Nachdem Uwe Boll beim ersten Teil noch Regie geführt hat, übergibt er beim zweiten Teil das Zepter an zwei deutsche Nachwuchsregisseure, die sich nun an der Low-Budget-Produktion versuchen durften. Das Ergebnis ist zwiespältig.
Die Geisterjäger sind wieder unterwegs. In den ersten Szenen erbeuten sie einen Dolch, den sie in einem Abflussrohr einer öffentlichen Toilette verstecken, kurz bevor sie von einer Hexe an Ort und Stelle hingereichtet werden. Zum Glück hat sich jemand auf der Toilette versteckt, den Dolch entwendet und nach Menschen gesucht, die sich mit Okkultismus auskennen. Der Weg führt ihn zu Edward Carnby. Dieser war ohnehin schon auf der Suche nach dem Dolch, doch als sie in einer leerstehenden Klinik von der anbrechenden Nacht überrascht und somit auch jener Hexe ersucht werden, infiziert sich Carnby. Wie es der Zufall so will, wird er von einer Gruppe anderer Geisterjäger gefunden und verarztet, doch um seine Wunden zu heilen, benötigen sie die Hilfe von Abner Lundberg, welcher jedoch mit dem Anführer der Jäger im Streit auseinandergegangen ist. Schlussendlich schafft es des Anführers Tochter, Lundberg in ihr Haus zu locken, um Carnby zu retten. Dieser darf in seinen Träumen, die er hat, seitdem er den Dolch angefasst hat, auf keinen Fall in den Spiegel sehen, denn sonst erkenne die Hexe, wo genau sich der Dolch befindet. Wie es in einem Horrorfilm aber so ist, passiert genau das und die Geschehnisse überschlagen sich. Carnby schaut in den Spiegel, die Hexe findet das Anwesen und ergreift zu guter Letzt auch noch die Kontrolle über die Anführertochter.
Alte Bekannte
Während Alone in the Dark 2 ziemlich lange braucht, um in die Gänge zu kommen und eine Story zu entwickeln, kann diese in den letzten beiden Filmdrittel durchweg überzeugen, doch das Ende ist alles andere als phänomenal in Szene gesetzt. Die Handlung endet so abrupt, wie wir es sonst vielleicht nur aus asiatischen Kung-Fu-Filmen kennen, doch weniger spektakulär. Die gelungene Auswahl an Schauspielern kann dieses Manko nur geringfügig gut machen. So sind in Nebenrollen beispielsweise Danny Trejo, Michael Paré oder Natassia Malthe zu sehen. Auch Zack Ward trägt seinen Teil zur Handlung bei. Die letzten drei Schauspieler sollte jeder Boll-Fan ohnehin schon aus Bloodrayne 2: Deliverance kennen. Viel wichtiger ist natürlich die Wahl des Hauptdarstellers. Für Carnby hat man sich auf die Schauspielkünste von Rick Yune verlassen, was dem Film allerdings nicht zu Gute kommt. Im Audiokommentar geht der Mitproduzent Boll zwar darauf ein, dass Carnby ja auch in den Spielen immer anders aussah, aber das ist für uns kein Argument. Ein Schauspielerwechsel ist das geringfügigere Problem, doch stört es die Atmosphäre, wenn man für einen eigentlichen Amerikaner auf einmal einen äußerlich asiatisch angehauchten Schauspieler nimmt. Rachel Specter als Natalie Dexter, Ralf Moeller als Boyle und auch Lance Henriksen als Abner Lundberg passen da besser ins Licht.
Film für Fans
Apropos Licht: Der Film versucht in einigen Szenen geschickt und auf sehr subtile Weise, die Lichtbewegungen im Dunklen einzufangen. Da hätte man unserer Meinung nach sogar noch verspielter sein können, doch nutzt man diese Möglichkeiten leider nicht aus. Ansonsten ist es aber hier so, dass sich die Szenen entweder nur im Dunklen oder nur am Tag abspielen. Einen Misch gibt es da nicht, was der Intention des Films ebenfalls zu Gute kommt. Aderprothesen und Effekte fallen aber leider nicht so gut aus. In einer Szene kann man deutlich merken, dass die dicken Adern dem Charakter einfach nur angeklebt sind und da der Film bekanntlich auch eine Low-Budget-Produktion gewesen ist, konnte man natürlich nicht so viel Zeit und Geld in die Nachbearbeitung stecken. So wird die Spannung leider öfters durch unschöne Effekte oder ähnliches die ganzen 92 Minuten gestört. Immerhin ist der Film ungekürzt, doch Splatter-Fans werden ohnehin keine Szene finden, wo es ein wenig blutrünstiger zur Sache geht. Während die englische Originaltonspur authentisch wirkt, wirkt die deutsche Synchronisation an der einen oder anderen Stelle stark aufgesetzt. Das ist sehr schade, da sich Ralf Moeller auch nicht selbst synchronisiert. Beide Spuren liegen jedoch in DTS-HD 5.1 zum in 1080p und 16:9 gehaltenen Bild mit deutschen und niederländischen Untertiteln vor. Der Film eignet sich tatsächlich nur für beinharte Fans der Spiele. Alle anderen sehen sich anderweitig um.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Das Böse ist zurück, prangert es auf dem Cover. Gut, ich habe den Vorgänger des Films leider nie gesehen und kann nicht sagen, ob das Böse nun tatsächlich wiedergekehrt ist, doch so richtig Angst macht mir die Geisterhexe nicht. Das mag zum Teil auch an den undurchschnittlichen Effekten liegen, wodurch die Hexe und deren Bedrohung im Film nicht gerade gut inszeniert wird. Zudem kommt mir die Story nicht schnell genug in Fahrt. In der ersten halben Stunde schaut man den Charakteren zu und was sie machen, doch wer hier den Vorgänger nicht kennt und ebenso wenig die Spiele, die werden sich bis zu einem bestimmten Punkt fragen, warum sie sich den Film überhaupt noch anschauen. Ist die erste halbe Stunde aber überstanden, gewinnt die Handlung bis kurz vorm Ende ordentlich an Fahrt und kann in dieser Zeit auch ordentlich überzeugen. Das Ende ist in meinen Augen hingegen ein schlechter Scherz. Der Storytwist kommt viel zu plötzlich und so ist auch der Film viel zu abrupt vorbei. Da hätte ich auch zwei jungen Regisseuren deutlich mehr zugetraut. Immerhin wissen die beiden, wie sie mit ihrem Werk ansonsten umgegangen sind, wie man im deutschen Audiokommentar merkt. Ich finde es jedoch dreist von Splendid Film, bei den Angaben vom Bonusmaterial Uwe Boll als Special Guest aufzuführen, wenn der nur in den letzten beiden Minuten des Kommentars anwesend ist. Da habe ich mich auf sehr viel mehr gefreut. Unterm Strich bleibt Alone in the Dark 2 also ein Film, den sich Fans wohl anschauen können. Alle anderen Filmfanatiker greifen lieber zu anderen Horrorfilmen.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alone in the Dark 2: Das Böse ist zurück!