Die Divinity-Serie ist bekannt für ihre Rollenspiele, doch parallel zu Divinity: Original Sin wird bei den Larian Studios derzeit auch an einem Echtzeitstrategietitel gewerkelt, dem aber mehr als nur ein Genre-Einfluss widerfährt.
Zeitlich angesiedelt vor allen anderen Divinity-Spielen: In einer Epoche, wo die Drachenritter gegeneinander kämpfen, schlüpfen wir die Rolle eines jungen Prinzen, dessen Vater brutal ermordet wurde. Wir sollen seinen Tod nun rächen und müssen dabei auch noch die Fantasy-Welt Rivellon retten. Auf unserem Luftschiff unterhalten wir uns mit unseren Beratern, einer Prinzessin und vielen weiteren Charakteren, die wichtig für den Verlauf der Handlung sind. Diese Unterhaltungen laufen derzeit leider noch einzig und allein in Sprechblasen ab. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler hier noch ein wenig Dynamik einbringen. Trotzdem sind alle Charaktere gut ausgearbeitet, wie uns die Entwickler vor Ort an einer Wand mit Zeichnungen und Notizen prompt beweisen. Haben wir uns ausgiebig mit den Charakteren unterhalten und haben der einen oder anderen Persönlichkeit einen Gefallen getan, kommen wir in den Genuss einer Spielkarte. Diese ähneln den Karten des Sammelkartenspiels Magic: The Gathering und auf Nachfragen beim Entwickler hat man uns verraten, dass man sich hier Inspiration geholt hat – schließlich ist Magic: The Gathering das populärste Sammelkartenspiel aller Zeiten. Uns stört das nicht, denn schließlich steht der Look der Karte im Einklang mit der restlichen Welt. Die Spielkarte dürfen wir dann auf der strategischen Karte, auf welcher alle Ländereien der bekannten Fantasy-Welt aufgeführt sind, einsetzen und so bestimmte Vorteile aktivieren.
Strategisches Schlachtengetümmel
Beispielsweise verstärken wir vor einem Angriff so unsere Truppen oder schwächen unsere Feinde. Da wir nicht unendlich solcher Spielkarten haben, sollten wir diese zudem geschickt und für den passenden Konflikt einsetzen. Die strategische Karte ähnelt übrigens dem des Gesellschaftsspiels Risiko und so ähnlich spielt es sich dann auch. Aber anstatt die Schlacht auswürfeln zu lassen, nehmen wir an diesen aktiv teil. Die Entwickler demonstrieren uns den Kampf allerdings nicht im Einzelspielermodus, sondern im Mehrspieleranteil des Spiels. Auf drei Bildschirmen nebeneinander zeigen uns die Entwickler stolz die Optionen, die wir haben, um die Feinde zu besiegen. Aus mehreren Blickwinkeln und vor allem auch Ansichten macht das einen tollen Eindruck, da uns so direkt die taktischen Vorteile klar werden. Wer sich mit seinen fliegenden Einheiten und Drachen hoch in die Luft bewegt, ist zwar langsamer, wird aber nicht mehr so oft von Schüssen getroffen. Wer jedoch niedriger fliegen möchte, kann das gerne tun, wird aber dementsprechend öfters von den Feinden getroffen. Hier soll der Spieler wohl selbst das Gleichgewicht finden, um den Kampf zu bezwingen. Toll finden wir, dass wir uns wie in Divinity II: Ego Draconis auch selbst in einen Drachen verwandeln können und das Schlachtfeld in den luftigen Höhen aus nächster Nähe ebenfalls live miterleben dürfen.
Vielversprechende Genre-Mixtur
Die Larian Studios versprechen uns, dass man als Drache zwar viel Schaden anrichten kann, aber man trotzdem taktisch vorgehen muss. Der taktische Anteil der Schlachten fällt unserer Meinung aber noch relativ klein aus, denn neben dem Einsetzen der richtigen Armee, wird auf das Stein-Schere-Papier-System gesetzt. Das erinnert uns an Nintendos Fire-Emblem-Serie, was uns sehr freut. Schließlich gehören die Rundenstrategietitel nicht umsonst zu den besten Spielen des Genres auf Konsolen. So werden in Divinity: Dragon Commander einige Einheiten stärker gegenüber anderen sein und umgekehrt. Da so allerdings ein nahezu hervorragender Ausgleich geschaffen wird, freuen wir uns, dass man auf dieses System setzt, anstatt zu viel herumzuexperimentieren und im Nachhinein vermeidbare Patches in Bezug auf das System zu veröffentlichen. Da es auf einer Messe sehr laut vor sich geht, haben wir vom Sound leider so gut wie nichts mit bekommen, doch alleine die Effekte scheinen schon einmal ein bombastisches Schlachtengefühl zu versprechen. Wenn die Entwickler es schaffen, das recht farbenfrohe Spiel mitsamt den Action- und Gewaltinhalten, der taktischen Raffinesse, der strategischen Übersicht, dem Politiksystem und dem Abenteueraspekt in Einklang zu bringen, erwartet uns hier eine der interessantesten Genre-Mixturen des nächsten Jahres.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Gamescom-Präsentation): Im Vorfeld habe ich von Divinity: Dragon Commander noch nichts gehört und war demzufolge auf der Messe doch schon sehr überrascht. Sicherlich lässt der Name auf ein Strategiespiel hoffen, doch wie dieses im Endeffekt aussehen wird, hätte ich nicht gedacht. Zwar fällt das, was ich von der Story bisher sehen durfte, relativ schwach aus, doch die Gameplay-Inhalte machen mir wiederum Lust auf mehr. Während es mir zwar lieber wäre, auf dem Luftschiff frei herumzulaufen, werde ich so aber auch ganz gut zu den einzelnen Charakteren gelangen und mich mit diesen unterhalten können. Da hoffe ich dann natürlich wie schon bei der Story auf ordentliche Dialoge und sehr spannende Hintergründe. Was mir aber am meisten gefällt, ist der Einsatz der Spielkarten auf der strategischen Übersicht, sowie die darauffolgenden Schlachten (im Mehrspielermodus). Hier betreten die Larian Studios gewissermaßen Neuland, doch das Gezeigte machte auf mich bereits jetzt schon einen sehr fertigen Eindruck. Mir gefällt die Genre-Mixtur bisher bedingt, doch bei Release möchte ich auf jeden Fall einmal einen oder gar zwei Blicke riskieren, denn dafür haben mich die Entwickler einfach zu neugierig gemacht.
Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Einladung zur Gamescom-Präsentation!