Review: Max Payne 3

Jahrelang war es still um den leicht labilen New Yorker Polizisten Max Payne. Tagsüber ein gewöhnlicher Polizist, der seine Pflichten erfüllt und abends ein Trunkenbold wie er im Buche steht. Max Payne ist also nicht wie die gewöhnlichen Helden, die wir sonst aus Videospielen her kennen. Vielmehr tendiert er eher zum Antihelden.

Es ist gut zehn Jahre her, als Max Payne seine Familie verlor. Folglich geht sein Leben den Bach runter. Er geht eine selbstzerstörerische Beziehung zu Mona Sax ein, konsumiert Alkohol und jede Mene Tabletten, Painkillers genannt. Während die ersten beiden Teile noch in New York spielten, zieht es unseren Protagonisten im dritten Ableger nach Brasilien, genauer gesagt nach Sao Paolo. Dort arbeitet er als privater Sicherheitsmann für die steinreiche Familie Branco. Seinen Job als Polizist hat er damit endgültig aufgegeben, doch der Friede bleibt nicht lange erhalten und so muss sich Max unmittelbar ins Getümmel stürzen, als Rodrigo Brancos Angetraute entführt wird. Es beginnt eine äußerst brutale Suche nach seiner Frau, in der Max Payne über einige Leichen gehen muss, um diese zu retten. Nebenbei wird unser Protagonist zudem auch mit seiner Vergangenheit konfrontiert und nimmt, wie gewohnt, massiv viele Pillen ein, um seinen Schmerz zu unterdrücken. In Form von Rückblenden spielen wir einige Missionen in New York und erfahren wie es dazu kommt, dass Max nach Brasilien auswandert. Die Kampagne in Max Payne 3 umfasst vierzehn Kapitel und dauert gute zwölf Stunden – also doppelt so lange wie der Vorgänger. Eines können wir vorweg festhalten: Max Payne 3 fühlt sich an wie die Vorgänger und ist somit nicht, wie von vielen Fans bereits im Vorfeld befürchtet, eine abweichende Geschichte rund um einen damaligen Kult.

Keine Geschichte im Comic-Stil

Und schon kommen wir zum ersten negativen Punkt von Max Payne 3. Während die ersten beiden Teile die Story in Form von Comics erzählt haben, wird im dritten Teil einfach alles in Zwischenszenen gezeigt. Dies machen viele Spiele heutzutage zwar auch, ist aber für Max Payne ungewohnt und, unserer Meinung nach, unpassend. Die comichafte Erzählung hat einen gewissen Noir-Flair in die Geschichte gebracht und genau dieses Element geht im neuen Ableger leider verloren. Stattdessen wird in jeder Szene, durch Flimmern des Bildes, der Geisteszustand von Max Payne verdeutlicht. Farben werden überstrahlt, Wörter ins Bild gesetzt und ein Flimmern begeleitet uns durch jeglichen Abschnitt. Diese Effekte mögen zwar die Probleme von Alkoholismus und Tablettensucht verdeutlichen, stören uns nach einiger Zeit aber gewaltig und sorgen teilweise sogar für Kopfschmerzen. Die Entwickler haben auch den Anspruch der Story zurück geschaubt. Die Story ist nun wesentlich leichter zu verfolgen und nicht ganz so verwzickt wie noch in den Vorgängern. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Dialogen zwischen den Charakteren, in denen man die Sachlage verschiedener Personen aufgezeigt bekommt. Vorallem Maxs Situation wird ziemlich deutlich, weil er übertrieben oft behauptet, wie mies sein Leben sei und sich zudem auch als Versager darstellt. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte gut erzählt und wir erhalten gerade bei den Dialogen viele Informationen übers Max Vergangenheit.

Altes Gameplay neu aufgesetzt

Max Payne 3 bleibt seiner Serientradition treu und ist weiterhin ein linearer Third-Person-Shooter. Ebenso ist wieder einmal die Bullet-Time-Zeitlupenfunktion vorhanden, welche es uns ermöglicht, die Zeit langsamer verstreichen zu lassen, um so dem Kugelhagel auszuweichen und geziehlte Schüsse abzugeben. Elegant sind vorallem die Hechtsprünge in Zeitlupe und das Feuern aus diversen Positionen. Aber all das sind wir bereits von den vorherigen Ablegern gewohnt und trotzdem freuen wir uns jedes Mal über ein solchen Hechtsprung. Unsere Bullet Time ist zwar stark begrenzt, kann aber schnell durch erfolgte Schüsse wieder aufgeladen werden. Sollte die Anzeige also knapp werden, können wir uns mit dem neuen Deckungssystem hinter Objekten verstecken und auf den Feind lauern. Anders als im Vorgänger darf Max jetzt nur noch zwei Handfeuerwaffen und ein Gewehr mit sich herumschleppen – das verleiht dem Spiel mehr Glaubwürdigkeit. Während man in den ersten beiden Teilen noch in Bullet Time um die Ecke sprinten konnte, um dutzende Gegner zu eliminieren, wird dies im neuen Ableger schnell bestraft. Die Gegner reagieren etwas geistesgegenwärtiger und schießen euch schnell ab. Meist hangeln wir uns vorsichtig von Deckung zu Deckung und warten auf den richtigen Zeitpunkt, um die Bullet Time zu aktivieren. Der Titel spielt sich also ein wenig taktischer als die Vorgänger – hervorragend!

Die neue Animationstechnik

Beim letzten Gegner einer Gruppe schaltet sich die Bullet Time automatisch ein und so wird die Perspektive besonders cineastisch dargestellt. Der letzte Feind wird somit von Kugeln durchsiebt, was ganz schön spektakulär und schmerzhaft zugleich aussieht. Für die Bewegungsanimationen und das Ragdoll-Verhalten sorgt die Euphoria Engine, welche wir von Grand Theft Auto IV kennen. In Bezug auf die Gesichtsanimationen vermissen wir hier schmerzhaft das Motion-Capturing-Verfahren aus L.A. Noire, welches den Charakteren deutlich mehr Glaubwürdigkeit verliehen hätte. Die künstlische Intelligenz stellt sich aber trotzdem clever an. Die Gegner versuchen uns dauerhaft in die Flanke zu fallen und gehen auch selbst in Deckung, sobald wir auf sie schießen. Es wirkt so, als ob das eigene virtuelle Leben ihnen wichtig wäre. Sollten uns unsere Feinde einmal schwer verletzt haben, so füllt sich unser Leben (für das Genre mittlerweile untypsich) nicht automatisch. Stattdessen müssen wir die eingangs erwähnten Painkiller nehmen. Vor allem wenn Elite-Soldaten als Gegner auftreten, müssen wir wohl oder übel auf das Schmerzmittel zurückgreifen, um diese zu erledigen. Umso mehr freuen wir uns natürlich, wenn wir so einen Feind aus dem Weg geräumt haben. Freies Speichern ist bei Max Payne 3 übrigens nicht mehr möglich. Werden wir getötet, starten wir wieder beim letzten Kontrollpunkt. Das ist jedoch alles in einem verkraftbaren Rahmen und so, dass wir nicht das ganze Level neu absolvieren müssen. Die Änderungen sind nicht gravierend und überwiegend positiv zu betrachten.

Mit Bullet Time ins Mehrspieler-Erlebnis

Natürlich darf in der heutigen Zeit kein Mehrspielermodus fehlen und so hat Max Payne 3 erstmals in der Geschichte der Serie einen solchen Spielanteil. Wie in diversen anderen Spielen sammeln wir auch hier Erfahrungspunkte und schalten somit neue Waffen, Outfits und Fähigkeiten frei. Es werden uns drei verschiedene Spielarten im Multiplayer-Modus bereitgestellt, angefangen mit Standard- und Team-Deathmatch – diese Modi sollten allen Spielern ein Begriff sein und müssen an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Der andere Modus trägt den Namen Gang Wars. Dieser besteht aus fünf Runden, in denen zwei Teams gegeneinander vorgehen und verschiedene Ziele erreichen müssen. Einerseits müssen wir Territorien sichern, dann irgendwelche Gegenstände einsammeln und ab und zu besitzt jeder Spieler für eine Runde nur ein einziges Leben. Diese fünf Runden werden mit kleinen Storys versehen, um die ganze Sache interessanter zu gestalten. Bei der letzten Spielart können zwei Spieler in die Rolle von Max Payne sowie Raul Passos schlüpfen und gegen die restlichen Mitstreiter vorgehen. Als einer dieser beiden Charaktere bekommen wir zusätzliche Munition und auch eine weitere Dosis Painkiller. Sobald aber einer der beiden getötet wird, bekommt der Gegner die Rolle und wir werden zu einem einfachen Spieler. Gerade dieser Spielmodus macht uns eine Menge Spaß und ist ziemlich fordernd.

Entwicklung eines PC-Spiels

Uns ist das Gameplay eines Spiels zwar immer noch der wichtigste Aspekt eines Titels, doch zum Schluss möchten wir euch noch ein wenig zur Entwicklung und der Technik hinter dem Spiel erzählen. Viele Publisher drängen ihre Entwickler dazu, das Spiel direkt für die gängigen Konsolen und gleichermaßen für den PC zu trimmen. Das Ergebnis ist oft das, dass der Titel auf allen Plattformen meist über die gleiche Optik verfügen. Bei Max Payne 3 ist dies zum Glück nicht der Fall. Durch die Wartezeit von ein paar Wochen kommen PC-Spieler in den Genuss einer ordentlich aufgebohrten Grafik. Max Payne 3 ist bei maximalen Grafikeinstellungen allerdings ziemlich hardwarehungrig. Das Ergebnis lässt sich dafür allerdings sehen, denn die Bewegungsabläufe sehen super aus und der Detailgrad mancher Gegenstände ist wirklich sehr genau. Etwas anderes haben wir von Rockstar Games aber natürlich nicht erwartet, denn gleich vier hauseigene Studios haben an Max Payne 3 mitgewirkt. Die Kulisse sowie die Charaktere sind absolut glaubwürdig und der Soundrack hebt gerade die Stimmung einzelner Persönlichkeiten oder gleich eine ganze Situation in den Vordergrund. Die Entwickler haben wenig falsch gemacht und viel richtig. Einzig die Erzählweise wäre unserer Meinung verbesserungsfähig. Hier hätte man sich tatsächlich an den Vorgänger orientieren sollen. Trozdem gibt es ansonsten nur wenig zu meckern – wir sind mit Max Payne 3 sehr zufrieden und ihr werdet es sicherlich auch sein, wenn ihr dem Titel eine Chance geben möchtet.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Max Payne – Ich bin in meinen jungen Jahren mit dir aufgewachsen und habe die ersten Teile mit Begeisterung gespielt. Umso mehr habe ich mich wie ein Kleinkind gefreut, als der dritte Teil endlich in den Regalen stand. Und ich denke gerade dieser Test zeigt meine Liebe zu diesem Franchise. Obwohl bei uns leider kein Rezensionsexemplar im Briefkasten landete, habe ich mich aus freien Stücken dazu entschlossen, trotzdem ein Review zu diesem Titel zu verfassen. Ich bin absolut zufrieden, jedoch hat mich das Spiel leider nicht aus den Socken gehauen. Gerade die Erzählweise war in den ersten beiden Teilen etwas Besonderes und Einzigartiges. In Max Payne 3 ist das so ein bisschen verloren gegangen. Es wäre so, als ob man in dem Film Sin City die Gedankengänge der Protagonisten gar nicht mitbekommen und somit ein Hauptelement des Films fehlen würde. Trozdem kann ich Max Payne 3 einfach nur empfehlen. Es ist eben ein Spiel, welches halt zur Serie gehört und die Geschichte eines Mannes erzählt, der in seinem Leben alles verloren hat, was ihm wichtig war und nun versucht ein neues Leben anzufangen, dabei jedoch immer wieder von Rückschlägen getroffen wird. Es gibt kaum einen Helden wie Max Payne in der Videospielgeschichte und dies sollte man würdigen. Wer aber schon zuvor nichts mit der Serie anfangen konnte, wird mit dem dritten Ableger auch nicht wirklich warm werden – und dass trotz der geänderten und massentauglicheren Erzählweise!

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