Japanophile Spiele sind im westlichen Raum eher eine Seltenheit. Titel wie No More Heroes 2, Catherine, Dodonpachi Resurrection oder Lollipop Chainsaw verfügen zwar allesamt über eine bestimmte Fanbase, doch die Verkaufszahlen sprechen meist leider eine andere Sprache.
Umso überraschter sind wir, dass wir auf dem Post E3 Event in Köln Project P-100 anspielen konnten. In diesem Titel übernehmen wir die Rolle mehrere Charaktere, die mit Superkräften ausgestattet sind. Gespielt wird übrigens mit dem Wii U GamePad, über welches wir auch die Formation der Charaktere bestimmen. Je nachdem wie wir diese ausrichten, können wir etwa mit einem riesigen Schwert die Gegner attackieren oder mittels einer komischen Hand an dem einen oder anderen Schalter drehen. Überwiegend entpuppt sich der Titel aber definitiv als ein Haudrauf-Spiel ohne Sinn und Verstand. Aus allen Richtungen kommen Roboter und andere Ungetüme angeflogen, die wir grundsätzlich einfach nur besiegen müssen. Anschließend ist der Weg zum nächsten Spielgebiet frei, in das es in der Regel fließend über geht. Das sollte es auch, denn die Ladezeit zu Beginn des action-geladenen Abenteuers unseres überdimensional großen Heldentrupps ist äußerst lang. Einmal im Spiel drin brauchen wir uns um Ladezeiten aber kaum einen Gedanken mehr zu machen, denn hier läuft alles durchgehend fließend. Aber selbst wenn wir Ladezeiten am Stück ertragen müssten, würde sich das bei Project P-100 auch lohnen – ein verrückteres Spiel haben wir schon seit No More Heroes 2 nicht mehr gesehen. Das meinen wir absolut im positiven Sinne, denn Project P-100 hat es uns echt angetan.
Modellstadt
Es ist echt verwunderlich, dass Nintendo dieses Spiel auf der Pressekonferenz nur am Rande beworben hat. In jenen kurzen Spielausschnitten kann man den Sinn des Spiels kaum verstehen. Nun ja, dazu benötigt es auch mehrere Minuten. Erst nachdem wir mit den Helden die ersten Aliens geplättet haben, stellt sich so etwas wie ein Spielfluss ein. Plötzlich greifen wir nicht mehr ohne Sinn und Verstand an. Stattdessen wählen wir über das GamePad unsere Angriffe beziehungsweise Angriffsarten mit Bedacht aus und können so trotzdem noch recht ordentlich mitmischen. Um möglichst viel Schaden bei den Gegnern auszurichten, sollten wir überall auch die Batterien einsammeln, die in der Welt versteckt sind. Nur so können wir den Energiehaushalt unserer Heldentruppe in gewisser Weise noch irgendwie regeln. Zu finden ist eine Batterie beispielsweise in einer Garage, was uns zum Aufbau der Spielwelt führt. Diese wirkt aus der isometrischen Perspektive tatsächlich so, als sei sie eine reine Modellstadt, die wir nach Lust und Laune mit Spielzeugsoldaten zerstören dürfen. Alleine für diesen Kniff haben die Entwickler unseren Respekt verdient, denn hier zeigen Platinum Games, welche Ideen man alles in ein Spiel verarbeiten kann. Um auch den Bildschirm des Wii U GamePads ordentlich auszunutzen, haben sich die Entwickler noch etwas anderes einfallen lassen.
Außergewöhnliche Action
Öffnen wir beispielsweise eine Lagerhalle, in dem sich unsere Heldengruppe in die eingangs erwähnte Hand verwandelt, und betreten diese anschließend, dann wechselt das Geschehen in eine ganze andere Perspektive und zwar auf dem Bildschirm des GamePads. Aus der Third-Person-Perspektive laufen wir nun mit dem Heldenanführer zwischen Regalen und anderem Krimskrams umher und müssen in der Lagerhalle ein Rätsel lösen, in dem bestimmte Griffe in die eine oder andere Richtung gedreht werden müssen. Auf dem Fernsehbildschirm sehen wir dann auf dem Dach der Lagerhalle, wie sich die Kombination zum Öffnen des nächsten Tors verändert. Zugegeben – das wirkt auf den ersten Blick sehr befremdlich, doch durch solche Ideen sehen wir gut, dass sich Videospiele immer noch in viele verschiedene Richtungen entwickeln können. Zum Schluss durften wir in der Demoversion (hier zu sehen in unserer Prime Time) auf dem Post E3 Event noch gegen einen Bossgegner antreten. Dieser ist um ein vielfaches größer als die herkömmlichen Aliens und hält dementsprechend mehr aus. Wer hier nur wie wild auf die Controller-Tasten hämmert, wird keinen Erfolg verzeichnen können – das müssen wir zu unserer Schande leider gestehen. Project P-100 ist ein interessanter Titel, den man unbedingt im Auge behalten muss. Fans von außergewöhnlichen Titeln warten sowieso nicht mit der Vorbestellung.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Prognose: Als ich den Trailer auf der E3 gesehen habe, konnte ich da nur sehr wenige Spielszenen wahrnehmen. Welche Aufgaben ich in Project P-100 zu erfüllen habe, ist mir bis heute nicht ganz klar – aber das stört mich nicht im geringsten. Der Titel ist total durchgedreht und auf solche japanophilen Action-Titel lasse ich mich gerne ein, denn auch heute noch gehören Spiele wie Catherine und No More Heroes 2 zu den besten Spielen, die in diese Sparte passen. Ich frage mich allerdings, ob der Titel auch auf lange Zeit gesehen Spaß machen kann. Die Action wirkt, zumindest in der Demoversion vom Post E3 Event, doch sehr, sehr kurzweilig. Dafür finde ich die Idee mit dem Perspektivenwechsel und ebenso die isometrische Stadtansicht einfach klasse. Ein schöneres Zusammenspiel in einem solchen Spiel könnte ich mir echt nicht vorstellen. Ob ich auch über einen längeren Zeitraum mit Project P-100 Spaß haben kann, wird sich spätestens dann zeigen, wenn der Titel in den Handel kommen wird. Eine Chance gebe ich ihm auf jeden Fall, denn da geht es mir ähnlich wie den Entwicklern, denn solche außergewöhnlichen Titel müssen auch in der westlichen Gesellschaft unbedingt gefördert und verankert werden.
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Einladung zum Post E3 Event!