Nachdem Regisseur und Drehbuchautor Benny Chan mit New Police Story und Rob-B-Hood zwei gute und vor allem sehr bekannte Filme auf die Leinwand gezaubert hat, hat er mit dem Film Invisible Target ein weiteres Werk veröffentlicht, welches von vorne bis hinten mit sehr guten Darstellern, einer intelligenten Story und furioser Action glänzt.
Invisible Target erzählt die Geschichte dreier Polizisten, welche nicht in derselben Abteilung arbeiten und auch nicht denselben Rang dekorieren. Als dann aber ein Geldtransporter von einer geschwisterlichen Verbrecherbande überfallen wird, kommt die Verlobte des Polizisten Chan Chun bei der Explosion einer Bombe ums Leben. Sechs Monate verbringt er seine Zeit damit, die Übeltäter aufzuspüren, bleibt allerdings erfolglos. Als Chun eines Tages bei einer Hausdurchsuchung aus Thailand geschmuggelte Waffen entdeckt, tauchen die Mörder seiner Verlobten wieder auf. Durch diese Verbindung wird der draufgängerische Kommissar Fong Yik Wei und der Straßenpolizist Wai King-Ho mit in die Ermittlung einbezogen. Zusammen suchen sie die Drahtzieher hinter der Operation und stoßen dabei auf einen Feind, der selbst vor Kindesentführung, den Mord an Polizisten und sogar vor Tötungsdelikten in den eigenen Reihen keinen Halt macht. Am Ende ist jedoch nicht alles so wie es scheint, denn die Gauner haben sich mit noch mächtigeren Gegnern verschworen, gegen welche das Dreiergespann fast nichts ausrichten kann. Die Jagd durch die Straßen von Hongkong und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt mit nur einem Ziel: Gerechtigkeit.
Spannung bis zur letzten Minute
Die intelligenten Verknüpfungen zwischen den drei Hauptdarstellern sind das Kernstück der Handlung von Invisible Target. Mit geeinten Fähigkeiten wühlen die drei Beamten den Fall neu um und stoßen dabei immer mehr auf Anzeichen einer Verschwörung. In so gut wie jeder Minute steigt die Spannung kontinuierlich bis zum bombastisch in Szene gesetzten Finale an. Dutzende Glasscheiben, Stühle, Schreibtische, Autos und andere Objekte werden zerstört, um die Geschichte unterhaltsam mit Action zu schmücken. Neben Schusswaffenduellen kommt in diesem Hongkong-Spektakel auch der Kung-Fu-Inhalt nicht zu kurz. Sobald die Munition eines Polizisten aufgebraucht ist, muss man eben zu anderen Maßnahmen greifen. In Benny Chans Meisterwerk sehen die Kampfeinlagen nicht schlechter aus, als in bekannten Kung-Fu-Filmen wie Once upon a Time in China oder Ip Man. Das liegt selbstverständlich auch an den sehr guten Schauspielern, wie Nicolas Tse (bekannt aus Dragon Tiger Gate), Shawn Yue, Wu Jing und Jaycee Chan, dem Sohn von Multitalent Jackie Chan. Alle Darsteller waren für ihre Stuns selbst verantwortlich, was uns sehr gut gefällt und dem Film mehr Natürlichkeit verleiht, als einem US-amerikanischen Film, wo für jede auch noch so geringfügig gefährliche Szene ein Filmdouble für den Schauspieler übernimmt.
Meisterwerk des Hongkong-Kinos
Aber auch die anderen Schauspieler, etwa Elanne Kwong, Candy Liu und Lisa Lu, machen Invisible Target zu etwas Besonderem. Respekt verdient hat vor allem Lisa Lu, die im hohen Alter noch ihren Text in Kantonesisch gelernt hat. In der Rolle von Wai King-hos Großmutter verleiht sie den eher heiteren Stellen des Films einen ganz besonderen Charme. Auf der Blu-ray liegen zwei Tonspuren vor. Zum einen können wir den Film auf Kantonesisch genießen und auf Wunsch deutsche oder niederländische Untertitel hinzuschalten, oder uns auch an der sehr guten deutschen Synchronisation erfreuen. Egal für welche Tonspur wir uns entscheiden – der Film sorgt mit seinen tollen Schauspielern, der durchdachten und zusammenführenden Story, sowie der brachialen Action und den atemberaubenden Stunts 125 Minuten lang für sehr gute Unterhaltung. Der im 16:9-Format (2,35:1) gehaltene Film wirkt in 1080p sehr scharf, doch an sehr, sehr wenigen Stellen wirkt das Bild unschön körnig. Dem Gesamtbild schadet dies aber nicht, denn auch das Bonusmaterial, welches leider nur in SD-Qualität vorliegt, kann um die neunzig Minuten lang unterhalten beziehungsweise über den Film informieren. Unter das Zusatzmaterial fällt zum einen das Making-of, die Premierenfeier, mehrere Vergleiche vom Storyboard zum Film und bewegtes Bildmaterial zu den Stunts und der Action. Im Vergleich zu anderen Filmen der Machart fallen leider keinerlei Höhepunkte auf. Schade. Dennoch überzeugt Invisible Target vom Anfang bis zum tollen Schlusslied Goodbye von Chang chen-yue und gehört definitiv zum Pflichtprogramm eines jeden Fans von Hongkong-Filmen!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Wer meine Artikel bereits seit einiger Zeit verfolgt, der wird wohl sehr gut wissen, dass ich mich mit amerikanischen Action-Filmen so gut wie gar nicht mehr identifizieren kann. Es gibt zwar immer mal wieder Ausnahmen wie Hollywood Cops, die mich aber eher aufgrund der Schauspieler zum Zuschauen bewegen und dabei nicht ganz so ernst sind, wie es beispielsweise Invisible Target ist. In asiatischen Gefilden finde ich immer mehr Filme, die nicht auf – für mich – unnötige und vor allem übertriebene Computereffekte bauen. Bei Invisible Target stehen die tollen Darsteller, die packende Story und die sehr natürliche Action im Mittelpunkt. Sicherlich gibt es auch hier Szenen, die etwas aufgesetzt wirken, doch den Bogen definitiv nicht überspannen, wie es bei US-amerikanischen Filmen leider sehr, sehr oft der Fall ist. Die angesprochenen positiven Elemente, gepaart mit dem Hongkong-Setting machen Benny Chans Invisible Target zu einem unvergesslichen Meisterwerk und einem Genuss für jeden Fan chinesischer Action-Filme!
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Invisible Target!