Den Verpackungsangaben zufolge sei Revenge: Sympathy for the Devil in einem Atemzug mit den Genre-Größen Memories of Murder, Old Boy und I saw the Devil zu nennen. Das können wir leider nicht ganz bestätigen, doch sehr wohl kann uns der Film überzeugen.
In Hongkong treibt ein Serienkiller sein Unwissen. Er wählt aber nicht willkürlich seine Opfer aus, sondern hat seine Gründe für die Gräueltaten. Seine Ziele sind Polizisten und zudem auch noch deren schwangere Frauen. Die Polizei setzt alle Hebel in Bewegung, um den Mörder zu fassen und im 23 Jahre alten Kit finden die Ermittler ihren Tatverdächtigen, dem unter Folter ein Geständnis entlockt werden soll. Obwohl Kit nicht gesteht, offenbart sich den Polizisten schon bald, wen sie denn da eigentlich verhört haben. An diesem Punkt der Handlung macht der Film einen Zeitsprung. Einige Monate zuvor lernt Kit die geistig zurückgebliebene Frau Wing kennen, in die er sich mit der Zeit verlieben wird. Eines Nachts wird Wing durch einen Zufall allerdings mit einer Prostituierten verwechselt und von einem Polizisten vergewaltigt. Damit aber noch nicht genug. Selbst nachdem der Irrtum aufgeklärt wurde, wird Wing zudem auch noch von anderen Polizisten auf der Polizeiwache vergewaltigt. Da Kit einschreiten will, wird er von den Gesetzeshütern verletzt und ihm schlussendlich ein Raubüberfall angehangen, für den er mehrere Monate ins Gefängnis muss. Von Rachegelüsten angetrieben entwickelt er mit der Zeit einen Plan und setzt seine perfiden Gedanken in die Tat um. Damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt, machen die übrigen Polizisten persönlich Jagd auf Kit.
Sympathie und Antipathie
Wie es der Titel schon vermuten lässt, versucht der Film den Zuschauer dazu zu bewegen, um Sympathie für den Serienmörder zu entwickeln. Dieser hat seinen Glauben in das Gesetz nicht nur verloren, sondern setzt sich nun auch noch instinktiv gegen dieses ein. Instinktiv deshalb, da auch Kit in unseren Augen nicht gerade einen geistig gesunden Eindruck macht. So spricht er nur wenig und auch die Art, in welcher er sich mit anderen Personen unterhält, ist unüblich. Aber auch selbst wenn wir Sympathie für Kit entwickeln und gegen unsere Vorstellungen des Guten mit ihm mitfiebern, schießen die Köpfe hinter dem Projekt ein wenig übers Ziel hinaus. So können wir zwar verstehen, dass er Rache an den Polizisten nehmen will und in gewisser Weise auch Vergeltung üben möchte, doch ist es genau das, was Kit unsympathisch macht. Es bringt ihm keinerlei Nutzen, unschuldige und schwangere Frauen zu exekutieren und ihnen zudem auch noch den Embryo aus dem Mutterleib zu schneiden. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält aber eine spannende Handlung bis zum Ende, die sinnvoll in mehrere Kapitel mit unterschiedlichen Schwerpunkten unterteilt wird. Während einmal die Ermittelungen im Vordergrund stehen, ist es im nächsten Moment Kit und dann wieder Wing, die thematisiert werden. Dieser Erzählstil inklusive treffender Überschriften gefällt uns hier sehr gut.
Geschnittene Fassung
Absolut zugutehalten müssen wir der Handlung, dass diese das Ziel bis zum Ende konsequent verfolgt und nicht auf einmal einen Bruch erleidet, wie wir es leider bei Gesetz der Rache von Felix Gary Gray erleben durften. Zudem hat man sich für die beiden Protagonisten Kit (Juno Mak) und Wing (Sola Aoi) hervorragende Schauspieler ausgesucht, die ihren Rollen sehr viel Leben einhauchen und genügend Ausdruck, sowie Glaubhaftigkeit verleihen. Atmosphärisch wirken zudem das Städtebild und die restliche Kulisse, da man sich dazu entschlossen hat, ähnlich wie bei der Serie Supernatural, Grau-, Braun- und Grüntöne dominieren zu lassen. So entsteht ein düsteres Bild, welches sich hervorragend auf die Intention des Films übertragen lässt. Ganz so atmosphärisch wie bei I saw the Devil ist der Film allerdings nicht, da man sich dazu entschlossen hat, den Film hierzulande in einer geschnitten Fassung zu zeigen. So fehlen beim jetzt achtzigminütigen Film mehr als zehn Minuten, die Kits Gewaltbereitschaft zeigen. Während wir die Schnitte in der ersten Stunde fast gar nicht bemerken, fallen uns diese in den letzten Minuten aber ganz deutlich auf. Wir sind gegen eine unnötige Gewaltverherrlichung, aber in Revenge: Sympathy for the Devil wären die fehlenden Szenen essentiell gewesen. Es empfiehlt sich also abschließend, den Film aus dem Ausland zu beziehen, um ein vernünftiges Gesamtwerk zu erhalten.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich verstehe nicht, warum man erst den Aufwand betreibt und den Film regelrecht zersägt, damit man ihn innerhalb Deutschlands an sechzehnjährige Kunden verkaufen kann und dann Trailer mit auf die Blu-ray packt, die aber erst für Erwachsene geeignet sind. Dadurch hat man sich erst einmal selbst unnötig Arbeit gemacht (sofern man nicht noch plant, den Film irgendwann in Zukunft ohne FSK-18-Trailer zu veröffentlichen) und dann auch noch Fans des asiatischen Kinos vergrault. Der Film hätte es echt verdient, in seiner vollen Pracht und in seiner kompletten Laufzeit gesehen zu werden. So bleibt für mich unterm Strich ein Film, der am Anfang durchdacht wirkt, aber zum Ende plötzlich zu kurz kommt. Kits Charakterisierung ist somit zwar nicht vollständig zerstört und die Handlung ist immer noch verständlich, doch die Kernaussage des Films kommt gar nicht mehr so wirklich zur Geltung. Das finde ich sehr schade, weshalb ich jedem empfehle, sich den Film lieber zu importieren. Wer mit derlei Schnittfassungen keine Probleme hat, darf aber natürlich auch zur hiesigen Fassung greifen.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Revenge: Sympathy for the Devil!