Review: Bloodrayne: The Third Reich

Herr Dr. Uwe Boll ist und bleibt unter Filmkritikern eine umstrittene Persönlichkeit. Während seine Meinung über die Filmbranche von vielen Menschen geschätzt wird, haben seine Filme nicht gerade einen guten Ruf zu verlieren. Besonders Videospieler kritisieren seine Arbeit, wenn er wieder einmal ein geliebtes Game in einen Film verwandeln muss.

Mit Bloodrayne: The Third Reich schließt Regisseur Uwe Boll seine Filmtrilogie, über die bisher zweiteilige Videospielreihe (die unter anderem für die PlayStation 2, die Xbox und den PC veröffentlicht wurde, weitere Teile für Nintendo 3DS und Co. sind in Planung) ab. Wie es der Titel des Films vermuten lässt, spielt Bloodrayne: The Third Reich zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Nach einer kurzen Rückblende zum ersten Teil (der circa 200 Jahre vor Teil 3 der Filmtrilogie spielt), werden wir auch schon direkt in das Geschehen hinein geworfen. Hitler gewinnt immer mehr Macht, wegen Rassenhass und religiösen Ansichten werden Juden in Konzentrations- und Arbeitslager deportiert. 1943 kämpfen eine Gruppe Widerstandskämpfer an der Ostfront gegen die Übermacht der Nazis. Beim Überfall auf einen Transportzug trifft die Gruppe auf die hübsche Rayne (gespielt von Natassia Malthe) – sie ist halb Mensch und halb Vampir.

Vampirisch gute Schauspielkünste

Als sie einen Kommandanten der Wehrmacht (gespielt von Michael Paré) tötet, verwandelt sie diesen ohne Absicht ebenfalls in einen Vampir. Der Kommandant genießt schon bald sein Vampirdasein – er will gemeinsam mit dem für seine Experimente bekannten Dr. Mengele (in diesem Film verkörpert von Clint Howard) eine Armee der Untoten züchten. Rayne versucht gemeinsam mit der Gruppe von Widerstandskämpfern, diesen Wahnsinn aufzuhalten. Die genannten Schauspieler verkörpern ihre Rollen unserer Meinung nach sehr, sehr gut. Natassia Malthe als sexy Vampirin, die mit ihren Feinden kurzen Prozess macht passt ebenso gut in Uwe Bolls Film, wie Clint Howard, welchem der Wahnsinn des Dr. Mengele wie ins Gesicht geschrieben steht. Michael Paré verdient ebenfalls unseren Respekt, da wir schon lange nicht mehr einen so gefürchteten Feind gesehen haben. Die eigentliche Rahmenhandlung ist dabei natürlich rein fiktiv, nur die Eckpfosten der Geschichte stützen sich auf realen Tatsachen.

Filmfehler mit Folgen

Das tut der eigentlichen Geschichte natürlich keinen Abbruch. Zusammenhänge im Film sind durchweg gut geschildert, jede Szene gehört genau da hin, wo man sie auch vermuten möchte. An einigen Stellen (beispielsweise bei der kurzen Szene im Gasthaus) haben wir das Gefühl gehabt, Uwe Boll hätte sich an Quentin Tarantinos Inglourious Basterds orientiert. Gedreht wurde der Film übrigens nicht in Deutschland, sondern in Zágréb (Kroatien). Das merkt man den in der Geschichte vorkommenden Schauplätzen aber nur an wenigen Stellen an. Kleinere Filmfehler (achtet mal auf die Brille des Dr. Mengele im Käfig beim Kampf mit der in einen Vampir verwandelten Hure – einmal rutscht sie herunter, dann verliert er sie und jedes Mal hat er sie urplötzlich wieder auf der Nase sitzen) trüben das Gesamtbild des nur 76 Minuten langen Films. Auch negativ fallen uns einige unsaubere Schnitte auf, sowie die unlogischen Blutspritzer. Wenn Rayne mit ihren Schwertern einen Nazi nach dem anderen absticht, spritzt literweise rote Suppe – schießen die Widerstandskämpfer die Soldaten der Wehrmacht nieder, fallen diese meist reglos um. Hier hätte Uwe Boll ebenfalls die Gewaltdarstellung überziehen können, damit die Verbindung zum Videospiel besonders klar wird.

(K)ein Kommentar

Als Bonusmaterial befindet sich auf dem Datenträger (in unserem Test die Blu-Ray-Fassung) unter anderem ein Making-Of, in dem die Schauspieler und der Regisseur auf die Entstehung des Films eingehen. Sie machen auch kein Hehl daraus, dass Herr Dr. Uwe Boll unter Filmkritikern und Videospielfans nicht immer einen guten Ruf genießt. Sie nehmen sich auch gerne selbst auf die Schippe, was bei dem circa 25-minütigen Making-Of für eine angenehme Stimmung und Entspannung vor dem Bildschirm sorgt. Ein sehr kurzes Interview mit dem Autor des Drehbuchs befindet sich ebenfalls mit auf der Disc, was aber nur wenige Einblicke in die Entstehung des Films zulässt. Interessanter ist da schon der Audiokommentar, der auf Englisch und Deutsch mit auf der Disc vorhanden ist. Das es um die englische Aussprache des Herrn Dr. Bolls nicht so gut bestellt ist, dürfte Fans des Regisseurs mit Sicherheit schon mal aufgefallen sein (Stichwort Th). Beim deutschen Audiokommentar checkt Uwe Boll nebenher seine E-Mails und telefoniert auch kurzzeitig mit Arbeitskollegen – das spricht nicht gerade für die Qualität des Kommentars, Fans erwarten vielleicht aber auch nichts anderes. Der 1080p-Film im 16:9-Format, der in Englisch und Deutsch (beide Tonspuren in DTS-HD Master Audio 5.1 sind empfehlenswert, die englische Fassung hat aber leicht die Nase vorn) vorliegt und zusätzlich mit zuschaltbaren (deutschen und niederländischen) Untertiteln angeschaut werden kann, können wir vor allem unseren männlichen Lesern empfehlen. Das (fiktive) Zweite-Weltkrieg-Szenario, gepaart mit Blutfontänen, Sex und einer übertriebenen Darstellung von Gewalt ist durchaus sehenswert – auch ohne Vorkenntnisse der Spiele und Filmvorgänger.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): Es ist schon ein historischer Moment für mich, denn Bloodrayne: The Third Reich ist bisher der einzige Uwe-Boll-Film, den ich bisher gesehen habe. Das Making-Of und der Audiokommentar haben mir Einblicke gegeben, wie es am Set von seinen Filmen aussehen muss. Auch, dass er drei Filme auf einmal (zusammen mit Bloodrayne: The Third Reich) gedreht hat, erklärt einige (kleinere) Fehler an diesem Streifen. Abseits des Bonusmaterials bekommt man aber einen doch ganz guten Film spendiert, wie ich finde. Sicherlich kann sich der Film auf technischer Ebene nicht mit der Qualität eines Hollywood-Blockbusters messen, aber wenn man an einem verregneten Nachmittag oder an einem Abend nichts anderes zu tun hat, kann man sich den gar nicht mal so langen Film perfekt zwischendurch anschauen. Sieht man von Logikfehlern und den unsauberen Schnitten ab, bekommt man überdurchschnittlich gute Schauspieler, eine interessante Handlung, ein düsteres Szenario, zwei (nicht ganz so prekäre) Sex-Szenen und überzogene Gewalt spendiert – und genau das verlangt laut Dr. Uwe Boll die Mehrheit. Mich hat es zumindest durchaus zufriedengestellt. Ddiesen Film werde ich mit Sicherheit irgendwann noch mal anschauen.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bloodrayne: The Third Reich!

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