Review: Death Note – L: Change the World

Zwei Filme drehen sich bereits um das mysteriöse Death Note, doch dann dachte man sich, dass man die offen gebliebenen Fragen in einem dritten Film noch lüften könnte. Dieser geizt zwar nicht mit Antworten, geht jedoch ungewohnte Wege.

Um gegen Kira in Death Note: The Last Name siegen konnte, zahlte L dafür einen sehr hohen Preis. Opferungsvoll schrieb er seinen eigenen Namen in das Death Note, um noch ganze 23 Tage am Leben bleiben und um nicht von Kira getötet werden zu können. Andernfalls wäre es Kira wohl gelungen, seine Macht durch das Death Note weiter aufzubauen und die Welt in ein völlig neues Licht zu rücken. Death Note – L: Change the World dreht sich nun um die letzten 23 Tage des jungen Kira-Jägers. Er kämpft mit dem Verlust von Watari, der auch im zweiten Film gestorben ist. Eines Tages klingelt jedoch das Telefon und es meldet sich ein Junge, der ihm wiederholt vier Ziffern mitteilt. Der Junge stammt aus einem thailändischen Dorf, in dem ein schrecklicher Virus an der Bevölkerung ausgetestet wurde. Der bis zum Ende namenlose Junge ist als einziges immun und erfährt von F, dass das Dorf ausgelöscht werden und er in Japan bei Watari Unterschlupf und Sicherheit erfahren wird. Dieselben Verantwortlichen sind es, die von einem japanischen Wissenschaftler Hilfe benötigen, um das Virus überall auf der Welt gleichzeitig aussetzen zu können, um den Planeten von der Menschheit zu befreien. Da dieser sich weigert und sich daraufhin selbst richtet, ist seine Tochter das Ziel der Terroristen. Wie es der Zufall so will, führt sie ihr Weg ebenfalls zu Watari beziehungsweise zu L.

L wird erwachsen

Der Film verzichtet nahezu auf die Investigativ-Elemente der ersten beiden Teile. Das Death Note wird gerade einmal in zwei Szenen erwähnt und bereits in einer der ersten Szenen von L verbrannt. So gibt es nur ein sehr kurzes Wiedersehen mit dem Shimigami Ryuuk. Danach ist die Handlung völlig auf sich gestellt, da nicht mehr auf Zusammenhänge zu den ersten beiden Episoden zurückgegriffen wird und sich die Story in einen Thriller verwandelt. Von Mystery, wie es auf der Verpackungsrückseite heißt, fehlt da jede Spur. Death Note – L: Change the World könnte ab dieser Stelle auch ein herkömmlicher Thriller sein. Die Death-Note-Lizenz wirkt hier etwas fehlplaziert, doch der spannenden Handlung tut dies keinen Abbruch. Der Charakterisierung kommt dies besonders zugute. In den ersten beiden Filmen war die Figur L vom Geschehen losgelöst. Er wirkte durch das ständige Essen von Süßigkeiten und seiner Art des Bewegens wie eine Manga-Figur. Das ist im dritten Film nicht sonderlich anders, doch ist L hier weitaus tiefsinniger angelegt. In einer Szene irrt er sich mit einer Berechnung, wodurch seine eher als unantastbar geltende Intelligenz kritisiert wird. Auch, dass er sich jetzt um zwei Kinder kümmert, die von Terroristen verfolgt werden und mit ihrem eigenen Leid zu kämpfen haben, macht ihn nun wesentlich menschlicher. Er fügt sich in das Geschehen aktiv ein.

Technisches Makel

Kenichi Matsuyama spielt L in diesen Punkten noch besser als in den Vorgängern, doch ist es sehr schade, dass er der einzige Charakter ist, der überhaupt noch auftaucht. Light Yagamis Vater in den Tagen nach dem Vorfall zu sehen und wie er mit der Situation umgeht, hätte uns auch sehr interessiert. So bleibt jedoch genug Spielraum für die neuen Charaktere, die aber bis auf wenige Ausnahmen sehr austauschbar wirken. Aufgrund der herausragenden Personen ist das aber 129 Minuten lang erträglich. Weniger erträglich ist die deutsche Tonspur. Das liegt nicht etwa am Ton oder gar an den Sprechern, sondern weil auf dem Bild ständig japanische Schriftzeichen eingeblendet werden, wenn in der Originalspur zeitweise eine andere Sprache gesprochen wird. Schaut man sich den Film dann jedoch in Japanisch an, sind die Untertitel in diesen Momenten dann natürlich ungünstig und kontrastarm über die Schriftzeichen gelegt. In den ersten beiden Teilen lag dieses Manko auch vor, war da aber noch verkraftbar. Schlimmer ist es dann noch beim circa dreistündigen und sehr aufschlussreichen Bonusmaterial. Warum die Verantwortlichen für die Übersetzung keine bessere Lösung, beispielsweise eine andere Farbe zu nehmen, gefunden haben, ist uns ein Rätsel. Fans dürfen beim Film in 1080p und in 16:9, sowie mit HD-DTS-5.1-Tonspuren zugreifen, sollten aber kein Meisterwerk erwarten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem ich mir die ersten beiden Teile angeschaut habe, habe ich mir natürlich auch einen Trailer zum dritten Film angesehen. Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich diese Bilder gesehen habe. Der Film hebe sich von seinen beiden Vorgängern deutlich ab und so ist es auch. Das kann man positiv oder negativ sehen. Positiv ist, dass der Charakter L durchweg gut charakterisiert und vermenschlicht wird. Auf der negativen Seite sehe ich jedoch das wegrationalisierte Death Note. Damit ist die Identität, welche die ersten beiden Teile ausgemacht haben, verloren. So sehe ich in Death Note – L: Change the World zwar einen mittelklassigen Thriller, der mich zwei Stunden lang wunderbar unterhalten hat, aber eben nicht wirklich einen Film, in dem eigentlich die Death-Note-Lizenz schlummert. Leider kenne ich sowohl Manga als auch Anime nicht, weshalb es mir jetzt auch schwer fällt, ein Urteil über das Franchise zu fällen. Death-Note-Fans werden mit dem dritten Film sicherlich ihren Spaß haben, doch das einmalige Ansehen hat mir gereicht. Die beiden Vorgänger werde ich mir hingegen sicherlich noch öfters anschauen und irgendwann hole ich mir auch die Originalvorlage ins Haus und vielleicht hat sich meine Einstellung zu Hideo Nakatas Verfilmung dann geändert.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Death Note – L: Change the World!

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