Vor zwei Jahren veröffentlichte Square Enix hierzulande den wohl bisher umstrittensten Teil der Reihe. Während viele Spieler die zahlreichen Änderungen begrüßten, stoß der japanische Konzern auf ebenso viele enttäuschte Gesichter. Wir gehören definitiv zur letzteren Fraktion.
Was sich genau nach den Geschehnissen von Final Fantasy XIII abgespielt hat, können wir nicht mit Gewissheit sagen. Fest steht, dass ein Zeitreisender namens Noel in das Leben von Lightnings Schwester Serah getreten ist. Gemeinsam reisen sie in eine andere Zeitepoche der fantastischen Geschichte. In einem zeitlich anders eingeordneten Cocoon werden die beiden Freunde auch schon direkt von einem überdimensional großen Gegner angegriffen. Da liegt es nahe, dass wir sofort zu den Waffen greifen müssen und das Kampfsystem von Final Fantasy XIII-2 kennenlernen. Grundsätzlich hat sich im Nachfolger zum zwei Jahre alten Titel nur sehr wenig getan. Immer noch läuft der Kampf nach dem Active-Time-Battle-System ab. So liegt es wieder einmal an uns, geschickt durch die verschiedenen Paradigmen zu schalten und das richtige der jeweiligen Situation entsprechend auszuwählen. Neulinge werden an dieser Stelle wohl nichts verstehen, weshalb wir das System kurz zusammenfassen. Paradigmen sind verschiedene Konstellationen von Berufstypen, die unsere Charaktere beherrschen. Da fallen beispielsweise Brecher, Heiler, Verheerer oder Verteidiger drunter. Während Brecher bei den Gegnern großen Schaden verursachen, sind die Verheerer dafür zuständig, dass dieser Schaden durch einen Multiplikator immer weiter in die Höhe getrieben wird. Bevor unsere Charaktere das Zeitliche segnen, sollten wir schnell in eine Verteidigungshaltung wechseln und noch dazu die angeschlagenen Gefährten heilen.
Monsterzucht
An dieser Stelle möchten wir Square Enix loben, da sie glücklicherweise eine Unsinnigkeit des Vorgängers aus dem Spiel entfernt haben. Da war es noch an der Tagesordnung, dass der Kampf mit sofortiger Wirkung vorüber war, wenn der Gruppenanführer kampfunfähig wurde. In Final Fantasy XIII-2 wechselt die Rolle des Anführers nun zum nächsten Gefährten über, sofern die genannte Situation eintrifft und ein passendes Mitglied zur Verfügung steht. Final Fantasy XIII-2 bedient sich im Übrigen auch bei der hausinternen Konkurrenz, genauer gesagt an Dragon Quest V. In jenem Spiel ist es möglich, Monster zu zähmen und anschließend frei als Gruppenmitglieder im Kampf einzusetzen. Ganz so stark ist das System im vorliegenden Titel nicht vertreten, doch kommt es in der Demoversion mitunter häufig vor, dass sich uns ein Monster nach dem Schlagabtausch anschließt und uns im Kampf mit Spezialfähigkeiten unterstützt. Dafür müssen wir nur lange genug kämpfen, bis sich die Empathieleiste der Kreatur füllt und wir anschließend eine bestimmte Tastenkombination auslösen können. Mit besonderen Gegenständen können wir die Bestien über das Kristarium aufwerten. Somit steigen ihre Attribute und sie erlernen neue Fähigkeiten, um uns in der Schlacht zu unterstützen. Selbiges funktioniert selbstverständlich auch mit Noel und Serah. Bei unseren beiden Hauptdarstellern ist es allerdings nötig, aus den Kämpfen als Sieger hervorzugehen und so Kristallpunkte zu sammeln. Diese dürfen wir im Kristarium nun in einem noch lineareren System als im Vorgänger ausgeben.
Sichtbare Zufallskämpfe
Was sich Square Enix dabei gedacht hat, können wir nicht mit Gewissheit sagen. Das neue Kristarium ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wie sich das dauerhaft auf das Spielgeschehen auswirkt, wird der Test in den nächsten Wochen zeigen. Dass die Kämpfe weiterhin ein Kernelement bleiben sollen, machen weitere Änderungen deutlich. Das beginnt bereits vor der Eröffnung des Kampfes. Waren im Vorgänger alle Gegner jederzeit sichtbar, erwarten uns in Final Fantasy XIII-2 wieder Zufallskämpfe. Nun ja, fast! Wir sehen die Monster nun zwar nicht mehr aus der Ferne, doch sobald sich zufälligerweise Gegner in unserer Nähe befinden, macht sich ein Radius um das feindliche Individuum breit. Nun liegt es an uns, ob wir den Kreis möglichst schnell verlassen, um der Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen oder einen Erstschlag erzeugen, in dem wir auf den Gegner losstürmen. Square Enix möchte uns hier zwar eine gewisse Optionsvielfalt generieren, doch wie in fast jedem anderen östlichen Rollenspiel ist es auch in Final Fantasy XIII-2 wichtig, nach Möglichkeit jeden Kampf zu bestreiten, um Erfahrung zu gewinnen und die Charakterwerte zu verbessern. Bereits in der Demo hat sich am Bossgegner Atlas gezeigt, dass schwache Helden keine oder nur wenige Chancen auf Erfolg haben. Überrascht hat uns bereits beim ersten Bosskampf, dass es hin und wieder auch gescriptete Ereignisse gibt, in denen wir allerdings Quick Time Events ausführen dürfen. Das fühlt sich bereits jetzt erfrischend an und soll im fertigen Produkt bitte mehr als nur einmal auftauchen. Square Enix hat allerdings nicht nur an den Kämpfen gefeilt, wie ihr hier sicherlich festgestellt habt – auch außerhalb gibt es einiges Altbewährtes zu entdecken.
Ende des Weges
Das letzte Mal in der Final-Fantasy-Historie, wo wir das Gefühl hatten, eine richtige Stadt nach Lust und Laune zu erkunden, war wohl Final Fantasy XII auf der PlayStation 2. Seither sind sechs Jahre ins Land gezogen und der Nachfolger konnte da keinesfalls anknüpfen. Fast durchgehend gab es da nur diese Schlauchlevels zu sehen, die uns von einer Situation zu dem nächsten Schlüsselmoment führten. Das war wenig abwechslungsreich und die wenigen Schatztruhen am Wegesrand konnte man somit wirklich nicht mehr übersehen. Schatzsucher und Abenteurer haben sich bis zu einem bestimmten Gebiet gelangweilt. Mit Final Fantasy XIII-2 gehört das zumindest teilweise der Vergangenheit an. In den Bresha-Ruinen wimmelt es nur so von Soldaten und Bürgern, mit denen wir uns unterhalten dürfen. Außerdem stoßen wir auf mal mehr und mal weniger gut versteckte Schätze, die es zu plündern gilt. Das Geld dürfen wir dann bei Chocolina, einer Frau im Chocobo-Kostüm, für Objekte und Ausrüstung ausgeben. Heiltränke müssen aber wieder nicht zwischen den Kämpfen eingesetzt werden, da sich die Charaktere nach den Auseinandersetzungen jederzeit heilen. Das spart zwar deutlich Zeit, doch das entzieht sich selbst der allseits bekannten Fantasy-Logik. Immerhin haben es die Entwickler geschafft, die Gebiete weitläufiger zu gestalten und dabei verschiedene Wege eingeführt, die zum Ziel führen. Immer wieder stoßen wir in den Ruinen auf Soldaten, die uns Nebenquests zum Erfüllen anbieten. Ihr habt richtig gelesen, Square Enix versucht in Final Fantasy XIII-2 ein Novum östlicher Rollenspiele zu etablieren. Im Angesicht überraschender Traumwertungen der japanischen Famitsu für The Elder Scrolls V: Skyrim ist dies vermutlich der konsequente Schritt. Der Fortschritt japanischer Rollenspiele geht in die nächste Runde.
Minispiele
Eine bisher eher nutzlose Funktion ist das Sprungfeature, welches die Entwickler in den Titel eingebaut haben. Mit diesem Feature ist es möglich, den Gruppenführer auf dem offenen Feld springen zu lassen. In einer Stunde Spielzeit haben wir diese Option gerade ein oder zwei Mal benutzt. Sicherlich soll Final Fantasy XIII-2 nicht zum Jump ’n’ Run mutieren, doch ein paar Sprungelemente mehr hätten dem Gameplay sicherlich nicht geschadet. Minispielfreunde sind in Final Fantasy XIII-2 ebenfalls gut aufgehoben, zumindest war von einem Spielchen schon in der Demoversion auf der PlayStation 3 etwas zu sehen. Von der Story in ein Zeitfenster gelenkt, müssen wir dort über schwindende Platten laufen und dabei Kristalle einsammeln. Wirklich unsere Köpfchen mussten wir uns da nicht anstrengen, doch wir sind schon sehr auf das Endprodukt gespannt und was uns im späteren Spielverlauf an Rätseleinlagen erwartet. An vielen Ecken und Kanten merkt man, dass sich Square Enix die Zeit genommen und sich bemüht hat, auf die Wünsche der Fans einzugehen. Zwar können wir noch nicht genau sagen, ob sich auch die künstliche Intelligenz der Charaktere (an der wir im Vorgänger an der einen oder anderen Stelle manchmal verzweifelt sind) verbessert hat, doch alleine schon, dass wir nun nicht mehr ständig einen Kampf neustarten müssen, wenn der Gruppenanführer besiegt wurde, lässt uns auch hier auf Verbesserungen hoffen. Optisch und akustisch macht der Titel auf der PlayStation 3 eine gute Figur. Sicherlich ist der Soundtrack wieder nicht auf der Höhe mit der Qualität der früheren Uematsu-Werke, doch steht er im Einklang mit dem Vorgänger.
Blick in die Zukunft
Eine deutsche Synchronisation gibt es dieses Mal übrigens wieder nicht, schade. Ein letztes Mal können wir darüber hinwegsehen, da die englischen Stimmen wieder einmal gut klingen und genügend Atmosphäre erzeugen. Das können wir von den bisherigen Spielabschnitten aus der Demo allerdings nicht behaupten, denn wie eh und je stehen die Nichtspielercharaktere in den Ruinen dumm herum und gehen keinem Tagwerk nach. Einzig und allein, wenn plötzlich Gegner in unserer Nähe auftauchen und zufällig ein Soldat das mit bekommen sollte, eilt uns dieser zur Unterstützung. Beginnen wir den Kampf, ist von dem Haudegen allerdings nichts mehr zu sehen. Das ist im Jahr 2012 nicht mehr zeitgemäß, zumal es andere Spiele wie Gothic ein ganzes Jahrzehnt früher wunderbar hinbekommen haben. Die Steuerung fühlt sich auf der PlayStation 3 (die Demoversion der Xbox 360 haben wir nicht ausprobiert) ein klein wenig schwammig an. Das wäre grundsätzlich kein Problem, wäre die Kameraführung besser auf das jeweilige Geschehen fixiert. Bis auf diese wenigen Negativpunkte können wir nach einer Stunde Spielzeit bisher keine weiteren Mankos feststellen. Feststeht allerdings, dass Final Fantasy XIII-2 seinen Vorgänger in vielen Belangen schlagen, gar übertreffen wird. Wie und vor allem ob Final Fantasy XIII-2 allerdings ein wirklich gutes Spiel wird, steht derzeit noch in den Sternen. Hat sich nämlich einmal der Ruf eines Herstellers bei gewissen Redakteuren gefestigt, sprich er hat sich mit einem Spiel bei jener Personengruppe einmal verscherzt, wird es mit dem direkten Nachfolger ungleich schwieriger, die Sympathie zurück zu gewinnen. Soll heißen, Square Enix muss sich mit Final Fantasy XIII-2 ordentlich anstrengen, um uns wieder mit der experimentierfreudigen Spielserie zu versöhnen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Demoversion der PlayStation-3-Fassung): Ich gebe es nur ungern zu, doch Final Fantasy XIII-2 spielt sich in einigen Punkten deutlich besser, als sein Vorgänger. Das fängt beim überarbeiteten Kampfsystem an. Ich rede hier nicht von den jetzt eingeführten Quick Time Events, sondern von einer einfachen Tatsache. Endlich brauche ich nicht ständig einen Kampf neustarten, wenn der Gruppenarzt versagt und lieber sich, als den essentiellen Gruppenführer zu heilen. Danke, Square Enix! Danke, dass ihr euch wieder den Grundregeln gesunder Rollenspieler widmet! Selbstverständlich freue ich mich auch über die Änderungen im Kampf, wie die einzugebenden Tastenkombinationen bei gescripteten Events oder den Spezialtechniken der Monster, doch dass die Grundregeln eines Rollenspiels endlich wieder hergestellt sind, freut mich umso mehr. Trotzdem bin ich weiterhin skeptisch, was den Rest des Spiels betrifft. Die Nebenaufgaben scheinen nicht über das Aufspüren eines Items oder das Erlegen eines Monsters hinauszugehen, die Atmosphäre wird durch Nichtsnutze in den Örtlichkeiten zunichte gemacht und was unterm Strich bleibt ist hoffentlich eine mit vielen Wendungen gespickte und bitte spannende Story. So war es schließlich auch im Vorgänger und die Zeitreisethematik sollte eigentlich genügend Stoff bieten, dies noch geschickter und vielleicht auch gewagter umzusetzen. Schade nur, dass Nobuo Uematsu einmal weniger für den Soundtrack verantwortlich war. Er hat Final Fantasy schließlich seine ganz eigene Note aufgedrückt, doch das geht jetzt zu weit. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich Final Fantasy XIII-2 Anfang Februar anfühlen wird und ob es mich bis zum Abspann begeistern kann.