Review: Once upon a Time in China Trilogy

Nachdem diese drei Filme vom Index gestrichen wurden, veröffentlichte Splendid Film im Rahmen der Jet-Li-Reihe Once upon a Time China im letzten Jahr als deren Auftakt. Ein Jahr später entschied man sich nun dazu, die Klassiker in einer Box neu zu veröffentlichen.

Grundsätzlich wäre dieses Unterfangen auch löblich, denn auf der Verpackung wird eindeutig auf eine überarbeitete Bild- und Tonfassung hingewiesen. Dies ist allerdings nicht der Fall, wie wir bereits beim Anschauen des ersten Films bemerken. Seit der Blu-ray-Fassung im Jahr 2011 hat sich nichts geändert. Filmkorn und unscharfe Stellen tauchen genau in denselben Szenen auf, wie es bereits bei der Version der Jet-Li-Reihe der Fall gewesen ist. Außerdem ist die Synchronisation vom zweiten Teil immer noch nicht erneuert wurden. Sprecher Simon Jäger leiht Jet Li nur im ersten und im dritten Teil seine Stimme, nicht jedoch im mittleren Teil der Trilogie. Warum man sich abermals gegen eine neue Synchronisation entschieden hat, ist uns schleierhaft. Zwar gefällt uns auch die deutsche Tonspur des zweiten Teils, doch eine durchgängig gleiche Synchronisation würde im Zusammenspiel der drei Filme deutlich angenehmer wirken. Zumindest hätte man auf der Verpackung darauf hinweisen können. Splendid Film möchte uns eine erstmals so auf Blu-ray erhältliche Fassung der drei Klassiker vortäuschen. Das ist sehr ärgerlich und für ein renommiertes Unternehmen wie Splendid Film gar nicht üblich. Vielleicht hat man sich deswegen schon im Vorfeld dafür entschieden, gleich fünf Postkarten als Trostpflaster mit in die einzelne Blu-ray-Hülle zu legen.

Wer bin ich und was mache ich eigentlich hier?

Aber auch an dieser Stelle müssen wir etwas aussetzen. Die Postkarten sollen jeweils eine aus der Trilogie stammenden Szene abbilden, doch das tun sie nicht. Die abgebildeten Bilder sind überwiegend aus anderen Jet-Li-Filmen entnommen – beispielsweise aus The Legend of Fong Sai Yuk. Eigentlich wäre das kein Grund zum Aufregen, doch hat man sich tatsächlich dazu entschlossen, auch noch den von der Verpackung stammenden Schriftzug der Once upon a Time in China Trilogy, mit auf die besagten Postkarten zu packen. Es kommt aber tatsächlich noch besser beziehungsweise schlechter. Wer unser Review zum zweiten Teil gelesen hat, der wird sehr wohl wissen, dass es bei der Veröffentlichung zu einem vermeintlichen Fehler bei der Produktion gekommen ist. Auf der Packungsrückseite wurden falsche Szenen des Films abgebildet und genau diesen Fehler hat man sich bei der Neuveröffentlichung nicht zu Herzen genommen und somit nicht ausgebessert. So sind auf dem edlen Pappschuber wieder Szenen aus anderen Filmen mit Jet Li abgebildet. Falls dies ein verspäteter Aprilscherz von Splendid Film sein soll, dann können wir nicht darüber lachen. Immerhin sieht das schicke Artwork auf dem Pappschuber sehr gut aus – auf Wunsch dürfen wir den FSK-Aufkleber auch abziehen. Die eigentliche Vorderseite der Blu-ray-Hülle kommt mit einem schwammigen Bild aus einer der letzten Szenen des ersten Teils daher.

Konflikte zwischen Ost und West

Wem das FSK-Logo stört, freut sich hierbei immerhin über das Wendecover. Schöner wird die abgedruckte Szene dadurch trotzdem nicht. Obwohl Splendid Film bei der Aufmachung der Trilogie geschlampt hat, können die Filme inhaltlich selbstverständlich genauso überzeugen, wie sie es bereits im letzten Jahr geschafft haben. Jeder der drei Filme behandelt eine für sich genommen geschlossene Handlung. Dennoch bauen die beiden folgenden Teile auf Ereignisse ihrer Vorgängerfilme auf, was insbesondere die Charakterentwicklung von Wong Fei-Hung, seiner Tante Yee und seinem Schüler Fu betrifft. Um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts wird die chinesische Küstenregion von westlichen Kaufleuten aus England und Amerika beherrscht, jedoch sind ihre Ziele alles andere als die friedliche Verständigung von Ost und West. Während sich einige Chinesen mit den Besatzern arrangieren, wird ebenfalls Widerstand geleistet. Nach zwei Jahren kehrt Yee aus England zurück und soll kurze Zeit später als Prostituierte nach Amerika verschleppt werden. Da platzt Kung-Fu-Meister Wong Fei-Hung der Kragen und eilt ihr zur Hilfe. Dabei muss er sich nicht nur gegen die westlichen Mächte, sondern ebenfalls einem ebenbürtigen Meister der Kampfkunst stellen.

Hilfe zur Revolution

Im zweiten Teil der Trilogie reisen die drei Hauptcharaktere ins entfernte Canton. Wong Fei-Hund soll dort auf einem Ärztekongress westlichen Medizinern die Akupunktur erklären. Auf dem Kongress trifft Wong Fei-Hung auf Dr. Sun, einem Arzt und zudem Revolutionär. In der Stadt ist zur gleichen Zeit ein Umbruch im Gange, denn die Sekte des weißen Lotus ist gegen die westlichen Eindringlinge, ihre Kleidung und all ihre technischen Errungenschaften. Als der britische Konsul schlussendlich ermordet wird, muss Wong Fei-Hung schnell handeln und sich gegen die Fanatiker stellen. Zudem muss er dabei noch eine Liste zerstören, die Beweise für die spätere Revolution in China beinhaltet. Nach diesen Geschehnissen reisen die Freunde in Wong Fei-Hungs Heimat Beijing. Dort möchte er seinen Vater treffen, um diesen über die bevorstehende Heirat mit Yee zu informieren. Kaiserinwitwe Cixi hat zudem den Löwentanz-Wettbewerb einberufen, in welchem die beste Kampfsportschule als Sieger herausgehen soll, damit die Kung-Fu-Kampfkunst auch in Zukunft unter den Einflüssen der westlichen Mächte bestehen bleiben kann. Ein russischer Diplomat verliebt sich im Verlauf der Handlung in Yee. Als allerdings herauskommt, dass jener Diplomat einen Anschlag während des Löwentanz-Wettbewerbs plant, riskieren Wong Fei-Hung, Yee und Fu einmal mehr ihr Leben.

Wahre Größe

Während Once upon a Time in China den Startschuss zu einer phänomenalen Hexalogie legt, ist besonders der zweite Teil der Reihe ein wichtiges Fragment der chinesischen Geschichte – zumindest wenn man die Hintergründe über Dr. Sun kennt, welcher viele Jahre später für die Revolution in China maßgeblich mitverantwortlich ist. An dieser Stelle möchten wir euch den Film Bodyguards and Assassins mit Donnie Yen ans Herz legen, wo dessen Bedeutung für die chinesische Geschichte wesentlich mehr zur Geltung kommt. Apropos Donnie Yen – auf den neben Jet Li und Jackie Chan wohl bekanntesten Martial-Arts-Künstler stoßen wir ebenfalls im zweiten Teil der Once upon a Time in China Trilogy. Dort nimmt er die Rolle von Wong Fei-Hungs Gegenspieler Leutnant Lan an und liefert sich mit ihm einen fulminanten, aber für Martial-Arts-Fans wohl zu kurzen Kampf. Die Handlung der Trilogie überzeugt uns seit der Eröffnungsszene des ersten Teils, baut im zweiten und dritten Teil allerdings ab. Auf einmal wird mehr Wert auf Action und Komik und weniger auf deren Zusammenspiel mit der Story gelegt. Trotzdem werden alle Fans von Jet Li und Rosamund Kwan auf ihre Kosten kommen, denn beide Schauspieler zeigen sich von ihrer besten Seite und machen die Once upon a Time in China Trilogy zu einem wahren Genuss. Es ist einzig allein schade, dass zwischen Wong Fei-Hung und Yee ständig eine Liebesbeziehung angedeutet, diese aber kaum ausgebaut wird.

Unvergessliche Klassiker

Wer jetzt aber hofft, dass die Trilogie zu einem befriedigenden Abschluss geführt wird, wird leider enttäuscht. Der dritte Teil endet mit einem Paukenschlag und lässt dabei einige Fragen offen, die im Verlauf der Handlung aufgeworfen wurden. Das ist sehr schade, da die anderen drei Teile der Hexalogie nur noch in sehr geringer Stückzahl auf DVD im Handel und noch dazu unter einem anderen Titel im Falle von Teil IV (Last Hero II) erhältlich sind. Optisch sollte man sich von drei Filmen nicht zu viel versprechen. Zwar liegt das Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) vor, doch gelegentliche Verunreinigungen stören dann und wann das Gesamtbild. In der deutschen Synchronisation liegt das Tonformat in DTS-HD-5.1 Master Audio vor, in Kantonesisch allerdings nur in DTS-HD 2.0. Wer Liebhaber des Originaltons ist wird sich vermutlich über hinzuschaltbare deutsche Untertitel freuen. Die drei Klassiker des Martial-Arts-Genres verfügen zusammengerechnet über 357 Minuten Laufzeit. Diese sechs Stunden sind keinesfalls verschenkt und auch wenn es den einen oder anderen Punkt, wie zum Beispiel das spärlich gesäte Bonusmaterial (auf jeder der drei Blu-ray-Discs liegen neben dem einen oder anderen Trailer zu anderen Titeln aus dem Hause Splendid Film nur der originale Kinotrailer des jeweiligen Films ohne Untertitel vor) gibt, gehört die Once upon a Time in China Trilogy in jedes gut sortierte Martial-Arts-Regal. Wer sich die Filme bereits im letzten Jahr gekauft hat, kann sich die Neuanschaffung allerdings getrost schenken.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Blu-ray-Einzelveröffentlichungen und der Blu-ray-Trilogy-Box): Mit Once upon a Time in China verbinde ich ganz besondere Momente, denn vor allem war die Reihe für mich der ausschlaggebende Grund, mir endlich eine PlayStation 3 anzuschaffen. Seit dem letzten Jahr habe ich die drei Filme leider nicht mehr angerührt und jetzt, wo ich dank der Trilogy-Box nochmals in den Genuss gekommen bin, fielen mir ganz neue Details auf, die ich im letzten Jahr nicht entdeckt habe. Das finde ich selbst klasse, doch rein objektiv betrachtet, ist die Trilogie aus ganz anderen Gründen so unvergesslich. Zum einen zeigt sich Jet Li – wie fast schon gar nicht anders zu erwarten – in seiner besten Form. Die Kämpfe wirken allesamt packend und choreographisch richtig gut inszeniert, auch wenn man sich oft an Drahtseilen bedient hat und einige Szenen schon übermenschlich wirken. Neben den anderen Darstellern sind es aber auch die Kulissen, die mich ganz in ihren Bann gezogen haben. Das Bild von China zum Ende des 19. Jahrhunderts wirkt einfach stimmig und versprüht soviel Charme, dass man – unabhängig vom Zeitalter des Imperialismus – gerne einmal selbst durch die eine oder andere Stadt von China gehen möchte. Allerdings am besten als chinesischer Bürger, denn in Once upon a Time in China werden die westlichen Bewohner unseres Planeten doch schon als sehr bedrohlich und teilweise auch als durch und durch böse angesehen, wenn dies auch nicht die Absicht des Regisseurs gewesen ist. Die Once upon a Time in China Trilogy möchte ich jedem Martial-Arts-Fan ans Herz legen, der die Reihe bisher noch nicht gesehen hat – alle anderen werden vermutlich wissen, warum sie die Serie bereits im Regal stehen haben.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars der Once upon a Time in China Trilogy

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