Review: Trip World

Damals waren Entwicklungskosten für Videospiele noch nicht so exorbitant hoch wie heute. In den letzten Jahrzehnten entstanden sehr viele und teils auch kuriose Videospielprojekte, die uns nicht selten im Gedächtnis blieben. Trip World war bisher allerdings nicht auf dem Radar.

In Trip World wurde das Symbol des Friedens gestohlen, die so genannte Blume von Maita. Plötzlich bekämpfen sich die Shabubu-Bewohner gegenseitig. Selbst Gras und Pflanzen sind sich auf einmal spinnefeind. Wir schlüpfen in die Rolle von Yakopoo, ebenfalls ein Mitglied der Shabubu, und müssen uns darum bemühen, den Frieden in die Welt zurückzuholen. Das ist einfacher gesagt als getan, denn dafür müssen wir zwar gerade einmal fünf kleine Welten bereisen, doch diese haben es wirklich in sich. Hierbei geht es allerdings weniger um den Schwierigkeitsgrad an sich, denn die abwechslungsreichen Spielpassagen sind eigentlich sehr angenehm gestaltet. Hin und wieder gibt es dann aber mal einen Gegner, der uns vielleicht das eine oder andere Problem bereitet und uns einen Versuch nach dem anderen kostet. Problem bei der Sache ist, dass es in Trip World keinerlei Continues gibt. Zusätzliche Versuche haben wir in Trip World ebenfalls nicht entdeckt. So haben wir in Windeseile öfters alle Versuche verpulvert und durften das Spiel anschließend von vorne beginnen. Einzige Abhilfe verschafft die Stage-Auswahl, die wir mittels Select-Taste im Startbildschirm aufrufen. Fürs einmalige Durchspielen hätten wir uns allerdings eine Alternative in Form von Continues gewünscht.

Yakopoos Verwandlungen

Aufgrund der geringen Anzahl an Welten und der damit verbundenen kurzen Netto-Spielzeit können wir mit diesem Manko allerdings leben. Zudem bietet Trip World einige nette Ideen, die wir so zwar auch aus anderen Spielen her kennen, aber in Trip World ihren ganz eigenen Charme entwickeln. Yakopoo verfügt über die Fähigkeit, sich zu verwandeln. Anschließend kann Yakopoo fliegen oder schwimmen. Diese Verwandlungen sind an einigen Stellen auch nötig, um voranzukommen. Es gibt zudem noch drei Items, die wir mit Yakopoo einsammeln dürfen und er sich daraufhin ebenfalls verwandelt. Von Dauer sind diese drei Verwandlungen allerdings nicht. Die Spezialverwandlung in Schweifpeitschen-Yakopoo ermöglicht es dem kleinen und an Nintendos Kirby erinnernden Helden mit einem verlängerten Schwanz auch Gegner in entfernter Reichweite anzugreifen. Als Blumen-Yakopoo können wir Samen auf Gegner werfen, welche vorübergehend friedlich und bewegungsunfähig werden. Es gibt dann noch die Spezialverwandlung Ball-Yakopoo. In dieser Form können wir höher springen und Gegner können uns in dieser Form ebenfalls nichts anhaben. Die Ähnlichkeiten zu Edelknödel Kirby liegen auf der Hand, doch Trip World wird dadurch nicht weniger interessant.

Einzelgänger

In den unterschiedlichen Verwandlungsformen erkunden wir den Berg Obskurus, das Land der Wildnis, das Land der Inselchen, das Pudding- und zu guter letzt das Spiegelland. Die Levels sind oft nicht nur kurz, sondern sie fallen dabei auch noch sehr linear aus. Abzweigungen gibt es nur selten. Geheimnisse sind Mangelware. Als Ersatz überzeugen alle Levels mit einer abwechslungsreichen Umgebung und unterschiedlichen Gegnern. Dabei sind natürlich auch interessante Bossgegner, wie zum Beispiel ein dicklicher Kungfu-Meister. Unterlegt wird das Geschehen meist mit einem munteren Soundtrack, der allerdings nur sehr wenige Tracks bietet. Sunsoft hat mit Trip World vielleicht kein Meisterwerk geschaffen, dafür aber ein unvergessliches Spiel mit einem ebenso unvergesslichen Videospielhelden. Nicht ganz, denn an Yakopoo haben wir uns ehrlich gesagt seit 1992 nicht mehr erinnert. Vielleicht ist es jetzt durch die Veröffentlichung im eShop wieder an der Zeit, Yakopoo wiederzubeleben und den Helden als WiiWare- oder 3DSWare-Spiel in ein neues Abenteuer zu schicken. Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn Yakopoo auch mal mit einer durchdachten Handlung und zudem auch mit größeren und anspruchsvolleren Levels daherkommen würde. So lange werden wir uns aber an dem bisher einzigen Abenteuer des Shabubu-Mitglieds erfreuen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem Virtual-Console-Fassung): Von Trip World habe ich zum ersten Mal vor einigen Monaten gehört, als der Titel plötzlich im eShop aufgetaucht ist. Der Trailer hat mit der tollen Titelmelodie des Spiels geworben und die gezeigten Spielszenen sind mir ebenfalls positiv in Erinnerung geblieben. Jetzt habe ich endlich Zeit gehabt, Trip World zu spielen und mein Einschätzung des Titels hat sich im Endeffekt irgendwie bewahrheitet. Es ist zwar nicht der erhoffte Kirby-Klon geworden, doch die verbauten Ideen haben mir auch ohne die zu starke Anlehnung an Nintendos Videospielreihe gefallen. Besonders die Idee mit Blumen-Yakopoo fand ich ein wenig amüsant, doch weniger amüsant finde ich, dass es kaum oder gar keine Continues und zusätzliche Versuche im Spiel zu finden gilt. Ein Spiel möchte ich gerne an einem Stück durchspielen – ohne wieder von vorne anzufangen oder über die Stage-Auswahl das letzte Level auszuwählen. Wenn ich aber an das Alter des Titels denke, dann kann ich von einem zwanzig Jahre alten Spiel auch nicht wirklich mehr erwarten. Wenn ich das Manko allerdings außer Acht lasse, dann kann ich Trip World dennoch empfehlen – zumindest wenn man sich mit einer kurzen Spielzeit zufrieden gibt.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des eShop-Guthabens!

Hinterlasse einen Kommentar