Nachdem wir jetzt zehn Monate lang Zeit hatten, um uns in Biowares Online-Rollenspiel Star Wars: The Old Republic einzuleben, möchten wir nun endlich auch mal ein Fazit zum Spiel abgeben, welches sich im Markt zwar gut schlagen, aber noch nicht behaupten konnte.
Kein Markt der Videospielwelt ist so umkämpft, wie der Sektor der Online-Rollenspiele. Wer sich diesen einmal anschaut, der stößt unvermeintlich auf Blizzards World of Warcraft. Ein Spiel, das das Genre seit acht Jahren dominiert – wenn auch dort mittlerweile die Kunden sich nach Alternativen umschauen. The Old Republic wollte von Anfang an für frischen Wind in diesem Genre sorgen. Dabei ist das Spiel aber alles andere als eine Genre-Revolution und setzt dabei auf ein altbewährtes Spielgerüst, welches in so gut wie jedem Titel des Genres vorkommt. Die Grundlage ist das übliche Erfüllen von Aufträgen und dem Aufstufen eines Charakters. Also im Grunde genau das, was wir seit Jahren im Konkurrenztitel World of Warcraft verrichten dürfen. Besonders ist jedoch, dass alle Charaktere, von denen wir die so genannten Quests bei The Old Republic erhalten und jene, die während des Quest-Verlaufs vorkommen, eine Stimme verliehen bekommen haben. Das ständige Lesen von ellenlangen Texten gehört hier also der Vergangenheit an, obwohl das wohl nur die wenigsten Spieler in der Praxis gemacht haben dürften. Sei’s drum – jetzt können uns entspannt zurücklehnen und zuhören, was uns die verschiedensten Charaktere zu sagen haben. Atmosphärischer war noch kein Online-Rollenspiel bis zu diesem Zeitpunkt. Das ist der richtige Weg für die Zukunft!
Starthilfe
Zu Beginn des Spiels steht jedoch die Wahl nach einem Volk und einer Klasse an. Wir greifen hier auf altbekannte Archetypen zurück – etwa einen Tank, einen Damage Dealer oder einfach einem Heiler. Für jeden Spielertyp ist also wieder einmal die richtige Ausrichtung dabei. Statt Allianz gegen Horde wie in World of Warcraft steht im Star-Wars-Universum natürlich der Konflikt zwischen der Republik und dem Imperium im Mittelpunkt. Vorangetrieben wird die Geschichte aber mit ebenso repetitiven Aufgaben, wie wir sie aus Online-Rollenspielen seit etlichen Jahren kennen. Wichtige Personen sollen ausgeschaltet und Maschinen manipuliert werden. Außerdem warten natürlich wieder jede Menge Sammelaufgaben auf uns, die wir für neue Erfahrungspunkte absolvieren sollen. So kann man sich gegen den Genre-Primus nicht gerade durchsetzen, doch Bioware hat etwas, was Blizzard nicht nutzen kann: Die Star-Wars-Lizenz! So entscheiden wir uns nicht für Paladine oder Hexenmeister, sondern pro Fraktion stehen uns je vier Klassen für unseren eigens erstellten Charakter zur Verfügung. Auf Seiten der Republik schlüpfen wir in die Rolle eines Soldaten, eines Schmugglers, eines Jedi-Ritters oder in die eines Jedi-Botschafters. Auf Seiten des Imperiums hingegen entscheiden wir uns zwischen Kopfgeldjägern, Sith-Kriegern, imperialen Agenten oder Sith-Inquisitoren.
Persönliche Ausbildung
Mit einem simplen Editor legen wir anfangs schnell auch noch das optische Erscheinungsbild unseres Charakters fest und dann geht es auch schon zum Tutorial-Planeten, auf welchem wir grob die ersten zehn Level-Aufstiege erleben werden. Beide Jedi-Klassen trainieren auf dem wunderschönen und idyllischen Planeten Tython, Schmuggler und republikanische Soldaten hingegen auf dem unwirtlichen Ord Mantell. Wer’s noch martialischer mag, lässt sich in der Wüste von Korriban zum Sith-Krieger oder Sith-Inquisitor schleifen oder schlägt sich als imperialer Agent oder Kopfgeldjäger durch die dreckigen Sümpfe von Nal Hutta. Beide Fraktionen bieten somit jeweils zwei Nah- und Fernkampfklassen, welche sich ab der zehnten Stufe auf eine von zwei Unterklassen mit je drei Talentbäumen spezialisieren lassen. Als Beispiel nehmen wir den Kopfgeldjäger, welcher sich ab dem zehnten Level entweder zum Söldner oder zum Power Tech ausbilden lassen darf. Der Power Tech setzt auf eine stabile Panzerung und dient daher oftmals als Tank, während der Söldner dank seiner schnellen Schussfolge eher als Damage Dealer geeignet ist. Nach gewohnter Bioware-Manier erleben wir dazu selbstverständlich außerordentliche Geschichten, die mit unerwarteten Wendungen, Schicksalsschlägen und vielen anderen Überraschungen erzählt werden. Hervorragend!
Spannende Dialoge
Unvergessen bleibt uns beispielsweise ein Ereignis im Kopf, als wir mit unserem Jedi-Ritter erstmals unser Lichtschwert erhalten. Bioware weiß eben, verschiedene Ereignisse gekonnt in Szene zu setzen und so bekommen wir in The Old Republic die stets gewohnt gute Qualität der Erzählweise ihrer Spiele zu spüren. Das Tolle daran ist, dass (wie bereits angedeutet) die Klassen ebenfalls alle von einer überaus spannenden Handlung profitieren, die von den immer mal wieder besonderen Hauptmissionen solide flankiert wird. Statt nur das Trainieren und die besten Items vor den Augen zu haben, trägt die Geschichte in The Old Republic mit zur Motivation bei. Ungelogen möchten wir schnell einmal alle Klassen ausprobieren, da hinter jeder Klasse eine neue Story auf uns wartet. Schade nur, dass The Old Republic bisweilen mit monatlichen Kosten um sich schlägt und das Erreichen des Maximallevels mit einer Klasse nicht eben mal an einem Wochenende erreicht werden kann. Negativ hinzukommen die Nebenmissionen, denn diese sind hingegen der Haupthandlung etwas liebloser gestaltet und erinnern an den typischen Einheitsbrei des Genres. Hier hätten sich die Entwickler durchaus mehr einfallen lassen können, doch im Angesicht der tollen Story, können wir das The Old Republic verzeihen, auch wenn wir diese selbst nicht wirklich beeinflussen können.
Kaum Einfluss auf die Handlung
Sollten wir also mehrere Charaktere erstellen, welche dieselbe Ausbildung genießen, so ist es auch immer wieder der gleiche Weg, den wir von seinen ersten Gehversuchen auf seinem Tutorial-Planeten bis hin zu den kosmischen Level-50-Kampfgebieten erleben. Die einzigen Konsequenzen aus den Dialogsoptionen sehen wir an unserem Charakter. So bekommen wir, ähnlich bei Mass Effect, je nach Antwort helle oder eben dunkle Machtpunkte. Diese Punkte entscheiden jedoch nur, welche Waffen und Kleidung wir anziehen können. Einen Einfluss in die eigentliche Geschichte gibt es überhaupt nicht. Verurteilen wir einen Spion beispielsweise zum Tode, während ein anderer Spieler ihn laufen lässt, so sehen wir keinerlei Konsequenzen, da die Figur im weiterem Verlauf des Spiels nicht mehr vorkommt. Unser Handeln wirkt sich also nur auf unser persönliches Empfinden und auf das Machtkonto unseres Charakters aus. Nichtsdestotrotz bietet momentan kein anderes Online-Rollenspiel eine solch vergleichbare emotionale Tiefe und so verkörpern wir gerne einen Charakter, der immer die Wahrheit sagt, Leben verschont und Liebespaare vereint oder eben den dunklen Sith, welcher für Tod und Zerstörung lebt, Unschuldige opfert und mitleidslos tötet. Wir können so handeln, wie wir es als richtig empfinden und genau das hat uns auch ziemlich gut gefallen. Bioware konnte somit seine stärksten Tugenden aus dem Mass-Effect-Universum erfolgreich transportieren.
Player versus Player
Wer Abwechslung vom üblichen Quest-Erfüllen und der Hauptstory sucht, begibt sich in eine der vielen Player-versus-Player-Arenen. So landen wir auf Alderaan oder der Voidstar, um uns dort gegen andere Spieler bei verschiedenen Aufgaben zu messen. Auf Alderaan ist es unser Ziel, auf Seiten des Imperiums oder der Republik, verschiedene Flaktürme einzunehmen, welche dann auf unser Spawn-Schiff schießen. Es gibt drei dieser Türme und nach Einnahme fangen diese sofort wieder an, auf das feindliche Schiff zu schießen. Dessen Transportschiff als erstes abgeschossen wurde, hat natürlich verloren. Auf der Voidstar befinden wir uns hingegen auf einem Transportschiff und müssen für unsere Fraktion entweder angreifen oder verteidigen. Ziel als Angreifer ist es, die Haupttüren zu sprengen, um wichtige Daten aus dem Kern des Schiffes zu entwenden. Dafür haben wir dann zwölf Minuten Zeit und die Verteidiger versuchen natürlich, dies zu verhindern. Zum Schluss gibt es aber noch Huttenball. Hier versuchen wir uns an eine Star-Wars-Variante des American Football. Es gilt, den Spielball aufzunehmen und diesen mit Unterstützung unseres Teams in die feindliche Endzone zu tragen. Diese Gebiete sind eine gute Abwechslung zum Hauptspiel und machen auch eine Menge Spaß. Jedoch sind drei Arenen nach zehn Monaten Zeit immer noch zu wenig und so bleibt zu hoffen, dass Zusatzinhalte auch dann noch folgen werden, wenn The Old Republic um eine Free-to-play-Komponente erweitert werden wird.
Geschrieben von Axel Gutsmiedl
Axels Fazit: The Old Republic hat seine guten und seine schlechten Seiten. Gerade wie die Geschichten erzählt werden und die Möglichkeiten, welche das Dialogsystem bietet, ist bisher einzigartig im Online-Rollenspielmarkt und hat mich absolut aus den Socken gehauen. Allerdings ist eine gute Story nicht alles und gerade vom Gameplay her hätte ich mir mehr gewünscht. Spielerisch hat sich leider wenig getan und somit ist The Old Republic in diesem Punkt keine Konkurrenz im Kampf gegen den Genre-König World of Warcraft. Die einzigen Vorteile liegen in der Lizenzierung und dem Dialogsystem. Es gilt also weiterhin abzuwarten, wie sich das neue Star-Wars-Online-Rollenspiel auf dem Markt halten und welche Auswirkungen die noch im Herbst kommende Free-to-play-Komponente haben wird. Bioware hätte meiner Meinung nach aber sehr viel mehr Potenzial aus dem Spiel herausholen können, indem man zum Beispiel die Nebenquests besser gestaltet und sich ein wenig mehr um den Player-versus-Player-Bereich hätte kümmern sollen. Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden mit The Old Republic, denn der Titel hat mir schon zahlreiche Abende Spaß bereitet und wird es sicherlich auch noch in Zukunft tun!
Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars: The Old Republic!