Als Ikarus mit seinem Vater Dädalus im Labyrinth des Minotaurus eingesperrt wurden, erfand Dädalus Flügel aus Federn und Wachs. Ikarus wurde jedoch übermütig und flog zu nah an die Sonne heran, so dass das Wachs der Flügel schmolz und er somit ins Meer stürzte und starb.
So wird diese Geschichte der griechischen Mythologie über Generationen weitergegeben, um die Gier nach der Sonne durch die Götter zu unterbinden beziehungsweise davor zu mahnen. In Nintendos mittlerweile dreiteiliger Kid-Icarus-Sage geht es allerdings nicht um diesen hier vorgestellten Mythos, sondern um den Engel Pit. Der einzige Zusammenhalt der Mythologie und Nintendos Fiktion ist wohl der, dass Pit über Flügel verfügt und die Spielwelt dann doch sehr der griechischen Mythologie nachempfunden ist. In einer Zeit des Friedens lebten Engel und Menschen friedlich unter dem Schutz der Göttin Palutena nebenher. Eines Nachts erfährt sie einen seltsamen Traum. Ein Traumdeuter enträtselt diesen und kommt zum Schluss, dass das Land der Engel von einem Dämonen namens Orcos angegriffen werden wird. Als er den Namen des Dämons ausspricht, verwandelt sich der Traumdeuter zu Stein. Sofort ruft sie den Anführer der Ikarus-Armee Pit zu sich. Pit erhält von ihr drei Missionen, die er erfüllen muss, um das Land der Engel und die Göttin Palutena zu schützen. Pit soll sich den Unterweltturm hinaufkämpfen, die Oberwelt erstürmen und die luftigen Höhen des Himmelsturms erobern. Wenn Pit seinen Auftrag erfüllen sollte, wäre es ihm möglich, die drei heiligen Artefakte des Reiches zu tragen und zum Himmelspalast zurückkehren zu dürfen. Am Ende wird er sich dem Dämonen Orcos stellen müssen, dessen Identität bisweilen noch immer ungeklärt ist.
Türenwelt
Ganz so sehr ausgeschmückt wird die Geschichte im Spiel selbst nicht, doch die elektronische Bedienungsanleitung der Virtual-Console-Fassung auf dem 3DS gibt uns jedoch einen guten Grund vor, in den Kampf gegen Orcos zu ziehen. Wie im Vorgänger und ersten Teil der Saga läuft das Geschehen in einer zweidimensionalen Ansicht ab. Wir laufen und hüpfen mit Engel Pit durch vier große Welten und erschießen dabei mit den Pfeilen unseres Bogens laufend die anstürmenden Gegner, die es sich im Land der Engel gemütlich machen möchten. Besiegte Ungetüme hinterlassen oftmals klischeehafte Herzen, die wir einsammeln dürfen. Mit Herzen füllen wir allerdings nicht wie in The Legend of Zelda unsere Energie auf. Stattdessen nutzen wir die roten Objekte als Zahlungsmittel bei den immer mal wieder auftauchenden Händlern. Erblicken wir eine Tür, kann sich der nächste Händler dahinter befinden, bei dem wir uns mit Heilwässern, Hämmern, Schlüsseln, Bleistiften oder Fackeln eindecken dürfen. Es gibt sogar die Möglichkeit, auf dem Schwarzmarkt seltene Items zu kaufen – beispielsweise gestohlene Waffen. Die Preise für die raren Objekte sind natürlich deutlich höher, doch können wir den Preis mit etwas Glück herunterhandeln. Das wird zwar nicht so detailreich wie elf Jahre später in Star Fox Adventures geschildert, doch allein die Möglichkeit dazu verblüfft uns 1991 dann doch sehr. Hinter so mancher Tür verbirgt sich auch die eine oder andere Schatzkammer.
Mythologisches Spiel
Ist uns Fortuna hold und zerbrechen nicht den Krug in dem sich der Gott der Armut aufhält, werden wir mit einem seltenen Item belohnt. Stolpern wir zufällig in andere Räume, wie beispielsweise die Fledermauskammer hinein, sollten wir schleunigst wieder ins eigentliche Level zurückkehren, um keinen Schaden zu nehmen und den virtuellen Löffel abzugeben. Wer aber mit Konzentration immer bei der Sache ist, wird gelegentlich mit Power-ups belohnt oder freut sich spätestens dann über die drei Artefakte, die das Spieltempo nochmals gehörig anziehen. Wir verraten an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nichts über diese Gegenstände, doch wer mehr darüber wissen möchte, erfährt es (leider) auch in der Spielanleitung auf dem 3DS. In jeder Stage gibt es übrigens unterschiedliche Gegner, die das Abenteuer interessanter machen. Besonders ein alter Mann namens Pythagoras, der mit Dreiecken um sich schmeißt, hat uns ganz besonders imponiert und beweist den Humor des Spiels, der dann und wann in Erscheinung tritt. Nachdem anfliegende Zyklopenschädel, attackierende Neumonde und auch bissige Schlangen in Massen besiegt wurden, taucht am Ende einer Welt ein Bossgegner, wie etwa der eingangs erwähnte Minotaurus auf. Dank Speicherfunktion ist das Abenteuer nicht mehr ganz so frustreich, wie es vielleicht noch beim Vorgänger war, womit das Spiel wohl deutlich mehr Spieler ansprechen dürfte.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Virtual-Console-Fassung): Meinen ersten Kontakt mit Kid Icarus hatte ich 2007, als der erste Teil der Reihe im Wii-Shop-Kanal angeboten wurde. Ich habe nie mehr als eine Viertelstunde mit dem Spiel verbracht, da es mir manchmal einfach zu ungriffig war, doch trotzdem sehe ich ein, dass es sich bei Kid Icarus um einen Klassiker der Videospielgeschichte handelt und ich sehr froh bin, dass Nintendo das Franchise in diesem Jahr sogar noch einmal ausgegraben hat – das war vor fünf Jahren absolut nicht abzusehen, doch der Ruf der Fans nach einem dritten Teil war dann spätestens nach Pits Auftritt in Super Smash Bros. Brawl dann doch zu groß, als das man ihn ignorieren konnte. Als guten Einstieg ins Franchise kann ich den zweiten Teil absolut empfehlen, da der dank der Speicherfunktion nicht mehr ganz so schwierig wie sein Vorgänger ist und Neulinge sich deutlich weniger in die Enge getrieben fühlen dürften. Wer Spiele mag, in denen Sprünge und andere Aktionen oft genau abgestimmt sein müssen, wird mit Kid Icarus: Von Mythen und Monstern seine wahre Freude haben. Ich hatte jedenfalls schon deutlich mehr Spaß mit dem Titel und freue mich – immer noch – endlich den dritten Teil spielen zu dürfen, denn das habe ich bisher immer noch nicht zeitlich auf die Reihe bekommen. Der nächste verregnete Nachmittag kommt bestimmt!
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des eShop-Guthabens!