Review: Stolen

Nicolas Cage war einmal ein angesehener Schauspieler in Hollywood, den jeder Regisseur gerne in seine Filme integriert hat. Heutzutage sind die Angebote für ihn jedoch rar gesät, doch Stolen ist für Nicolas-Cage-Fans wohl gerade deshalb mehr als nur einen Blick wert.

Will Montgomery war einst ein Meisterdieb, der zusammen mit seinen drei Komplizen zehn Millionen Dollar aus einer Bank in New Orleans entwendet hat. Jedoch ging das Unternehmen schief und Montgomery musste selbst vom Tatort mit dem Geld entkommen, doch dabei wird er von der Polizei verhaftet und wandert für ganze acht Jahre ins Gefängnis. Nach dieser Zeit hat sich seine Tochter von ihm abgewandt und einer seiner damaligen Freunde, der beim Bankraub dabei war, ist angeblich mittlerweile verstorben. Vincents Tod wird aber bereits am Tag von Montgomerys Entlassung durch einen Anruf widerlegt, da dieser nur darauf gewartet hat, dass Montgomery aus dem Gefängnis kommt, um seinen Anteil des Geldes aus dem damaligen Raub einzukassieren. Damit sich Montgomery nicht das ganze Geld unter den Nagel reißt, hat Vincent als Versicherung nämlich seine Tochter Alison entführt. Montgomery liegt seine Tochter natürlich sehr am Herzen und würde ohne Umschweife das Lösegeld bezahlen, doch gibt es da nur ein kleines Problem. Will hat das Geld, kurz bevor er geschnappt wurde, verbrannt, um einer höheren Strafe zu entgehen. Vincent glaubt ihm jedoch nicht und so bleibt Montgomery nichts anderes übrig, als erneut auf die schiefe Bahn zu geraten und wieder eine Bank auszurauben. Das FBI denkt zu allem Übel ebenfalls noch, dass das Geld noch existiert und ist ihm auf den Fersen.

Kein Zusammenspiel

Somit steht Montgomery nicht nur unter Druck und muss darauf achtgeben, dass ihm das FBI nicht auf die Schliche kommt, sondern hat für seinen Plan außerdem nur noch zwölf Stunden Zeit, da Vincent Montgomerys Tochter Alison nach Ablauf dieser Frist umbringen will. Der Film versucht durchweg spannend zu sein, liefert auch einige Szenen, wo uns theoretisch der Schweiß von der Stirn herunter läuft, doch wirken einige Szenen dann und wann sehr aufgesetzt. Man möchte Cage gerne glauben, dass er seine Filmtochter retten will, doch bleibt seine emotionale Einstellung fast durchgehend gleich. Bei den Rollen beim FBI sieht es auch nicht sehr viel besser aus. So gibt es für Boston-Legal- und Human-Target-Fans ein längeres Wiedersehen mit Mark Valley, doch auch dieser hat in seinem Leben mindestens zwei bessere Rollen gespielt. Mike Connor Gainey (bekannt als Tom Friendly aus Lost) kann in seiner kurzen Nebenrolle ebenso wenig beisteuern, wie Malin Åkerman, Sami Gayle oder Josh Lucas. Die Besetzung ist zwar durchgehend passend, jedoch funktioniert das Zusammenspiel der Darsteller nicht so wirklich. Schade ist auch, dass man sich für die Rolle des Vincent nicht an Woody Harrelson gewandt hat. Dieser hätte Vincent deutlich mehr Charakter verleihen können.

Tipp für Nicolas-Cage-Fans

Regisseur Simon West wollte aber zumindest, dass alle Schauspieler nach Möglichkeit ihre Stuns selbst ausführen und das merkt man dem Film deutlich an, da die Action-Szenen authentischer wirken. Optisch macht der Film auch einen guten Eindruck, denn das Bild ist fast durchgehend sehr klar. Nur gelegentlich stören unschöne Unschärfeeffekte das Bild im 16:9-Format und in 1080p. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen, denn alle Sprecher verleihen ihren Charakteren genügend Ausdruck, um sie glaubhaft darzustellen. Leider hat Mark Valley nicht seine bekannte Synchronstimme von Torsten Michaelis, was dem Gesamtbild aber natürlich nur in bedingtem Maße schadet. Der Originalton ist natürlich um einiges authentischer. Solltet ihr also des Englischen mächtig sein, dann aktiviert unbedingt diese Tonspur. Notfalls könnt ihr auch wahlweise deutsche oder niederländische Untertitel hinzuschalten. Wenn nach 96 Minuten der Abspann über den Bildschirm geflimmert ist, bleiben immer noch einige Minuten Bonusmaterial. Dieses besteht aus Aufnahmen von hinter den Kulissen, Interviews (unter anderem mit Nicolas Cage und Simon West) und zudem auch noch aus B-Roll-Material. Wirklich aufschlussreich ist dieses aber nicht. Fans von Nicolas Cage werden Stolen sicherlich verschlingen, aber wer einen spannenden Action-Thriller sucht, der greift eventuell doch lieber zu einer Alternative.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Persönliche bevorzuge ich Filme, die nicht auf Gedeih und Verderb mit Effekten und unnötigen Action-Sequenzen ausgestattet sind. Somit trifft Stolen eigentlich genau meinen Geschmack, doch zieht sich hier eine wirklich viel zu einfach gestrickte Handlung über neunzig Minuten und trotz der einen oder anderen guten Idee (zum Beispiel der zweite Bankraub, bei dem einfach mal mehrere Barren Gold geschmolzen werden), kann mich die Story eben nicht so ganz überzeugen. Sie basiert eben auf den typischen Werten, die für einen US-Amerikaner wichtig sind und sich somit wohl in den Hollywood-Einheitsbrei einordnet. Obwohl man sich beim Film ausnahmslos (bis vielleicht auf die Rolle des Vincent) geeignete Schauspieler ausgesucht hat, funktioniert deren Zusammenspiel in meinen Augen nicht wirklich. Sie agieren zu schwach und viel zu wenig miteinander. Nicolas-Cage-Fans, die ihren Helden mittlerweile nur noch in eher durchschnittlichen Filmen sehen können, kommen aber um Stolen nicht herum, denn genau für diese ist der Film sicherlich zugeschnitten.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Stolen!

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