Wer Ende der Achtziger geboren ist, wird wohl sehr wahrscheinlich mehr als ein Jahrzehnt später auf den Anime Dragonball auf RTL2 aufmerksam geworden sein. Seit Ende April ist Anime Virtual drauf und dran, die komplette Serie endlich auf DVD zu veröffentlichen.
Wir erinnern uns noch gut daran, wie der Einsiedler Son Gokū alleine und auf sich gestellt in den Bergen ein recht anschauliches Leben führt. Jeden Tag trainiert der Junge, angelt und ist schlichtweg mit seinem Leben zufrieden. Eines Tages verschlägt es in den Sommerferien die junge Bulma in die Berge, denn sie ist auf der Suche nach den mysteriösen Dragonballs, von denen es sieben Stück geben soll. Hat jemand alle Dragonballs gefunden, darf er sich von dem daraufhin erscheinenden Drachen Shenlong einen Wunsch erfüllen lassen. Wie es der Zufall so will, ist genau jener Einsiedler im Besitz einer dieser Kugeln. Son Gokū ist zunächst davon überwältigt, in seinem Leben auf ein Mädchen und somit einen anderen Menschen zu treffen, kannte er zuvor doch nur seinen verstorbenen Großvater. Obwohl auch er die Geschichte von den Drachenkugeln faszinierend findet, möchte er sie nicht hergeben, da es für ihn das einzige Andenken an seinen Großvater ist. Er willigt jedoch ein, Bulma auf ihrer Reise zu begleiten und ihr die Kugel zu leihen. Sie verschweigt ihm jedoch, dass die Kugeln, nachdem der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, in Stein verwandelt und erst ein Jahr später wieder sichtbar werden. Da Bulma zwei Dragonballs ihr Eigen nennt, machen sich die beiden kurzerhand auf die Suche nach den restlichen Kugeln, um in ein noch viel größeres Abenteuer zu schlendern.
Illustere Charaktere
Die beiden wissen nicht, dass auch noch jemand anders auf der Suche nach den Kugeln ist. In einem entfernten Land lebt der kleine, reiche und fiese Prinz Pilaw, der von seinem Schloss aus seine zwei Lakaien auf die Suche nach den Dragonballs schickt. Somit stoßen Son Gokū und Bulma des Öfteren unweigerlich auf ihre beiden Gegenspieler Shu und Mai, die ihnen mit hinterhältigen Tricks die Drachenkugeln stehlen oder ihnen sogar vor der Nase wegschnappen wollen. Eine Konfrontation mit Prinz Pilaw ist ebenfalls unumgänglich, da dieser ebenfalls im Besitz einer der legendären Dragonballs ist. Insgesamt erstreckt sich der Zeitraum der hier vorhandenen Episoden auf die erste Suche nach den Dragonballs und auf das erste große Turnier, an dem Son Gokū teilen wird. Auf ihrer gemeinsamen Reise schließen sich Son Gokū und Bulma weitere illustre Gefährten an, beispielsweise das humanoide Schweinswesen Oolong, welches sich jederzeit, aber nur gerade einmal fünf Minuten lang, in alle möglichen Erscheinungsformen verwandeln kann. Später gesellt sich auch noch der Räuber Yamchu, der fürchterliche Angst vor Frauen hat, zu der Truppe dazu. Das sorgt an der einen oder anderen Stelle zwischen ihm und Bulma für lustige Momente. Der Humor kommt in Dragonball somit ebenfalls nicht zu kurz, doch das dürften Fans der ersten Stunde bereits wissen. Wenn Bulma von einem Monster entführt und nach ihrer Rettung erst meilenweit aus der Luft hinunterfällt, um von Son Gokū schlussendlich gerettet zu werden, muss sie aus Verzweiflung urinieren.
Der typische Dragonball-Humor
An anderen Stellen ist es dann unser Held selbst, der einfach mal so zwischendurch pinkeln muss. Sicherlich ist das der natürliche Lauf der Dinge, aber Manga-Zeichner Akira Toriyama hat es damals geschafft, die Natürlichkeit des Lebens mit Witz und Humor darzustellen. Das sehen wir dann auch am Herrn der Schildkröten, der an einigen Stellen trotzt seiner Reife und großen Kampfkraft als notgeil dargestellt wird. So passiert es auch öfters, dass sekundäre und primäre Geschlechtsmerkmale auftauchen. Erstes bei Bulmas Brüsten und bei Letzterem aber eigentlich nur bei Son Gokū, wenn er urinieren muss. Dazu müssen wir aber auch sagen, dass es sich bei dieser DVD-Veröffentlichung nur um die geschnittene Fassung handelt – genau so, wie sie vor Jahren auf RTL2 aufgestrahlt wurde. Der eine oder andere Zuschauer wird somit wohl auch die Szene beziehungsweise den wahren Witz an der Sache nicht verstehen, wenn Son Gokū Bulma im Schlaf ihr Höschen auszieht. Während er sich in der deutschen Fassung nur darüber wundert, dass sie keinen Hoden hat, erfährt man im Original oder auch im Manga später noch eine ganz besondere Szene. So verlangt Muten Roshi als Gegenleistung für seinen Dragonball, dass Bulma kurz nach der eben beschriebenen Stelle doch einmal den Rock hochziehen soll. Diese lustige Szene fehlt in der deutschen Fassung leider. Wir fragen uns, ob wir Deutschen in den Neunzigern tatsächlich so prüde wie Amerikaner waren.
Abenteuer mit Charme und Musik
Außerdem war Dragonball einer der ersten Animes hierzulande, welcher ausgestrahlt wurde. Somit ist auch die Übersetzungspolitik aus heutiger Sicht ein wenig befremdlich. Wenn wir in Dragonball Z später ständig auf japanisch klingende Kampftechniken trafen, so wurde bei den ersten Folgen von Dragonball eine richtige Eindeutschung vorgenommen. Das Kamehame Ha wird hier noch als Schockwelle der alten Ahnen bezeichnet. Das klingt kurios, da die direkte Übersetzung ganz anders lautet. Wenn man von diesen beiden Tatsachen absieht, entwickelt Dragonball auch auf Deutsch seinen ganz eigenen Charme. Die tollen Synchronsprecher wurden seinerzeit für alle Charaktere sehr gut ausgewählt und verleihen den Charakteren im Deutschen ebenfalls einen ganz besonderen Charme. Norman Matt spricht Kuririn, Heinz Baumeister Prinz Pilaw, Corinna Dorenkamp Son Gokū und der in diesem Jahr verstorbene Heinz Ostermann spricht in Dragonball Muten Roshi. Die Musik von Shunsuke Kikuchi verleiht der heiteren, lustigen und spannende Geschichte jeweils die passende Stimmung. Da ist es egal, ob unser Held gerade mit seiner Überschallwolke von Ort zu Ort reist, für das große Turnier trainiert oder gegen einen Übeltäter antritt. Die Musik passt immer zum jeweiligen Geschehen. Wer die Serie seit ihrem Beginn verfolgt, wird das schon bemerkt haben und sollte jede Melodie des Franchises auf Anhieb mitsummen können.
Dragonball nur auf Deutsch
Fans des japanischen Originals werden bei der Fassung von Anime-Virtual allerdings in die Röhre gucken, denn auf den fünf DVDs befindet sich einzig und allein die deutsche Tonspur. Das liegt zum einen daran, dass die japanische Fassung eben nicht geschnitten ist und zum anderen sind Lizenzgebühren von Animes bekanntlich teuer. Das finden wir, obwohl wir uns auch mit der deutschen Fassung sehr wohl zufrieden geben, sehr schade. Uns hätte es gefreut, wenn man dennoch etwas tiefer in die Tasche gegriffen hätte und die Lizenz für die Tonspur auf Japanisch mitsamt dem ungeschnittenen Bildmaterial ausgegeben hätte. Dann hätte man wunderbar auch die deutsche Fassung mit eingespielten Originaltonszenen zeigen können. So hätte man aber auch zugleich den Jugendschutz angleichen müssen, was die Verkaufszahlen gegebenenfalls gesenkt hätte. Wir finden, dass eine Anime-Veröffentlichung für Fans, die den Anime bereits vor zehn Jahren gesehen haben und heute sicherlich volljährig sind, nicht durch solche Lappalien stattfinden darf. Trotzdem: Wer die Serie vor Jahren im Fernsehen verfolgt hat, wird sowieso nur diese Fassung kennen und sich auf diese freuen, denn so wie die Serie auf DVD vorliegt, wurde sie schließlich damals auch ausgestrahlt. Das meinen wir sowohl im Guten, als auch im Schlechten. Ein Problem stellt nämlich auch die Bildqualität dar.
Kleinere Fehler
Wir müssen zugeben, dass die Serie in Japan bereits Mitte der Achtziger populär war und wir erst fünfzehn Jahre später in den Genuss von ihr gekommen sind, doch dies entschuldigt die Fehler einer Veröffentlichung auf DVD nicht. Einige Folgen weisen ein sichtbar schlechteres Bild auf. In einer Episode wackelt das Bild sogar dermaßen auf und ab, dass es schon fast eine Qual ist, sich die Folge überhaupt anzuschauen. Zwar möchten wir Dragonball im Original genießen, doch an der einen oder anderen Stelle einen Bildstabilisator anzuwenden, wäre sicherlich kein Fehler gewesen. Das schlechte Bild bemerken wir besonders bei den ersten vierzehn Episoden. Danach gibt es kaum noch einen Bildfehler, an dem wir uns aufhängen möchten. Das Bildformat liegt übrigens in 4:3 vor, weshalb wir auf einem Breitbildfernseher links und auch rechts mit schwarzen Balken Vorlieb nehmen müssen. So war das aber eben vor fast dreißig Jahren und ist somit nicht negativ gemeint. Negativ ist lediglich, dass die Episoden im Menü nur nummeriert, aber nicht mit ihrem Episodentitel aufgelistet wurden. Ein Episodenführer ist in der Box ebenfalls nicht enthalten, womit wieder einmal das Internet herhalten muss, wenn wir auf der Suche nach einer bestimmten Folge sind. Ein vermeidbarer Fehler wäre auch die Angabe der Laufzeit von 300 Minuten auf der Box. Das ist eindeutig falsch, denn jede Episode ist zwischen 18 und 23 Minuten lang und somit erhalten wir knapp die doppelte Laufzeitlänge. Anime Virtual sollte die Angabe bei Nachproduktionen unbedingt ändern, um Interessenten im Zuge über die Bemängelungen an der geschnittenen Fassung nicht zu vergraulen. Das hat der Anime beim besten Willen nicht verdient!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf den ersten 28 Episoden der Serie): Dragonball ist und bleibt für mich einfach der beste Anime aller Zeiten. Ich nehme es gerne in Kauf, dass die Serie leider nur in der geschnittenen (deutschen) Form auf DVD vorliegt, denn ich muss leider gestehen, dass ich die ungeschnittene Fassung überhaupt nicht kenne. So wie die Serie jetzt auf den Datenträgern dieser Box vorliegt, habe ich sie vor Jahren auf RTL2 kennengelernt und genau so habe ich sie auch in Erinnerung behalten. Ich habe mich zwar darüber gewundert, dass die Kampftechnik Kamehame Ha in den ersten Episoden doch tatsächlich noch Schockwelle der alten Ahnen heißt, doch darüber sehe ich gerne hinweg. Das Abenteuer von Son Gokū beginnt noch recht harmlos, wenn man es mit seinen späteren Erlebnissen in Dragonball Z vergleicht – für mich ist das aber genau das, was ich mir von Dragonball wünsche. Eine tolle Handlung ohne diese überlangen Kämpfe, in der ein Gegner ständig stärker als der andere ist und man seine Kampfkraft mit modernen Mitteln der Technik miteinander vergleicht. Da finde ich den Humor, die vielen Geschichten und die Charaktere der ursprünglichen Serie viel besser. Ich möchte die Dragonball Box 1 jedem empfehlen, der die Serie bereits auf RTL2 gesehen hat oder sie sich noch anschauen möchte, weil er sie damals schlichtweg verpasst hat. Für mich ist das bereits im Vorfeld stattgefundene Aufregen über die geschnittene Fassung, obwohl es nicht unerwähnt bleiben darf, nicht von großer Bedeutung. Dragonball liegt hier genau so vor, wie ich es mir auch wünsche und ich es 1999 auch kennengelernt habe.
Vielen Dank an Anime Virtual für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von der Dragonball Box 1 (Episoden 1-28)!
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