Fallen Empire: Die Rebellion der Aradier hat alle Voraussetzungen für einen guten Fantasy-Film, doch Regisseur Alejo Mo-sun versäumt es, diese Ansätze deutlich zu machen und spielt eher auf andere große Filmreihen wie Star Wars oder Dune: Der Wüstenplanet an.
Der Vize-König Griffin herrscht mit diktatorischen Mitteln auf dem Planet der Aradier. Die Aradier sind ein dem Menschen nicht unähnliches Volk, doch sie werden rassistisch behandelt und versklavt – nur weil ihre Blutadern in ihren Handflächen deutlich sichtbarer sind. Um dem machthungrigen Griffin und seinen Diakonen zu entkommen, flüchten die Aradier mehr und mehr in die Wüste. In diesen so gebildeten Nomadenstämmen lebt auch der Mensch Hirokin, der eine aradische Frau geheiratet hatte und mit ihr einen gemeinsamen Sohn aufzieht. Eines Tages entdecken die Diakone seinen Stamm und nehmen ihn samt Frau und Kind gefangen. In der Grube, einer Art Arena, muss sich Hirokin gegen ebenfalls gefangene Aradier wehren und sie in einem Kampf auf Leben und Tod niederstrecken. Verliert er, wird unmittelbar seine am Pranger stehende Frau getötet. Hirokin geht in diesem Kampf zwar als Sieger hervor, doch Griffin lässt ihn gegen die Regeln vor den Augen aller Zuschauer erwürgen. Augenscheinlich stirbt auch seine Frau. Zum Verwesen wird Hirokin in die Wüste gebracht, wo er einige Zeit später von den Toten dank eines magischen Heilmittels erwacht. Er findet Unterschlupf beim Rebellenanführer Moss und seiner Tochter Maren. Mit der Zeit schwört Hirokin Rache und schließt sich den Rebellen im Kampf gegen den aufstrebenden Diktator an.
Verbeugung vor Star Wars
Betrachten wir den Wüstenplaneten, auf dem die Handlung von Fallen Empire angesiedelt ist, einmal genauer, fallen uns optische Ähnlichkeiten zu Dune und Tatooine (Wüstenplanet in Star Wars) auf. Beispielsweise gibt es auch in Fallen Empire eine Bar, in der zwei Charaktere streiten. Außerdem ähneln die Diakone in ihrer Funktion den Sturmtrupplern. In einer anderen Szene wurde der Hintergrund ähnlich eingefangen, wie etwa wenn Luke abends nach einem Streit mit seinem Onkel den Abendhimmel betrachtet. Wäre jetzt noch ein zweiter Mond am Horizont zu erkennen, wäre das Abkupfern gar nicht mehr von der Hand zu weisen. Oftmals ist es in der Branche aber immer noch besser, gut zu kopieren, als schlecht selbst etwas zu erfinden. Landschaften wirken so beeindruckend und Kostüme, etwa die Rüstungen der Diakone, sind besonders auffallend gestaltet. Die eigentlichen Handlungsplätze wirken weniger interessant, denn die Basis des Vize-Königs ist eines Herrschers unwürdig und die Rebellen bestehen aus einer deutlichen Unterzahl, die sich zum Ende hin gegen eine ebenso verwunderliche Anzahl an Diakonen in den Weg stellen. Wir können kaum nachvollziehen, wie Griffin die Macht über den Planeten übernommen hat. Das ist ebenfalls ein weiterer Punkt, der uns an Fallen Empire stört. Das Szenario bietet deutlich mehr, als es hergibt.
Unnötige Effektspielerei
Hintergründe werden kaum erläutert und selbst die metaphysische Anspielung auf eine Kraft, die sich das Wei nennt, ist im Grunde nur eine Kopie der Macht aus Star Wars. Ebenfalls scheint das Transportmittel der Diakone dem Wüstengleiter von Jabba the Hutt zu ähneln. Mit dem Nachahmen sind die negativen Aspekte des Films leider noch nicht vorbei, denn zudem gibt der Verpackungstext der Blu-ray an, dass auf dem Planeten ein Element gefördert wird, das über der Oberfläche des Planeten schwebt. Von dieser angeblich wertvollen Ressource haben wir im Film nichts mit bekommen, geschweige denn gesehen. Obwohl der Film stark und sehr interessant anfängt, verliert er sich schon sehr bald in unbedeutenden Dialogen und in ebenso unwichtigen Szenen mit unnötiger Effektspielerei. Besonders die Effekte, wenn das Wei symbolisiert werden soll, erinnern mehr an die aus Dr. House bekannten Darstellungen des Innenleben des menschlichen Körpers, als dass es für die Handlung von Fallen Empire förderlich wäre. Julian Sands (Griffin) ist bei Science-Fiction-Fans sicherlich schon bekannt, denn er hat unter anderem schon bei Stargate: Kommando SG-1 in den letzten beiden Staffeln und in Stargate: The Ark of Truth in einer nicht unbedeuteten Nebenrolle mitgewirkt. Obwohl er mit seinem Schauspieltalent versucht, die Stimmung noch irgendwie zu retten, machen das andere Darsteller (wie etwa die gelegentlich auftauchenden trotteligen Händler) zunichte.
Schöne Bilder – zu ruhige Musik
Wenn ihr euch den Film anschauen wollt, dann solltet ihr ihn unbedingt auf Englisch ansehen. Die deutsche Synchronisation ist zwar kein Totalausfall, doch sobald Rebellenanführer Moss in Erscheinung tritt, wünscht man sich schnell die Tonspur zu wechseln. Dieser versucht den Charakter ein wenig mysteriös zu gestalten, doch uns missfällt diese Tonlage sehr. Wer des Englischen nicht mächtig ist, kann sich zusätzlich deutsche oder niederländische Untertitel zuschalten, um so die beste Atmosphäre zu genießen und dennoch alles zu verstehen. 1080p und das 16:9-Format (1,78:1) gestalten den Film immerhin noch optisch als sehenswert, doch die ausdrucksstarken Bilder werden leider mit einem sehr mäßigen Soundtrack unterlegt. Wer jetzt vielleicht noch darauf gehofft hätte, dass man sich vielleicht die Melodien von Star Wars ebenfalls ausgeborgt hätte, liegt leider falsch. Die Musik ist geradezu ausreichend und ist nur dafür da, um keine allzu ruhigen Szenen entstehen zu lassen. Regisseur Alejo Mo-sun hatte sicherlich eine gute Idee, wie er Fallen Empire zum Ausdruck bringen möchte, doch das ist ihm nicht gelungen. 106 Minuten sind für diesen Fantasy-Film in seiner Form einfach zu wenig, um die Welt, ihre Geschichte und ihre Charaktere zu durchleuchten. Wir hoffen sehr, dass sich Mo-sun von unserer und anderer weniger guten Kritiken nicht ins Bockshorn jagen lässt, denn nach seiner Erfahrung mit Fallen Empire trauen wir ihm dennoch zu, irgendwann einmal wieder einen ähnlichen und besseren Film auf die Leinwand zu zaubern.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Da Splendid Film den Titel als Science-Fiction-Abenteuer an die Leute verkauft, habe ich auch mit diesem Genre gerechnet. Es wird in Fallen Empire aber keineswegs etwas wissenschaftlich erklärt und ebenso wenig übersteigt die technische Raffinesse das Angebot einer Weltraumoper wie Star Wars. So existieren zwar flugfähige Fahrzeuge, doch Feuer- und Laserwaffen gibt es nicht. Stattdessen kämpft man in Fallen Empire mit geschmiedeten Schwertern und die Rüstungen der Diakone erwecken beim Zuschauer ebenfalls den Eindruck, dass sie aus Metall bestehen. Die Einführung des Wei ist der Abschluss, der Mo-suns Werk zu einem Fantasy-Film erklärt. Ähnlich wie die Macht aus Star Wars wird diese zunächst als ein metaphorisches Instrument dargestellt, bevor Moss sie versucht mit biologischen (und fiktiven) Fakten zu erklären. In diesem Sinne wäre das Wei mit das einzige, was die Stimmung eines Science-Fiction-Streifens aufkommen lässt. Der Anfang des Films entspricht einer guten Einleitung eines Dramas, doch dann verliert sich der Film in unnötigen Szenen und Wendepunkten, die deutlich anders gesetzt werden könnten. Es bleibt zu sagen, dass der Film einer der schlechtesten Vertreter des Genres ist, doch anstatt sich an einem Nachmittag zu langweilen, kann man sich auch einmal von Fallen Empire berieseln lassen – und sei es nur wegen den hübschen Landschaften und den wundervollen Kostümen.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fallen Empire: Die Rebellion der Aradier!