Review: Way of the Samurai

Wenn sich Amerikaner an einen Historienfilm wagen, der nichts mit ihrer Kultur gemein hat, so entstehen daraus zwiespältige Resultate – etwa The Last Samurai mit Tom Cruise. Obwohl ein guter Film, fängt dieser die japanische Kultur weniger gut ein, als es ein Akira Kurosawa vor seinem Tod mit zahlreichen Samurai-Filmen geschafft hat.

Way of the Samurai ist sozusagen die thailändische Antwort auf The Last Samurai. Der Film folgt grundsätzlich denselben Richtlinien, jedoch verschlägt es in Way of the Samurai einen japanischen Schwertkämpfer in die thailändische Kultur. Im 16. Jahrhundert kämpft Yamada Nagamasa in der Armee des mächtigen Königs Naresuan gegen das feindliche Burma, doch auch nach der Schlacht scheint keine Ruhe einzukehren. Mysteriöse Angreifer sorgen in der thailändischen Hauptstadt für Angst und Schrecken. Sie töten Nacht für Nacht unschuldige Bewohner. Eines Nachts wird Yamada selbst attackiert und erkennt dabei, dass es sich dabei um die Leute aus seinem eigenen Volk handelt. Yamada wird schwer verwundet und kommt nur sehr knapp mit dem Leben davon. Er wird von einer Gruppe Muay-Thai-Kriegern gerettet und in ihr Dorf gebracht. Nach seiner Genesung wird er dort in die alte Kunst des Kampfes eingewiesen. Der aus Japan stammende Krieger erlernt dort genauer gesagt das Thai-Boxen, welches sich auf die acht Waffen des menschlichen Körpers beschränkt. Schlussendlich kommt es dazu, dass Yamada in die Leibgarde des Königs aufgenommen wird und er Rache an den Verrätern üben kann, um das thailändische Volk zu rächen. Keine Sorge, auch wenn wir hier die Handlung in ihrem Rahmen durchleuchtet haben, ist es in Way of the Samurai die zwischenmenschliche Beziehung und der Begriff Heimat, welche zentral behandelt und geklärt werden.

Martial-Arts-Verknüpfung

Choreographisch werden in Way of the Samurai zwei Stile vermischt. Zum einen der ruhige Kampfstil der Samurai, der sich sehr auf die Bewegungen des Gegners konzentriert und dann der schnelle, sowie harte Kampfstil des Thai-Boxen. Im Verlauf der Handlung gelingt es dem japanischen Kämpfer, beide Kampfkünste miteinander zu verbinden. Das sorgt für viele und vor allem für sehr actionreiche Kämpfe, die zwischen den ruhigen und angenehmen Szenen eingespielt werden. Der Titel erreicht hier zwar bei weitem nicht die Klasse eines Once upon a Time in China oder der Ip-Man-Trilogie, doch können sich die Auseinandersetzungen sehen lassen. Viel wichtiger ist allerdings die Beziehung zwischen Yamada und einer thailändischen Frau. Im Verlauf der Handlung wird hier zwar angedeutet, dass sich die beiden ineinander verlieben, doch dazu kommt es nicht. Viel mehr möchte der Film auf das Thema Freundschaft aufmerksam machen, die ungleich der Nationalität bestehen kann. Obwohl die Bewohner erst skeptisch gegenüber Yamada sind, öffnen sie sich ihm schon bald und gewähren ihm auch das Recht, das Thai-Boxen zu erlernen, was sonst nur den Einheimischen erlaubt ist. Es wird klar, dass die eigene Heimat dort ist, wo einem das Schicksal hinführt und man sich selbst erfüllt fühlt. Die Dialoge sprießen stellenweise vor lauter Metaphern und klugen Vergleichen, so dass die Dialoge ein Genuss für jeden Fan des Martial-Arts-Genre sind.

Literweise Blutverlust

Hierzulande wird man die thailändischen Darstellern kaum kennen. Auch Yamada-Darsteller Seigi Ozeki ist ein eher Unbekannter der Filmlandschaft. Durch diese Unverbrauchtheit macht Way of the Samurai einen umso stimmigeren Eindruck. Dies erreicht auch die thailändische Landschaft. Wenn wir den Handlungsort in das Rot der Abendsonne getaucht, in 1080p und im 16:9-Format (1,85:1) sehen, können wir unsere Augen aufgrund dieser Pracht schon fast gar nicht mehr schließen. Hier hat Regisseur Nopporn Watin ganze Arbeit geleistet. Zudem wird das Geschehen mit einem ruhigen und nur in den passenden Momenten bedrohlichen Soundtrack unterlegt. Die deutsche sowie die thailändische Tonspur liegen im DTS-HD-5.1-Master-Audio-Format vor. Die deutschen Synchronsprecher passen, wenn wir von der eher unpassenden deutschen Stimme des kleinen Mädchens absehen, sehr gut zu den Charakteren. Wer lieber die originale Tonspur beim Film aufgrund der Originalität genießen möchte, die Sprache allerdings nicht versteht, darf sich sowohl deutsche als auch niederländische Untertitel hinzuschalten. Bonusmaterial liegt der Black Edition der Blu-ray-Fassung nicht bei, einzig allein ein paar Trailer zu anderen Filmen befinden sich mit auf der Disc. Schade finden wir, dass das laut Beipackzettel bei der normalen Fassung enthaltene Querformat-Wendecover nicht auch der Black Edition beiliegt. Der Film hat eine Laufzeit von circa 102 Minuten und kann durchweg überzeugen. Einzig allein die mit dem Computer nicht so gut nachbearbeiteten Kampfeffekte, in denen literweise Blut spritzt, stören das sonst kräftige Gesamtbild.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Black Edition der Blu-ray-Fassung): Wer mein Review zu Demon Warriors gelesen hat, wird wissen dass ich mich mit thailändischen Filmen schwer tue. Das hat sich mit Way of the Samurai glücklicherweise geändert. Mein Vorurteil hat sich dieses Mal nicht bestätigt und so war ich froh, dass ich nach über einhundert Minuten sagen kann, dass ich einen guten Film gesehen habe. Die friedliche Verbindung zwischen Thailand und Japan wird hier erstaunlich gut an den Zuschauer vermittelt. Beide Kulturen werden von den Charakteren im Film hervorgehoben, es gibt keine direkte Diskriminierung und durch die intelligenten Dialoge gewinnt die Handlung von mal zu mal mehr an Gewicht. Ich kann den Film nur jedem Martial-Arts-Fan ans Herz legen, der sich auf eine durchdachte Handlung (die sich allerdings wirklich nur auf das Elementare des Films stützt und keinen Spielraum für mehr als eine Nebenhandlung lässt) und furiose Kampfeinlagen einlassen möchte. Schade ist hier nur, dass der historische Hintergrund nicht so genau erläutert wird und kein Bonusmaterial beiliegt, welches diesen erläutert.  Jetzt bin ich nur sehr gespannt, wie mich der nächste thailändische Film überzeugen möchte. Das ist bei mir, wie ich schon sagte, äußerst schwer.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Way of the Samurai!

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