Review: Doomsday Book

Es ist schwierig, Doomsday Book einem Genre zu zuordnen, denn der Film unterteilt sich in drei verschiedene Episoden, die allesamt sehr unterschiedliche Emotionen bei uns hervorrufen oder gar gesellschaftskritisch die Lebensweise von uns Menschen hinterfragen wollen.

Im ersten Kapitel des Films (A Brave New World) sieht sich die Menschheit nämlich einem tödlichen Virus gegenüber. Dieser entsteht kurioserweise durch wiederverwertete Essensreste, die in unserer Gesellschaft meist weggeschmissen werden und danach zu Tiernahrung für die Massentierhaltung verarbeitet werden. Der junge Laborant Suk-woo ist das erste Opfer, denn als er eines Tages mit seiner Freundin in einem Restaurant essen geht, infiziert er sich durch gegessenes Rindfleisch und läuft später am Abend blau an, als er von zwei Rowdys vor seiner Freundin erniedrigt wird. Anschließend ist der Prozess jedoch nicht mehr aufzuhalten, denn das Virus verbreitet sich über die Luft und schon bald steht die Zivilisation in Südkorea vor dem Untergang. Die Schuld am Debakel wird, wie könnte es auch nicht anders sein, natürlich dem kommunistischen Norden zugeschoben. Panik und Gewalt geben sich die Klinke in die Hand. Das zweite Kapitel (The Heavenly Creature) befasst sich mit einer möglichen Zukunftsvision der Menschheit. Diese entwickelt sich auf der einen Seite mental zurück und lässt anfallende Arbeiten auf der anderen Seiten von Robotern verrichten. Dieses Kapitel ist jedoch eindeutig an Alex Proyas’ I, Robot angelehnt, da die Hauptfigur dem amerikanischen Vorbild ähnelt und auch hier ein Roboter seine Intelligenz über die seines Schöpfers stellen will.

Krönung der Schöpfung

Der Versuch aus seiner vorprogrammierten künstlichen Intelligenz auszubrechen gelingt – es entsteht intelligentes Leben, welches nach Star-Trek-Ideologie nicht vernichtet werden darf, doch Pak Do-won, der zuständige Wartungsingenieur sieht das anders. Höchstpersönlich reist der Firmenchef an, um die Urteilsverstreckung im Tempel, wo der Roboter passender Weise die Erleuchtung gefunden hat, zu verkünden. Durch ein Ereignis der vergangenen Nacht, dass eine Frau ihren Roboterhund von Pak Do-won repariert haben wollte und ihn danach einfach weggeschmissen hat, zeigt ihm, wie wichtig jedes Leben ist und schützt den Roboter. Jedoch erkennt dieser, dass die Situation ausweglos ist und schaltet sich selbst ab. Dadurch wird sehr gut ausgedrückt, wie Menschen andere Menschen zum Selbstmord zwingen können. Happy Birthday ist das letzte der drei Kapitel, in welches sich Doomsday Book aufteilt. Ein Mädchen zerstört versehentlich eine Billardkugel ihres Vaters und sucht daraufhin im Internet nach dem Ersatz. Sie findet ihn auch, jedoch wird die Kugel nicht geliefert. Sie gerät in Vergessenheit, die Zeit verrinnt und zwei Jahre später steht die Welt vor dem Abgrund. Ein riesiger Komet in Form einer Kugel rast auf die Erde zu. Min-seo erkennt, dass es genau jene Kugel ist, die sie vor zwei Jahren im Internet bestellt hat – die Möglichkeit des Unwahrscheinlichen eben.

Unvollkommene Menschheit

Das letzte Kapitel ähnelt übrigens nur in seinen Grundzügen dem, was man schon Jahre zuvor in Filmen wie Armageddon – Das jüngste Gericht gesehen hat. Die Ausweglosigkeit wird sehr witzig und übertrieben dargestellt, beweist jedoch sehr gut ein Gefühl der Gleichgültigkeit in alles entscheidenden Momenten. Alle drei Kapitel funktionieren also unabhängig voneinander und könnten theoretisch auch einzeln angesehen werden, doch das lässt die Struktur des Films nicht zu. So wird man 114 Minuten lang sowohl in die Abgründe, als auch in die Schwächen und Stärken eines Menschen eingeführt, amüsiert sich dabei hervorragend und erkennt sogar Makel, an den jeder von uns selbst arbeiten kann. Das Bild wirkt dabei meistens sehr sauber, doch gibt es beim Bild im 16:9-Format hin und wieder unschöne Unschärfen zu sehen. Diese fallen aber nicht spürbar ins Gewicht, denn die deutsche Synchronisation ist sehr gut gelungen – insbesondere im mittleren Teil der Handlung ist die Klarheit der deutschen Sprache deutlich zu erkennen, wenn der Firmenchef zu den Buddhisten und dem Roboter im Tempel spricht. Das koreanische Original ist aber nicht weniger authentisch. Beide Tonspuren liegen in DTS-HD 5.1 Master Audio vor. Das Bonusmaterial fällt leider sehr spärlich aus. So kann man sich den Film extrem verkürzt ansehen oder innerhalb von ein paar Minuten dem Produktionsteam zu hören, welche Intention sie in den Film mehr oder weniger verarbeiten wollten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Das Cover der Blu-ray lässt einen ganz anderen Eindruck erwecken, als der Film an sich es im Endeffekt schafft. Eine durchgehende Handlung erzählt der Film nicht, doch stattdessen sehe ich in Doomsday Book drei einzelne Episoden, die sich allesamt mit ganz besonderen Punkten des Menschlichseins beschäftigen und dazu auch noch gesellschaftskritisch werden. Mit einfachen, humoristischen, interessanten und ungewohnten Mitteln schaffen es die beiden südkoreanischen Regisseure Kim Jee-woon und Yim Pil-sung, einen effektvollen, sowie ereignisreichen und inhaltlich sehenswerten Film auf die Beine zu stellen, den man so noch nicht gesehen hat. Die Storyline der drei Kapitel mag zwar nicht unbedingt jedermanns Sache sein und sie dient auch weniger der Unterhaltung, als viel mehr dem Verständnis, die Kernpunkte des Films beziehungsweise die enthaltene Kritik zu verstehen und sich mit dieser auseinanderzusetzen. Doomsday Book regt mit seiner intelligenten Struktur zum Nachdenken an, uns selbst und die Gesellschaft zu verstehen. Schade nur, dass das Bonusmaterial sehr dürftig ausfällt, denn mit diesem hätte ich mich sehr gerne auseinandergesetzt, um zu erfahren, welche Absichten die beiden Herren mit dem Film gehegt haben. Empfehlenswert ist Jee-woons und Pil-sungs Werk aber dennoch.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Doomsday Book!

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