Review: Dragon Tiger Gate: Martial Arts Action

Ein Film mit Donnie Yen in einer der Hauptrollen kann eigentlich nicht schlecht ausfallen, zumal uns selbst seine Nebenrollen im zweiten Teil der Once-upon-a-Time-in-China-Trilogie, sowie in Bodyguards & Assassins sehr gefallen haben. Dragon Tiger Gate schafft dies kaum.

Bevor es ans Eingemachte geht, möchten wir die Handlung des Films kurz zusammen fassen. Shibumi, das Oberhaupt der Lousha-Gang, lässt dem Drogenboss Ma Kun das Siegel des Klans als Zeichen seiner Anerkennung zukommen. Bei diesem Ereignis gelingt es dem jungen Martial-Arts-Künstler Tiger das Siegel zu entwenden, doch das lassen sich die Bösewichter selbstverständlich nicht gefallen. Schon bald gelingt es Ma Kuns bestem Mann Dragon das Siegel zurück zu gewinnen, doch dabei stellt sich heraus, dass die beiden Männer (Tiger und Dragon) Brüder sind doch auf verschiedenen Seiten gegenüberstehen, aber in gewissermaßen eine gemeinsame Vergangenheit haben. Als Kinder haben sie die Kampfkunstschule Dragon Tiger Gate besucht, doch als sich Dragons Mutter von seinem Vater trennt, verloren sich die beiden Halbbrüder aus den Augen. Dragon verließ die Schule und wandte sich der dunklen Seite zu, nachdem seine Mutter bei einem Hausbrand ums Leben kommt. Als die ungleichen Brüder wieder aufeinandertreffen, vergessen sie die langjährige Zwietracht und nachdem ein wichtiger Mensch in ihrem Leben ermordet wird, beschließen die beiden gemeinsam gegen ihren neuen Feind Shibumi vorzugehen. Unterstützt werden sie dabei von Turbo, einem neuen Schüler in der Schule, der meisterhaft versucht, mit dem Nunchaku umzugehen.

Handlungsschwächen

Die Handlung von Dragon Tiger Gate ist leider der größte Knackpunkt des Films. Diese kann sich nämlich nicht vollends entfalten. Regisseur Wilson Yip wollte den Hongkong-Manhua, der bereits seit den Siebzigern in China veröffentlicht wird, einmal mehr auf die Leinwand bringen. Das hat er für sich genommen auch geschafft, doch hat er dabei vergessen, die Story für Nichtkenner des Comics zu erklären. Zwar werden die Charaktere und ihre Absichten geschildert, doch die Hintergründe werden oft ausgelassen und vor allem den Zusammenhang zum Bösewicht fehlt fast vollständig beziehungsweise wird unzureichend erklärt. Zumindest können uns die gelungenen und choreographisch mehr als nur ansehnlichen Kampfeinlagen überzeugen. Donnie Yen (Dragon), Nicholas Tse (Tiger), Chen Kuan Tai (Ma Kun) und Shawn Yue (Turbo) zeigen durchgehend, was in ihnen steckt. In den Interviews wird deutlich gesagt, dass man nur auf ein paar bestimmte Kampfkünste in Dragon Tiger Gate setzte, zumal alle Techniken aus dem Manhua zu zeigen, deutlich zu lange ausgefallen wäre. Eine Szene des Films hat uns übrigens ganz besonders gefallen, da hier das Geschehen mit einer Kamera aus der Vogelperspektive eingefangen wurde. Stellt euch einfach ein japanisches Restaurant von oben vor. Während die Gäste in ihren abgetrennten Räumen speisen, laufen durch den Gang fast hunderte Kämpfer mit Schwert bewaffnet auf den Raum des Protagonisten zu. Kurz wird das Geschehen dann auch über der Straße gezeigt und zurückgeschwankt. Das unterstützt den Humor des Films, der aber nur selten in die ernste Story eingewebt wird.

Wilson Yips Regiekunst

Dragon Tiger Gate kommt in einem hochauflösenden 1080p-Bild daher, welches im 16:9-Format gehalten ist. Das Bild macht durchweg eine gute Figur, nur gelegentlich sind hier und da ein paar wenig unscharfe Momente zu ersehen. Unterlegt wird das Geschehen mit einem recht düsteren Soundtrack, der auch meist wunderbar zum Geschehen passt. Nur gelegentlich wirkt die musikalische Untermalung etwas deplatziert, zumal sie wenig Abwechslung bietet. Das Tonformat DTS-HD 5.1 kann im kantonesischen Original, als auch mit der deutschen Synchronisation punkten. Während die kantonesische Tonspur mit Authentizität überzeugt, ist es um die deutsche Fassung weniger gut bestellt. Eigentlich könnte auch die Synchronisation überzeugen, doch hat man sich für Donnie Yen einen sehr unpassenden Synchronsprecher ausgesucht. Christoph Jablonka ist zwar für seine sehr angenehme Stimme, wie etwa für die des Johnston Green in der Serie Jericho: Der Anschlag bekannt, doch passt sie einfach nicht zum jugendlichen Donnie Yen. Die Stimme ist einfach viel zu rau für ihn. Bonusmaterial ist auf der Blu-ray von Dragon Tiger Gate reichlich vorhanden. Während der Film gerade einmal auf neunzig Minuten Laufzeit kommt, kann das zusätzliche Material (bestehend aus einem Making-of, vielerlei Interviews, Trailer zu Dragon Tiger Gate und weiteren Werken aus dem Hause Splendid-Film) mit mehr als zwei Stunden für sich punkten. Etwas anderes haben wir von Regisseur Wilson Yip, der sich auch für Ip Man verantwortlich zeigt, auch überhaupt nicht erwartet, sehr schön.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem ich im letzten Jahr die gesamte Ip-Man-Trilogie gesehen habe, war ich von Wilson Yip sofort überzeugt. Deshalb habe ich mich auch schon sehr lange auf Dragon Tiger Gate auf Blu-ray gefreut, doch erst als ich den Film gesehen habe, habe ich bemerkt und später davon noch einmal im Bonusmaterial erfahren, dass es sich hierbei um eine Manhua-Adoption handelt. Das erklärt dann natürlich auch, dass die Handlung für einen Nichtkenner der Vorlage, nicht voll und ganz zu verstehen ist. Daher kann ich dem Film in Punkto Storytelling leider keinen Zuspruch gewähren, doch das ändert nichts am genialen Martial-Arts-Anteil. Egal, ob es sich dabei nun um Donnie Yen oder Nicholas Tse handelt – beide Hauptdarsteller verstehen es, sich nach aller Kunst in den Auseinandersetzungen zu bekämpfen, maßlos zu übertreiben, Realismus mit einzubringen und die Story weitestgehend gut voranzutreiben. Dann wäre da noch das sehr großzügig auf der Blu-ray verteilte Bonusmaterial zu erwähnen, dass viele Einblicke in die Produktion und das Wesen der Darsteller ermöglichte. Für mich ist eine Story allerdings sehr wichtig und somit werde ich mir Dragon Tiger Gate alsbald wohl nicht mehr anschauen. Wer allerdings großen Wert auf pures Martial Arts legt, wird mit Dragon Tiger Gate sichtlich zufrieden gestellt.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Tiger Gate!

2 Kommentare zu “Review: Dragon Tiger Gate: Martial Arts Action

  1. Die Kamerafahrt fand ich auch super, zumal ich das noch bei keinen anderen Film gesehen habe. Aber wie du bereits geschrieben hast, kann man hier der Handlung nur schwer folgen. Daher ist dies für mich eher ein Durchschnitts-Film, da ich auch die dazugehörigen Comics nicht kenne.

    • @Dr. Sooom
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ähnliches haben wir selbst auch noch in keinem Film direkt gesehen, aber laut der Internetseite Schnittberichte.com gibt es in der Normalfassung von Kill Bill Vol. 1 in einer der ersten Szenen eine ähnliche Kamerafahrt, allerdings nur mit den zwei Darstellerinnen Uma Thurman und Vivica A. Fox. Wir sind gespannt, ob und wann wir so eine Szene wie in Dragon Tiger Gate nochmals mit ähnlich vielen Darstellern erleben.

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