Review: Endless Ocean 2: Der Ruf des Meeres

Zwei Jahre nach Endless Ocean hat sich Nintendo dazu entschlossen, das Franchise mit einem weiteren Teil zu beglücken. Wir sind froh, dass sich Nintendo und Arika dazu entschieden haben, denn Endless Ocean 2: Der Ruf des Meeres übertrifft den Vorgänger enorm.

Handlungsbedingt hat Endless Ocean 2 nur wenig mit seinem Vorgänger gemeinsam. Ob wir abermals denselben Charakter steuern, ist fraglich. Es gibt darauf keine Hinweise, doch da die Spielfigur nach wie vor stumm ist, kann sie uns auch schlecht etwas über ihre Vergangenheit erzählen. Die erste Szene des Spiels nimmt das Ende zwar vorweg, geht jedoch dabei nicht ins Detail. Danach springen wir zurück zum Anfang der Story, die sich diesmal auch so nennen darf. Wir schlüpfen nach wie vor in einen namenlosen Tauchsportler, der einem Tauchservice bei seiner Arbeit unterstützen möchte. Als bei einem unserer Tauchausflüge plötzlich Océanes Anhänger ins Meer stürzt, erklingt ein mysteriöses Geräusch. Später erfahren wir, dass es sich dabei um das Lied des Drachen handelt und auch der Vater unserer Tauchpartnerin war einst auf der Suche nach der Lösung des Rätsels, welches sich hinter dem Lied verbirgt. Dabei kam er jedoch ums Leben, weshalb uns Océanes Großvater Jean-Eric Rouvier davon abhalten will, das Mysterium um das Lied des Drachens zu lösen. Als Océane eines Tages auf eigene Faust das Geheimnis erforschen möchte, haben wir keine andere Wahl und unterstützen sie dabei, das Lied des Drachen zu vervollständigen und zudem auch noch die Wahrheit über den Tod ihres Vaters herauszufinden. Die Reise führt uns dabei rund um den Globus.

Weltreise

Dies ist die erste große Neuerung in Endless Ocean 2, denn während wir im Vorgänger gerade einmal das manauraische Meer unsicher machen durften, dürfen wir jetzt endlich auch andere Ozeane unseres Planeten erkunden. Die Weltreise führt uns jetzt unter anderem zu Nord- und Südpol, an die Ägäis oder auch ans Rote Meer. Die Artenvielfalt ist jetzt deutlich glaubhafter, da die unterschiedlichen Fische, Säugetiere und Vögel nun über den Erdball verteilt sind und nicht mehr auf ein relativ kleines Fleckchen der Erde zusammengepresst werden. Wir stoßen somit in der Arktis auf Eisbären und der Dreipunkt-Preußenfisch lebt im Roten Meer. Um das Bestimmungsbuch, welches mittlerweile mehr als 350 verschiedene Tiere umfasst, zu füllen, müssen wir uns also noch mehr anstrengen. Um die Tiere zu erforschen, reicht es jetzt jedoch, sie einmal anzuklicken beziehungsweise sie zu finden. Nach wie vor können wir zwar Futter verwenden, doch dieses verlangen nur die wenigsten Tiere, beispielsweise Delfine. Sofern wir Freundschaft mit den Säugern schließen wollen, ist dies meist nicht anders möglich. Da das Eiswasser in der Arktis unsere Geschwindigkeit beim Schwimmen verringert, sind wir in der Handlung sogar zwingend darauf angewiesen, uns von einem Delfin mitziehen zu lassen. Das Spektakel hängt jedoch mit einer vermeidbaren Logiklücke zusammen.

Lebenskreislauf

Wir fragen uns allen Ernstes, wie ein Delfin ohne fremde Hilfe innerhalb eines Tages, vom südlichen Pazifik, wo wir ihn gefunden haben, es schafft, die amerikanischen Kontinente zu umschwimmen, um uns an der Nordküste Kanadas zu unterstützen. Hier hätte man dann auch auf elektronische Geräte verweisen können – so stört es die Atmosphäre geringfügig, doch ist das Spiel dadurch natürlich nicht weniger langweilig. Langeweile kommt aufgrund des einen oder anderen gefräßigen Fisches ohnehin nicht auf, denn die Entwickler haben sich die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen und so greift uns der eine oder andere Hai an, wenn wir ihm zunahe kommen. Zitteraale verpassen uns dann auch gerne mal einen Stromschlag. Somit ist Endless Ocean 2 deutlich abwechslungsreicher und auch realistischer, wenn durchgehend auch auf ein funktionierendes Räuber-Beute-Schema verzichtet wird. In einer Szene müssen wir zwar einen Pottwal in die Nähe eines Riesenkalmars locken, der diesen daraufhin angreift und kurzfristig versucht zu verschlingen, doch kindergerecht schafft es der Kalmar zu fliehen. Schade, denn der Kreislauf des Lebens sollte in der natürlichen Form in einer realitätsnahen Simulation unserer Meinung nach schon dargestellt werden. So ist und bleibt das Meeresleben zwar vielfältig, spiegelt aber leider keineswegs die Realität wieder.

Aufgabenvielfalt

Dafür haben die Entwickler an den Möglichkeiten im Meer gefeilt, denn jetzt können wir mit dem Pulsar verletzte Tiere heilen oder wütende Haie besänftigen. Mit dem Multisensor können wir am Meeresboden nun Jagd auf verlorene Schätze machen, diese in unserer Tasche verstauen und später bei Händlerin Nancy schätzen lassen. Nach wie vor lassen sich auch mit dem Unterwasserstift Nachrichten ins Wasser malen und mit der Kamera Fotos machen, mit denen wir ebenfalls Geld beziehungsweise Punkte verdienen können. Auf der Neunerinsel, dem Ausgangspunkt jeglicher Reise, können wir nämlich von Jean-Eric Fotoaufträge für die eine oder andere Fachzeitschrift annehmen und das gesuchte Tier möglichst gut fotografieren. Bei Océane erhalten wir Führungsaufträge, bei denen wir dann eine bestimmte Person durch ein ausgewähltes Territorium leiten und dieser ein bestimmtes Lebewesen präsentieren sollen. Die dadurch verdienten Punkte geben wir bei Nancy für neue Tauchausrüstung aus, die dieses Mal nicht nur kosmetischer Natur sind. Einige Gegenstände verbessern beispielsweise unsere Gegenstände, wie die Sauerstoffflasche oder den Pulsar. Andere Items verschönern hingegen die Neunerinsel oder wir helfen Jean-Eric dabei, sein Privatriff mit verschiedenen Pflanzen in Szene zu setzen. In Endless Ocean 2 gibt es also deutlich mehr zu tun, als im Vorgänger!

Gelungene Fortsetzung

Optisch hat sich zwar nur wenig getan, doch das macht im Falle von Endless Ocean 2 nichts. Die Meere sehen nach wie vor für Nintendo-Wii-Verhältnisse fantastisch aus und die Kulisse an Soundmaterial lässt sich ebenfalls hören. Erkunden wir beispielsweise das untergegangene Valka-Schloss, ertönt das von Celtic Woman gesungene Nella Fantasia. Stellt euch den Song, gepaart mit vielen Fischen, die in einem Gang fröhlich umher schwimmen und durch die dort verbauten Fenstern ein wenig Sonnenlicht fällt, vor. Atmosphärischer geht es für eine Simulation kaum. Schade ist, dass man auf eine MP3-Unterstützung wie beim Vorgänger verzichtet hat. Wir hätten gedacht, dass man jetzt auch noch eine Wiedergabeliste hätte anlegen können, um die Unterwasserausflüge musikalisch eigensinnig zu erleben. Vermutlich rudert Nintendo hier zurück, denn seit 1998 gibt es wegen des Musikformats immer wieder strafrechtliche Lizenzverfahren. An der Steuerung hat sich grundsätzlich nichts verändert, doch hat man das Spiel um eine Classic-Controller-Pro-Steuerungsmethode erweitert. Diese fühlt sich unserer Meinung nach jedoch unfertig an, da der Charakter nur indirekt gesteuert wird, weshalb wir nach wie vor die Bedienung mittels Wii Remote bevorzugen. Mehrspielerfreunde freuen sich über die Unterstützung von Wii Speak, denn so sind die Unterwasserausflüge nicht mehr ganz so trocken. Klasse, denn so und nicht anders muss eine gute Fortsetzung aussehen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Nachdem mich der erste Teil von Endless Ocean überrascht hat, hat mich dessen Nachfolger überzeugt. Entwickler Arika hat an allen Ecken und Enden am Spiel gefeilt und hat die Erfahrung um sinnvolle Verbesserungen erweitert. Endlich greifen mich gelegentlich auch mal Haie an, endlich kann ich genau dorthin schwimmen, wohin ich auch möchte! Wenn denn der Sauerstoff ausreicht, versteht sich. Der Ozean ist in Endless Ocean zwar nach wie vor doch nicht so endlos wie proklamiert, aber es fühlt sich durch die nun mehr natürlichen Grenzen deutlich mehr so an. Obwohl die Spielzeit nicht unbedingt länger ist, als noch beim Vorgänger, ist die Spielzeit in Endless Ocean 2 einfach besser mit Inhalten gefüllt. Nicht nur die Handlung motiviert, sondern auch viele Dinge abseits des Weges. Überall sind Münzen in den Tiefen des Meeres versteckt und überall gibt es seltene Gegenstände zu bergen und dann gibt es noch genügend Aufträge, mit denen ich die Suche nach den Objekten verbinden und zusätzlich Punkte für den R & R Tauchservice verdienen kann. Sollte mir langweilig sein, so kann ich das Spiel auch noch online zu zweit mit einem Freund spielen und mich mit diesem via Wii Speak auch noch unterhalten. An Endless Ocean 2: Der Ruf des Meeres gibt es wirklich nur Kleinigkeiten, wie eine fehlende Sprachausgabe,  die Delfin-Unterstützung oder der nicht simulierte Lebenskreislauf zu bemängeln, doch im Großen und Ganzen kann man mit dem zweiten Teil nichts falsch machen, sofern man sich nicht nur erholen, sondern auch ein wenig Action erleben möchte. Ich hoffe sehr, dass Nintendo und Arika die Serie nicht einstampfen und die Möglichkeiten der kommenden Wii U auszunutzen wird, um ein mögliches Endless Ocean 3 zu realisieren. Wer darauf nicht (möglicherweise vergeblich) warten möchte, sollte spätestens jetzt zugreifen!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Endless Ocean 2: Der Ruf des Meeres!

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