem Jahrmarkt, aus Löchern guckende Maulwürfe mit einem Gummihammer treffen, da diese versuchen unser Obst zu mopsen. Das können wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen und verdienen mit jedem erledigten Maulwurf ein paar Punkte, doch Obacht: Auch Miis können aus den Löchern schauen, hier kassieren wir für Schläge Strafpunkte ein. Im Merks-dir-Modus müssen wir die Reihenfolge der Maulwürfe behalten, die nacheinander aus den Löchern schauen. Dieser Modus motiviert alleine definitiv nicht sehr lange, denn wir kennen auch niemanden, der mit sich selbst Ich-packe-meinen-Koffer spielt. Angenehmer ist da schon das Minispiel Steine-Flitschen. Hier müssen wir einen Stein über einen See flitschen lassen. Was sich in der Realität als eher schwierig entpuppt, ist in Wii Play: Motion ein Kinderspiel. Hier können wir uns auch an bestimmte Herausforderungen wagen, wo wir den Stein durch diverse Ringe und andere Hürden flitschen lassen dürfen, um Punkte zu verdienen. Dann gibt es da noch das Mii-Posenspiel, bei dem wir unsere Wii-Fernbedienung in die entsprechende Richtung drehen müssen, damit die Pose unseres Miis durch eine bestimmte Öffnung passt. Bei erhöhtem Tempo ist das recht knifflig, aber umso mehr motivierend. Wer schon einmal nach Videos wie „Menschen-Tetris“ auf der Video-Plattform Youtube gesucht hat, wird das Spielprinzip sofort wieder erkennen.

Sie haben einen T-Rex!

Shooter-Fans freuen sich über das Minispiel Meisterschütze. In diesem Spiel geht es darum, von einer bestimmten Stelle aus alle möglichen Objekte abzuschießen. Das fängt bei einfachen Luftballons an und endet mit Ufos und einem großen Mutterschiff, welche die wild herumlaufenden Miis entführen möchten. Im zweiten von drei Levels erwarten uns dafür wendige Ninjas, die mit Wurfsternen attackiert werden wollen. Der dritte Level spielt in der Zeit der Dinosaurier, wo wir im Stile eines On-Rail-Shooters auf einer unsichtbaren Schiene durch den Dschungel gelenkt werden und einen Dinosaurier nach dem anderen abknallen. Der obligatorische Tyrannosaurus Rex darf als Endboss natürlich nicht fehlen. Nach dem Ausflug in die Kreidezeit verdienen wir uns im Flummiland die nötige Erholung. Hier stoßen wir uns mit unserem Mii an den Seiten der Spielwelten ab und müssen das meist punktgenau timen, um dabei die verschiedenen und herumfliegenden Juwelen einzusammeln. Diese sind nämlich bitter nötig, ansonsten bleibt uns das Ziel des jeweiligen Levels verschlossen. Im Minispiel Flippige Wippe geht es ähnlich hektisch zu. Hier heißt es, eine Kugel durch mehr als dreißig Levels zu bugsieren. Dazu stehen uns allerdings nur diverse Wippen zur Auswahl, mit der wir die Kugel in die Luft katapultieren und ihre Schwerkraft ausnutzen, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Grün ist das Licht, die Falle ist dicht!

In der Gruselvilla geht es dann schon etwas unterhaltsamer beziehungsweise gespenstiger zu. Hier schwenken wir die Wii-Fernbedienung quasi 360 Grad in unserem Raum (was übrigens auch beim Minispiel Meisterschütze der Fall ist und sich dort auch noch der Bildschirm mit bewegt!) umher, bis der Lautsprecher der Wii-Fernbedienung Geräusche von sich gibt. Dann müssen wir schnell auf den B-Knopf drücken und ihn halten, damit wir den Geistern mit einer Fanghilfe, die dem Film Ghostbusters entsprungen sein könnte, in die Falle bugsieren. Was bei den kleineren Geistern noch einfach ist, entpuppt sich bei den größeren Gespenstern als äußerst schwierig, da sich diese auch noch lebhaft gegen ihre Inhaftierung wehren wollen. Als nächstes bietet das Spiel den windigen Wettlauf an. Hier ist unser Mii mit einem Regenschirm ausgerüstet und der Sturm bläst uns nur so um die Ohren. Auf einer festgelegten Strecke heißt es hier also: Regenschirm (Wii Remote) in die entsprechende Richtung halten und uns von Windstößen treiben lassen. Unterwegs müssen wir dann auch hier noch ein paar Juwelen einsacken. Das luftige Treiben (so der Name des nächsten Minispiels) entpuppt sich schnell als ermüdende Wedelarbeit. Unser Mii hängt an mehreren Luftballons fest, die es zu beschützen gilt, etwa vor Gefieder mit spitzem Schnabel. Anstatt den Mii mit Wedel-Aktionen weiter im Parcours aufsteigen zu lassen, zielen wir mit der Fernbedienung auf den Vogel und schießen ihn ab.

Der Weltraum, unendliche Weiten

Wenn wir zu hoch steigen, erreichen wir vielleicht auch die Raumstation des nächsten Spiels. Hier möchten Bauteile an bestimmte Stellen der Station angedockt werden. Die Raumstation erweitert sich mit jedem Level also um ein weiteres Bauteil, was uns genügend Motivation bereitet, die Station vollends ausbauen zu lassen. Das Problem dabei sind nur die drei Düsen, die allesamt in unterschiedliche Richtungen ihr Feuer ausspucken. Anfänger sollten hier erst einmal die Finger weglassen, sobald man aber einmal den Dreh raus hat, funktioniert auch die Weltraumarbeit ohne größere Probleme. Zu guter letzt steigen wir noch einmal in die Tiefen des Meeres hinab, es geht im gleichnamigen Minispiel auf Schatzsuche. Die Wii Remote wird hier von uns gedreht, damit der Mii an seiner Taucherglocke tiefer ins Meer hinab gelassen oder später wieder auf das Boot geholt wird. Unterwegs heißt es hier abermals: Juwelen und natürlich gut gefüllte Schatztruhen einzusammeln. Besonders im Mehrspielermodus beschert uns dieses Minispiel beste Abendunterhaltung und genau dafür ist Wii Play: Motion unserer Meinung nach auch gemacht. Anstatt stundenlang an einem Rollenspiel zu sitzen, bietet der Titel schnelle Unterhaltung für zwischendurch. Besonders auf Partys gehört Wii Play: Motion zu den aktuell besten Spielen, unter anderem neben Wii Party und Wii Sports (Resort).

Eine Fernbedienung zu viel

Steuerungstechnisch fühlt sich der Titel ohne Einschränkung ausgereift an. Alle Aktionen funktionierten in unserem Praxistest (teilweise nach kurzer Eingewöhnung) tadellos. Nintendo schafft es mit diesem Spiel Gelegenheitsspieler an das Medium Videospiele zu fesseln, ein Spiel mehr als nur einmal kurz anzuspielen. Aber auch Coregamer finden sich in Wii Play: Motion absolut zu recht, da die Jagd nach Bronze-, Silber-, Gold- und Platinmedaillen den einen oder anderen Spielertyp durchaus motivieren kann. Dabei ist es der japanischen Firma auch egal, dass der Titel grafisch und akustisch definitiv nicht zum Besten gehört, was es auf Nintendos Brotkasten zu sehen gibt. Die eine oder andere Treppchenbildung hätte sich bei einer besseren Programmierung sicherlich nicht ergeben. Trotzdem geht es in erster Linie um den Spielspaß und diesen findet man in Wii Play: Motion in Massen, besonders da der Mehrspielermodus verstärkt auf Teamwork ausgelegt ist und wenn das zwischenmenschliche Beziehungen nicht fördert, wissen wir auch nicht weiter. Vielspieler werden nur bemängeln, dass der Titel einzig und allein nur mit einer roten Wii-Fernbedienung Plus ausgeliefert wird. Wer bereits vier Fernbedienungen (im besten Falle mit vier Wii MotionPlus-Einheiten ausgestattet) besitzt, wird wohl oder übel in den sauren Apfel beißen müssen. Bisher ist das Spiel nämlich nicht ohne Steuerungseinheit erhältlich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Wii-Fassung): Der Vorgänger des Spiels war 2006 für eine zweite Wii Remote der Kaufgrund schlechthin. Für nur zehn Euro mehr bekam ich damals neben einer neuen Fernbedienung auch eine mehr als nur passable Minispielsammlung mit dazu. Diesen Kauf habe ich damals nicht bereut, da ich so mit Julian direkt ein paar Sessions mit Wii Sports und Wii Play verbracht habe. Als ich dann von einem Nachfolger hörte, war ich natürlich ganz aus dem Häuschen, da gute Minispielsammlungen auf der Wii leider eine Seltenheit sind – hier verdient Nintendo ganz klar mein Vertrauen. Nachdem ich das Spiel das erste Mal in Köln auf einem Event ausprobieren durfte, konnte ich es kaum erwarten, selbst bei mir zuhause die lustigen Minispiele durch und durch zu spielen. Leider hat es sich bisher noch nicht ergeben, dass ich den Titel mit mehreren Leuten privat spielen konnte. Doch aus meiner Erfahrung vom Köln-Event kann ich hier ganz klar sagen, dass sich der Kauf des Titels auf jeden Fall lohnt. Schade ist nur, dass das Spiel über keinen Online-Modus verfügt. Wenn sich also nicht bald ein paar Freunde für die eine oder andere Runde finden lassen, wird das Spiel so schnell also nicht mehr in meinem Wii-Laufwerk rotieren.

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